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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rabbiat - Rabelais
Nabbiat, s. Rabiat.
Nabbtner, die von den Gemeinden berufenen
oder vom Staate eingesetzten oder anerkannten
Lehrer des talmudischen Judentums. Sie waren
früher, wie noch jetzt in den osman. Ländern, nicht
bloß Lehrer der gcsetzstudierenden Jugend und mit
den Trauungen und Scheidungen beauftragt, son-
dern zugleich Prediger, Nichter, zuweilen auch Gc-
meindcschreiber. Jetzt beschränkt sich ihr Wirkungs-
kreis meist auf Begutachtungen des rituell Gesetz-
lichen, Verrichtung der Trauungen und Scheidungen,
Prüfung der Schachter, Predigt in der Synagoge
und Unterweisung im Talmud. In Frankreich steht
an der Spitze der R. ein jüd. Konsistorium mit einem
Großrabbiner als Vorsitzenden; in andern Län-
dern giebt es Land-, Kreis- und Ortsrabbiner. An-
stalten zur Bildung von R. (Rabbinerseminare)
sind in Berlin, Breslau, Budapest, Paris. Früher
unterschied man vom N. den israelit. Prediger; doch
hat man, seitdem nur geprüfte und gelehrte Männer
zum Rabbinat zugelassen werden, den R. auch
den Religionsunterricht, das Predigen und die Lei-
tung des Gottesdienstes übertragen.
Rabbinifche Sprache, neuhebräische
Sprache, die gelehrte Fortbildung, die das als
Volkssprache ausgestorbene Althebräisch (ähnlich dem
Neulateinischen) bei den Gesetzeslehrern fand und
die ihren reinsten Ausdruck in der Mischna (s. d.)
erhielt. Wie bereits das Althebräische in seinen
spätern Perioden, so empfing auch das Neuhebräische
starke Zuflüsse aramäischen Sprachgutes, wozu, je
mehr die Juden fich über alle Länder verbreiteten,
auch zahlreiche Lehnwörter aus andern Sprachen,
insbesondere griechische und lateinische, im Mittel-
alter auch arabische u. a. hinzukamen. Auch suchte
man den hebr. Wortschatz durch allerlei Neu- oder
Analogiebildungen, durch Weiterentwicklnng der
Wortbedeutungen u.s.w. zu vermehren, auch hebrai-
sierte man geradezu bisweilen die fremdsprachlichen
Worte. So schuf man eine für das gauze einiger-
maßen gebildete internationale Judentum allgemein
verständliche Sprache, die noch jetzt in diesen Kreisen
lebt und fortgebildet wird. (S. Jüdische Litteratur.)
Hilfsmittel zur Erlernung der R. S. sind: Cellarius,
Kaddini8iiiu8 (Zeitz1684); Reland, ^imwcta ^I>-
dinic^ (Iltr. 1792); Vurtorf, I^exicoii cluiläaicum,
taimuäicuiu 6t i-iiddinicum (Bas. 1639; neue Ausg.
von Fischer, 2 Bde., Lpz. 1866-74); Levy, Neuhebr.
und chaldüisches Wörterbuch über die Talmudim
und Midraschim (4 Bde., ebd. 1875-89); Strack
und Sicqfried, Lehrbuch der neuhebr. Sprache und
Litteratur (Karlsr. 1884).
Rabe, Vogel, s. Raben.
Nabe (Ooi-vus), Sternbild am füdl. Himmel mit
drei Sternen 2. Größe, von denen der Stern 3
in 24" Abstand einen purpurroten Begleiter hat.
Rabelais (spr. -Iah), Francois, franz. Satiriker,
geb. um 1495 zu Chinon (Touraine) als Sohn eines
Weingutbesitzers, trat als Novize in das Kloster La
Vaumette (bei Angers), ging dann zu den Franzis-
kanern von Fontenay-lc-Comte (Poitou) über, wo
er 1519 die Priesterweihe empfing und bis 1524
blieb. Schon hier wurde er bekannt als gelehrter
Kenner des Lateinischen und Griechischen. Da man
aber seinen Studien im Kloster Hindernisse bereitete,
erhielt er auf Nachsuchen die Erlaubnis, zu den Be-
nediktinern überzutreten und Chorherr in der Abtei
Maillezais zu werden. Doch verließ er bald dieses
Kloster, ohne Erlaubnis seiner Obern, und begann
ein Wanderleben als Weltgeistlicher. Gleichwohl
bebcrbergte ihn sein ehemaliger Mitschüler Geofsroi
d'Estisfac, Bischof von Maillezais, eine Zeit lang
auf feinem Schlosse Liguge' (bei Poitiers), wo R.
sich mit Medizin und Natnrwissenschaft beschäftigte.
1530 studierte er in Montpellier Medizin und wurde
dort zum Baccalaureus promoviert. Er wandte sich
von hier nach Lyon, wo er Nov. 1532 bis März
1535 als Arzt am Stadtkrankenhaus angestellt war,
Übersetzungen von Hippokrates und Galen, eine
scherzhafte Kalenderweissagung ("I^nta^rnolin?
1^0Z5N08ticati0n poni- 1'^n 1533") und eine Bear-
beituug eines alten Volksbuchs ("Oronicint^ du
Aüiiä 6t 6N0I-N16 F03.nt (^rFHntuH", 1532) heraus-
gab, welchem fein "I^nt^ruLi, ro^ ä68 Dip8oä68"
unmittelbar folgte. 1534 reiste R. mit dem Kardinal
Du Vellay nach Rom, wo er eifrig antiquarisch-
topogr. Studien trieb. Nach Lyon zurückgekehrt,
lieft er hier Marlianis röm. Topographie und seinen
"(^i-FluiwÄ, pöi-6 äe?aiita^i-n6i)) erscheinen (1535).
Wenige Wochen später ging 3t. wieder über die Alpen
und blieb in Rom, wo sich sein Gönner Du Vellay
damals aufhielt, bis zum Frühjahr 1536. Jetzt er-
hielt er von Paul III. vollständige Absolution wegen
seiner kanonischen Unregelmäßigkeiten und die Voll-
macht, wieder in ein Benediktiner^loster einzutreten
und in barmherziger Absicht die Heilkunde auszu-
üben. Er holte sich dann in Montpellier 1537 den
Doktorhut und las dort über Anatomie. In den
folgenden Jahren übte er die ärztliche Praxis in
Narbonne, in Castres und in Lyon aus und nahm
1539 die von Du Bellay ihm verliehene Chorherren-
stelle von St. Maur bei Paris ein. Bald begann er
sein Wanderleben von neuem, hielt sich in Savoyen
bei Guillaumc DuVcllay auf, dem Bruder des Kar-
dinals, kehrte wieder nach Frankreich zurück, veröffent-
lichte 1546 ein drittes Buch seines Romans und
snchte dann, bei dem Wiederaufleben der kirchlichen
Verfolgungen, eine Zuflucht in Metz, wo er 1546
-47 als Arzt am Krankenhaus angestellt wurde.
Nach dem Tode des Königs Franz I. (1547) beglei-
tete er den Kardinal Du Vellay wieder nach Rom
und blieb dort bis zum Frühjahr 1550. Im 1.1551
erhielt er durch Du Bellay die Pfarre von Meudon,
wo er 1552 ein viertes Buch seines Romans heraus-
gab. Seine Pfarrstelle gab er Anfang 1553 schon
wieder auf. Er starb 9. April 1553 zu Paris.
Nach seinem Tode erschien noch ein fünftes un-
echtes Buch feines Romans (1564). Sein Denkmal
zu Tours wurde 25. Juli 1880, ein anderes zu
Chinon 2. Juli 1882 enthüllt.
Der Ruhm feines Namens beruht auf den vier
Büchern feines "Gargantua und Pantagruel", einer
Riesengeschichte in der Form des volkstümlichen
Heldenromans, dessen letzte Bücher die Reise Pa-
nurgs und Pantagruels uach der göttlichen Flasche
behandeln, während in den beiden ersten Büchern
Geburt, Erziehung und Kriegsfahrten des Niesen
Gargantua und seines Sohnes Pantagruel dar-
gestellt werdeil. In diesen Rahmen ist die satir.-
humoristische Betrachtung der Mißstände in Kirche
und Staat, in Leben und Bildung des Zeitalters
eingeschlossen. Unter einem Wust von Cynismen,
grotesken Witzen und Ausgelassenheiten tritt N. als
Anwalt der IMßigung und einer reinen, durch das
Studium der Alten erneuerten menschlichen Bildung
auf. Das Werk, nicht ohne Beeinflussung durch die
gleichzeitige maccaronifche Dicdlung entstanden, ist
nach Geist und Inhalt die regellose Schöpfung eines