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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Prägwerk - Prähistorische Thongefäße
Kussitengreueln 1419, mit denen das Volk diese
Nebellion verglich.
Prägwerk, s. Prägen und Münze lVd. 12, S.
85 d). Mte (s. d.).
Prah oder Busum Prah, Fluß an der Gold-
Praha, czech. Name von Prag.
Prähistorie (nculat.), Vorgeschichte, Urgeschichte
(s< d.)', prähistorisch, vorgeschichtlich.
Prähistorische Thongefäße, Thongefäße aus
prähistor. Zeit, sind vor allem für chronolog. und
geogr. Bestimmungen von größtem Wert. Sie sind
immer als Produkte einer ganz lokalen Industrie
aufzufassen, während die Bronzen und die übrigen
Metallwaren oft aus so weit entlegenen Ländern
durch den Handelsverkehr nach dem Norden gelang-
ten, daß man noch heute häufig über ihre Heimat
im Unklaren ist. Die P.T. sind entweder 1) Urnen,
die mit den vom Leichenbrand übriggebliebenen ver-
brannten, verkalkten Knochen in der Erde beigesetzt
sind, oder 2) sog. Beigefähe, die entweder mit
Speiseresten und andern Libationen gefüllt oder auch
ganz leer als eine Art von Liebesgaben mit ins
Grab gelegt wurden, und 3) Gefäße zum Haus-
gebrauch, wie sie, wenn auch meist zerbrochen, in
alten Ansiedelungen, Burgwällen u. s. w. gefunden
werden. Die Veigefäße in den Gräbern sind meist
kleiner und sehr oft feiner und zierlicher gearbeitet
als die Urnen; sonst dürfte eine absichtliche Unter-
scheidung zwischen den drei Arten in früherer Zeit
nicht bestanden haben, denn man findet in der Zeit
des Leichenbrandes sehr oft dieselben Formen und
Ornamente bei Urnen, bei Veigefäßen und in den
Thonwaren auf alten Ansiedelungsplätzen wieder.
Aus der ältesten Steinzeit will man hier und da
in Höhlen, ferner in den Ablagerungen des Somme-
thals und in den Kjökkenmöddingern Skandinaviens
ganz vereinzelte und sehr rohe Thonscherben gefun-
den haben, die von Gefäßen des praktischen Haus-
gebrauchs herrühren. Sie sind wenig gebrannt, sehr
einfach napfartig oder kugelig geformt und meist in
der Weise hergestellt, daß man dünne Thonstreifen
in Kreisform übereinanderlegte, diese aneinander-
drückte und dann trocknen ließ oder dem Feuer aus-
setzte. Erst in der Düngern Steinzeit treten sicher
P. T. von feinerer Arbeit und in größerer Menge
auf. Es sind meist in Skelettgräbern gefundene Bei-
gcfäße, die mit Speiseresten gefüllt waren. Sie zeigen
sehr verschiedene Formen, von zierlichen Bechern,
Schalen, weit ausgebauchten Flaschen mit engen
Hälsen und Näpfen u. s. w., oft mehrere und ziemlich
massive Henkel (s. Tafel: Urgeschichten, Fig. 12),
ferner tief eingedrückte oder eingestochene Orna-
mente, die zuweilen mit weißer kreideartiger Masse
ausgelegt sind. Von den Ornamenten ist ferner für
diese Zeit das Schnurornament charakteristisch, das
in der Weise hergestellt wurde, daß man kleine zu-
sammengedrehte Schnüre auf den noch weichen Thon
eindrückte und so verschiedenartige Muster herstellte
(s. Taf. I, Fig. 6 u. 8). Der Brand ist während
dieser Periode oft besser als in der darauf folgenden
Metallzeit; aber der Thon ist, wie in allen P. T.,
meist mit zahlreichen Quarzkörnern untermischt,
vielleicht um ihm mehr Halt und Festigkeit zu geben,
zum Teil vielleicht aber "auch nur deshalb, weil man
das Material nicht so sorgfältig zu reinigen ver-
stand. Auch die Farbe ist überall eine ungefähr
gleiche, braun oder grau in den verschiedensten
Auancierungen. Erst in späterer Zeit kommen be-
malte oder glänzend schwarze Thongefäße vor.
Während der Bronzezeit und der ersten
Eisenzeit, d. h. Hallstätter und La Töne-Zeit, sind
die Urnen zuerst zum Teil ziemlich plump und roh,
mit kleiner Standfläche, in der Mitte mehr oder
weniger stark ausgebaucht und nach oben sich etwas
verengend. Der Brand ist durchweg schlecht. Die
Ornamente bestehen in unregelmäßig oder zu ver-
schiedenen Mustern geordneten eingeritzten oder ein-
gefurchten Linien (Taf. IV, Fig. 1 u. 2), kleinen
runden Vertiefungen, Fingernageleindrücken u. s. w.;
ebenso bei den Beigefähen, die jedoch in vielen
Gegenden, wie z.V. im westl.Deutschland, so gut
wie vollständig fehlen. Die vollkommenste Technik
zeigen während dieser Zeit einige Gruppen, beson-
ders im mittlern und östl. Deutschland, die man
früher unter dem Kollektivnamen Lausitzer Typus
(s. d.) zusammenfaßte. Die prachtvollen Vuckelurnen
(s. Taf. III, Fig. 17), die Mannigfaltigkeit der übri-
gen Gefäßformen (Hausurnen und Gesichtsurnen,
s. Taf. IV, Fig. 9-12) und der Ornamente, wie be-
jonders die Kannelierungen und Schraffierungen,
zeigen eine Technik, eine Formvollendung und Accu-
ratesse, wie sie in der Keramik während der ganzen
Vorzeit fast einzig dastehen. Trotzdem sind auch
jetzt noch die Gefäße ausnahmslos ohne Scheibe
mit der bloßen Hand hergestellt. Ebenso kannte
man natürlich noch keine Glasur, aber man verstand
doch einzelnen Prachtexemplaren einen solchen glat-
ten und glänzenden Überzug zu geben, daß sie fast
wie glasiert ausfehen. Auch Bemalungen mit roten,
schwarzen und weißen Farben und Graphitüberzüge
kommen nicht selten vor. Charakteristisch für diefe
Gruppen im östl. Deutschland ist die große Zahl
von Veigefaßen, von denen man oft 4, 5,10, ja
sogar bis 30 in einem einzigen Grabe findet. Diese
Blütezeit der Keramik, deren schönste und reinste
Typen wohl die Niederlausitz aufzuweisen hat,
dauerte jedoch nur wenige Jahrhunderte, während
der letzten Bronzezeit bis in den Anfang der Eifen-
zeit. Auch in der Niederlausitz werden die Gefäße
während der letzten Jahrhunderte v. Chr. schon
wieder bedeutend roher und plumper, oder, wenn
Ornamente vorkommen, sind sie bei weitem nicht
mehr so fein und sorgfältig hergestellt wie früher.
Hervorzuheben sind dann auch während der Bronze-
zeit die Gefäße in den Schweizer Pfahlbauten, die
sich oft durch sehr feine Ornamentik, gestrichelte und
punktierte Muster, Graphitüberzüge und Vemalun-
gen auszeichnen, und schließlich viele Urnen aus
süddeutschen Hügelgräbern der Hallstätter Zeit, wo
neben der Vemalung besonders die sog. Punktkreise
eine große Nolle in der Verzierung bilden.
Außerordentlich verschieden ist die Größe der
Thongefäße in diefer ganzen vorröm. Metallzeit.
Es giebt Urnen, die 2 m Umfang haben und eine
Höhe von W-80 cm, und Beigefüße, die nur2-4cm
hoch sind; dazwischen sind alle Größen vertreten.
Ebenso sind die Henkel bald sehr groß und plump
und oft wieder fo klein, selbst an größern Gefäßen,
daß man nur eine Schnur hindurchziehen kann und
sie nur zur Verzierung angebracht zu fein fcheinen
(s. Taf. IV, Fig. 3).
Während der römischen Zeit verschwinden die
Beigcfäße in den gcrman. Gräberfeldern fast voll-
ständig. Unter den Ornamenten, die aber im all-
! gemeinen nicht sehr häusig vorkommen, sind die
mit einem radartigen Instrument eingedrückten am
charakteristischsten. Besonders die glänzend schwar-
zen Urnen dieser Periode zeigen oft zickzackartige
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