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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rauhfrost - Raumer (Friedr. von)
700 Brüder ausgebildet: 3-400 stehen im Dienste
der Innern Mission; 5) die Buchhandlung unter
der Firma "Agentur des N. H.", gegründet 1844, mit
Buchdruckereiund einem Sortimentsgeschäft in Ham-
burg. Sie verlegt Volks-, Iugendschriften, Bio-
graphien, Geschichtswerke, Bilder und die "Fliegen-
den Blätter aus dem N. H." (1844 fg.). Ohne Kapi-
talien ins Leben gerufen, erhält sich das N. H. teils
aus den Kostgeldern und Pensionen der Zöglinge,
teils aus Beiträgen von Wohlthätern und den Er-
trägen der Werkstätten. Leiter des N. H. seit 1873 ist
Joh. Wichern, dritter Sohn des Begründers. - Vgl.
Wichern, Das N. H. von 1833 bis 1883 chamb. 1883).
Rauhfrost, Rauchfrost, Rauhreif, Haar-
frost, der krystallinische Eisbeschlag, der sich an
Bäumen, Mauern und sonstigen der Luft ausge-
setzten vertikalen Gegenständen, selbst unter Dächern
ansetzt. Der N. entsteht stets nach strengem Frost,
wenn wärmere, feuchte Luftströme langsam einsetzen.
An den kalten Körpern scheidet sich dann aus der
Luft der Wasscrdampf in fester Form aus. Die Aus-
scheidung in krystallinischer Form ist nur dann mög-
lich, wenn sie langsam vor sich gehen kann. Bil-
dungen von N. sind auf den Gipfeln mancher Berge,
so z. V. Brocken, dem Aichtelberg, von ganz bedeu-
tender Mächtigkeit; hier werden Bäume, Stangen
mit oft wunderbar gestalteten Eismassen überzogen.
Rauhfuß, Humanist, s. Dasypodius.
Rauhfußhühner, f. Rauchsußhühner.
Rauhfutter, s. Futter (Bd. 7, S. 445 ^).
Rauhgewicht, auch Schrot, bei Edelmetallen
und Mün'zen das Bruttogewicht derselben. (S. Fein.)
Rauhkarden, Vlütentöpse von DipLacus (s. d.).
Rauhmaschine, s. Appretur (Bd. 1, S. 762 d).
Rauhnächte, s. Zwölfnächte.
Rauhreif, s. Rauhfrost.
Rauhwacke, s. Rauchwacke. : .- >^
^ Rauhwaren, s. Pclzwerk. -
Raukentohl, s. I^i-uca.
Raum, die allgemeine Form unserer Anschauung
von der Körperwelt. Der R. ist zwar ein sehr ge-
läufiger und scheinbar selbstverständlicher, für eine
tiefer dringende Forschung aber äußerst schwieriger
Begriff. Da die Phantasie nicht im stände ist, den
R. begrenzt zu denken, sondern jenseit jeder Grenze
doch immer wieder R. vorzustellen genötigt ist, so
bildet sich der Begriff des unendlichen R. aus, worin
das Universum mit allen feinen Teilen enthal-
ten sei und sich bewege. Diese Vorstellung faßte
das metaphysische Denken zuerst als Problem auf,
indem der Gegensatz zwischen dem begrenzten Cha-
rakter aller anschaulichen Raumvorstellung und dem
Bestreben der Vernunft, sich den R. unendlich zu
denken, die Dialektik der Eleatischen Schule (s. Grie-
chische Philosophie) herausforderte. Nachdem jedoch
die Atomisten den Begriff des leeren R. als der Ve-
wegungssphäre der unendlich kleinen Körperchen
festgestellt hatten, blieb die griech. Philosophie im
wesentlichen dabei stehen, indem auch Plato und
Aristoteles den R. für jene unbestimmte und an sich
nicht wahrhaft seiende Möglichkeit erklärten, inner-
halb deren erst die weltbildcnde Kraft die einzelnen
Gestalten hervorrufe. Während sich jedoch die neuere
Naturwissenschast die Annahme des leeren N. zu
nutze machte, um darauf ihre atomistische Be-
wegungslehre zu gründen, ging die uaturpbilos.
Spekulation darauf aus, das Räumliche als Attri-
but der Körperwelt zu betrachten und die Existenz
des leeren R. zu leugnen.
Kant gab dann den Untersuchungen über den R.
nicht nur eine neue Wendung, sondern auch eine
dauernde Grundlage, indem er zeigte, daß der R. und
die räumliche Beschaffenheit der Wahrnehmungs-
gegenstände eine Anschauungsform des menschlichen
Geistes sei, der mit unbewußter Notwendigkeit die
Thatsachen der Sinnesempfindung räumlich an-
ordnet und zu gegenständlichen Anschauungen macht.
Die Kantsche Theorie hat in der sog. n ativistisch en
Ansicht über die Entstehung der Raumvorstellung
einen psychol. Ausdruck gefunden, wonach die
Fähigkeit räumlich anzuschauen angeboren ist. Dem
gegenüber ist eine genetische Ansicht hervorgetre-
ten, welche die Raumvorstellung so gut wie jeden
besondern Wahrnehmungsinhalt erst im Laufe der
individuellen Entwicklung entstanden denkt. Ver-
schieden davon ist die Frage nach der Möglichkeit
und den Bedingungen einer Lokalisation (s. d.).
Während die Philosophie mit der erkenntnis-
theoretischen und metaphysischen Bedeutung der
Raumvorstellungen sich beschäftigt, hat die Geo-
metrie den R. als eine gegebene Anschauung zu
betrachten und daraus die Lehrsätze abzuleiten, die
sich durch die Konstruktion besonderer Raumgebilde
mit innerer Notwendigkeit in ihm ergeben, wie dies
in typischer Weise durch Euklid geschehen ist. Zu
diesen Voraussetzungen gehören in erster Linie die
drei Dimensionen des R. Erst in neuerer Zeit haben
allgemeine mathem. Betrachtungen, indem sie die
verschiedenen Sphären mehrdimensionaler Größen
als verschiedene R. bezeichneten, zu dem Mißver-
ständnis Anlaß gegeben, als ließe sich die Existenz
eines R. von mehr als drei Dimensionen denken.
(S. Dimension.) - Vgl. Baumann, Die Lehren von
R., Zeit und Mathematik in der neuern Philosophie
(2 Bde., Verl. 1868-69); Stumpf, über den psychol.
Ursprung der Raumvorstellung (Lpz.1873); Pietzker,
Die Gestaltung des R. (Braunschw. 1891); Deich-
mann, Das Problem des R. in der griech. Philo-
sophie bis Aristoteles (Lpz. 1893).
Raum, bestrichener, s. Vestreichen.
Raum, im S e e w e s e n Benennung des Ladungs-
raums eines Handelsschiffs. Raumanker ist ein
im N. verstauter Reserveanker.
Räumahle, Werkzeug, s. Reibahle.
Raumbloctfystem, die wichtigste Form des
Vlocksignalsystems (s. d.).
Räumen, in der Seemannssprache soviel wie
Günstigwerden des Windes; der Wind räumt
heißt, er dreht so, daß er mehr von achtern in die
Segel kommt; segelt also z. V. ein Schiff über Back-
bordbug, so räumt der Wind, wenn er rechtsdrehend
ist. Das Ungünstigwerden des Windes heißt
Schraten. Der Wind schralt für ein über Back-
bordbug liegendes Segelschiff, wenn er links dreht.
Raumschoots oder mit raumem Wind segelt
ein Schiff, das den Wind ungefähr querein hat.
Raumer, Friedr. von, Geschichtschreiber, geb.
14. Mai 1781 zu Wörlitz, studierte in Halle und
Göttingen die Rechte, trat zunächst in den preuß.
Staatsdienst, wurde aber 1811 zum Professorder
Staatswissenschaften an der Universität Breslau
und 1819 zum Professor der Staatswissenschaft und
Geschichte in Berlin ernannt. 1815-17 machte er
einige Reisen in Deutschland, der Schweiz und Ita-
lien, ebenso 1827 und 1830 nach Paris, 1835 nach
England, 1839 nach Italien, 1841 nach Amerika.
1847 legte er infolge der mißgünstigen Aufnahme
seiner Festrede in der Akademie der Wissenschaften