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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rebmann
über 1 1/2 Mill. ha verseucht und teilweise völlig vernichtet. Trotz zahlreicher Neuanlagen mit amerik. Reben hat sich die gesamte mit Wein bebaute Fläche bis Ende 1890 um 667285 ha verringert. Obgleich sich die Weinbaufläche 1891 wieder um 53170 ha verminderte und auch seitdem wahrscheinlich noch eine Abnahme stattgefunden hat, beginnen die Weinernten des Landes seit 1889 wieder zu steigen, weil die mit amerik. Reben bepflanzten Weinberge bereits große Erträge liefern. In Spanien waren von der (1875) 1706593 ha betragenden Weinbaufläche bis Ende 1891: 168097 ha vollständig vernichtet und 25321 ha stark verseucht. In Portugal betrug 1891 die verseuchte und zum Teil zerstörte Weinbaufläche 75487 ha; die Ausbreitung der R. bat seitdem bedeutende Fortschritte gemacht. In Italien ist die Flüche der verseuchten Weinberge in den 10 Jahren von 1882 bis 1892 von 100,84 ha auf 187056,2 ha gestiegen. Hiervon entfallen auf Sicilien 163697 ha, auf die übrigen Inseln 12591 ha, auf die Provinz Calabrien 9476 ha und auf das übrige Festland nur 1282 da. Die geringe Ausbreitung, welche die R. mit Ausnahme der Provinz Calabrien auf dem Festlande erlangt hat, wird als eine Folge der streng durchgeführten Vernichtung aller verseuchten Reben seitens der Staatsbehörden angesehen, während dies in Calabrien und auf den Inseln wegen zu großer Ausdehnung der Seuche nicht mehr durchgeführt werden konnte. Die Reblausbekämpfung hat dem Staate im ganzen von 1879 bis 1892 10087803,36 Lire gekostet. Trotzdem hat sich die gesamte Weinbaufläche bis Ende 1892 um 102642 ha vermindert. In Österreich waren von der vor dem Auftreten der R. 152799 ha betragenden Weinbaufläche (1891) 36420 ha von der R. befallen und teilweise vernichtet, in Ungarn von 366 860 ha im J. 1887 bereits 138112 ha verseucht und 22776 ha vernichtet. Seitdem hat sich daselbst die R. weiter ausgebreitet und die gesamten Weinberge im Ofener Gebiete schon 1891 nahezu zerstört. Durch Anpflanzung amerik. Reben und die Bepflanzung der großen Sandflächen im südl. Teile des Landes mit europ. Reben hofft man den Weinbau mit der Zeit wieder auf die frühere Höhe zu bringen. In der Schweiz hat sich die R. besonders in den südwestl. Kantonen Genf und Neuenburg ausgebreitet. Unter den klimatisch weniger günstigen Verhältnissen des Kantons Zürich ist es bisher möglich gewesen, eine größere Verbreitung durch Vernichtung aller befallenen Reben zu verhindern. Auch in den Balkanstaaten, besonders in Serbien sowie in der Türkei, Griechenland, der Krim, dem Kaukasus, Kleinasien, Algerien, dem Kapland und Australien hat die R. immer weitere Ausbreitung gefunden. In Amerika sind die schon im vorigen Jahrhundert und auch später wiederholt eingeführten Reben immer wieder zu Grunde gegangen, ohne daß man den Grund erkannte. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die N., die von dort mit amerik. Reben nach Europa eingeführt ist, die Ursache gewesen ist. Im Deutschen Reiche ist die R. zuerst 1874 auf dem Annaberge bei Bonn entdeckt, bis 1881 nur sporadisch in Gärten bei Erfurt, Bergedorf, Vollweiler im Elsaß, Plantières in Lothringen, bei Stuttgart und Liegnitz aufgetreten. Der erste größere Reblausherd von 5000 Reben im eigentlichen Weinbaugebiet wurde 1881 im Ahrthale am Rhein (Kreis Neuwied) entdeckt. Weitere größere Herde wurden gefunden: 1884 am rechten Rheinufer bei Linz (20000 Reben), 1885 bei Freyburg a. d. U. (22600 Reben), 1887 bei Nieder- und Oberlößnitz am rechten Elbufer (70000 Reben). Seitdem sind so große Herde zwar nicht mehr gefunden worden, dagegen hat sich die Zahl der jährlich neu entdeckten bedeutend vermehrt und beinahe über das gesamte deutsche Weinbaugebiet verbreitet. Von den 150000 ha der deutschen Weinberge sind bis Ende 1893: 216,6807 ha von der R. befallene Flächen auf Staatskosten vernichtet worden. Die von den Bundesregierungen zur Bekämpfung der R. aufgewendeten Kosten betrugen seit Beginn des Kampfes 4537637,66 M., wozu noch 53718,21 M. seitens der Reichsbehörden verausgabte Kosten kommen. Die verhältnismäßig sehr geringe Ausbreitung der R. in den deutschen Weinbaugebieten ist, abgesehen von den für ihre Vermehrung weniger günstigen klimatischen Verhältnissen, eine Folge der strengen und gewissenhaften Durchführung der Bestimmungen des Reblausgesetzes, insbesondere der Beschränkung des Verkehrs mit Reben auf kleine Weinbaubezirke, der alljährlichen systematisch ausgeführten, sehr sorgfältigen Untersuchung aller Weinkulturen durch zahlreiche Sachverständige und die Vernichtung aller dabei gefundenen von der R. befallenen und der benachbarten gesunden Reben. Eicher ist es dadurch gelungen, die Bildung großer Herde zu verhindern, dagegen hat sich die gehegte Hoffnung, daß es schließlich gelingen werde, die R. auszurotten, bisher leider nicht erfüllt. Die preuß. Staatsbehörden haben deshalb seit einigen Jahren Rebenveredelungsstationen in Eibingen bei Geisenheim, Engers und Trier errichtet, wie dies in allen andern von der R. stärker heimgesuchten Ländern schon vor längerer Zeit geschehen ist. In diesen Stationen werden die widerstandsfähigsten amerik. Weinsorten angezogen, mit den besten lokalen Keltertraubensorten veredelt, um Versuche anzustellen und später größere Quantitäten abgeben zu können.
Die Litteratur über die R. ist sehr umfangreich, besonders die französische; in Deutschland schrieben darüber Rösler, Nördlinger, Hamm, Vogt, Moritz, Dillmann, Girard, Göthe u. a. Insbesondere vgl. V. Fatio, État de la question phylloxérique en Europe en 1877 (mit 7 Karten der Verbreitung der R. in den europ. Ländern, Genf 1878); von Babo und Rümpler, Kultur und Beschreibung der amerik. Weintrauben (Berl. 1885); Ritter, Die Entwicklungsgeschichte der R., deren Verbreitung und Bekämpfung (Neuwied 1889); Moritz, Die Rebenschädlinge, vornehmlich die Phylloxera vastatrix Pl. (2. Aufl., Berl. 1891); ders., Beobachtungen und Versuche, betreffend die R., Phylloxera vastatrix Pl., und deren Bekämpfung (in den "Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt", ebd. 1893); Keßler, Die Ausbreitung der Reblauskrankheit in Deutschland (ebd. 1892). Die von den Reichsbehörden jährlich herausgegebenen Denkschriften, betreffend die Bekämpfung der Reblauskrankheit (Nr. 1-16, Berl. 1878-94), enthalten genaue Übersichten über dic Organisation der Reblausbekämpfung, Stand der Reblauskrankheit im Reiche und im Auslande, mit Plänen der alten und neuen Reblausherde in Deutschland.
Rebmann, Johannes, Missionar und Afrikaforscher, geb. 16. Jan. 1820 zu Gerungen bei Leonberg in Württemberg, besuchte 1839 das Missionshaus in Basel und 1844 jenes von Islington in England. Im Auftrag der Church Missionary Society ging er zur Unterstützung des Missionars