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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Prämortal - Präparand
PrämonstratenserchorfrauenindenselbenKlö-
stern wie die Männer, nur durch eine Mauer getrennt,
gelebt hatten. Der Abt des Stammklosters Prömontre^
bei Coucy führte den Titel General und bildete mit
drei andern franz. Prämonstratenseräbten den Hohen
Nat der Väter des Ordens. In der Neformations-
zeit gingen viele Klöster des Ordens ein. Um die
verfallene Klosterzucht herzustellen, vereinigten sich
1573 die Klöster in Spanien zu einer noch strengern
Observanz; doch blieben sie mit den Klöstern von
der gemeinen Observanz in Ordensgemeinschaft, die
1630 durch neue Statuten für alle Klöster beider
Gattungen befestigt wurde. Gegenwärtig hat der
Orden nur noch wenige Klöster, namentlich in Polen
und den österr. Staaten, besonders in Böhmen.
Die Tracht der P. ist weiß und besteht aus Tunika,
Skapulier und viereckigem Barett, darüber im Chor
ein Weihes Chorhemd und auf der Straße ein weißer
Mantel und breitkrempiger Weiher Hut. - Vgl.
Winter, Die P. des 12. Jahrh. (Berl. 1865).
Prämortal (neulat.), dem Tode vorhergehend,
z. B. prämortale Temperatursteigerung, die Stei-
gerung der Körperwärme über 42° (). hinaus
(s. Fieber, Bd. 6, S. 776 a).
Pranckh, Siegmund, Freiherr von, bayr. Ge-
neral der Infanterie, geb. 5. Dez. 1821 zu Altötting
in Oberbayern, trat 1840 aus dem Kadettenkorps
zu München in die Armee, ward 1849 Hauptmann
im General-Quartiermeisterstab und blieb bis 1863
im Kriegsministerium, worauf er als Oberst zuerst
in das 3. Infanterie- und dann 1865 in das In-
fanterie-Leibregiment kam, mit dem er 10. Juli
1866 im Treffen bei Kissingen das Dorf Nüdlingen
stürmte. Kurz darauf Kriegsminister geworden, er-
warb sich P. in dieser Stellung hervorragende Ver-
dienste um die Reorganisation der Armee 1868 und
1872, sowie um den Abschluß der Versailler Ver-
träge 23. Nov. 1870. Am 4. April 1875 wurde P.
auf sein Ansuchen von der Leitung des Kriegs-
ministeriums enthoben und 1876 zum General-
tapitän der Leibgarde der Hartschiere ernannt. Er
starb als solcher 8. Mai 1888 zu München.
Präneste, Stadt in Latium, s. Palestrina.
Pränestinus, Beiname von G. P. da Pale-
strina (s. d.).
Prangen, soviel wie Segel pressen (s. Pressen).
Pranger oder Schandpfahl (lat. palug wla,-
mang, QUM6II3.; engl. pilior^) nennt man den stei-
nernen oder hölzernen Pfahl, an welchem Verbre-
cher nach gerichtlichem Urteil durch den Gerichtsfron
oder gar den Henker zur Schau gestellt und der
öffentlichen Beschämung preisgegeben werden. Die
Prangerstrafe hatte sonst mancherlei Grade und
örtliche Formen, war auch häufig mit Auspeitschen
verbunden. Sie zählte zu den sog. beschimpfenden
und darum grundsätzlich verwerflichen Strafen.
Prangins (spr. prangschäng), Dorf im Bezirk
Nyon (Neuß) des schweiz. Kantons Waadt, am
Genfer See, hat (1888) 726 E., Kirche, großes
Schloß, jetzt Knabenerziehungsanstalt der evang.
Brüdergemeine; Feld- und Weinbau. Die in der
Nähe gelegene Villa La Vergerie war Eigentum
des Prinzen Ie'röme Napoleon und enthält auf die
Familie Bonaparte bezügliche Gemälde, Merk-
würdigkeiten u. s. w.
Pranken, Pranten, s. Vranken.
?r2.Vnönien (lat.), Vorname.
Prantl, Karl von, Philosoph, geb. 28. Jan.
1820 in Landsberg am Lech, studierte in München
und Berlin und habilitierte sich 1843 an der Mün-
chener Universität, wo er 1847 außerord. und 1859
ord. Professor der Philosophie wurde. Er starb
14. Sept. 1888 in Oberstdorf. Außer Übersetzungen
einiger Dialoge Platos und einer Übersicht der
griech.-röm. Philosophie (Stuttg. 1854) veröffent-
lichte er eine Ausgabe der Schrift des Aristo-
teles über die Farben (Münch. 1849) und in der
Engelmannschen Sammlung die "Physik des Aristo-
teles" (Lpz. 1854) und desselben "Bücher über das
Himmelsgebäude und über Entstehen und Vergehen"
(ebd. 1857), ferner "Die gegenwärtige Aufgabe der
Philosophie" (Münch. 1852) und noch einige andere
philos. Schriften. Sein Hauptwerk ist: "Geschichte
der Logik im Abendlande" (Bd. 1-4, Lpz. 1855-
70). Auch verfaßte er eine "Geschichte der Ludwig-
Marimilians-Universität in Ingolstadt, Landshut,
München" (2Vde.,Münch.1872). Von seinen kleinern
Schriften sind zu nennen: "Die Philosophie in den
Sprichwörtern" (Münch. 1858), "Michael Psellus
und Petrus Hispanus" (Lpz. 1867), "Verstehen und
Beurteilen" (Münch. 1877).
Pränumerando (neulat.), durch Vorausbezah-
lung, nämlich vor Empfang der Gegenleistung, im
Gegensatz zu postnumerando, der Zahlung nach
Empfang, und zu der Erfüllung Zug um Zug, wo
Leistung und Gegenleistung gegeneinander ausge-
tauscht werden.
Pränumeration (neulat.), Vorausbezahlung
(s. Pränumerando). Staats- und Gemeindebeamte
beziehen das Gehalt regelmäßig bei Beginn des
Quartals oder des Monats. Bei gegenseitigen Ver-
trägen (s. Doppelseitige Schuldverhältnisse) ist Lei-
stung Zug um Zug gesetzliche Negel. Bei der Miete,
der Pacht, der Dienstmiete (s. d.) braucht nur post-
numerando gezahlt zu werden, doch kann etwas
anderes verabredet sein, was häufig geschieht. Wird
demnächst der Empfänger durch einen Zufall von
seiner Schuld befreit, ohne daß der Zahlende die
Gefahr (s. d.) zu traaen hat, so hat er einen Anspruch
auf Rückzahlung. Pränumerationskauf ist der
Gegensatz von Kreditkauf. Bei jenem werden bis-
weilen wie im Buchhandel billigere Preise bewilligt.
Pränumerieren, vorausbezahlen, s. Pränume-
ration. Benommenheit.
Präoccupation (lat.), Vorwegnahme, Vorein-
Präparand (lat., "der Vorzubereitende"), Schü-
ler einer Vorbereitungsschule; Präparanden-
anstalt, Vorbereitungsanstalt zur Aufnahme in
ein Schullehrerseminar. In Sachsen, Oldenburg,
Anhalt, Hamburg sind besondere Präparanden-
anstalten nicht mehr vorhanden; die Seminarien
sind nach unten um 1-2 Klassen erweitert worden
und nehmen ihre Zöglinge fast unmittelbar aus der
Volksschule auf. In Bayern sind vom Staate be-
sondere Präparandenschulen eingenäM (^tz5 37>,
die zum Teil mit Seminarien verbunden sind, zum
Teil wenigstens in gleichen Orten mit denselben sich
befinden und vom Seminarinspektor mit geleitet
werden, zum Teil jedoch auch vom Seminar unab-
hängig sind; das letztere ist auch in Baden der Fall,
das zwei Präparandenschulen hat. Ähnlich ist es ni
Hessen, wogegen in Württemberg die Ausbildung
von P. Privatsache einzelner tüchtiger Lehrer ist. In
Preußen bestehen über 30 staatliche Präparanden-
anstalten. Seit 1888 berechtigt die Abgangsprü-
fung an einer staatlichen Prüparandenanstalt, zu der
auch andere Bewerber zulässig sind, zum Eintritt ins
Seminar ohne besondere Aufnahmeprüfung.