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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Robin Hood; Robineau; Robinie L.; Robinson

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Robineau - Robinson (Edward)

der Aufrührer auseinander. R. versuchte sich durch einen Pistolenschuß zu töten, der jedoch nur seine Kinnlade zerschmetterte. Er wurde dann in den Wohlfahrtsausschuß und endlich nach der Conciergerie geschafft, von wo aus er gegen 6 Uhr nachmittags, vom Hohn und Rachejubel der Menge begleitet, zum Schafott gefahren wurde. Von den 21 Verurteilten legte er zuletzt das Haupt unter das Fallbeil. Feigheit und Grausamkeit, verzehrender Ehrgeiz und Hingebung an große Ideale, maßlose Eitelkeit und affektierte Simplicität waren in R. zu einem eigentümlichen Ganzen vermischt. Das Volk jubelte laut, als es seinen Kopf fallen sah, und ganz Frankreich erhob sich aus der Lähmung des Schreckens zu neuem Leben. Die "Mémoires authentiques de Maximilien R." (2 Bde., Par. 1830) enthalten nichts mehr, als was der "Moniteur" jener Zeit mitteilt, und sind kompiliert von Charles Reybaud. Laponneraye gab die "Œuvres choisies" R.s heraus (3 Bde., Par. 1832-42), aber sehr unvollständig, später Vermorel die "Œuvres" (ebd. 1866). - Vgl. Tissot, Histeoire de R. (2 Bde., Par. 1844); Lewes, Life of R. (Lond. 1852); Hamel, Histoire de R. (3 Bde., Par. 1865-67); Gottschall, Maximilian R. (im "Neuen Plutarch", Bd. 2, Lpz. 1875); Héricault, La révolution de thermidor; R. et le comité de calut public en l'an II (2. Aufl., Par. 1877); Brunnemann, Leben Maximilian R.s (Lpz. 1880; 2. Aufl., ebd. 1885).

Robineau (spr. -noh), franz. Lustspieldichter, s. Beaunoir.

Robin Hood (spr. hudd), ein engl. Volksheld, war der Sage nach ein gewisser Robert, Graf von Huntingdon, der 21. Dez. 1247 starb. Neuere Schriftsteller betrachten ihn als eine mythische Persönlichkeit, in der sich der Haß der Angelsachsen gegen die normann. Eroberer verkörperte. Diese Auffassung liegt auch dem Charakter R. H.s in Walter Scotts "Ivanhoe" zu Grunde. Man nimmt meist an, daß er unter Richard I. (gegen 1200) gelebt habe. In geschichtlichen Werken wird er zuerst in Forduns schott. Chronik (zwischen 1377 und 1382) erwähnt. Der Lieblingsaufenthalt R. H.s war der Wald von Sherwood in Nottinghamshire. Die ältesten Balladen über ihn stammen aus der Zeit Eduards III.; gesammelt wurden sie zuerst von Wynkin de Worde in der jetzt äußerst seltenen "Lytel Geste of R. H." (Lond. 1495). Vollständige Ausgaben der Robin Hood-Balladen wurden von Ritson (Lond. 1795; neue Ausg. 1885) und Gutch (2 Bde., ebd. 1847) besorgt. Eine deutsche Bearbeitung derselben in Auswahl hat Anastasius Grün (Stuttg. 1864) geliefert. In Opern behandelten den Stoff Macfarren (1860) und Albert Dietrich (1879).

Robinie L., Robinie oder Akazie, Laubholzgattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen mit nur wenigen Arten in Nordamerika, Bäume und Sträucher mit unpaarig gefiederten Blättern, stachligen oder borstigen Nebenblättern, weißen oder roten, oft wohlriechenden Schmetterlingsblüten in überhängenden Trauben. Die glatten, schwärzlichen Hülsensrüchte mit sechs bis acht nierenförmigen, braunen Samen reifen zu Ende Oktober. Die am häufigsten in Deutschland angepflanzte und vollkommen heimisch gewordene Art ist die weiße oder gemeine Robinie, auch gemeine oder falsche Akazie, Wunderbaum und Heuschreckenbaum genannt, R. pseudacacia L., die unter Heinrich IV. um 1600 von Jean Robin zuerst in Paris aus

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Samen gezogen worden sein soll. Jetzt ist sie durch ganz Mitteleuropa bis in das südl. Spanien verbreitet. Im 18. Jahrh. versuchte man vielfach den sehr rasch wachsenden Baum in Deutschland als Waldbaum zu erziehen, um dem drohenden Holzmangel abzuhelfen; 1796-1803 erschien deshalb sogar eine besondere Zeitschrift: "Unechter Akazienbaum", von F. C. Medicus. Der Anbau im großen bewährte sich indessen nicht, weil die Akazie zu lichtbedürftig ist, der Dornenreichtum des jungen Holzes die Aufarbeitung erschwert, überdies Stockausschläge in Deutschland wenigstens oft erfrieren. Im nördl. und nordöstl. Europa hält die R. nicht mehr im Freien aus. Wegen ihrer weithin verlaufenden Wurzeln, die nach dem Abhieb des Stammes reichlich Wurzelloden treiben, und weil sie mit magerm Sandboden fürlieb nimmt, eignet sich die R. zur Befestigung des Flugsandes an Fluß- und Bachufern in Sandgegenden, von Bahndämmen u. dgl. Häufig wird sie deshalb namentlich in Ungarn angebaut. Ihrer Dornen wegen, und weil sie Schnitt verträgt, ist sie ein gutes Heckenholz. Das gelbliche Holz ist schwer und hart, fester als Eichenholz, sehr zähe und elastisch, dauerhaft, brennkräftig, aber schwerspaltig, nimmt eine schöne Politur an; sehr geeignet für Erd- und Wasserbauten, Schiffbau (Schiffsnägel), Maschinenbau, Tischlerarbeiten u. s. w. Zahlreiche Varietäten werden außer der Stammform in Gärten angebaut, so var. aurea mit goldgelben Blättern, crispa mit gekräuselten Fiederblättern, inemris (Kugelakazie), eine dornenlose Abart ohne Blütenbildung, namentlich als Schmuck für öffentliche Plätze und in Alleen beliebt. Die rote Akazie, R. hispida L., der Gärten ist nur strauchartig, erscheint aber bei uns auch als Baum mit schöner Krone, da man sie auf die gemeine R. veredelt. Eine dritte Art, R. viscosa Vent. oder glutinosa Sims., ein schöner Baum mit klebrigen, stachellosen Zweigen und bouquetartig gruppierten Blütentrauben, wird ebenfalls nicht selten zur Zierde kultiviert. In den Ostseeprovinzen Rußlands wird der der R. verwandte Erbsenbaum (s. Caragana) allgemein unter Akazie verstanden.

Robinson, engl. Familie, s. Grey und Nipon.

Robinson, Edward, verdient um die Geographie von Palästina, geb. 10. April 1794 zu Southington in Connecticut, studierte in Andover in Massachusetts Theologie und wurde 1823 Lehrer am dortigen theol. Seminar. R. ging 1826 nach Europa, um sich zunächst in Paris, dann in Halle und Berlin biblisch-orient. Studien zu widmen. 1830 kehrte er nach Andover zurück, wo er Professor und Bibliothekar wurde und die Zeitschrift "The Biblical Repository" begründete. Seit 1833 lebte R. in Boston, bis er 1837 als Professor der Theologie an das presbyterianische Union Seminary nach Neuyork übersiedelte. 1837-38 durchwanderte er, meist mit dem Missionar Eli Smith, Ägypten, die Sinaihalbinsel und Palästina und kehrte 1840 nach Neuyork zurück. Die Ergebnisse dieser Reise legte er in den "Biblical researches in Palestine and the adjacent countries" (3 Bde., Lond. und Boston 1841; 3. Aufl. 1867; deutsch, 3 Bde., Halle 1841-42) nieder. Im Sommer 1852 unternahm R. eine neue Reise durch Palästina, deren Frucht die "Later biblical researches" (Lond. 1856; deutsch Berl. 1857) waren. R. starb 27. Jan. 1863 zu Neuport. Nach seinem Tode erschien die "Physische Geographie des heiligen Landes" (Lpz. 1865). Beiträge zur