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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rebhuhn - Reblaus
(Münch. 1884; 2. Aufl. 1891), "Der karoling. Palastbau. I und II" (ebd. 1892), "Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrh." (ebd. 1894). Er übersetzte "Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur" (Stuttg. 1865).
Rebhuhn, Repphuhn, Feldhuhn (Perdix cinerea Lath., s. Tafel: Hühnervögel II, Fig. 5), ein bekannter Vogel aus der Unterfamilie der Feldhühner (s. d.), der am häufigsten im mittlern Deutschland angetroffen wird, aber im Norden selbst bis Schweden und Livland verbreitet ist, nach Süden soweit der Getreidebau reicht. Die R. leben gesellig in Haufen, die Ketten oder Völker genannt und von einem alten Hahn geführt werden. Nichtsdestoweniger aber paaren sie sich monogamisch, und das Weibchen brütet jährlich nur einmal, nur im Falle daß das Gelege früh Schaden nimmt, legt es zum zweitenmal für ihre Jungen sorgen die Alten mit großer Zärtlichkeit. Das Fleisch des R. ist zart und wohlschmeckend und daher sehr geschätzt. Man jagt das R. gewöhnlich mit dem Vorstehhunde im Herbst, indem man die Stoppelfelder und Kartoffel-, Rüben- und Krautäcker absucht. Sie laufen erst vor dem Hunde weg, ducken sich dann und fliegen plötzlich mit rauschendem Flügelschlage auf. Im Spätherbst und zu Anfang des Winters, wenn die Feldhühner vor dem Hunde nicht mehr aushalten, werden sie entweder für die Küche oder, um sie im Frühjahr wieder auszusetzen, mit verschiedenen Netzen (Steckgarne, Tyraß, Schneehaube) gefangen.
Rebhühnermörser, s. Geschütz (Bd. 7, S. 910 b).
Rebî’, Rabî’, gemeinsamer Name von zwei Monaten des Mohammed. Mondjahres, und zwar des dritten Monats: R. ul-ewwel (Nabi al-auwal, erster R.), in welchem der Geburtstag Mohammeds (s. Dôsch) gefeiert wird, und des vierten: R. ul-thâni oder R. ul-âchir (zweiter oder letzter R.).
Reblaus (Phylloxera vastatrix Pl., s. Tafel: Insekten IV, Fig. 7, a, b, c), eine am Weinstock lebende Blattlaus, entdeckt 1854 von Asa Fitch in Nordamerika und Pemphigus vitifoliae benannt; die spätere wissenschaftliche Untersuchung reihte sie unter die von Fonscolombe begründeten Phylloreren. 1868 wurde sie zum erstenmal in Europa aufgefunden, und zwar im franz. Depart. Hérault bei St. Remy. Von jenem Zeitpunkt an hat sie sich in ungeahnter Weise ausgebreitet und über zwei Millionen Hektar Weinberge vernichtet oder in der Kultur geschädigt. Die R. ist kaum punktgroß, 0,5 bis 1,2 mm höchstens in der Länge, daher mit unbewaffnetem Auge schwer zu entdecken; unter dem Mikroskop zeigt sie ganz die Gestalt einer gewöhnlichen Blattlaus: ovalen, hinten abgestumpften Körper, dessen Hinterleib aus sieben Ringen besteht, sechs dünne Beine mit kurzen Füßen, einen stets eingezogenen kleinen Kopf mit einer an den untern Brustteil gedrückten Rüsselscheide, aus der drei steife, hohle Stechborsten heraustreten. Bei ausgewachsenen Exemplaren werden auf den Rückenschilden einige Reihen kleiner Höcker wahrgenommen. Die R. sind meist intensiv gelb gefärbt, bisweilen rötlich oder grünlich.
Wie bei den übrigen Blattläusen ist auch bei der R. die Fortpflanzungsgeschichte eine äußerst verwickelte, indem eine ganze Reihe zum Teil verschieden gestalteter Generationen aufeinander folgen. Die meisten von diesen bestehen nur aus parthenogenetisch, also ohne vorausgegangene Befruchtung, sich fortpflanzenden Weibchen. Man unterscheidet folgende Formen: 1) Die eigentlichen Wurzelläuse (Fig. 7, d); durch Parthenogenesis (s. d.) sich fortpflanzende Weibchen leben während der wärmern Jahreszeit an den Wurzeln des Weinstocks und legen 30-40 Eier, aus denen wieder Wurzelläuse ausschlüpfen, die etwa nach 20 Tagen fortpflanzungsfähig werden, so daß in einem Jahre 6-8 Generationen von ihnen aufeinander folgen können. 2) Vom Juni an kommen zwischen den Wurzelläusen Tiere mit Flügelanlagen, die sog. Nymphen, vor, welche die Wurzeln verlassen und über der Erde sich in geflügelte R. (Fig. 7, a) verwandeln. Diese verbreiten die Art, indem sie andere Weinstöcke aufsuchen und hier an die Unterseite der Blätter 2-4 Eier legen, aus denen 3) winzig kleine Männchen und Weibchen mit verkümmertem Saugrüssel und ohne Flügel hervorgehen. Sie begeben sich an die Rinde des Stammes, begatten sich und jedes Weibchen legt ein einziges zum Überwintern bestimmtes Ei in einen Rindenriß. Aus dem Winterei entschlüpft im nächsten Frühjahr 4) die gallenbildende N., ein ungeflügeltes Weibchen, das an den Blättern blasige Anschwellungen erzeugt und unbefruchtete Eier legt, aus denen die bald nach den Wurzeln auswandernde erste Generation der Wurzelläuse hervorgeht. Die gallenbildende Generation kann unter Umständen ausfallen, so daß dann den Wintereiern gleich Wurzelläuse entschlüpfen; ja dies scheint in Europa, im Gegensatz zu Amerika, sogar die Regel zu sein. Die Fortpflanzung der R. ist jedoch nicht auf die im nächsten Frühjahre aus dem Winterei ausschlüpfenden Tiere beschränkt, sondern findet hauptsächlich durch 5) die Winterform der Wurzellaus statt, junge Tiere von bräunlicher Färbung, die mit dem Abnehmen der Bodenwärme im Herbst in ihrer Entwicklung stehen bleiben, Schlupfwinkel unter der Rinde der Wurzeln aufsuchen und dort in einen Winterschlaf verfallen, sobald die Bodentemperatur unter +10° C. sinkt. Sie können in diesem Zustande längere Zeit 8-10° C. Kälte ertragen, ohne dabei zu Grunde zu gehen. Sobald im nächsten Frühjahr die Bodentemperatur über +10° C. steigt, erwachen sie aus ihrem Winterschlaf, beginnen Nahrung zu sich zu nehmen, sich zu häuten und nach der dritten Häutung Eier zu legen. Man hat jedoch auch im Winter ab und zu einige ausgewachsene Wurzelläuse gefunden, die kurz vor dem Froste mit dem Eierlegen begonnen haben, dann in den Winterschlaf verfallen sind und nach ihrem Erwachen im nächsten Frühjahr damit fortfahren können. Schon aus diesen merkwürdigen Entwicklungsverhältnissen geht hervor, wie schwer die Bekämpfung der R. ist. Am Weinstock selber wird die Anwesenheit der R. gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Jahre wahrgenommen; der Stock erhält dann ein kränkliches Aussehen, namentlich werden die Blätter frühzeitig gelb, die Trauben verschrumpfen. Beim Nachgraben zeigen sich die obern Saugwurzeln mit blasigen Anschwellungen (Nodositäten, Fig. 7, c) infolge der Anbohrungen durch die R. behaftet, das sicherste Zeichen vom Vorhandensein des Schädlings. In Würmern Gegenden und unter für die N. günstigen Entwicklungsverhältnissen geht die befallene Rebe schon im dritten bis vierten Jahre völlig ein. In Deutschland vermehrt sich die R. nicht so schnell; daher dauert es meistens viel länger, bevor die infizierten Reben absterben. Der außerordentliche volkswirtschaftliche Nachteil, den die R. schon gebracht hat und zu brin-^[folgende Seite]