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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reliefkarten - Reliefperspektive
in großer Vollendung von den lithogr. Kunstanstalten
geliefert werden. Erzeugt wird der R., indem von
der vertieften Platte aus geeignetem Material (Gutta-
percha, Schellack, Leder, Kitt u. s. w.) eine erhabene
Matrize (Gegenform) gewonnen wird, die unter dem
Druck der Presse das verwendete Papier, Karton
u. s. w. in die vertiefte Prägplatte hineinpreßt und
es als deren Relief erscheinen läßt. Schon in frü-
herer Zeit war man bestrebt, diese Kunst nutzbar zu
machen, indem man auch Landkarten und Städte-
pläne en reiiet' druckte. Vauerkeller in Paris und
Kummer in Berlin haben darin das meiste geleistet.
Anwendung findet der R. auch bei Wertpapieren als
Trockenstempel und beim Blindendruck ff. d.), da die
Blinden fühlbare Buchstaben haben müssen.
Reliefkarten, verkleinerte plastisch gearbeitete
Nachahmungen bestimmter Teile der Erdoberfläche.
Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrh, hat Paul
Dox eine Karte der Umgegend von Kufstein "von
Lehm gestrichen und ausgeführt". Die ersten voll-
kommnern R. verfertigte Ludwig Pfyffer (1715-
1802), der von 1766 bis 1785 einen großen Teil der
Kantone Uri, Schwyz und Zug, die Kantone Luzern
und Unterwalden beinahe ganz und außerdem noch
einige angrenzende Gegenden von Bern, Zürich und
Aargau auf einem Wachsrelief von 246 Quadratfuh
darstellte. Die erste in Papiermache vervielfältigte
Reliefkarte verfertigte I. R. Meyer von Aarau (1739
- 1813) und A. Zeune ließ 1810-14 die Relief-
globcn ("Tasterdkugeln") in Gips, ursprünglich zum
Gebrauch für Blinde herstellen. A. Ravenstein gab
1849 einen plastischen Schulatlas heraus. Die voll-
kommensten N. macht man in der neuesten Zeit aus
Karten mit Isohypsen, indem man die einzelnen
Zöhenfchichten aufeinander klebt. Ein ganz eigen-
artiges Relief von Tirol hat Professor I. Schuler im
Garten des Pädagogiums zu Innsbruck ausgeführt,
wobei für die einzelnen Gebirgsgruppen die ent-
sprechenden Gesteinsarten als Material gewählt sind.
Ähnliche Arbeiten lieferten 1891 Simon (Iungfrau-
relief) und 1893 der Lehrer Oberlercher in Klagen-
furt (Relief der Glocknergruppe in 1:2000).
Reliefkopiermafchine, Reliefguillochicr-
maschine, eine von A. Collas in Paris 1830 an-
auf dem Tisch V befestigt ist. Wenn nun der Schlit-
ten 3^, mit dem der Laufstift I< und der Gravierstift 6
gelenkig verbunden sind, senkrecht zur Bildebene auf
dem Schlitten 8.2 verschoben wird, so gleitet der Lauf-
stift X über die Oberfläche der Medaille N und der
Gravierstift über die Druckplatte hin (und zwar eben-
falls senkrecht zur Papierebene). Bei dieserBewegung.
Fig. 1.
gegebene Einrichtung, wodurch metallene Druck-
platten auf mechan. Wege so graviert werden, daß
deren Abdruck auf Papier das Abbild einer Me-
daills in überraschend genauer Schattierung liefert
(s. Collas-Manier). Die R., die in vorstehender
Fig. 1 schematisch dargestellt ist, wirkt folgender-
maßen : Die zu kopierende Medaille N liegt fest auf
dem Tisch ^, während die herzustellende Druckplatte D
wird aber der Laufstist gezwungen, dem jeweiligen
Profil der Medaille folgend, auf und ab zu gehen.
Durch den Winkelhebel 11 setzt sich die w eintretende
Vertikalbewegung des Laufstiftes fur den Gravier-
stift O in eine.Horizontalbewegung um, so daß dieser
die in vertikaler Ebene liegenden Linien des Lauf-
stiftes nachzeichnet, aber in die Zeichenebene umge-
klappt. Dadurch, das; man für jede neu zu ziehende
Linie den Schlitten 82 auf dem Lineal 1^ um einen
Teilstrich weiterschiebt, entstehen auf der Platte I>
eine Schar krummer Linien, die auf der rechten
Seite dichter zusammenliegen als auf der linken.
Daraus ergiebt sich im spätern Abdruck eine natür-
liche (der seitlichen Lage der Lichtquelle entsprechende)
Schattenverteilung, die den Eindruck einer plastischen
Wiedergabe des Originals macht (s. Fig. 2). Seit der
Einführung der photo-
mcchan. Vervielfälti-
gungsverfahren hat die
Collas-Manier und die
R. an Vielfeitigkeit der
Anwendung eingebüßt;
jedoch wird die Collas-
Manier durch die pboto-
mechan. Vervielfälti-
gungsverfahren an
Feinheit und Schärfe
nickt erreicht, so daß
sie für bessere Arbeiten
noch bevorzugt wird;
auch ist sie zur Wieder-
gabe von Köpfen auf
Kassenscheinen noch in
Übung, weil sie hier dazu beiträgt, eine Nachahmung
der Scheine zu erschweren, da die Collas-Manier
durchHandzeichnungfchwernachgebildet werden kann.
Reliefperspektive, der Inbegriff derjenigen
Regeln, nach denen ein Körper als Relief dargestellt
wird. Damit das Relief, von einem bestimmten
Standorte (dem Augenpunkte) aus betrachtet, in
seinen Umrissen und Tcilungslinien denselben gco-