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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reibungsrad - Reichardt
bei dem die Last auf ihrer als schiefe Ebene auf-
gestellten Unterlage zu gleiten beginnt.
Reibungsrad, s. Frittionsrad.
Reich, der Inbegriff einer großen Anzahl von
Dingen, die vermittelst eines allgemeinen Princips
im Verhältnis der Zusammengehörigkeit stehen.
Man spricht von einem Natur-, Mineral-, Pflanzen-
und Tierreich. Große Staaten heißen N., wenn sie
ein monarchisches Oberhaupt haben. Früher nannte
man N. vorzugsweise das Deutsche Reich.
Reich, Pbtt. Erasmus, Buchhändler, geb. 1. Dez.
1717 in Laubach in der Wetterau, wurde 1747 Ge-
schäftsführer und 1762 Teilhaber der spätern Weid-
mannschen Buchhandlung (s. d.) in Leipzig und ent-
wickelte zugleich eine energische Thätigkeit zur Re-
form des deutschen Buchhandels. Er stand an der
Spitze derer, die 1764 zum letztenmal die Frank-
furter Buchhändlermesse besuchten, worauf diese
dann vollends zum Verfall kam und Leipzig end-
gültig zum Mittelpunkt des buchhändlcrischen Ver-
kehrs wurde. Ferner gründete er 1765 den ersten
Buchhändlerverein, der feste Regeln in den Verkebr
zu bringen suchte und gegen Nachdruck und Schlcu-
derci kämpfte. Gegen die damaligen Bestrebungen
der Schriftsteller, ihre Werke selbst zu verlegen, wie
sie unter anderm in der Gelchrtenbuchhandlung
(s. d.) zum Ausdruck kamen, trat R. in zwei ano-
nymen Schriften und im "Meßkatalog." 1781 auf.
Er starb 3. Dez. 1787.
Reicha, Anton, Komponist und Musiktheoretiker,
geb. 27. Febr. 1770 zu Prag, war dort zuerst Cbor-
tnabe an der Kreuzherrenkirche, erhielt seit dem
16. Jahre Musikunterricht von seinem Oheim, dem
als Komponisten bekannten Joseph N., trat 1788
in das von diesem geleitete Bonner Hoforchester als
Flötist ein, wo er mit dem jungen Beethoven zu-
sammen wirkte. 1808 ließ er sich dauernd in Paris
nieder. 1817 wurde er an Möbuls Stelle Professor
der Kompositionslehre am Konservatorium. R.
starb 28. Mai 1836. Er hat Opern, Sinfonien und
eine große Anzahl Kammermusikwerke komponiert,
die keinen Erfolg hatten. Bedeutend wirkte er da-
qegen als Theoretiker; auch Verlioz gehört zu seinen
Schülern. R.s Hauptwerke sind: "Ii^itö äe m6-
loäie" (Par. 1814; 2. Aufl. 1832), "^ourL äe com-
p03ition innLickik" (ebd. 1818), "Ilaite clo kaute
compoLition mu8ic!li6" (2 Bde., ebd. 1824-26;
deutsch von Czerny, Wien 1834), "I^rt du com-
p08itour äramaticiuß" (Par. 1833).
Reichard, Christian Gottlieb, Kartograph, geb.
26. Juni 1758 zu Schleiz, studierte 1777-81 zu Leip-
zig die Rechte, wurde 1782 Etadtschreiber in Loben-
stein, wandte sich aber, als Zach 1798 mit Vertuch
die "Allgemeinen geogr. Ephemeriden" anlegte, der
Geographie und Kartographie zu. Er starb 11.Sept.
1837 zu Lobenstein. Sein erstes Werk war ein
"Atlas des ganzen Erdkreises in der Centralprojek-
tion" (6 Vl./Weim. 1803). Bald darauf wählte ihn
Vertuch zum Mitredacteur der "Ephemeriden", in
welchem Verhältnisse er bis 1805 blieb. 1812 ver-
band er sich mit Stieler in Weimar zur Herausgabe
des "Handatlas"; für Campe in Nürnberg bearbei-
tete er Smiths "Atlas der Alten Welt" neu. Außer-
dem sind seine vorzüglichsten Arbeiten: "Die östl.
und westl. Halbkugel der Erde in der Lambertschen
Projektion" l2 Vl., Nürnb. 1814), "Der nördl. Teil
des großen Weltmeers" (Weim. 1817), die "Welt-
karte nach Mcrcators Projektion" (4Bl., Nürnb.
1825), der im größten Maßstabe ausgeführte "Atlas
der Alten Welt" in 19 Tafeln, nebst einem "Ids-
3auru8 t0z)0ssi'll^Iiicu8" zu den elf ersten Karten
iebd. 1818-31); die treffliche Karte von "(^Ilia" zur
Erklärung der Schriften des Julius Cäsar (Lpz.
1832) und der "Neue Handatlas über alle Teile
der Erde" (28 Karten, Nürnb. 1832).
Reichard, Paul, Afrikareisender, geb. 2. Dez.
1854 in Neuwicd am Rhein, war anfangs aus in-
dustriellem Gebiete thätig und schloß sich 1880 als
Volontär einer Expedition an, die zur Gründung
einer wissenschaftlichen Station in Ostafrika aus-
gerüstet wurde; R. selbst widmete 50000 M. aus
persönlichen Mitteln. Leiter der Expedition war
Hauptmann von Schöler, der jedoch bald nach
Europa zurückkehrte; ferner gehörten ihr als Topo-
graph vi'. Kaiser und als Zoolog Dr. Böhm an.
Im Juli 1880 traten die Reisenden in Vagamojo
den Marsch ins Innere an; im November desselben
Jahres gründeten sie die Station Kakoma in Hgunda
(in Uniamwesi) und verweilten daselbst neun Mo-
nate; dann wurde dieselbe nach Igonda verlegt.
Im Okt. 1882 starb Kaiser auf einer Forschungstour
am Rikwasee. Im Dezember genannten Jahres
verließen N. und Böhm Igonda, um die westlich
vom Tanganika gelegenen Kongogebiete zu erfor-
scbcn; sie entdeckten bierbei in Katanga den Upäm-
basee, wo Böhm im März 1884 starb. Nach Vöhrns
Tode entdeckte R. die überaus reichen Kupferminen
von Katanga, etwa 11° südl. Vr. und zwischen
dem 26.° und 27.° östl. L. von Greenwich. Unter
großen Gefahren und Kämpfen kehrte N. ostwärts
nach der Küste des Indischen Oceans zurück.
In den Landschaften, in welchen die beiden deut-
schen Stationen gegründet worden waren, hatten
die Reisenden erhebliche Landerwcrbungen gemacht;
für dieselben suchte R. im Frühjahr 1886 um das
dcutscbc Protektorat nach, welchem Wunsche nicht so-
fort entsprochen werden konnte, dessen Erfüllung aber
durch das deutsch-engl. Abkommen vom 1. Juli 1890
gesichert wurde. R. veröffentlichte Berichte über feine
Reisen in mehrern Heften der "Mitteilungen der
Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland" (Berlin)
und in vielen wissenschaftlichen andern Zeitschriften
sbesonders über die Waniamwesi in der "Zeitschrift
für Erdkunde", ebd. 1890). Auch erschien von ihm
"Emin Pascha" (Lpz. 1891) und "Deutsch-Ostafrika"
(ebd. 1892).
Reichardt, Joh. Friedr., Komponist und Musik-
schriftsteller, gcb. 25. Nov. 1752 zu Königsberg in
Preußen, studierte in Königsberg und Leipzig
Rechtswissenschaft und Philosophie, sandte 1774
seine Oper "1^6 ^63t6 Faianti" an den König
Friedrich II., der ihm 1775 die Kapellmeisterstelle
in Berlin verlieh. Seine Wirksamkeit als Kom-
ponist begann er mit dem Prolog "II (^enio äelia
I^n38ig> ecl ii Osnio äeiik I^i-uLLia", der bei dem
Besuche des Großfürsten Paul von Rußland im
Sommer 1776 aufgeführt wurde. Nach dem Tode
Friedrichs d. Gr. (1786) setzte R. sich bei Friedrich
Wilhelm II. namentlich durch die Opern "IZrenno"
und "^.näi-0in0(lH" sowie durch eine Huldigungs-
kantate in Gunst, die er aber später durch Kund-
gebung revolutionärer Sympathien verscherzte, so
daß er 1794 seine Stelle verlor; 1796 wurde er
Salincninspcktor in Halle. Von hier aus besuchte
er oft Berlin, um seine neuesten Werke aufzufüh-
ren: fo 1797 die zum Regierungsantritt Friedrich
Wilhelms III. komponierte Oper "Die Geisterinsel".
Nach Errichtung des Königreichs Westfalen erhielt