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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rehabeam - Rehe
grau. Der Steiß und die hintere Seite der Schenkel
sind weiß (in der Waidmannssprache "der Spiegel").
Der Schwanz ist verkümmert unter dem Pelz versteckt,
nur ein kleines, dicht und weich behaartes Rudiment
("der Pinsel") ragt über dem Aster hervor. Die
Jungen baben bis zum ersten Herbst weiße, rund-
licheFlecken auf der braunen Grundfarbe. Das R.
ist säst über ganz Europa und einen Teil des nördl.
Asiens verbreitet, Es lebt rudelweise (in "Sprüngen"
von drei bis zehn Stück) am liebsten in Nieder- und
Mittelwald mit offenen, lichten Grasplätzen, der von
Feldern begrenzt wird; es äst Gräser und Laub,
nimmt gern junge Saaten an und im Winter vor-
züglich Blätter von Vrombeerstauden, Knospen von
Eichen, Pappeln, Espen u. s. w. und Misteln, macht
auch an Aufforstungen durch Verbeißen der jungen
Bäumchen mannigfachen Schaden. Das Fleisch des
R. gehört zum feinsten Wildbret. Die Felle werden
rauhgar zu Decken verwendet oder geben, sämisckgar
verarbeitet, ein gutes Handschuhteder; das Haar
dient zu Polstern, das Geweih zu Znumersännuck
und Trechslerarbeiten. Die Brunft des R. findet
im August statt; im Mai setzt das Muttertier ge-
wöhnlich zwei Junge. Das männliche ausgewachsene
R. heißt Bock, das weibliche R i ck e (auch H ill e oder
Geiß); die jungen R. werden Reh kalb er oder
Rebkitze genannt; der junge Bock, der das erste
Gehörn aussetzt, heißt Spießbock, beim zweiten
Gehörn Gabler, Gabelbock; die junge Ricke
deißt vom ersten Winter an, bis sie beschlagen ist,
Schmalreh. In der Gesangenschast hält das R.
nur selten längere Zeit aus; auch werden die Böcke
mit zunehmendem Alter bösartig und gefährlich. -
Vgl. Dombrowski, Das R. (Wien 1876).
Rehabeam (bebr. Ilecn^iiin, "Volksausbrei-
ter"), König von Iuda, Sohn und Nachfolger Salo-
mos, regierte im 10. Jahrh. v.Cbr. Sein Regierungs-
antritt gab den mit der unter Salomo immer drücken-
der gewordenen Herrschast des Hauses David und
des Stammes Iuda längst unzufriedenen übrigen
Stämmen das Zeichen zum Aufstand, der mit der
Entsetzung R.s und der Wahl Ierobeams I. (s. d.)
endete. Nur der Stamm Iuda, die Wiege der Da-
vidischen Dynastie, blieb dem R. treu. Mit Je-
robeam lag er beständig im Kriege. In seine Zeit
fällt ein Plüudcrungszug des Pharao Sisak (Se-
sonchis) von Ägypten gegen Palästina, dem auch
die Schätze der Königsburg und des Tempels zu
Jerusalem zur Beute sielen.
Rehabilitation (neulat.) oder Rebabilitie-
rung, die Wiedereinsetzung in die srühere Ebren-
stellung, so die eines suspendiert gewesenen Beamten
in sein Amt; ferner der Begnadigungsakt, durch
welchen der infolge strafrechtlicher Verurteilung ein-
getretene Verlust bürgerlicher Ebre wiederhergestellt
wird. Beim Militär ist R. die Wiedereinsetzung in
die erste Klasse des Eoldatenstandes, welche von dem
Kaiser oder dem betreffenden Landesberrn verfügt
wird. Dieselbe dars nur nach einer bestimmten Zeit
seit Versetzung in die zweite Klasse oder seit Ver-
bühung der Strafe nachgesucht werden.
In der französischen Rcchtssprache bedeutet R.
die Aufhebung der durch ein Etrafurteil oder die
Konkurseröffnung bewirkten Beschränkungen und
Ehrenfolgen durch einen Akt des Staatsoberhaup-
tes. DieR., welcher ein gefetzlich geregeltes Ver-
fahren vorhergeht, wird hier von der Begnadigung,
durch welche nur die eigentliche strafe erlassen wird,
unterschieden.
Rehau. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez.
Oberfranken, hat 269,58 ykm und (1890) 20549
(10 221 männl., 10 328 weibl.) E., 29 Gemeinden
mit 142 Ortschaften, darunter 2 Städte. - 2) Be-
zirksstadt im Bezirksamt R., 5 kin von der österr.
Grenze, am Pcrlenbache, am nördl. Fuße des Fichtel-
gebirges und an der Linie Hof-Eger der Bayr.
Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Hof), hat (1890) 3552 E.,
darunter 103 Katholiken, Post, Telegraph; bedeutende
Porzcllanfabrikation, mechan. Weberei, Dampf-
gerbereicn, Brauerei, Holzwolle- und Pflasterstein-
fabriken, staatliche Perlenfischerei und Fischzuchtan-
stalt, Jahrmärkte, bedeutenden Vieh-und Holzhandel.
Rehbein, beim Pferde ein Überbein auf der
äußern Seite des Eprunggelenks, in der Regel nur
ein Schönheitsfehler. Wenn das N. mit Spat (s. d.)
zugleich vorkommt, bewirkt es Lahmheit.
! Rehbergcr Graben, ein 7^/4 Km langer Gra-
! ben am 894m hohen Rehberg im Oberharz, nörd-
! lich von Andreasberg, der das Wasser aus dem Oder-
! teich den Werken von Andrcasberg zuführt; an ihm
die Rebberger Klipven, eine steile Felswand.
Rehburg, ^tadt im Kreis Stolzenau des preuß.
Reg.-Bez. Hannover, am Meerbach, zwischen dem
^teinhudermeer und der Weser, hat (1890) ^'.35
meist evang. E., darunter 32 Israeliten, Post, Te-
legraph, Sparkasse, Wasserleitung und Gasbeleuch-
tung. 4 kin südlich das schon seit dem 17. Jahrh,
bekannte Mineralbad R. mit Postagentur, Fern-
sprechverbindung, Ziegenmolkenanstalt und einer
1892 von Bremern gegründeten "Bremer Heilstätte"
sür unbemittelte Lungenkranke. - Vgl. Michaelis,
Bad R. (Hannov. 1875; 2. Aufl., ebd. 1879); Kraatzer,
Bad R. ß. Aufl., ebd. 1885).
Rehden, Stadt im Kreis Graudenz des preuß.
Reg.-Bez. Marienwerder, 20kiu im SO. von Grau-
denz, am Eckloßsee, hat (1890) 1870 E., darunter
755 Evangelische und 108 Israeliten, Post, Tele-
graph, kath. und cvang. Kirche, Ruiue einer Ordens-
burg und bedeutende Thonlagcr.
Rehe (fälschlick auch Rbehe geschrieben), Ver-
schlag, eine Krankheit der Pferde, die ziemlich häu-
fig vorkommt und in einer Entzündung der Weichteile
des Hufes besteht. Diese Entzündung tritt plötzlich
auf und befällt am häufigsten die beiden Vorderfüße,
zuweilen auch gleichzeitig die beiden Hinterfüße. Das
Bild der Lahmheit ist ein höchst charakteristisches.
Das Pferd fetzt in der Ruhe und bei der Bewegung
die kranken Füße weit nach vorn und die allen-
falls gesunden Hintersüße weit unter den Rumpf.
Die tranken Hufe selbst zeigen Wärme und Em-
pfindlichkeit. Die Krankheit entsteht entweder durch
Erkältung (Wind- oder Wasserrehe) oder durch
unaeeignete Fütterung (Futterrehe), wobei haupt-
sächlich Roggen, Weizen, Gerste, Erbsen und Bohnen
in Betracht kommen. Zur Behandlung empfiehlt sich
ein sofortiger ausgiebiger Aderlaß, energisches Küh-
len der kranken Hufe, leicht verdauliches Futter in
verringerter Ration und gelinde Abführmittel. Die
Krankheit taun nach 5-8 Tagen, unter Umstünden
auch nach 2-3 Wochen zu vollkommener Genesung
sich wenden. In andern Fällen aber wird die Krant-
beit chronisch, wenn sich das Hufbein infolge der
Entzündung senkt und so zur Entstehung des Reh-
oder Knollhufes (s. d.) Veranlassung giebt. Sehr
bäusig kommen bei der R. Rückfälle vor. -- Vgl.
Möller, Die Hujkrankheiten des Pferdes (2. Aufl.,
Verl. 1890).