Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

793
Retraktion - Rettungsboote
Retraktion (lat.), Zurück-, Zusammenziehung,
Verkürzung.
Netranchement (frz., spr. -trangschmang), Ver-
schanzung, verschanzte Linien.
Retriever (eng!., spr. ritrihwr), Apportierbund,
der bei der Hühnerjagd in England neben dem Vor-
stehhund benutzt wird und nur zum Herbeischaffen
des gefallenen Wildes dient, in Deutschland auch
als Stöberhund verwendet. Man unterscheidet den
kraushaarigenundwellhaarigenR. Ersterer
(curi^ colttLä) entstammt wahrscheinlich einer Kreu-
zung von Wasserspaniel und Pudel. Das Haar ist
bart und gelockt, die Farbe schwarz oder mattbraun.
Der andere (^^v^ coatsä) entstammt der Kreuzung
des Setters mit dem Neufundländer, hat dichtes,
welliges, glänzendes schwarzes Haar.
Retroflexion (lat.), Knickung (besonders der
Gebärmutter) nach rückwärts.
Retrograd (lat.), rückläufig, s. Rechtläusig.
Retronasälkatarrh, der Katarrh des Nasen-
rachenraums; Retropharyngealabsceß, eine
Eiteransammlung in dem lockern Bindegewebe zwi-
schen der Halswirbelsäule und dem Rachen.
Retrospektiv (lat.), zurückschauend.
Netroversion (lat.), Rückwärtsbcugung (be-
sonders der Gebärmutter).
^?. et F., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung
für Johann Jakob Römer (geb. 1763 in Zürich,
Arzt und Professor der Botanik daselbst, gest. 1819)
und Joseph August Schuttes (geb. 1773 in
Wien, gest. als Professor der Botanit in Landshut
Retschiza, rusf. Stadt, s. Rjctschiza. ^1831).
Rettich (IlapdanuZ ^.), Pflanzengattung aus
der Familie der Kruciferen (s. d.) mit sechs Arten, in
ganz Europa sowie im gemäßigten Asien, kraut-
artige Gewächse meist mit dickfteischigcr Wurzel. Die
Schoten sind dick und aufgedunsen, sie springen nicht
auf und sind von einem weißen, markigen Gewebe
erfüllt, das zwischen je zwei Samen eine Art Scheide-
wand bildet. Die Blüten sind weiß, gelb, rot oder
violett. Die wichtigste Art ist der Garten rettick
(I^pkanuz 8ativu3 /^.), in Asien einheimisch, aber
schon sehr früh in unsere Gärten übergegangen.
Schon Plinius rühmt die Größe der in Teutschland
erzogenen R. Der R. hat eine große spindelförmige,
rundliche oder lange, hartfleischige, scharf schmeckende
Wurzel mit dicker, rauher oder glatter Schale. Es
giebt davon mehrere Formen mit verschiedenen Gar-
tenvarietäten, nämlich: a. Winterret tick, I^-
pdanug 8Ntivu3 V. 68cni6nw3. Die Pflanze ist zwei-
jährig. Die Wurzel wird sehr groß und dient zum
Herbst-und Wintergebrauch. Sorten: Erfurter gro-
ßer weißer oder schwarzer (s. Tafel: Gemüse III,
Fig. 13), langer oder runder, runder rotgrauhäuti-
ger, weißer Münchener (Fig. 14). d. Sommerret -
tich. Die Pflanze ist einjährig, die Wurzel wird im
Sommer verbraucht. Sorten: Rosenroter Chine-
sischer, violetter Nlmer, Münchener lerchenfarbiger,
grausckwarzer runder Sommerrettich, c. M airct -
tich (Halbsommerrettich, gelber Wiener R., Zwei-
monatsrettich) bildet den Übergang zwischen dem
Sommerrettich und dem Monatsrettlch oder Radies-
chen. Er liefert den Bedarf in den Monaten Mai,
Juni. Sorten: Gelber runder Wiener, ovaler gel-
ber Wiener, weißer Delikateßrettich. ä. Monats-
rettich oder Radieschen (Radis), liapdarmZ
8ativu3 v. r^Iicnia. Die Pflanze ist ebenfalls ein-
jährig und von kurzer Dauer. Er eignet sich für die
ersten Frühjahrsmonate, kann aber durch wieder-
holte Aussaaten auch den ganzen Sommer hindurch
gezogen werden. Der Winterbedarf wird aus dem
Mistbeet gewonnen, da sich diese Form leicht treiben
läßt. Nach der Form unterscheidet man runde, ovale,
lange Radieschen, nach der Farbe weiße, rosenrot^
scharlachrote, violette; sehr zierend sind die Formen
mit weißen Knollenenden (s. Taf. III, Fig. 10). Sehr
zart und schnellwüchsig ist eine neuere Sorte: frühe-
ster dunkelroter kurzlaubiger R. oder ^on pw3
niti-a (s. Taf. III, Fig. 11). Die Winterrettiche ver-
langen einen tief gelockerten (rigolten), nahrhaften
Boden und erreichen darin eine ansehnliche Größe.
Man sät den Samen nicht vor Mitte Juni, weil
sie sonst sehr gern in Samen schießen. Der Boden
für die andern R. und Radieschen soll gleichfalls
gut gelockert und recht nahrhaft sein. Je schleuniger,
ungestörter die Knolle sich entwickelt, desto zarter
ist sie. Sommerrettiche werden von März bis Mai,
Mairettickc Ende März ins freie Land auf gut vor-
bereitete Beete gesät und alsbald nach Entwicklung
der Wurzelrüben geerntet.
Der Monatsrettich oder das Radieschen ist
eine schon im Altertum bekannt gewesene Kultur-
form des R., die zarteres Fleifch und mildern Ge-
schmack hat als jener. Aussaat von Ende März bis
Ende April sür den Frühjahrsbedarf, August und
September für den Herbstgebrauch. Der Samen
bleibt vier bis sünf Jahre keimfähig. Eine andere
Art, der geschwänzte N. (Naplianus ckwäaw8 ^.),
mit sehr langen, genießbaren, pikanten Schoten,
wird in Japan kultiviert und hat auch in unsern
Gärten Eingang gefunden. Ein sehr gefurchtstes
Ackerunkraut ist der Acker- oder Heidenrettich,
auch Hederich, 1^plianu8 i-g^kanisti-um ^. (Kä-
pdaniäti-uiii arv6N86 1^a?/i'.). Seine Ausrottung
ist, wo er einmal überhandgenommen, sehr schwie-
rig. Zu diesem Zwecke empfiehlt sich die von In-
gcrmann in Koldemoos (Schleswig) erfundene He-
derich-Iätcmaschine.
Rettich, Julie, geborene Gley, Schauspielerin,
geb. 17. April 1809 zu Hamburg, war Tiecks Schü-
lerin, wurde 1825 Mitglied der Dresdener Hof-
bühne, gastierte 1826 in Prag, 1827 in Hamburg,
1828 und 1829 am Vurgtheater in Wien und
wurde, nachdem sie vorher in Dresden als Gret-
cken ibren Ruf als eine der ersten tragischen Lieb-
haberinnen begründet, auch noch in Berlin gastiert
datte, 1830 für Wien engagiert. Hier vermählte sie
sich 1833 mit dem Schauspieler Karl R. (geb. 3. Febr.
1805 in Wien, gest. 17. Nov. 1878 ebendaselbst),
ging mit diesem wieder nach Dresden, kehrte aber
nach zwei Jahren nach Wien zurück, um ein lebens-
längliches Engagement anzutreten. Nach Abgang
Sophie Schröders übernahm sie 1840 das Fach der
Heldenmütter. Sie starb, nachdem sie seit Sept.
1865 von der Bühne zurückgetreten war, 11. April
1866. Julie R. war eine der letzten Vertreterinnen
der idealistischen Richtung in der Schauspielkunst.
Besonders glänzte sie in den Stücken Schillers und
Friedrich Halms.
Rettungsapparate, die Geräte zur Menschen-
rettung bei Feuersgcfahr (s. Feuerwehrrettungs-
apparate) und bei Seegefahr (f. Rettungswesen
zur See). ^S. 2383.).
Rettungsberge für Wild, s. Hochwasser (Bd. 9,
Rettungsbojen, s. Bojen und Rettungsboote.
Rettungsboote, Boote, die an gefährdeten
Mstenpunttcn zum augenblicklichen Gebrauche fer-