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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Radowitz (Joseph Maria von) - Radweber
1852-53). -Vgl. Frensdorsf, Joseph vonR.(Lpz.
1850), Fischer, N. Seine polit. Anschauungen und
deren Einfluß auf Friedrich Wilhelm IV. (im "Histor.
Taschenbuch", ebd. 1874) und den Artikel R. in der
"Allgemeinen deutschen Biographie".
Radowitz, Joseph Maria von, Sohn des vo-
rigen, deutscher Diplomat, geb. 19. Mai 1839 in
Frankfurt a. M., studierte in Bonn und Berlin,
trat 1860 in den Staatsdienst, wurde 1861 der
Gesandtschaft in Konstantinopel beigegeben und
kam 1862 als Legationssekrctär nach China und
Japan. Er führte 1864 die Geschäfte des General-
konsulats in Shang-Hai und wurde 1865 zur Vot-
schaft in Paris versetzt. Als Ordonnanzoffizier des
Prinzen Friedrich Karl von Preußen nahm er am
Kriege 1866 teil, war seit 1867 bei der Gesandt-
schaft in München und wurde 1870 Generalkonsul
des Norddeutschen Bundes in Bukarest und Mit-
glied der Europäischen Donaukommission. 1872
tam er als Geschäftsträger nach Konstantinopcl,
wurde dann als Decernent für die orient. Ange-
legenheiten in das Auswärtige Amt nach Berlin
berufen und zum Geh. Legationsrat befordert. R.
blieb, trotz seiner 1874 erfolgten Ernennung zum
Gesandten in Athen, mit geringer Unterbrechung
im Auswärtigen Amt beschäftigt und verwaltete im
Sommer 1880 in besonderer Mission die Botschaft
in Paris. Im Okt. 1882 wurde er zum Botschafter
des Deutschen Reichs in Konstantinopcl, im Juli
1892 in Madrid ernannt.
Nädschä, von den Engländern Raja und Ra-
jah geschrieben, ein ind. Wort, im Sanskrit Konig
oder Fürst, der uralte Titel der einheimischen Für-
sten Vorderindiens. Maharadscha (d. i. Groß-
könig oder Großfürst) wird nicht fetten ein solcher
genannt, dem mehrere N. gehorchen, ist meistens
aber nur eine^tituläre Wiirde. ^
Radschaxekhara, Rajacekhara, ind. Dichter
um900n.Chr. R. war cin M'aräthe; er war Lehrer
des Königs Mahendrapala und lebte nock unter
dessen Sohne Mahlpala. Von R. sind vier Dramen
bekannt: das LÄlai-Äin^-ang. in 10 Akten, eine
Dramatisierung des NiM^ng. (s. d.), bg. Venares
1869, die Viääli^iUHdQaüMZ. in 4 Akten (hg. in
der Zeitschrift "kanäit", Nr. 65 - 73, und neu,
Poona 1886), die Xäi-MrainHl^ari in 4 Akten, da-
durch merkwürdig, daß sie ganz in Präkrit geschrie-
ben ist (hg. im "1'iinäit", Nr. 73-76, und besser zu-
sammen mit dem LäiHdQürata in der "Iväv)'amäi2.",
Nr. 4, Bombay 1887) und das NÄaddäratH oder
lracanäapänäÄva. in 2 Akten (hg. von Cappellcr,
Strahb. 1885, und in der "KZ.vMinälÄ", Nr. 4,
Bombay 1887), wie es scheint, unvollendet oder uns
nicht vollständig erhalten. Es sollte eine Dramati-
sierung des NlüiHdii^ratH (s. d.) werden. N. ist als
Dramatiker nicht hoch zu stellen. - Vgl. V. S. Apte,
Ncija^ekIiHrii. IÜ8 Ms anä ^vritin^ (Poona 1886).
Radschloß, s.Handfeuerwaffen (Bd. 6, S.761a).
Radschputana, das Land der Radschputen (s. d.),
Gebiet im indobrit. Neiche, bestehend aus dem un-
mittelbar brit. Distrikt Adschmir-Merwara (s. d.)
und 20 feudalen, unter eingeborenen Fürsten stehen-
den Staaten unter Oberleitung eines polit. Agenten,
der in Adfchmir, im Sommer in Abu residiert. Ohne
Adschmir-Merwara hat R. 336 091 ^m und (1891)
12 016102 E., darunter 10 Mill. Hindu, deren
wichtigste Kasten die Vrahmanen, Nadschputcn,
Mahadschan, Tschamar, Mina, Gudschar, Tschat,
Ahir sind. Außerdem wohnen noch 70000 unkulti-
vierte Vhil in Mewar, Partabgarh, Dungarpur und
Banswara. Die wichtigsten Staaten sind Vikanir,
Dschaipur, Dschaisalmir, Dschodhpur, Alwar, Udai-
pur (Mewar), Bharatpur (s. die Einzelartikel), fer-
ner Banswara, Vundi, Dholpur, Dschalawar,
Karauli, Kota, Partabgarh, Sirohi und Tonk. Die
wichtigste Stadt in Bezug auf Handel, Bank- und
Wechselverkehr ist Dschaipur; die bedeutendsten
Vieh-, Kamel- und Pferdemärkte werden in Pusch-
kar (s. d.) bei Adschmir und in Tilwara im Staate
Dschodbpur abgehalten. Jede der sieben Assistent-
agcntsch asten ist unter einen Assistentagentcn ge-
stellt, dem obliegt, die betreffenden Fürsten zu be-
aufsichtigen und sie sowie ihre Minister mit seinem
Rat, wenn solches nötig ist, zu unterstützen. Die
Staaten Bharatpur und Dholpur werden von
Tschat (s. d.) beherrscht; der einzige Staat unter
mobammed. (Pathanen-) Dynastie ist Tonk.
Radfchputen (engl. Rajpoots, im Sanskrit
I^armti-HZ, d.h. Königssöhne), ein weitverbreite-
ter Volksstamm in Vorderindien, der seinen Ur-
sprung auf die zweite oder Kriegerkaste der alten
Hindu zurückfübrt, wahrscheinlich aus den Ländern
auf der Nordfcite des Ganges abstammt, sich im
Süden dieses Stroms aber auf dem Wege der Er-
oberung festgesetzt und im mittlern und westl. Hin-
dustan eine Menge anderer Stämme, wie die Vhil,
Vdilala, Tschat, Mina, zum Teil auch die Mhair
oder Mera (Maiwara), unterworfen hat. Die N.
leben in feudalen Verhältnissen in Radschputana
(s. d.). Sie sind nur laue Anhänger des Hinduis-
mus und beobachten die Kastengesetze nicht mit der
sonst in Indien üblichen Strenge. Die Brahmanen
müssen ihren Einfluß mit den Tscharan oder Vhat
teilen, die als Annalisten, Genealogen und Zeichen-
deuter selbst von Fürsten gesuchte Natgeber sind.
(S. Tasel: Asiatische Völkertypen, Fig. 4.)
Radfchschahl (engl.Rajeshaye), Division der
indobrit. Licutcnantgouverneurschaft Vengalen, hat
45137,5 likm mit 7 733 775 E., darunter 63,i Proz.
Mohammedaner. Hauptort ist R ampurV j ah lija,
engl. Veauleah am Ganges, mit (1891) 21407 E.
'Nadschuh, soviel wie Hemmschuh (s. d.).
Nadfiwilow (poln. Raä^i^iüc"^), Flecken im
Kreis Kremenez des russ. Gouvernements Volhynien,
an der österr. Grenze, an: Fluß Slowna und an der
Linie Sdolbunowo-N. der Russ. Südwestbahncn,
die sich hier an die galiz. Karl-Ludwigsbahn an-
schließt, hat 8589 E., Post, Telegraph, 1 russ., 1 kath.
Kirche, 1 Synagoge, Zollamt erster Klasse mit (1888)
5 Mill. Rubel Export und etwa 3 Mill. Rubel
Import.
Radstadt, Stadt in der österr. Vezirkshaupt-
mannsckaft St. Johann in Salzburg, an der Enns,
an der schon von den Römern benutzten Bergstraße,
die aus dem Thale der Mur über die Nadstädter
Tauern (s. Ostalpcn, Bd. 12, S. 6963. und Tauern)
nach Salzburg führt, und an der Linie Vischofs-
Hofen-Selzthal der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines
Bezirksgerichts (551,16 hkin, 7665 E.), hat (1890)
1014 E. und bedeutenden Holzhandel. Im nahen
Quellthal der Enns waren ehemals die Eisenwerke
von Flackau (1253 E.) berühmt.
Radstädter Tauern, f. Ostalpen (Bd. 12, S.
696 il) und Taucrn.
Radstern, s. Betriebsmittel (Bd. 2, S. 903 d).
Radstößer, soviel wie Radabweiser, s. Abweiser.
Radwebcr (Ol'Kiwikliae), eine Unterordnung
der Spinnen (s.d.). An dem kugelig aufgetriebenen