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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pronunciamento - Propellerschraube
Pronunciamento (span. pronunciamienw),
eine öffentliche aufrührerische Kundgebung gegen
die Negierung.
Pronunciation (lat.), Aussprache.
Pronyscher Zaum, s. Dynamometer.
Proömium (grch. prooimion, "Vorgesang"), bei
den ältern GrieHen Bezeichnung der Homerischen
Hymnen (s. Homer), weil sie vor der Necitation epi-
scher Lieder vorgetragen wurden, später Vorspiel,
Eingang einer Rede oder eines Gedichts, Vorrede
einer Schrift, so auch im Lateinischen gebraucht.
Propädeutik (grch., d. i. Vorbereitung oder
Vorübung), der als Einleitung in eine Wissenschaft
dienende Unterricht;propädeutisch, vorbereitend.
Propaganda (lat.), abgekürzte Bezeichnung für
die ^ou^i'e^lUio caräiuklium äs plop3.Fauäa, iiäs
in Nom sowie für deren kirchenrechtliche Wirksam-
keit. Während früher die Arbeit der Bekehrung an
Ketzern wefentlich durch die Mittel des kanonischen
Etrafrechts (Inquisition: inhuiZitio i^si-etioÄk pra-
vitati8) und zwar auf Anregung der Kirche durch
die Staatsgewalt geschah, schuf nach der Reforma-
tion die kath. Kirche ein selbständiges System des
Missionsrechts, unabhängig vom kirchlichen Straf-
recht, welches nicht mehr durchführbar war. Das-
selbe ist konzentriert in der 1^22 von Gregor XV.
gebildeten Kardinalskongregation der P., bestebend
aus 30 Kardinälen und 2 Prälaten, die vom Papst
auf Lebenszeit ernannt werden. Das materielle
Recht besteht in erster Linie in den sog. Fakul-
täten (s. d.). Das gesamte Gebiet des Erdkreises
ist eingeteilt in die Länder des Heiligen Stuhls
(tei-raß 8lmetH6 86äiä) und das Missionsgebiet
(teri-as nn88ioQi8); das letztere steht unter der P.
und es wird dabei nicht unterschieden zwischen
ketzerischem (protestantischem, griechisch-katholischem)
und heidn. Gebiet. Unter der P. stehen als Organe
der Centralleitung des Missionswesens die stän-
digen Nuntien (s. Nuntius). Unter dem Nuntius
arbeiten dann die Bischöfe oder besondern Missions-
organe auf Grund der Fakultäten unter fortwäh-
render Kontrolle der P. Solange die Herstellung
der vollen bischöfl. Verfassung noch nicht thunlich
erscheint, verwalten apostolische Vikare (s. Aposto-
lischer Vikar) die bischöfl. Funktionen und unter
diefen stehen apostolische Präfekten ohne biscköfl.
Charakter zur Zusammenfassung der einzelnen Mis-
sionsstationen. Für die Zwecke der P. bestehen in
Rom eine große Zahl von Lehranstalten sowie zahl-
reiche sonstige Institute, besonders eine für fast alle
Sprachen der Welt eingerichtete Vuchdruckerei. Die
Kongregation versammelt sich wöchentlich einmal in
Gegenwart des Papstes. Ihr Hauptfest begeht fie
6. Jan., wobei die aus den verschiedensten Ländern
gebürtigen Zöglinge des Kollegiums in ihren Lan-
dessprachen Reden halten oder Gedichte deklamieren.
Die in den Anstalten der P. ausgebildeten Zöglinge
empfangen die Weihen auf den titulug 111133101118,
kraft dessen die P. gegen die Verpflichtung zum
lebenslänglichen Missionsdienst den Lebensunter-
halt des Geweihten übernimmt. - Vgl. Mejer,
Die P., ihre Provinzen und ihr Recht (2 Bde.,
Gott. 1852-53): Hinschius, System des kath.
Kirchenrechts, Bd. 2,4 (Berl. 1871-88).
P. heißt dann auch im allgemeinen jede Wirk-
samkeit, die darauf gerichtet ist, für die Ansichten
und Grundsätze einer Vereinigung oder eines ein-
zelnen Anhänger zu gewinnen (P. machen). Über
dieP. derThat f. Anarchismus (Bd. 1, S. 577 a).
Brockhaus' Konvcrsations-Lexilon. 14. Aufl. XIII.
Propagation (lat.), Ausbreitung, Fortpflan-
zung.
Propan, ein gasförmiger Kohlenwasserstoff von
der Zusammensetzung (^11", welcher im Rohpctro-
leum vorkommt und dem "Athan ähnlich ist.
Proparoxytönon (grch.), in der griech. Be-
tonungslehre ein Wort, das den Acutus auf der
drittletzten Silbe hat, z.V.grch. plieroinsn s^^s^v,
"wir tragen").
?ro patria. (lat.), fürs Vaterland.
Propeller, s. Propellerschraube; über Hy-
draulischen Propeller s. d.
Propellerschraube (engl. Lci^-plo^liki", ur-
sprünglich vom lat. pi-op61161-6, forttreiben, fort-
stoßen), Name der Archimedischen Schraube in ihrer
Anwendung als bewegende Kraft bei Dampffchiffen.
Die P. oder derSchraubenpropeller, auch kurz-
weg Propeller genannt, besteht aus zwei, drei oder
vier Flügeln, die, ähnlich wie die Flügel einer Wind-
müble, mit einer Nabe an einer horizontal liegenden
Achse befestigt sind. In der Regel ist die P. an dem
Heck (s. d.) des Schiffs auf einer in der Kielrichtuna
liegenden Welle, die im Innern des Schiffs durch
die Dampfmaschine in drehende Bewegung gesetzt
wird, angebracht. Wenn von einem großen, zwei-
oder dreigängigen Schraubengewinde, das bis auf
die Achse durchgeführt ist, ein kurzes Ende ab-
geschnitten wird, so erhält man dadurch die Ansicht
des Propellers mit den Flügeln. Die Steigung
oder die Höhe des Gewindes dieser Schraube, wo-
von der Propeller ein Abschnitt ist, richtet sich nach
der Geschwindigkeit, die das Schiff erhalten soll.
Als Bedingung für den besten dynamischen Effekt
ist erforderlich, daß die Flügel des Propellers ganz
unter Wasser tauchen. Außerdem ist der Effekt der
P. abhängig von ihrem Durchmesser. Die Physik.
Iirsache für die Fortbewegung des Schiffs durch
diesen Propeller liegt in dem schiefen Drucke der
Flügel gegen das Wasser und gleicht völlig dem
Einschrauben einer Schraube z. B. in Holz. Da
die P. fest mit dem Schiff verbunden ist, fo über-
trägt sich deren Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung
auch auf das Schiff, wobei allerdings nicht der
ganze, der Schraubensteigung entsprechende Weg
zurückgelegt wird wegen des Widerstandes des
Wassers gegen das Schiff, d. h. gegen die Fläche
des Nullspants (s. Spanten). Dieser Verlust wird
Slip (s. d.) genannt.
Den meisten Einfluß auf die Verbreitung der P. in
England hat sich Francis Pettit Smith (gest. 1874)
dadurch erworben, daß er mit einem Echrauben-
schiffe von 6 Pferdestärken und 6 t Gehalt die erste
Fahrt von Dover über den Kanal nach Frankreich
machte. Durch die Regierung angeregt, baute er
1838 den Archimedes, ein Schiff von 80 Pferde-
stärken und 232 t Gehalt. Kapitän Champel machte
damit eine Reise um Großbritannien. Erst neun
Jahre später wurde die Anwendung der P. allge-
meiner. Was die Priorität der Erfindung betrifft,
so ist neuerdings erwiesen worden, daß 1812 der
Deutsch österreicker Joseph Ressel die Idee der P.
bereits sehr ricbtig bearbeitete und zur praktischen
Ausführung brachte. Die Versuche, Fahrzeuge mit
der Schraube fortzubewegen, reichen indes bis ins
18. Iabrb. zurück. Ein besonderes Verdienst um
Vereinfachung der P. hat sich der Ingenieur Erics-
son (s. d.) erworben, der in Amerika die erste Schrau-
benfregatte, Princeton, baute. In neuester Zeit hat
die P. viele Verbesserungen, namentlich durch Hirsch
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