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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Roburit - Rochambeau
Roburit, ein brisanter Sprengstoff, 1880 von
Dr. Roth erfunden, besteht aus 10 Teilen Dinitro-
chlorobenzol und 90 Teilen salpetersaurem Ammo-
niak; statt des Benzols kann auch Phenol und Naph-
thalin verwandt werden, auch empfiehlt sich ein
Zusatz von Schwefel, um die Explosion zu verlang-
samen und die Entzündung zu erleichtern. Das R.
wird als Pulver in wasserdichten Patronen ver-
wandt; es ist ziemlich ungefährlich und unempfind-
lich gegen Stoß und Schlag, verbrennt an der freien
Luft ohne zu explodieren, ist jedoch schwächer in
seiner Wirkung als Kieselgurdyuamit Nr. 1. Das
R. wird in England in der Nähe von Manchester
im großen hergestellt.
Nobüst (lat.), stark, kräftig.
Robusti, Giacomo, ital. Maler, s. Tintoretto.
Roca, Cabo da ("Fclsenkap"), lat. li-omonw-
riuin maFnum, die westlichste Landspitze Enropas
(9° 30' westl. L. von Greenwich, 38"46'nördl. Br.),
das Südwestende der aus Granit bestehenden Serra
de Cintra in Portugal, ist 30 Km westlich von Lissa-
bon und trägt einen Leuchtturm.
Noca, Iulio, Präsident der Argentinischen Ne-
pnblik, geb. Juli 1843 zu Tucuman, wurde 1873
General und 1879 Kriegsminister. Am 13. Juni
1880 ward cr zum Präsidenten der Republik gewählt
und trat 12. Okt. sein Amt an. (S. Argentinische
Republik, Vd. 1, S. 860a.) Schon unter seiner
Regierung begann die Spekulationswut, die unter
seinem Schwager Iuarez Cclman (s. d.), der ihm
1886 gefolgt war, zum Ruin des Landes führte
und eine Revolution veranlaßte, durch die Cclman
1890 gestürzt wurde. Als unter dem Präsidenten
Luis Saenz Pena 1893 neue Unruhen ausbrachen,
wurde N., der inzwischen Präsident des Senats ge-
wesen war, an die Spitze der R<gierungstruppen ge-
stellt, mit denen er den Aufstand schnell unterdrückte.
Rocaille (frz., spr.-kaj), Grottcnwerk, Bekleidung
der Wände mit Muscheln u. s. w. (S. Grotte.)
Nocailleflusj (spr. -käj-), in der Porzellan-
malerei ein Schmelzmittel für die einzubrennenden
Farben, ist ein Gemisch von feingepulvertem Quarz
und Bleioxyd.
Nocamadour (spr.-duhr), Dorf im Arrondisse-
ment Gourdon des franz. Depart. Lot, in tiefer
Felsenschlucht amAlzou oderFenolle (linkemZufluß
der Dordogne), Station der Linie Limoges-Figeac
(-Toulouse) der Orleansbahn, hat (1891) 343,'als
Gemeinde 1388 E. und auf steilem Felsen eine ur-
alte, weitberühmte doppelte Wallfahrtskirche (St.
Sauveur und darunter St. Amadour) und ein
Schloß aus dem Mittelalter, jetzt von Missionaren
bewohnt.
Rocambole (frz., spr. -kangböll; Rokambolle,
deutsch Rockenbolle), eine in Italien, Südfrank-
reich und Spanien beliebte Art Lauch (s. ^lüuin).
Noccabruna, franz. Gemeinde, f. Mentone.
Rocca di Papa, Stadt in der ital. Provinz
und im Kreis Rom, im Albanergebirge, 623 in
ü. d. M., am Westrande des als Manoverfeld be-
nutzten, Campi di Annibale genannten alten Kra-
ters und am Nordfuh des Montc-Cavo (s. Albano)
mitten in schönem Walde gelegen, hat (1881) 2835,
als Gemeinde 3304 E., liefert'Pflastersteine und ist
eine beliebte Sommerfrische der Römer.
Itoooeiia. ^)^., Flechtengattung aus der Gruppe
der Strauchstechten (s. Flechten), mit gegen sechs
Arten in wärmern Gegenden, besonders an Felsen
in der Nähe der Meeresküsten. Der Thallus ist
cylindrisch und wenig verzweigt. Die Apothecien
sind dunkelbraun oder schwarz. Einige Arten, be-
sonders K.tincwria D^., die Färber-, Orseille-
oder Lackmusflechte, auch echte Orfeille
ls. Tafel: Flechten II, Fig. 9), dienten zur her-
stellung von Farbstoffen. (S. Orfeille und Lackmus.)
Roccella Iomca (spr. rotschö-), Stadt im Kreis
Gerace der ital. Provinz Reggio di Calabria, auf
vorspringendem Felsen am Ionischen Meer, an der
Linie Catanzaro-Reggio des Mittelmeernetzes, hat
(1881) 6628 E., eiue'verfallene Burg, eine Reede;
Korallenfischerei, Weinbau und Seidenindustrie und
ist Fürstentum der Caraffa. ftot (s. d.).
Roccellttt, ein roter Azofarbstoff, eine Art Echt-
Rochade, f. Frontwechsel und Schachspiel.
Rochambeau (spr.roschangboh),Donatien Marie
Josephe de Vimeur, Vicomte de R., sranz. General,
Sohn des folgenden, geb. 7. April 1750 zu Schloß R.
bei Vendöme, wohnte als Oberst der Expedition nach
Nordamerika unter seinem Vater bei, wurde 1791
Generallieutenant und erhielt im Juli 1792 das Kom-
mando in den westind. Kolonien. Er landete auf
Santo Domingo, unterwarf die empörten Neger und
erschien Anfang 1793 auf Martinique, wo er die Eng-
länder vertrieb. Außerdem befreite er Guadeloupe
und Ste. Lucie. 1794 wurde er jedoch im Fort Royal
von den Engländern eingeschlossen und 22. März
zur Kapitulation gegen freien Abzug genötigt. R.
kehrte 1796 nach Santo Domingo zurück, konnte
aber den dortigen Aufstand nicht überwältigen.
1800 wohnte er dem Feldzuge in Italien bei und
wurde zum Divisionsgeneral ernannt. Hierauf über-
nahm er ein Kommando in der Expedition, die Ende
1801 zur Unterwerfung von Santo Domingo unter
dem Oberbefehl Leclercs abging, und trat im Nov.
1803 an dessen Stelle. Das Gelbe Fieber hatte je-
doch seine Streitkräfte so geschwächt, daß er schon
30. Nov. mit den Schwarzen eine Kapitulation
schloß und sich dann dem brit. Admiral ergab. Er
wurde nach Jamaika, 1804 nach England gebracht,
aber erst 1811 ausgewechselt. 1813 erhielt er den
Befehl über eine Division in Lauristons Korps, an
deren Spitze er 18. Okt. bei Leipzig siel.
Rochambeau (spr.roschangboh), Jean Baptiste
Donatien de Vimeur, Graf, Marschall von Frank-
reich, geb. 1. Juli 1725 zu Vendöme, begann 1742
seine militär. Laufbahn im Österreichischen Erb-
folgekricge, war als Oberst 1756 bei der Expedition
gegen Minorca und nahm als Mar^chal-de-Camp
am Siebenjährigen Kriege teil. 1769 erhielt er als
Generalmajor den Befehl über die Infanterie im
Elsaß. 1780 zum Generallieutenant erhoben, führte
er ein 6000 Mann starkes Hilfskorps den für ihre
Unabhängigkeit kämpfendcn Nordamerikanern zu.
R. landete 10. Aug. zu Nhode-Island und hielt sich
dort gegen den engl. General Clinton; nach Ankunft
einer franz. Flotte unter Grasse vereinigte er sich im
Ang. 1781 mit Washington. Beide drangen rasch
nach Virginien vor und schlössen mit Hilfe der franz.
Flotte die 7000 Mann starke brit. Armee unter
Cornwallis in Dorktown ein, die sich 19. Okt. zur
Kapitulation genötigt sah. Nach dem Frieden über-
trug ihm der König die Gouvernements von Artois
und Picardie und schickte ihn 1788 zur Herstellung
der Ordnung nach dem Elsaß. Als nach dem Aus-
bruch der Revolution der Krieg beginnen sollte, er-
hielt er den Befehl über die Nordarmee und mit
Luckner 28. Dez. 1791 den Marschallsstab, verlor
aber noch vor Eröffnung der Feindseligkeiten das