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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rákos-Palota - Rallen
einen Roman "Der größte Narr" und übersetzte für die Kisfaludy-Gesellschaft (deren Mitglied er seit 1869 ist) einige Stücke Shakespeares. Seit 1892 ist R. Mitglied der ungar. Akademie und seit 1881 Redacteur des weit verbreiteten polit. Tageblattes "Budapesti Hirlap" (Budapester Zeitung).
Rákos-Palota (spr. -kosch), s. Palota.
Rakschi, georg. Name des Aras (s. d.).
Rakwitz, Stadt im Kreis Bomst des preuß. Reg.-Bez. Posen, hat (1890) 2201 E., darunter 791 Katholiken und 127 Israeliten, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Vorschußverein; Wattefabrikation, Windmühlen, Hopfen- und Weinbau. Nahebei Dorf und Rittergut R. mit Schloß.
Raleigh (spr. rahlĭ), Hauptstadt des nordamerik. Staates Nordcarolina, 10 km westlich vom Neusefluß, mit Bahnen nach vier Richtungen, zählte 1890 12608 E., darunter 5000 Farbige. Es liegt auf einem Plateau, ist sehr regelmäßig und freundlich gebaut. Durch vier 30 m breite vom Union Square auslaufende Straßen wird die Stadt in vier Teile geteilt. Hervorragende Gebäude sind: das nach dem Parthenon aus Granit erbaute Staatskapitol, das Vereinigte Staaten-Gerichtshaus nebst Post, das Staatsmuseum, Taubstummen- und Blindenanstalt, Irrenhaus, Countygerichtshaus und Staatsgefängnis. R. treibt lebhaften Handel mit Baumwolle (jährlich etwa 60000 Ballen), hat Eis- und Tabakfabriken, Wagenbau, Düngerfabrik und Baumwollspinnerei. Außer einer Universität für Farbige bestehen ein Baptistencollege, ein College für Frauen, Schulen für Landwirte und für Mediziner.
Raleigh (spr. rahlĭ), Sir Walter, Seemann, geb. 1552 zu Hayes bei Budley in Devonshire, studierte zu London und Oxford die Rechte, ging 1569 mit dem Korps, das die Königin Elisabeth den Hugenotten zu Hilfe sendete, nach Frankreich und focht 1578 in den Niederlanden gegen die Spanier. 1579 unternahm er mit seinem Halbbruder Humphrey Gilbert eine erfolglose Entdeckungsreise nach Nordamerika. Nachdem er 1580 gegen den von den Spaniern unterstützten Aufstand in Irland gekämpft, wurde er von der Königin Elisabeth mit der Statthalterschaft von Cork und mehrern Gütern belohnt. 1584 rüstete er aus eigenen Mitteln zwei Schiffe aus, um den ersten ernstlichen Versuch zu einer brit. Kolonie in Nordamerika zu machen. Die Schiffe landeten im Juli in der Chesapeakebai, gründeten an der Küste eine Kolonie, die sich jedoch nach zwei Jahren auflöste. Den Landstrich nannte R. zu Ehren der jungfräulichen Königin Virginien. Als die span. Armada die engl. Küste bedrohte, vermehrte R. die Flotte der Königin durch seine eigenen Schiffe und wurde deshalb zum Mitgliede des Geheimen Rats ernannt. Ehrgeizig und verschwenderisch zugleich, beutete er die königl. Gunst dergestalt aus, daß er sich Haß und Neid der übrigen Höflinge zuzog. 1592 rüstete er mit Frobisher abermals ein Geschwader aus, das er zur Wegnahme span. Schiffe nach Westindien führte. Doch erbeutete er nur ein reichbeladenes span. Schiff. Die Erzählungen von den reichen Gold- und Silberschätzen Guayanas bewogen ihn hierauf, eine Expedition dahin zu versuchen. Er ging 1595 mit fünf Schiffen nach Südamerika unter Segel, nahm die Insel Trinidad und schiffte den Orinoco hinauf, um das Land Eldorado aufzusuchen. Nachdem er 1596 der Expedition gegen Cadiz beigewohnt, war er 1597 Konteradmiral der Flotte, mit der der Graf Essex die span.-westind. Flotte wegnehmen sollte. Von den engl. Streitkräften durch Stürme getrennt, eroberte er im August an der Spitze seines Geschwaders die Insel Fayal, ohne die Ankunft des Oberbefehlshabers abzuwarten. Er zog sich dadurch den Zorn des ehrgeizigen Essex zu und entging der Absetzung nur durch die Fürsprache mächtiger Freunde. Unter Jakob I. der Teilnahme an der Verschwörung, die die Thronerhebung der Arabella Stuart bezweckte, bezichtigt, wurde er im Dez. 1603 ins Gefängnis gebracht. Wiewohl er keineswegs überführt werden konnte, verurteilte ihn eine gefällige Justiz auf das einzige Zeugnis Cobhams bin, der überdies seine Aussagen zurücknahm, zum Tode. Der König ließ ihn nun in den Tower setzen, wo er sich während einer 13jährigen Haft mit den Wissenschaften beschäftigte. Unter anderm schrieb er hier seine "History of the world" (2 Bde., Lond. 1614 u. ö.), deren Fortsetzung er aus Unmut über das Schwankende histor. Beweise verbrannte. Nachdem der Graf von Somerset, sein heftigster Feind, in Ungnade gefallen, erhielt er 1615 die Freiheit zurück. Während seiner Gefangenschaft hatte R. das Gerücht von einer reichen Goldmine verbreitet, die er früher in Guayana entdeckt haben wollte. Jakob I., der sich in großer Verlegenheit befand, gab zu einer Expedition feine Einwilligung. R. wurde zum Oberbefehlshaber ernannt, bedang sich aber zugleich das Fünftel aller Schätze aus, die man auffinden würde. 1617 lief R. mit einer 14 Segel starken und von einer Schar von Abenteurern bemannten Flotte von Plymouth aus. Von einer schweren Krankheit befallen, blieb er selbst mit einem Teil der Flotte an der Mündung des Orinoco liegen und gab seinem Sohne und dem Kapitän Keymis den Auftrag, mit dem andern Teile stromaufwärts zu gehen und die Goldgrube am bezeichneten Orte aufzusuchen und zu eröffnen. Nachdem jedoch nach einem Kampfe mit den Spaniern die Expedition mißlungen war, mußte R. das Unternehmen aufgeben, sogleich nach seiner Rückkehr ließ ihn der König verhaften und vor eine Kommission stellen, die jedoch erklärte, daß sein Verhalten untadelhaft sei. Unterdessen beschwerte sich der span. Hof wegen des Friedensbruchs, so daß Jakob beschloß, den Schuldlosen als Opfer fallen zu lassen. R. wurde vor die King’s Bench geführt, wo man ihm auf königl. Specialbefehl eröffnete, daß das frühere in der Komplottangelegenheit gefällte Todesurteil nunmehr an ihm vollzogen werden sollte. Er mußte 29. Okt. 1618 das Schafott besteigen und starb mit großem Gleichmut unter dem Beile. Die Schriften R.s, polit., histor. und Poet. Inhalts, erschienen gesammelt in acht Bänden (Oxf. 1829 u. 1857). - Lebensbeschreibungen lieferten Tytler (Edinb. 1833 u. 1851), Saint-John (2 Bde., Lond. 1868), Edwards (2 Bde., ebd. 1868), Creighton (ebd. 1877; 2. Aufl. 1882), W. Stebbing (ebd. 1891).
Ralikinseln, Ralikkette, s. Marshallinseln.
Rallen (Rallidae), Familie der Stelzvögel mit langen Läufen und langen schlanken Zehen, verhältnismäßig kurzem Hals und kurzem, kräftigem, seitlich zusammengedrücktem Schnabel; die Flügel sind gerundet und wie der weiche Schwanz kurz. Die R. sind kosmopolit. Vögel, deren etwa anderthalbhundert Arten sich auf 18 Gattungen verteilen. In Europa finden sich aus dieser Familie häufig das Wasserhuhn, das Rohrhühnchen, das Sumpfhuhn, der Wachtelkönig und die gemeine Wasserralle (Rallus aquaticus L., s. Tafel: Stelzvögel II, Fig. 1), ein ungefähr stargroßer Vogel, oben grün-^[folgende Seite]