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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Retoroa - Retrakt
Retoroa, eine der Tubuai-Inseln, s. Rurutu.
Retorsion (vom lat. rktoi-liusre, zurückdrehen),
das völkerrechtliche Zwangsmittel der Erwiderung
einer an sich berechtigten, aber einen andern Staat
oder dessen Angehörige schädigenden Handlung eines
Staates durch eine ebenso berechtigte und schädigende
Handlung mit dem Zwecke, diesen zum Aufgeben sei-
nes schädigenden Verhaltens zu nötigen. So können
z. B. retorsionsweise Abgaben bei Erbschaften, die
ins Ausland gehen, erhoben werden (s. Abschoß).
Am häusigsten ist die R. in neuerer Zeit auf dem Ge-
biete des Zollwesens (Retorsionszölle, s. d.).
Retorsionszölle, Kampfzölle, Retalia-
ti ons zolle, Zölle, die auf die Erzeugnisse eines
andern Landes gelegt werden, um gegen gewisse
Zölle oder sonstige handelspolit. Maßregeln des
letztern anzukämpfen und womöglich die Beseitigung
derselben zu erreichen. Vci der Auswahl derselben
kann es sich nur darum handeln, den Gegner mög-
lichst empfindlich zu treffen und demnach die Haupt-
produkte desselben, die im Inlande vielleicht gar
nicht erzeugt werden, zu belasten, aber nicht solche
Waren, in denen das betreffende Land eine Art von
Monopol besitzt, weil sonst die Kosten der Maßregel
gänzlich von den inländischen Konsumenten getragen
werden mühten. R. sind im allgemeinen nur dann
zu empfehlen, wenn man erwarten darf, daß sie,
wenn auch nicht sofort, die beabsichtigte Wirkung
hervorrufen und dadurch ihre Aufhebung möglicy
machen werden. Unter solchen Voraussetzungen will
auch Adam Smith sie gelten lassen. Oft erscheinen
die R. in Form von Differentialzuschlügen zu bereits
bestehenden Zöllen. So können nach dem deutschen
Zollgesetz von 1879 die Erzeugnisse solcher Staaten,
die Deutschland nicht als meistbegünstigte Nation
behandeln, mit einem Zuschlag von 50 Proz. des
tarifmäßigen Zolls belegt werden. Vor Abschluß des
Deutsch-Russischen Handelsvertrags vom 10. Febr.
1894 bestanden auf kurze Zeit zwischen beiden Staa-
ten R.; mit Spanien, dessen Cortes den Handels-
vertrag nicht genehmigten, besteben sie noch auf
Grund der Verordnung vom 25. Mai 1894. Ebenso
befindet sich Frankreich im Verkehr mit der Schweiz
seit 2393 im Zustande der Netorsion.
Retorte (frz.), s. Destillation.
Netortengraphtt, der in den Gasanstalten
bei der Gasbereitung in den Retorten sich bildende
Absatz von fast chemisch reinem Kohlenstoff. Diese
durch Einwirkung der Hitze auf Kohlenwasserstoffe
sich bildende Ablagerung dient zur Herstellung von
elektrischen Vogenlichtkohlen und zur Anfertigung
der Kohlenelektroden in galvanischen Elementen.
Der R. ist hart, teils grau, teils silberglänzend.
Retortenkoks, soviel wie Gaskoks (s. d.).
Retouchieren (frz., spr. -tusch-), sowohl das
Auffrischen alter verblichener Gemälde und die er-
neuerte Brauchbarmachung abgenutzter Kupfer-,
Holz- oder Steinplatten, wie das überarbeiten eines
Bildes und die schließliche Übergehung der Platten
nach dem Probedruck und vor dem Gebrauch. - In
der Photographie bezeichnet man mit N. das über-
arbeiten der photogr. Bilder in Farbe oder Bleistift,
wobei Unebenheiten des Tons ausgeglichen, zu helle
Stellen gedämpft,unklar herausgekommene verfchärft
werden. Eine am Negativ vorgenommene Retouche
heißt Negativretouche (f. Photographie, S. 115a).
Nstour (frz., fpr. -tubr), zurück.
Retourbillets, s. Eisenbahnfahrkarten und
Eisenbahntarife (Bd. 5, S. 890a).
Retonren, zurückkommende Waren, insbeson-
dere auch solche, welche im überseeischen Verkehr als
Gegenanschaffung für die im Auslande verkauften
Güter zurückgebracht werden; auch bedeutet R. all-
gemeiner den Gegenwert für eine Warensendung in
Wechseln, Kontanten u. s. w. (S. Retourwaren.) -
R. machen, s. Pacotille. ^s. Longemer.
Retournemer (spr. -turn'mähr), Lacde, See,
Retournieren (frz., spr. -tur-), zurückkehren,
zurückschicken.
Retourrechnung, s. Nückrechnung.
Retourwaren, in der Sprache der deutschen
Zollgesetzgebung zollinländische Erzeugnisse oder Fa-
brikate, welche außer dem Meß- und Marktverkehr
auf Bestellung, zum Kommissionsverkauf, zur An-
sicht, zu öffentlichen Ausstellungen oder zum vor-
übergehenden Gebrauch nach dem Ausland gesendet
worden sind und von dort zurückkommen. Derartige
R. können vom Eingangszoll, dem sie unterworfen
sein würden, freigelassen werden, sofern kein Zwei-
fel dawider besteht, daß dieselben Waren wieder
eingehen, welche ausgegangen sind. Auch auslän-
dische Waren, welche im Inlande unter zollvermerk-
licher Behandlung eine Veredelung erfahren haben,
können als R. zum Wiedercingang ins Ausland ab-
gelassen werden.
^?. ee ^k"., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung
für Hipolito Ruiz Lopez (geb. 1754zuBelorada,
gest. 1815 als Adjunkt am Botanischen Garten in
Madrid) und Joseph Pavon, Botaniker, die 1779
-88 das südwestl. Südamerika durchforschten.
Retrahieren (lat.), zurückziehen, einen Rück-
Wechsel (Ritratte) ausstellen.
Retraite (frz., fpr. -träht), Rückzug (s. d.), auch
Signal dazu. Letzteres dient in der Garnison als
Zapfenstreich.
Retrakt (lat.), auch Näher-, Losungs-, Vei-
spruchs recht, Einstand, im wesentlichen ein auf
Gesetz beruhendes dingliches Vorkaufsrecht (s. d.),
reicht aber oft weiter, indem die Veräußerung nicht
bedingt gestattet, sondern allaemein verboten wird.
Die betreffenden gesetzlichen Bestimmungen wollen
gewisse Grundstücke einem gewissen Personenkreise
erhalten: den nächsten Erben (retracwZ F6nti1itiii8,
Erblosung), den Markgenossen (Marklosung),
den Miteigentümern (Ganerbenrecht), den Nach -
barn, denjenigen, unter welche Teile eines früher
einheitlichen Grundbesitzes verteilt sind (Gespilde -
recht, ^n8 conFrui), oder sie wollen einen Heimfall
an den Landesherrn, Gutsherrn, denjenigen, wel-
cher zu superfiziarischem Recht veräußert hat oder
welchem ein Grundstück enteignet ist (Eigentums-
losung), herbeiführen. Durch die Erblosung des
Ooäe civil Art. 841 soll das Eindringen eines Frem-
den, welchem eine Erbquote veräußert ist, in den Kreis
der Miterben verhindert werden. Der Berechtigte
kann, wenn das dem N. unterworfene Gut veräußert
ist, dem Erwerber das Eigentum "abtreiben", natür-
lich unter Ersatz oder Verpflichtung zur Erfüllung
! der vom Erwerber übernommenen Verbindlichkeiten.
! Vom verdinglichen Vorkaufsrecht unterscheidet sich
der N. darin, daß er sich erst nach Übertragung des
Eigentums, nicht schon nach Abschluß des Verkaufs
bethätigt. Die neuere Gesetzgebung hat mit den
Netraktrechten fast aufgeräumt. Das preuß. Gesetz
vom 2. März 1850 wahrt nur die franz. rechtliche
Erdlosung und die des Enteigneten; letztere ist
durch das preuß. Enteignungsgesetz beseitigt. Der
Eintragung in das Grundbuch bedarf der 3t. nicht.