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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reichenweier - Reichsamt des Innern

bruch der Neisse von dem nördl. Eulengebirge getrennt, bis zum Südrand von Glatz hin und erhebt sich auf deutschem Gebiet im Heidelberg zu 902, im Jauersberg zu 882 m.

Reichenweier, frz. Riquewihr, Stadt im Kanton Kaysersberg, Kreis Rappoltsweiler des Bezirks Oberelsaß, hat (1890) 1714 E., darunter 422 Katholiken, Postagentur, Telegraph, Reste der mittelalterlichen Befestigung, altertümliche Häuser (16. und 18. Jahrh.), darunter der ehemalige Württembergisch-MömpelgardischeHof, ein spätgot. Giebelhaus mit Wendeltreppenturm, Geburtsstätte des Herzogs Ulrich von Württemberg, jetzt Schulhaus. Von den «Drei Kirchen auf einem Kirchhof» des alten elsäss. Wahrspruchs sind nur noch drei got. Bögen neben der evang. Kirche erhalten. Der Weinbau ist bedeutend; der Reichenweierer Riesling gilt von alters her als der beste des Landes.

Reicher-Kindermann, Hedwig, Opernsängerin, geb. 15. Juli 1853 in München als Tochter des Baritonisten August Kindermann (s. d.), kam als Chorsängerin und Balletttänzerin zur Bühne und wurde, nachdem sie seit 1868 das Konservatorium besucht hatte, am Hoftheater zu Karlsruhe engagiert. Bald nach München zurückgekehrt, trat sie in den Verband des Gärtnerplatztheaters. Nach ihrer Verheiratung mit dem Schauspieler Emanuel Reicher (von dem sie sich aber bald trennte) sang sie 1876 in Bayreuth, wirkte 1877‒78 am Stadttheater zu Hamburg und ging dann nach Wien an die Hofoper, von wo sie 1880 nach Leipzig engagiert wurde. Hier erwarb sie sich ihren Ruf als Wagner-Sängerin, der sich durch ihre Mitwirkung bei den Vorstellungen des Neumannschen Wagner-Theaters noch steigerte. Sie starb 2. Juni 1883 in Triest.

Reichersberg, Gerhoh von, s. Gerhoh von Reichersberg.

Reichert, Karl Bogislaus, Anatom, geb. 20. Dez. 1811 zu Rastenburg in Ostpreußen, studierte in Königsberg, sodann als Eleve des Friedrich-Wilhelms-Instituts in Berlin Medizin, habilitierte sich daselbst 1842 als Privatdocent und wurde 1843 Professor der Anatomie und vergleichenden Anatomie in Dorpat. 1853 wurde er Professor der Physiologie in Breslau, 1858 Professor der Anatomie und vergleichenden Anatomie, Direktor des Anatomischen Theaters und des Anatomischen Museums in Berlin. Er starb daselbst 21. Dez. 1883. R. hat durch eine Reihe wichtiger Untersuchungen und Arbeiten auf die Entwicklung der Embryologie, Gewebelehre und Anatomie einen bedeutenden Einfluß ausgeübt. Außer zahlreichen Abhandlungen in Fachzeitschriften schrieb er: «Vergleichende Entwicklungsgeschichte des Kopfes der nackten Amphibien nebst den Bildungsgesetzen des Wirbeltierkopfes im allgemeinen» (Königsb. 1838), «Das Entwicklungsleben im Wirbeltierreich» (Berl. 1840), «Bemerkungen zur vergleichenden Naturforschung im allgemeinen und vergleichende Beobachtungen über das Bindegewebe und die verwandten Gebilde» (Dorp. 1845), «Die monogene Fortpflanzung» (ebd. 1852), «Der Bau des menschlichen Gehirns» (Lpz. 1859‒60).

Reich Gottes, in der alttestamentlichen Prophetie die Vollendung des religiösen und nationalen Ideals der israel. Theokratie, oder die Verwirklichung der Königsherrschaft Gottes auf Erden. Die Propheten (s. d.) erwarteten dieselbe von dem Messias, dem gesalbten Könige aus Davids Geschlecht, dessen Kommen sie verkündigten. Jesus Christus trat, noch bevor er sich als der verheißene Messias zu erkennen gab, mit der Botschaft auf, daß das R. G. oder (wie dafür das Matthäusevangelium meistens schreibt) das Himmelreich nahe herbeigekommen sei. In die volkstümliche Hülle eines irdischen Reichs voll äußerer Macht und Herrlichkeit kleidet sich ihm das religiöse Ideal einer vollkommen sittlichen Menschengemeinschaft, in der die Königsherrschaft Gottes auf Erden durch allgemeine Erfüllung des göttlichen Willens von seiten der Menschen verwirklicht werden sollte. In der Vorbereitung dieses Reichs mittels der Sammlung einer Gemeinde von wahren Gotteskindern erkannte Jesus immer ausschließlicher seinen Lebensberuf. Die Urgemeinde hat dieses Reich fast nur in der Zukunft gesucht, daher der Katholicismus und der ältere Protestantismus allmählich an seine Stelle die Kirche setzten als das auf Erden gegenwärtige R. G. im Unterschied von seiner himmlischen Vollendung. Die neueste prot. Theologie ist wieder auf den ursprünglichen rein religiös-sittlichen Begriff dieses Reichs, als der Herrschaft des Willens Gottes unter den Menschen, zurückgekommen.

Reichmann, Theod., Baritonist, geb. 18. März 1849 zu Rostock, setzte die in Berlin begonnenen Gesangsstudien in Prag und Mailand fort und erschien in Magdeburg zum erstenmal auf der Bühne. Von dort kam R. an das Nowacksche Theater in Berlin, dann nach Rotterdam, Köln, Straßburg, Hamburg, endlich 1875 an das Hoftheater in München. 1883‒89 war er Mitglied der Wiener Hofoper, gastierte dann in Amerika, war längere Zeit an der Metropolitian Opera in Neuyork engagiert und gehört jetzt wieder der Wiener Hofoper an. R. verfügt über einen ebenso wohlklingenden wie umfangreichen und biegsamen Heldenbariton. Er ist seit 1882 eine Hauptstütze der Bayreuther Festspiele.

Reichsabschied oder Reichsrezeß, im ehemaligen Deutschen Reich die Urkunde, in welcher am Schluß des Reichstags die gesamten Beschlüsse nebst den darauf gegebenen kaiserl. Entschließungen zusammengestellt wurden. Die ältesten R. sind verloren gegangen, die Fragmente derselben und die spätern Abschiede seit Kaiser Maximilian Ⅰ. sind z. B. in Senkenbergs und Öhlenschlägers Sammlung (4 Bde., Frankf. 1747) abgedruckt. Der sog. jüngste (letzte) R. datiert von 1654. Da seit 1663 der Reichstag bis zu Ende des Deutschen Reichs beständig versammelt blieb, so konnte kein weiterer R. mehr stattfinden.

Reichsacht, s. Acht.

Reichsadel, s. Adel und Reichsritterschaft.

Reichsadler, der Doppeladler des Römisch-Deutschen Kaiserreichs, s. Adler (als Symbol); über den jetzigen deutschen R. s. Deutschland und Deutsches Reich (Bd. 5, S. 154 a); die Abbildung s. Tafel: Wappen der wichtigsten Kulturstaaten, Fig. 6, beim Artikel Wappen.

Reichsamt des Innern. Nach Aufrichtung des Norddeutschen Bundes wurde für die dem Bunde überwiesenen Angelegenheiten dem Bundeskanzler ein besonderes Bundeskanzleramt beigegeben, das spätere Reichskanzleramt. In demselben waren zunächst alle Verwaltungszweige vereinigt und in Abteilungen gegliedert. Diese Abteilungen wurden weiterhin zu selbständigen, dem Reichskanzler untergeordneten obersten Reichsämtern erhoben und seit dem Stellvertretungsgesetz vom 17. März 1878 sind die Staatssekretäre dieser Reichsämter