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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ritschl (Otto) - Ritter (Heinr.)
noi-em ^rillsi-ici Rit8cN6Üi collLctH", 2 Bde., ebd.
1864-67) würdig zur Seite.
R.s Hauptwerk ist die unvollendet gebliebene
kritische Bearbeitung des Plautus, mit umfassenden
Prolegomenen über Kritik, Grammatik, Prosodie
und Metrik des Plautus (Bd. 1-3, Bonn und Elberf.
1848-54; vom 1. heft des 2. Bandes ist Lpz. 1871
eine 2. wesentlich umgestaltete Auslage erschienen),
durch welche dem kritischen Studium der altröm.
Poesie eine feste Grundlage gegeben worden ist. Unter
den verschiedenen Vorarbeiten dazu nehmen die "I'H-
i-erFH?lHutin3. et lerentianÄ" (Lpz. 1845) den ersten
Rang ein. Seine zahlreichen auf Plautus bezüg-
lichen Programme und kleinern Aufsätze sind im
2. Bande seiner "Kleinen philol. Schriften" (Lpz.
1868) gesammelt. Ein weiteres Hauptverdienst R.s
besteht in der durch die Plautinischen Studien vcr-
anlaßten, von N. zuerst angebahnten methodischen
Behandlung und Verwertung der Inschriften für
die lat. Sprachgeschichte. Einen sichern Grund sür
derartige Forschungen legte er in den "?ii3ca6 1a-
liniwtig nioiniNLntg. epiFrapliica" (Berl. 1862),
worin auf mehr als 100 lithogr. Tafeln in Folio
die getreuesten Faksimiles der Inschriften aus der
voraugusteischen Zeit enthalten sind. Die an die-
ses Werk sich anschließenden kleinern Arbeiten ent-
hält der 4. Band der "Kleinen philol. Schriften"
<Lpz. 1878). Andere Arbeiten R.s über griech. und
röm. Altertum sind im 1. und 3. Bande der "Kleinen
philol. Schriften" (Lpz. 1867 u. 1877) vereinig!;
Bd. 5 (ebd. 1879) enthält "Vermischtes". Auch war
R. Herausgeber des "Rheinischen Museums für
Philologie" (von 1841 an bis zu seinem Ende, an-
fangs im Verein mit F. G. Wclcker, dann mit
A. Klette). - Vgl. Lucian Müller, Friedrich R.
(2. Aufl., Verl. 1878), und namentlich O. Ribbeck,
Fr. W. N. (2 Bde., Lpz. 1879 u. 1881).
Ritschl, Otto, Sohn von Albrecht R., prot. Theo-
log, geb. 26. Juni 1860 zu Bonn, studierte in Göt^
tingen, Bonn und Gießen, habilitierte sich 1885 in
Halle, wurde 1889 außerord. Professor in Kiel und
1894 in Bonn. Er schrieb: "Cyprian von Karthago
und die Verfassung der Kirche" (Gött.1885), "Schleier
machers Stellung zum Christentum in seinen Reden
über die Religion" (Gotha 1888), "Das christl. Le-
bensideal in Luthers Auffassung" (Halle 1889), "Tic
Sendung des Bischoss Dr. R. nach Petersburg im I.
1829. Offener Brief an Professor de Lagarde" (Bonn
1890), "Albrecht R.s Leben" (1. Bd. ^1822-64^
Freib. i. Vr. 1892), "Über Werturteile" (ebd. 1895).
Ritten, Gemeinde in der östcrr. Vezirkshaupt-
mannschaft und dem Gerichtsbezirk Bozen, auf dem
aleichnamiqen, zwischen Eisack und Talfer sich er-
hebenden Plateau (1000 m), das mit Wald und
Wiesen bedeckt, als Sommerfrische dient, hat (1890)
als Gemeinde 3374 E. Hauptort ist das Dorf Klo-
benstein, in 1147 m Höhe, mit (1890) 528 E.,
großem Hotel und zahlreichen Villen, berühmt durch
seine Aussicht auf die Dolomiten (Gcislerspitze,
Langkofel, Schlcrn und Rosengarten). Beim nahen
Lengmoos (531 E.), im Thal des Finsterbachs, dic
berühmten Erdpyramiden, große 6-12 m hohe,
vom Regenwasser ausgespülte Pseiler oder Nadeln,
oben durch einen Stein oder Baum geschützt.
Ritter, s. Nliu68, XniM und Nitterwesen. In
Österreich ist R. noch jetzt die Bezeichnung für die
zweite Stufe des niedern Adels, zwischen dem "Edeln"
und dem "Freiherrn"; mit manchen Orden war bis
1884 die Erhebung in den RiNersland verbunden.
Ritter, Fisch, s. Saibling.
Ritter (NyuitßL) nannte Linne' die Gruppe der
vereinigten großflügeligen, schwalbenschwanz- und
apolloartigen Tagfalter (Ornitliopwi'a., ?api1in,
?ai'QÄ88iu8). Es sind meist ansehnliche, besonders
in den Tropen stark vertretene Schmetterlinge, aus
deren Discoidalzelle der Vorderflügel vier Längs-
rippen entspringen. Die Hinterflügel sind an der
äußern hintern Ecke meist zipfelartig ausgezogen
(Schwalbenschwänze, Nhuites cauäati 2^.), selten
glatt abgerundet (I^uit68 ecauäati!>.). Nach dem
Fehlen oder Vorhandensein roter Flecke an der
Wurzel der Unterseite der Flügel unterschied Linne'
weiter Trojaner und Hellenen.
Ritter, August, Lehrer der Ingemeurwissen-
schaften, geb. 11. Dez. 1826 zu Lüneburg, besuchte
bis 1842 das Gymnasium daselbst und ging dann
ein Jahr lang zur See. 1843-46 studierte er an
der jetzigen Technischen Hochschule zu Hannover und
1850-53 an der Universität zu Göttingen. Von
1846 bis 1850 und 1853 bis 1856 war er in ver-
schiedenen Maschinenfabriken (Hannover, Chemnitz,
Leipzig, Lüneburg und Rom) beschäftigt. 1856 wurde
R. an der damaligen Polytechnischen Schule zu Han-
nover als Lehrer für Mechanik und Maschinenbau
angestellt und 1870 als Professor an die Technische
Hochschule zu Aachen berufen. In seinen Werken
finden sich viele selbständige Entwicklungen. Die
Nittersche Schnittmethode zur Berechnung von
Spannungen in den Konstruktionsteilen von Dä-
chern und Brücken hat von ihm ihren Namen. Neben
vielen kleinern Abhandlungen in Zeitschriften gab
R. beraus: "Lehrbuch der analytischen Mechanik"
(2. Aufl., Lpz. 1883), "Elementare Theorie und Be-
rechnung eiserner Dach- und Vrückenkonstruktion"
(5. Aufl., ebd. 1894), "Lehrbuch der technischen Me-
chanik" (6. Aufl., ebd. 1892), "Lehrbuch der In-
genieur-Mechanik" (Hannov. 1873 u. 1876; 2. Aufl.,
Lpz. 1885), "Anwendungen der mechan. Wärme-
theorie auf kosmologische Probleme" (enthält die
ersten 6 Abhandlungen von 19 in Wiedemanns
Annalen 1878 - 88 erschienenen Abhandlungen
über die Konstitution gasförmiger Weltkörper).
Ritter, August Gottfried, Musiker, geb. 25. Aug.
1811 zu Erfurt, gest. 26. Aug. 1885 als Domorga-
nist zu Magdeburg, gehört unter die bedeutendsten
Orgelkomponisten des 19. Jahrh. Namentlich seine
Sonaten verdienen wegen ihrer Poet. Kraft und
ihres modernen Charakters eine Stelle neben den Ar-
beiten von Mendelssohn und Schumann. Auch
um die Geschichte der Orgel und ihrer Litteratur
hat sich R. vielfach Verdienste erworben durch Bei-
träge in Zeitschriften ("Urania" u. a.), wie durch
das zweibändige Werk "Zur Geschichte des Orgel-
spiels vornehmlich des deutschen im 14. bis zum
Anfange des 18. Jahrh." (Lpz. 1884).
Ritter, Heinr., Philosoph, geb. 21. Nov. 1791
zu Zerbst, studierte zu Halle, Göttingen und Berlin
Theologie und Philosophie. 1815 führte ihn das
Aufgebot der Freiwilligen nach Paris. 1817 habili-
tierte er sich zu Berlin, wo er 1824 eine außerordent-
liche Professur erhielt, und ging 1833 nach Kiel,
1837 nach Göttingen, wo er bis zu seinem Tode,
3. Febr. 1869, wirkte. In allen seinen Schriften
zeigt sich R. unabhängig von den herrschenden
Schulen; seine Philosophie ist bestrebt, einer christl.
Weltanschauung Begründung und Ausdruck zu
geben. Die bedeutendsten wissenschaftlichen Arbei-
ten R.s betreffen die Geschichte der Philosophie,