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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Prozymiten - Prüfung
Prozymiten, s. Azymiten.
pr. P2.. oder pr. pr., Abkürzung für per procura.
?r. pr., Abkürzung für krakter pi-optei-.
Prschewalskij, auch Przewalskij oderPrze-
walski (spr. psche-), Nikolaj Michajlowitsch, russ.
Generalmajor und Reifender, geb. 12. April
^31. März) 1839 im Gouvernement Smolensk, be-
fuchte das Gymnasium in Smolensk und später die
Militärakademie in Petersburg. Er wurde dann
Lehrer der Geographie und Geschichte an der Junker-
schule in Warschau. 1866 wurde er dem General-
stab zugeteilt und erhielt ein Kommando nach Ost-
asien, wobei er das Ussuriland erforfckte. Es folgten
nun seine berühmten vier Neisen nach Centralasien:
1870-73 von Kiachta nach Peking, zum obern
Iang-tse-kiang, durch die Wüste Gobi, nach Irkutsk;
1876-77 von Kuldscha zum Lob-nor, Altyn-tag
und wieder zurück nach Kuldscha; 1879-80 vom
Saisansee nach Chami, über das Nan-schangebirge
nach Tibet (bis 260 km vor Lhassa), dann zurück
nach Si-ning, zum Quellengebiet des Hoang-bo, über
Ilrga, Kiachta nach Orenburg; 1883-85 von Kiachta
durch Gobi nach Ala-schan und dem ö'stl. Zajdam,
zum Iang-tse-kiang, zurück an den Lob-nor, nach
Khotan, Aksu, zum Issyk-kul. (S.Karte: Inner-
asien, Bd. 1, S. 983.) Die Ergebnisse dieser
Reisen eröffneten eine neue Ära für die Geograpbie,
Fauna und Flora dieses bis dabin faft unbekannten
Teils der Erde. Am 30. (18.) Aug. 1888 begab sich
P. auf seine fünfte Reise nach Tibet, erkrankte am
Flusse Tschu und starb 1. Nov. (20. Okt.) 1888 in
Karakol (s. d.), das ihm zu Ehren 1889 in Prsche-
walsk umbenannt wurde. Seinen Namen trägt
auch das Prschewalskijgebirge im nördl. Tibet
zwischen dem 36. und 37.° nördl. Br. und 86. und
91." dstl. L. von Greenwich. P.s Reiseberichte er-
schienen meist in den Publikationen der Russischen
Geographischen Gesellschaft in Petersburg. Außer-
dem veröffentlichte er: "Reise ins Ussuriland 1867
und 1869" (russisch, Petersb. 1870), "Reisen in der
Mongolei, im Gebiet der Tanguten und in den
Wüsten Nordtibets 1870-73" (russisch, 2 Bde., ebd.
1875 - 76; deutsch von Kohn, Jena 1877) und
"Reisen in Tibet und am obern Lauf des Gelben
Flusses in den I. 1879 - 80" (russisch, Petersb.
1883; deutsch von Stein-Nordheim, Jena 1884). -
Vgl. Dubrowin, Nikolaj Michajlowitsch P. (rus-
sisch, Petersb. 1890).
H^s/t. oder _?l^F/l, hinter lat. Pflanzennamen
Bezeichnung für Friedrich Traugott Pursb,
geb. 4. Febr. 1794 zu Großen Hain in Sachsen, gest.
11. Juli 1820 zu Montreal; er verfaßte eine Flora
von Nordamerika.
Prüde (frz.), zimperlich, geziert, fpröde; Prü-
derie, zimperliches Wesen, Sprödethun.
Prudentius, Aurelius Clemens, der bedeu-
tendste ältere christl. Dichter, geb. um 348 zu Cala-
gurris in Spanien, lebte :ioch zu Anfang des
5. Jahrh. Er war anfangs Sachwalter und stieg
bis zur Würde eines Statthalters, widmete sich spä-
ter religiösen Betrachtungen und verfaßte eine An-
zahl Gefünge teils für die häusliche Erbauung ("li-
der catdemerinon"), teils zum Lobe der Märtyrer
("Iid6i- p6i-i8t6p1iHn0ii") und über äbnliche religiöse
Stoffe. Diefe Gedichte wurden von Arevalo (2 Bde.,
Rom 1788), Obbarius (Tüb. 1845) und am besten
von Dresfel (Lpz. 1860) herausgegeben. - Vgl.
Clem. Brockhaus, Aurelius P. Clemens (Lpz. 1872);
Röster, Der kath. Dichter Aurelius P. Clemens
(Freib.i.Br. 1886); Puech, ^rnäonce; etuäs 3ur Ia
1)06816 lÄtin6 CQl-6ti6NN6 au 4° 816016 (Par. 1888).
?ruä'kolnius (frz., spr. prüdömm), Bieder-
mann; Sachverständiger; ^oii36i1 d6 zn-ul1'Q0mni68,
s. Gewerbegerichte. I'. ist auch soviel wie Spieß-
bürger, Philister.
Prud'hon (fpr. prüdöng), Pierre, franz. Maler,
geb. 4. April 1758 zu Cluny, erlernte die Zeichen-
kunst bei Tesvoges in Dijon und kam 1780 nach
Paris. 1782-88 weilte er in Italien, wo er sich
besonders nach Raffael und Correggio vervollkomm-
nete. Nach Frankreich zurückgekehrt, konnte er als
Maler zierlicher und eleganter Kompositionen bei
der damals aufkommenden klafsicistischen Kunst-
richtung Davids vorerst mit seinem Talent nicht
durchdringen, bis Napoleon auf ihn aufmerksam
wurde. So erhielt er 1803 den Auftrag, als Decken-
gemälde für einen Saal im Louvre die Komposition:
Diana bittet Jupiter um Erlassung des Ebestandes,
anzufertigen und dann Die Unterredung zwischen
Napoleon und Kaiser Franz nach der Schlacht bei
Austerlitz (im Louvre) zu malen. Seine künstlerische
Eigenart verrät das Gemälde: Entfübrung der
Psyche durch Zephyr (1808); als fein Hauptwerk
gilt die für den Parifer Iustizpalast bestimmte, jetzt
im Louvre befindliche Komposition aus demselben
Jahre: Gerechtigkeit und Rache verfolgen das Ver-
brechen. Dann malte er den an den Ästen zweier
Bäume sich fchaukelndcn Zephyr und die ursprüng-
lich (1816) für die königl. Kapelle in den Tuilerien
bestimmte Himmelfahrt Maria (jetzt im Louvre).
Durch ergreifende Wahrheit wirkte das 1822 aus-
gestellte Bild: Der in Gegenwart der Seinen ster-
bende Arbeiter; unvollendet blieb das Werk: Christus
am Kreuz lim Louvre). Er starb 16. Febr. 1823. -
Vgl. die Biographien von Element (3. Aufl., Par.
1880) und Gautlu'ez (ebd. 1886).
In einem vertrauten Verhältnis zu ihm stand die
Malerin Constance Mayer, geb. 1778, die P.s
Malweise sich aneignete und in seinem Geiste das
Glück der Liebe, Mutterfreuden und Mutterschmerzen
fchildernd eine Reihe Bilder schuf, von denen sich
zwei im Louvrc befinden. Sie endete durch Selbst-
mord 26. Mai 1821.
Prüfung, der Akt, durch welchen die Beschaffen-
heit eines Gegenstandes oder das Maß der Kennt-
nisse und Fertigkeiten einer Person erforfcht wird.
In letzterm Falle bezeichnet man sie gewöhnlich mit
dem lat. Worte Examen. Besondere Bedeutung
haben die P. im praktischen Berufsleben gewonnen
dadurch, daß nicht nur der Eintritt in den Staats-
dienst, sondern auch die Ausübung bürgerlicher Be-
rufe von dem Nachweis der erforderlichen Befähigung
abhängig gemacht ist. Die früher, besonders zur Zeit
der Zünfte (s. d.), bestehenden obligatorischen ge-
werblichen P. sind jedoch durch die Einführung der
Gewerbefreiheit mit wenigen Ausnahmen abgeschafft
worden. Unmittelbar vorgeschrieben sind in der
Gewerbeordnung P. für die Seeschiffer, Seedampfer-
maschinisten, Lotsen, Hebammen, Apotheker, sowie
für Ärzte, Tierärzte und Zahnärzte, sofern sie eine
Approbation und das Recht, sich Ärzte u. s. w. zu
nennen, erhalten wollen; landesgesetzlich können
auch P. für Hufschmiede und Markscheider an-
geordnet werden. Zur Abhaltung der P. sind be-
sondere, für jedes Fach geeignete Behörden ein-
gesetzt, welche die Prüfungskommission bilden.
(S. Befähigungsnachweis, Lehrlingsprüfung und
Meisterprüfung.)