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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pragel - Praguerie
Pragel, Paß (1543 m) der Sihlgruppe in den
Glarner Alpen, der das Muotathal im schweiz.
Kanton Schwyz mit dem Klönthal in Glarus ver-
bindet. Der Bau einer Straße ist geplant. Vom
27. bis 30. Sept. 1799 kämpften hier die Nüssen
unter Suworow und die Franzosen unter Molitor.
Prägen, im allgemeinen das Verfahren, einem
Körper aus geschmeidigem Material durch Druck
oder Stoß eine bestimmte Gestalt zu geben, sofern es
mittels einer Maschine (Prägmaschine, Präg-
stock, Prägpresse oder Prägwerk) und mittels
entsprechend gravierter stählerner Formen (Präg-
stempel) geschieht. In den meisten Fällen, wie in
der Münztechnik (s. Münze, Bd. 12, S. 85 d) und
der Buchbinderei (s. d., Bd. 3, S. 652 a), liegt dem
P. die Absicht zu Grunde, auf stachen Gegenständen
Reliefzeichnungen, Aufschriften u. dgl. hervorzu-
bringen; doch erzeugt man durch P. auch die ganze
Gestalt eines Gegenstandes, wie Gabeln, Eßlöffel,
Gardinenhalter u. s. w.
In alter Zeit geschah das P. in der Weise, daß
man den untern Stempel auf einem Blocke fest-
fti'l/te und auf den mit der Hand gehaltenen Ober-
stempel mit einem Hammer schlug; dieses Verfahren
brauchte viel Zeit und lieferte eine schlechte Prä-
gung. Daß man später den Oberstempel mit seinem
Stiel schieberartig in einer Führung auf und nie-
der gehen ließ (bei dem sog. Klipp werk), konnte
wohl das P. etwas bequemer machen, das Erzeug-
nis aber nicht verbessern. Die erste wirkliche Präg-
maschine in der Form der Valancierpresse (s. d.)
soll bereits 1558 in Frankreich gebraucht, nach an-
dern erst Ende des 17. Jahrh, erfunden worden sein.
Selbst in seinem vollkommensten Zustande hat die-
ses Stohwerk für das P. von Münzen fühlbare
Mängel; es nimmt wegen der Kreisbewegung sei-
nes langen Schwengels einen großen Raum in An-
spruch, erfordert viel Menschenhände und erzeugt
bei seinem Gange erschütternde Stöße, ist jedoch
noch jetzt in der Vlechbcarbeitung (s. d.) gebräuch-
lich. Man strebte nach Prägwerken, welche bei ge-
ringem Raumbedarf leicht in Verbindung mit einem
Motor gesetzt werden konnten und durch Druck (nicht
durch Stoß) das P. bewirken. Als besonders geeig-
net zur Erzeugung des erforderlichen hohen Druckes
erwies sich der Kniehebel. Das erste Prägwerk mit
Kniehebel ist von Nevedomski zu Petersburg erfun-
den worden, aber zu keiner großen Verbreitung ge-
langt. Größern Erfolg hatte eine von Uhlhorn in
Grevenbroich ausgeführte Prägmaschine, die jetzt
überall eingeführt ist. (S. Münze, Bd. 11, S. 851>.)
Prager Hriede, s. Prag (S. 353).
Prager Kompaktaten, s. Baseler Konzil und
Hussiten.
Prägeschatz, s. Münze (Vd. 12, S. 84a).
Prägmafchine, s. Prägen und Münze (Bd. 12,
S. 85d).
Pragmatisch (vom grch. pi^Fina., Handlung,
Geschäft, Sache), sachlich, der Geschäftskunde ge-
mäß, in Geschäften gewandt, erfahren; man spricht
demnach von einem pragmatischen Kopfe,
einem pragmatischen Genie und von prag-
matischen Regeln, d. h. Regeln der Klugheit.
Eine besondere Bedeutung erhält das Wort in der
Geschichtschreibung, wo man diejenige Darstellungs-
weise, welche die Begebenheiten nach ihrem ursach-
lichen Zusammenhang entwickelt, die pragmatische
Darstellung (den historischen Pragmatismus)
nennt. (S. Geschichte.) Eine Dien st Pragmatik
ist eine Verordnung, welche die Regeln für den staat-
lichen Verwaltungsdienst enthält.
Pragmatische Sanktion (8anctio pra^ma
ticil), ein Staatsgrundaesetz, das unverletzlich sein
und für ewiße Zeüen in Kraft bleiben soll. Die wick
tigste derartiger Urkunden ist das Geietz, durch wel
ches Kaiser Karl VI., da er ohne männliche Nachkom
men war, die Nachfolge unter seinen weiblichen Nach'
kommen ordnete. Dies Gesetz wurde von Karl VI. be-
reits 19. April 1713 als Hausgesetz erlassen, aber
später den Landtagen aller österr. Länder vorgelegt.
Von den Stünden Niederösterreichs und Böhmens
wurde es 1720, vom ungar. Landtage, unter Ver-
wahrung der ungar. Verfassungsrechte, 1722, von
den übngen Landtagen in den I. bis 1724 ange-
nommen und darauf 6. Dez. 1724 als Grundgesetz
verkündet. In dem Gesetz war bestimmt, daß die
gesamten österr. Staaten für immer ungeteilt bei-
sammen bleiben und zunächst auf die männlichen
Nachkommen des regierenden Kaisers, in deren Er-
mangelung auf seine weiblichen Nachkommen, bei
deren Abgang auf die Töchter seines Bruders Jo-
seph und deren männliche und weibliche Nachkom-
menschaft , jederzeit nach dem Rechte der Erstgeburt
übergehen sollten. (S. Deutschland und Deutsches
Reich, Vd. 5, S. 181 d, und Österreichisch-Ungarische
Monarchie, Bd. 12, S. 721a und 730a.)
Zu nennen ist ferner die von Karl VII. von Frank-
reich 1438 zu Vourges nach den Beschlüssen des
Baseler Konzils gegebene P. S., auf welcher die
Freiheit der Gallikanischm Kirche (s. d.) beruhte;
ebenso die P. S. des Deutschen Reichstags zu Mainz
von 1439 zur Annahme derselben Beschlüsse; endlich
auch die P. S., die Karl III. von Spanien erließ, als
er 1759 den Thron beider Sicilien seinem dritten
Sohn und dessen Nachkommen abtrat.
Prägnant (lat., "schwanger"), bedeutungsvoll,
inhaltsschwer, bündig, besonders gebraucht für
einen Ausdruck, der in einem übertragenen, die
gewöhnliche Bedeutung gleichsam potenzierenden
Sinne angewendet wird; Prägnanz, Gedanken-
reichtum, Vegriffsfülle.
Prägpresfe, s. Prägen, ferner Vlcchbearbeitung
(Bd. 3, S. 105 d) und Münze (Bd. 12, S. 85d).
Prägravieren (lat), überbürden; davon das
Substantiv Prägravation.
Prags, Gemeinde im Gerichtsbezirk Welsberg
der österr. Bezirkshauptmannschaft Bruneck in Tirol,
imPragserThale, einem Seitenthals des Puster-
thals, hat (1890) 618 E. Das Pragser Thal mün-
d.et bei Gassen in das Rienzthal. Bis zur Teilung
in den westl. Arm (Inner-Pragser Thal) und in
den südlichen (Alt-Pragser Thal) heißt es Außer-
PragserThal. Das erstere führt zu dem grünen,
am Fuße des Roßkofls (2588 m) und Seekofls
(2810 m) in 1479 in Höhe gelegenen Pragser
Wildsee. In demselben Thalzweige liegt das
Bad Neu-Prags oder Mögelbad (1325 m).
- Vgl. Alt-Prags bei Niederdorf im Pusterthale
(Wien 1884).
Prägstempel, Prägstock, s. Prägen.
Praguerie (frz., spr.'prag'rih), der Aufstand der
franz. Großen 1440 gegen Karl VII., der durch die
1439 organisierte Errichtung eines stehenden Heers
(s. Ordonnanzcompagnien) in die Vorrechte des
hohen Adels eingegriffen hatte; die Opposition, zu
der auch der Dauphin (der spätere Ludwig XI-)ge-
hörte, wurde durch Karls Energie nach lechs Mo-
naten unterdrückt. Der Name kam von den Prager