Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

718
Reichenweier - Reichsamt des Innern
bruch der Neisse von dem nördl. Eulengebirge ge-
trennt, bis zum Südrand von Glatz hin und erhebt
sich auf deutschem Gebiet im Heidelberg zu 902, im
Iauersberg zu 882 m.
Reichenweier, frz. Riciu^ikr, Stadt im Kan-
ton Kaysersberg, Kreis Rappoltsweiler des Be-
zirks Oberelsaß, hat (1890) 1714 E., darunter
422 Katholiken, Postagentur, Telegrapb, Reste der
mittelalterlichen Befestigung, altertümliche Häuser
(16. und 18. Jahrh.), darunter der ehemalige
Württembergisch-MömpelgardischeHof, ein spätgot.
Giebelhaus mit Wendeltreppenturm, Geburtsstätte
des Herzogs Ulrich von Württemberg, jetzt Schul-
haus. Von den "Drei Kirchen auf einem Kirchhof"
des alten elsäss. Wahrspruchs sind nur noch drei
got. Bögen neben der evang. Kirche erhalten. Der
Weinbau ist bedeutend; der Reichenweierer Riesling
gilt von alters her als der beste des Landes.
Reicher-Kindermann, 5>edwig, Opernsänge-
rin, geb. 15. Juli 1853 in München als Tochter des
Baritonisten August Kindermann (s. d.), kam als
Chorsängerin und Valletttänzerin zur Bühne und
wurde, nachdem sie seit 1868 das Konservatorium
besucht hatte, amHoftheatcr zu Karlsruhe engagiert.
Bald nach München zurückgekehrt, trat sie in den
Verband des Gärtnerplatztheatcrs. Nach ihrer Ver-
heiratung mit dem Schauspieler EmanuelReicher
(von dem sie sich aber bald trennte) sang sie 1876
in Vayreuth, wirkte 1877-78 am Stadttheater zu
Hamburg und ging dann nach Wien an die Hos-
oper, von wo sie 1880 nach Leipzig engagiert wurde.
Hier erwarb sie sich ihren Ruf als Wagner-Sänge-
rin, der sich durch ihre Mitwirkung bei den Vor-
stellungen des Neumannschcn Wagner-Theaters
noch steigerte. Sie starb 2. Juni 1883 in Trieft.
Neichersberg, Gerhoh von, s. Gerhoh von
Reichersberg.
Reichert,KarlVogislaus, Anatom, geb.20.Dez.
1811 zu Nastcnburg in Ostpreußen, studierte in Kö-
nigsberg, sodann als Eleve des Friedrich-Wilhelms-
Instituts in Berlin Medizin, habilitierte sich da-
selbst 1842 als Privatdocent und wurde 1843 Pro-
fessor der Anatomie und vergleichenden Anatomie
in Dorpat. 1853 wurde er Professor der Physiologie
in Breslau, 1858 Professor der Anatomie und ver-
gleichenden Anatomie, Direktor des Anatomischen
Theaters und des Anatomischen Museums in Berlin.
Erstarb daselbst 21. Dez. 1883. R. hat durch eine
Reihe wichtiger Untersuchungen und Arbeiten auf
die Entwicklung der Embryologie, Gewebelehre und
Anatomie einen bedeutenden Einfluß ausgeübt.
Außer zahlreichen Abhandlungen in Fachzeitschristen
schrieb er: "Vergleichende Entwicklungsgeschichte des
Kopfes der nackten Amphibien nebst den Vildungs-
gesetzen des Wirbcltierkopfes im allgemeinen" (Aö-
nigsb. 1838), "Das Entwicklungsleben im Wirbel-
tierreich" (Berl. 1840), "Bemerkungen zur vergleichen-
den Naturforschung im allgemeinen und vergleichende
Beobachtungen über das Bindegewebe und die ver-
wandten Gebilde" (Dorp. 1845), "Die monogene
Fortpflanzung" (ebd. 1852), "Der Bau des mensch-
lichen Gehirns" (Lpz. 1859-60).
Reich Gottes, in der alttestamentlichen Pro-
phetie die Vollendung des religiösen und nationalen
Ideals der israel. Theokratie, oder die Verwirk-
lichung der Königsherrschaft Gottes auf Erden.
Die Propheten (s. d.) erwarteten dieselbe von dem
Messias, dem gesalbten Könige aus Davids Ge-
schlecht, dessen Kommen sie verkündigten. Jesus
Christus trat, noch bevor er sich als der verheißene
Messias zu erkennen gab, mit der Botschaft auf, daß
das R. G. oder (wie dafür das Matthäusevan-
gelium meisteus schreibt) das Himmelreich nahe
herbeigekommen sei. In die volkstümliche Hülle
eines irdischen Reichs voll äußerer Macht und Herr-
lichkeit kleidet sich ihm das religiöse Ideal einer
vollkommen sittlichen Menschengemeinschaft, in der
die Königsberrschaft Gottes auf Erden durch all-
gemeine Erfüllung des göttlichen Willens von feiten
der Menschen verwirklicht werden sollte. In der
Vorbereitung dieses Reichs mittels der Sammlung
einer Gemeinde von wahren Gotteskindern erkannte
Jesus immer ausschließlicher seinen Lcbensberuf.
Die Urgemeinde hat dieses Reich fast nur in der
Zukunft gesucht, daher der Katholicismus und der
ältere Protestantismus allmählich an seine Stelle
die Kirche setzten als das auf Erden gegenwärtige
R. G. im Unterschied von seiner himmlischen Voll-
endung. Die neueste prot. Theologie ist wieder auf
den ursprünglichen rein religiös-sittlichen Begriff
dieses Reichs, als der Herrschaft des Willens Got-
tes unter den Menschen, zurückgekommen.
Reichmann, Theod., Varitonist, geb. 18. März
1849 zu Rostock, setzte die in Berlin begonnenen
Gesangsstudien in Prag und Mailand ^ort und er-
schien in Magdeburg zum erstenmal auf der Bühne.
Von dort kam R. an das Nowacksche Theater in
Berlin, dann nach Rotterdam, Köln, Etraßburg,
Hamburg, endlich 1875 an das Hoftheater in Mün-
chen. 1883-89 war er Mitglied der Wiener Hof-
oper, gastierte dann in Amerika, war längere Zeit
an der Nkti'opolitim Opera, in Ncuyork engagiert
und gehört jetzt wieder der Wiener Hofoper an. R.
verfügt über einen ebenso wohlklingenden wie um-
fangreichen und biegsamen Heldenbariton. Er ist
seit 1882 eine Hauptstütze der Vayreuthcr Festspiele.
Reichsabschied oder Neichsrezeß, im ehe-
maligen Deutschen Reich die Urkunde, in welcher
am Schluß des Reichstags die gesamten Beschlüsse
nebst den darauf gegebenen kaiserl. Entschließungen
zusammengestellt wurden. Die ältesten R. sind ver-
loren gegangen, die Fragmente derselben und die
spätern Abschiede seit Kaiser Marimilian I. sind
z. V. in Senkenbergs und Dhlenschlägers Samm-
lung (4 Bde., Franks. 1747) abgedruckt. Der sog.
jüngste (letzte) R. datiert von 1654. Da seit 1663
der Reichstag bis zu Ende des Deutschen Reichs
beständig versammelt blieb, so konnte kein weiterer
R. mehr stattfinden.
Reichsacht, s. Acht.
Reichsadel, s. Adel und Neichsritterschaft.
Reichsadler, der Doppeladler des Römisch-
Deutschen Kaiserreichs, s. Adler (als Symbol); über
den jetzigen deutschen R. s. Deutschland und Deut-
sches Reich (Bd. 5, S. 154^)-, die Abbildung s. Tafel:
Wappen der wichtigsten Kulturstaaten,
Fig. 6, beim Artikel Wappen.
Reichsamt des Innern. Nach Aufrichtung
des Norddeutschen Bundes wurde für die dem
Bunde überwiesenen Angelegenheiten dem Bundes-
kanzler ein besonderes Bundeskanzleramt beigege-
ben, das spätere Reichskanzleramt. In demselben
waren zunächst alle Verwaltungszweige vereinigt
und in Abteilungen gegliedert. Diese Abteilungen
wurden weiterhin zu selbständigen, dem Reichskanz-
ler untergeordneten obersten Rcichsämtern erhoben
und seit dem Stellvertretungsgesetz vom 17. März
1878 sind die Staatssekretäre dieser Reichsämter