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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rineck - Ring (in der Botanik)
Vei den Mben, die jedes Iabr regelmäßig trächtig !
werden, bildet sich am Grunde des Hornes mit jeder
Träcktigkeit eine ringförmige Vertiefung (Jahres-
ring) aus. Da die meisten Kühe mit dem 3. Jahre
zum erstenmal gebären, so entspricht im allgemei-
nen die Zahl der Hornringe ^ 2 dem Alter der
Kübe. Hierbei muß aber beachtet werden, daß nickt
mit voller Sicherheit ein regelmäßiges jährliches !
Kalben angenommen werden kann und daß es!
außerdem Kühe giebt, welche die Hornringe höchst >
unregelmäßig ansetzen. !
Die Ernährung des Rindviehs gesckiebt im ^
Winter in dem Stalle, entweder mit Trockenfutter
allein oder mit Zusatz von zerschnittenen Wurzeln
und Knollen sowie Abfällen von technischen Gewer-
ben. Als Kraftfutter werdcu Getreidefckrot, Kleie, ^
Ölkuchen u. s. w. verabreicht. Man füttert kalt oder !
warm, letzteres, indem ein Teil der ^uttermatcrialien !
gebrübt, gekocht oder der Selbsterbitzung unter- ^
worfen wird. Kaltes reines Wasser genügt als Ge- ,
tränt', durch Erwärmung und Zusatz von Mehl, Ol- ^
kucken u. s. w. wirkt die Tränke vorteilhafter aus die
Milcherzeugung. Im Sommer nährt sich das Rind-
vieh mit Gräsern und Kräutern entweder auf der ^
Weide oder erhält sie abgemäht im Stalle vorgc- !
legt. Das letztere Verfahren, die sog. Stallfüt- !
terung, hat vor dem Weidegang den Vorzug, daß
man Menge und Zusammensetzung des Futters für
das Tier nach Willkür oder Zweckmäßigkeit regeln
kann. Auch die Ausnutzung oder Verwendung des
Mistes kann hier eine rationellere sein. Tagegen i
bat, wo es nahrhafte, nicht anders zu benutzende!
Weiden, wie in den Alpen- und Marschländern, ^
giebt, oder wo Boden und Klima den Anbau des ^
Mähefutters nicht begünstigen, wo das Land keinen
bohen Preis hat, der Wcidegang den Vorzug. Bei
letzterm bleibt das Vieh entweder, wo das Klima
es erlaubt, Tag und Nacht auf der Weide, oder es
wird srüh aus-und abends eingetrieben. ZurZiebung
und Erhaltung kräftiger, gesunderTiere ist der Weide-
gang entschieden zweckmäßiger; unser bestes Zucht-
vieb liefern die Gegenden mit Weidegang. ^
Die bauptfächlichstcn Krankheiten, von denen
das Rindvieh heimgesucht wird, sind Rinderpest,
Milzbrand, Kalbefieber, Maul- und Klauenseuche,
Lungenseucke, Tuberkulose, Knochenbrückigkeit,
Trommelfucht, Mauke, Kniesckwamm, Labme u. a.
Vgl. Pabst, Anleitung zur 3t. (hg. von A. Tbaer,
4. Aufl., Stuttg. 1880); Wilckens, Naturgeschichte
der Haustiere (Dresd. 1880); Kühn, Ernährung des
Rindviehs (10. Aufl., ebd. 1891): Rohde, Rassen,
Zücktung und Ernährung des Rindes und Milch-
wirtschaft (8. Aufl., von Eisbein, Verl. 1885);
H. Werner, Die Rinderzucht (ebd. 1892); Yama-
moto, Die Rinderzuckt Deutschlands lebd. 1894).
Rineck, ^tadt in Bayern, s. Rieneck.
Nintor2a.näo (ital., "stärker werdend"), abge- '
kürzt i'l. oder 1^2., Vortragsbezeicknung in der
Musik: mit verstärkter Kraft, scharfem Accent.
Il.intra.noo (ital.), Erstattung der Auslagen.
Ring. Der R. oder Reif findet sich fast durch
alle Zeiten und Länder, in kreisrunder oder spiral-
förmiger Gestalt, je nach. der bcrrsckenden Sitte
als Schmuckstück verschiedener Glieder, der Arme,
V^ne, Fußzehen, des Halses, des Kopfes, der Nase,
am gewöbnlichsten der Ohren und der Finger, dann
aber auch zu anderm und häufig zu sombolisckem
Gebrauch wie auch als Amulette verwendet. Vei
den Morgenländern (Ägyptern, Hebräern, Baby-
loniern, Assyrern und Persern) waren R. seit älte-
ster Zeit allgemein üblich, auch für die Männer
selbst Ohrringe. In den Homerischen Gedichten
findet sich von Fingerringen noch keine Spur, jedoch
hat Schliemann unter den reichen Schmuchachen
in den uralten Gräbern von Mykena auch R. aus
Gold und Bronze sowie mit Intaglioarbeit ge-
funden. R. mit geschnittenen Steinen waren seit
früher Zeit durch das ganze Altertum hindurch bei
den Griechen in Gebrauch. Den Römern, die den
Gebrauch der R. von den Sabinern oder Etruskern
herleiteten, dienten sie Jahrhunderte hindurch vor-
zugsweise nur zum Siegeln und zu einem Unter-
scheidungszeichen der Stände. Im 5. Jahrh, der
Stadt Rom trägt den goldenen Fingerring nur die
Nobilität, im 6. jeder (^enatorensohn, im 7. schon
jeder Ritter und zur Kaiserzeit jeder Freigeborene.
Iustinian gewährte es auch den Freigelassenen.
Bräute erhielten zur Verlobung von dem Bräutigam
einen R. geschenkt; Trauernde legten die R. ab.
Vei den Germanen waren R. aus Bronze oder
Gold, kleinere auch aus Bernstein und Knochen, als
Schmuckstücke für Finger (vinFeriin), Ohren (öi-Foit,
örrinc) und Brust (über die sie an Schnüre gereiht
herabhingen), namentlich aber für Kopf (und später
für den Helm), Hals, Beine und besonders für Arme
und Finger (letztere vier Gattungen unter dem Na-
men douc, Bange, d. i. ein zusammengebogener
Gegenstand) seit den Urzeiten im Gebrauch. (S.Arm-
bänder.) Einen eisernen R. (Nniin1n8, Fingerring)
trugen zu des Tacitus Zeit kattische Krieger als
Merkmal ungelösten Gelübdes, bis sie durch Tötung
eines Feindes sich davon ledigten. Auch bis ins
Mittelalter hinein wurden N. um verschiedene Kör-
perteile als Kennzeichen von Gelübden oder Ver-
pflichtungen gelegt, welchen Gebrauch auch die
Kircke aufnahm. Wenn die Bauge in frühester
Zeit als Kaufpreis der Braut und überhaupt als
Geld (Ringgeld) dienten (vgl. Much, Vaugen
und R., in den "Mitteilungen der Anthropologischen
Gesellschaft" in Wien, 1879), gelegentlich aber
auch als Arm-, Finger- und Haarringe oder sonst
als Schmuck verwendet wurden, so erschienen doch
auch schon damals daneben die Fingerringe als
Symbol der Vermählung, und die Kirche heiligte
auch diese ebcnsowobl röm. als german. (^itte, in-
dem sie, während zuvor der Verlobungsring bin-
dend und Hauptsacke gewesen war, jetzt die Trau-
ringe, mit Rücksicht auf 1 Mos. 38, 18 und 2 Mos.
35,22, durch den Priester weihen und an den vierten
Finger der linken Hand stecken ließ, weil nach alter,
schon aus röm. Zeit stammender Überlieferung von
diesem Finger eine Ader gerade nach dem Herzen
gehen sollte. (Vgl. Hofmann, Über den Verlobungs-
und den Trauring, Wien 1870.) Der R. wurde zu
den Weih- und Krönungsinsignien gezählt, er ist das
Symbol der geistigen Vermählung des Bischofs mit
seiner Tiöccse, des Königs mit seinem Lande. Mit
R. und Stab wird die Investitur (s. d.) vollzogen.
Der Fisckerring (s. d.) ist ein seit dem 13. Jahrh, ge-
bräuchliches päpstl. Siegel. Eine der Symbolik des
Trau-, Krönungs- und Bischofsrings verwandte
Handlung übte der Doge von Venedig, wenn er
jäbrlick einen N. ins Meer warf.
Ring, in der Botanik sehr verschiedene Gebilde,
am bäufigsten die stark verdickten Zellen der Farn-
svorangien (s. Farne und Tafel: Gefäßkrypto-
gamen, Fig. 1 d, 2 H und 4 c). Außerdem bezeichnet
man als R. die manschcttenartigen häutigen Ge-