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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Real Australian Meat Preserve - Realisierungsgeschäft
der ihm am rechten Orte angebotenen und fälligen '
Leistung verweigert, so kommt dadurch der Gläubi-
ger in Annahmeverzug. (S.Verzug.) IstderSckuld-
ner nach dem Inhalt seiner Verpflichtung gehalten,
die geschuldete bewegliche Sache zu bringen, so^muß
er, um den Annahmeverzug zu begründen, die Sache
selbst bei sich haben und sie dem Gläubiger anbieten,
es sei denn, daß dieser von vornherein die Annahme
verweigert hat. Diese Art des Anerbietens heißt
R. (frz. ossro i-üelw).
I5ea.1 ^.U8tra.1i2.n AIea.t I>ro8ervs (eng!.,
spr. riöl ahstrcblien miht prlsörw), s. Konservierungs-
Realdefinition, s. Definition, ^mittet.
Real-de-los-Alamos, Stadt in Mexiko,
s. Alamos.
Realencyklopädie, soviel wie Realwörterbuch,
s. Encyklopädie (Vd. 6, S. 99 a).
Realgar, rote Arsenblende, Name für das
in der Natur als Mineral vorkommende Arsen-
sulfür (s. d.). Es bildet prismatische monokline
Krystalle, auch eingesprengte Körner, Überzüge und
Aufläge von morgenroter Farbe mit Pomeranzen-
gelbem Strich, Fettglanz, der Härte 1,5-2 und dem
spec. Gewicht 3,4-3,0. Im Glasrobr verflüchtigt
sich das R. unter Absatz eines Sublimats von arse-
niger Säure, aus Koble schmilzt es und brennt mit
weißgelber Flamme' Salpetersalzsäure löst es unter
Abscheidung von Schwefel. Dem Licht ausgesetzt
zerfällt das Mineral zu einem gelblichroten Pulver.
Es findet sich unter anderm zu Ioachimstbal, Schnee-
berg und Andreasberg, zu Kapnik, Felsobanva und
Tajowa bei Neusohl in Ungarn, KreZevo in Bos-
nien, im Dolomit des Schweizer Binnenthals, an
der^olfatara bei Neapel, hier als offenbares Subli-
mationsprodukt; auch in den brennenden Halden
mancher Steinkohlenwerke, z. V. bei Hünichen unweit
Dresden, bilden sich mitnnter Krystalle von R.
Rcalgelübde, s. Gelübde.
Realgemeinde, eine aus dem ältern Genossen-
schaftswesen herstammende Form der Gemeinde, die
sich in einigen Gegenden Deutschlands und der
Schweiz bis in die neuere Zeit erhalten bat, aber
mehr und mehr durch die rein polit. Gemeinde-
organisation, wie sie der modernen Gesetzgebung
entspricht, verdrängt worden ist. Die N. bcstebt auv
den Besitzern bestimmter Grundstücke oder Höfe, mit
denen das Gcmeinderecht von alters ber verbunden
ist. Häufiger hat sich die den ursprünglichen Kern
der Gemeinde bildende Genossenschaft als privat-
rechtliche Korporation erhalten, der z. B. allein die
Nutzung der Allmende (s. d.) zusteht.
Realgewerberechte, die frei veräußerlicken
und vererblichcn Befugnisse zum Betriebe eines be-
stimmten Gewerbes. Mit obrigkeitlicher Erlaubnis
durfte der Inhaber einer persönlichen Gewerbc-
besugnis sein Recht an ein zunftfähiges und hand-
werkskundiges Individuum abtreten (cedieren). Von
ihnen unterschieden sich die sog. radizierten Ge-
werbeberechtigungen, welche in der mit dem Besitze
einer unbeweglichen Sache verbundenen Befugnis
zum Betriebe eines bestimmten Gewerbes bestanden.
Bei Brauereien, Brennereien, Mühlen, Gasthäusern
u. s. w. konnte das Recht zum Gewerbebetrieb nur
mit dem Gebäude zugleich veräußert und erworben
werden. Derartige Rechte, öfters mit eiuem Ver-
bietungsrecht (s. Bannrechte) verbunden, dattcn sich
in der Zunstzeit wobl überall in Deutschland ent-
wickelt. Besonders cingerissen waren sie in Bayern.
Die Gewerbeordnung von 1869 machte diesen lästi-
gen Vorrechten endgültig ein Ende (§. 7), so daß
sie nicht wieder begründet werden können. In Aster-
reich erhielt die Gewerbeordnung von 1859 die Real-
eigensckaft der zu Recht bestehenden radizierten und
verküuslicken Gewerbe unverändert, jedoch dürfen
neue R. nicht gegründet werden. - Vgl. Kaizl, Der
Kampf um Gewerbereform und Gewerbefreiheit in
Vavcrn (Lpz. 1879).
Realgläubiger (im österr. Konkursrecht), s. Ab-
gesonderte Befriedigung.
Realgymnasien, eine Art der Realschulen (s. d.)
mit neunjabrigcm Kursus und lat. Unterricht, die
eine selbständige Stellung zwischen den übrigen
Realschulen und den Gymnasien einnehmen. Die
N. baben sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh,
(in Preußen aus den Realschulen erster Ordnung)
entwickelt. Obgleich der Name schon 1829 für die
neugestaltete "Cöllnische Schule" in Berlin gebraucht
wurde, ist doch der Gegensatz gegen die bestehenden
Scbularten, der besonders zu dem Gymnasium
stärker bcrvortrat, erst später deutlicher geworden.
Nack dein Vorläufer in Wiesbaden 1845 haben die
R. in Prenßcn durch die Organisation von 1859
und 1882, in Bayern durch die Verordnungen von
1864 und 1874, in Württemberg durch die von 1867
! und 1873 eine sestere Gestaltnng erhalten. Dadurch,
daß die R. die lat. Sprache festhielten, kamen sie zu
der Hoffnung, Zulassung ihrer Abiturienten zu den
akademischen Stndien, vor allem zu dem der Medizin
i zu erkämpfen. Bis jetzt hat sich die Universität da-
^ gegen ablehnend verhalten. Doch hat sich das Real-
^ gymnasium trotz der Gefahr, die seiner Existenz die
Berliner Konferenz von 1890 zu bringen drohte, in
Geltung gehalten. Die Berechtigungen der R. haben
sich mit der Zeit erweitert; das Zeugnis für Obcr-
sckunda berechtigt zum Militärdienst als Einjährig-
freiwilliger, die Alnturientenprüfung der R. zum
Studium in der philos. Fakultät und zum höhcrn
Echuleramen in Atathematik, Naturwissenschaften
und neuern Sprachen, ebenso zur Laufbahn im
Bau- und Ingenieurwesen, in der Berg-, Hütten-
und Salinenverwaltung, im Forst- und höhern Post-
fack. Die Zahl der R. beträgt (1894) im ganzen
Teutschen Reich 132, nämlich 90 in Preußen, 10 in
Sachsen, 6 in Mecklenburg-Schwerin, 5 in Bayern,
4 in Hessen, je 2 in Württemberg, Baden, Sachsen-
Weimar, Sachsen-Meiningen, Anhalt und Bremen,
je 1 in Vraunschweig, Gotha, Reuß j. L., Lübeck
und Hambnrg. - Vgl. Wiese, Das höhere Schul-
wesen in Preußen, Vd. 2 u. 3 (Berl. 1869-74);
Jahresberichte für das höhere Schulwesen (hg. von
Retbwisch, ebd. 1887 fg.);' Pädagogisches Archiv
(Stuttgart, seit 1859; seit 1873 hg. von Krumme);
Centralorgan sür die Interessen des Realschul-
wesens, von Strack 1873-83, seitdem von Freytag
Reallen (lat. i-o^lia), s. Real. sund Vöttger.
Realindex (lat.), Sachverzeichnis.
Realinjurie (lat.), die mittels einer Thätlichkeit
begangene Beleidigung (s. d.). Ist die Thätlichkeit be-
wußte Mißbandlung oder Gesundheitsverletzung, so
liegt der Thatbestand der Körperverletzung (s.d.) vor.
Realisieren (srz.), verwirklichen, aussühren; zu
(klingendem) Gelde machen; in barem Gelde lösen.
Davon das Substantiv Realisation.
Realisierungsgeschäft, das Geschäft, durch
welckcs ein Spelulationsgeschäft zum Abschluß ge-
bracht wird. Wer in der Hoffnung auf Gewinn
durch Steigen der Preise kauft, schließt das Speku-
lationsgeschäft durch einen Kau^ in der Absicht zu