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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Postwesen
In den Verein igtenStaaten von Amerika
(9 212 270 ykm und 62 622 250 E.) zeigt das wun-
derbare Wachstnm dieses Staates sich auch bei dem
P. Die ersten Anfänge gehen bis 1672 zurück; da-
mals richtete Lovelace, Gouverneur der Neuyork-
Kolonie, zuerst eine monatlich einmalige Postverbin-
dung zwischen Neuyork und Boston ein. 1683 legte
William Penn von Philadelphia aus Postverbin-
dungen nach den größern Städten Pennsylvaniens
und Marylands an. 1700 erhielt Oberst Hamilton
in Neujersey die Ermächtigung zu Posteinrichtungen
sür 21 Jahre. 1710 unter der Negierung der Köni-
gin Anna wurde der erste I^tni^ter (^kneral ein-
gesetzt; es ist dies der eigentliche Anfang moderner
Postorganisationen in Amerika. Von 1737 ab war i
Benjamin Franklin längere Zeit Postmeister in
Philadelphia; er hat sich dort vielfach um das P.
Amerikas verdient gemacht. 1801 waren noch 44
Tage erforderlich, um Antwort auf einen Brief aus
Philadelphia nach Nashville in Tennessee zu erhalten;
10 Jahre später noch 30 Tage. Als Osgood General-
postmeister wurde (1790), bestanden nur 75 Post-
ämter in der Union; Ende 1892, also nach 100 Jah-
ren, 68403 Postämter mit 151000 Beamten und
Unterbeamten, und zwar 3340 ?l68iä6iitia,1 p08t
(Me68, weil ihre Vorsteher vom Präsidenten ernannt
werden, und 65 603, bei denen die Besetzung durch
den Generalpostmeister (zur Zeit Bisset) erfolgt. Von
1816 bis 1875 betrug das Porto für einfache Briefe
in der Union 6 Cents innerhalb 30 Meilen Umkreis.
Dann brachte Wickliffe die Taxe auf 5 Cents bis
300 Meilen Entfernung. 1847 wurden Freimarken
eingeführt. Iudge Hall fetzte das Porto auf 3 Cents
bis 3000 Meilen Entfernung herab; 1884 wurde
das Briefporto auf 2 Cents ermäßigt für jede Unze
- 28,3465 ß. Die Vriefbestellung führte man unter
Lincolns Präsidentschaft ein (li-66 äeliver^ 8?8t6m);
1889 wurden schon 1803 Mill. Sendungen in 401
Orten, je mit mindestens 10000 E., bestellt. Am
l. Juni 1893 gab es 610 Postämter mit gebühren-
freier Briefbestellung. Rund 7027 Mill. Sendungen
wurden in den Bahnposten (ti-HVLilin^ ofiie68) auf
Eisenbahnen während der Fahrt bearbeitet. 1889
verkaufte die Postverwaltung der Union 2818,5 Mill.
Stück Freimarken im Werte von rund 53 Mill. Doll.
Über 14 Mill. Briefe wurden zur Einschreibung ein-
geliefert, 127 Mill. Doll. auf inländische Postanwei-
sungen (in0N6)l 0i'ä6r8) und 16 Mill. Doll. auf inter-
nationale Postanweisungen eingezahlt. Das Post-
liniennetz umfaßt 453 832 engl. Meilen. Die Ein-
nahme betrug (30. Juni 1893) 75 896 933 Doll., die
Ausgabe 81074104 Doll., mithin 5177171 Doll.
Fehlbetrag. Das Deficit hat seinen Grund teils in
den großen Kosten der langgestreckten Landpostlinien
und der überseeischen Postturse, teils in der Herab-
setzung des internen Portos von 3 auf 2 Cents für
die Unze und in der Ermäßigung der Einschreib-
gebühr von 10 auf 8 Cents. Die Verwaltung geht
aber bereits mit dem Plane um, das Porto auf
1. Cent in der Union zu ermäßigen.
Canada (7990733 ykin und 4832679 E.), mit
den Provinzen Ontario, Quebec, Neuschottland,
Neubraunschweig, Prinz - Eduard - Insel, Britisch-
Columbia, Manitoba und den Nordwestterritorien,
hatte (30. Juni 1893) 8477 Postanstalten, durch die
eine recht beträchtliche Versendungsziffer im Vrief-
beförderungsdienst (155930723 gegen 148860000
im vorhergegangenen Jahre) festgestellt worden ist.
Die Taxe für Briefe beträgt 2 Cents für jede Unze --
28,3465 g. Die Briefe (i6tt6i-3) müssen wenigstens
teilweise frankiert sein; unfrankierte Briefe werden
nicht befördert. Postkarten (po8t carä8) 1 Cent,
Zeitungen (ne^LMiisi^) und Zeitschriften, deren
Ausgabe mindestens einmal monatlich erfolgt und
die in Canada erscheinen und vom Vn^M oder
von Zeitungshändlern an regelmüßige Vezicber in
Canada gerichtet sind, werden portofrei befördert.
Zeitungen, die seltener als einmal monatlich er-
scheinen und an regelmäßige Bezieher gerichtet sind,
unterliegen dagegen einer Taxe von 1 Cent für jedes
Pfnnd. Sonstige Drucksachen sind bis zum Gewicht
von 5 engl. Pfund zulässig; Taxe 1 Cent sür jede
4 Unzen; einer gleichen Taxe unterliegen die Waren-
proben (i)att6i-ii8), die aber nur bis zum Höchst-
gewicht von 24 Unzen zulässig sind. Die Zahl der
Postpakete ist noch eine mähige, dagegen steigt der
Postanweisungsverkehr in erfreulicher Weise. Wäh-
rend Canada noch vor acht Jahren nur mit vier
fremden Ländern einen Postanweisungsaustausch
unterhielt, steht es jetzt mit nicht weniger als 73
fremden Ländern und mit den brit. Kolonien in einem
solchen Austausch. In einer andauernden Steige-
rung sind auch die Geschäfte des Postjparkassen-
betriebes begriffen, so daß in sechs Provinzen nach
Vereinbarung mit der Regierung des Dominiums
Canada die Aufhebung der Regierungssparkassen
und die Übertragung der Sparcontos auf die Post-
sparkassen erfolgt ist. Das finanzielle Ergebnis stellte
sich auf 2984222 Doll. Einnahme und 3 746040
Doll. Ausgabe, mithin auf 761818 Doll. Ausfall.
Mexiko (1946523 ^m und 11980205 E.) hat
fein P. seit 1884 vollständig reformiert. 1883 trat
ein neues Taxgesetz in Kraft, das den inländischen
Portosatz von 25 Centavos ^ 1 M. auf 5 Centavos
^ 20 Pfg. für je 15 F herabsetzte. Es war dies einer
der segensreichen Erfolge des Weltpostvereins. Die
Zahl der Postanstalten betrug 1885: 975 Postämter
und Postagenturen und stieg bis (1890) auf 1276.
Die Zahl der Postsendungen stieg von 8 373 931
im 1.1882 auf 95852939 in den 1.1889-90. Die
Gesamtausgaben vermehrten sich infolge der Ver-
besserungen allerdings auf 1092 881 Pesos (1889/90),
so daß noch ein Deficit von rund 82 000 Pesos besteht.
Man hofft jedoch von dem Steigen des Verkehrs auf
baldige Beseitigung des Ausfalls.
InBrasilien (8337218 ^m und 14002335 E.)
wird das P. von einer Generaldirektion (Oirectorio
Ooi-Hi äos Oori-6i08) geleitet, die in der Bundes-
hauptstadt Rio de Janeiro ihren Sitz hat und eine
Abteilung des Ministeriums für den öffentlichen
Unterricht, die Posten und Telegraphie bildet. In
der Hauptstadt eines jeden Bundesstaates besteht
ein Hauptpostamt, dem die Postagcnturen (^Fen-
eiH8) unmittelbar unterstellt sind. Letztere zerfallen
in vier Klassen, je nach der Posteinnahme und der
Einwohnerzahl des betreffenden Ortes. Das Poft-
monopol erstreckt sich auf die Beförderung von
Briefen jeder Art, welche zwischen Orten mit regel-
mäßigem Postdienst ausgetauscht werden. Die Taxen
sind folgende: 100 Reis ^ 22,9 Pf. für Briefe bis
15 F, für Kartenbriefe (cart3.8 di1d6t68) 80 Reis,
Postkarten (di1Ii6t68 p08ta63) einfache 40 und Post-
karte mit Antwort 80 Reis, für Zeitungen Hornig
6 outroZ p6ri0äic08) 10 Reis für jede 100 3, für
andere Drucksachen (impi-08808) 20 Rei's für jede
50 F, für Gcschäftspapiere (iu3.nu8cript08) 50 Re'is
für jede 50 3 und Warenproben (am08ti-H8 äe in6r>
ckäori^) 100 Reis für jede 50 3. Postlagersendun-