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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Roman; Roman de la Rose; Romancement; Romancero; Romanche; Romanée; Romänen; Romania; Romanino; Romanisch; Romanischer Stil

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Roman (Stadt) - Romanischer Stil

ßerm Umfange oft, aber mit Unrecht, unter der Flagge des R. segelt, hat bei uns den R. momentan in den Schatten gestellt, während Frankreich an Daudet, Flaubert, den Goncourt bedeutende Romanciers besitzt oder besaß. Die neueste Richtung des R., die des Naturalismus, der sich bisher in der Schilderung geistiger oder seelischer Krankheit ganz besonders gefällt, wird in Frankreich durch den virtuosen Romantiker Zola, in Rußland durch den grüblerischen Psychologen Dostojewski mit starker poet. Kraft vertreten. Doch ist die Reaktion gegen die naturalistische Einseitigkeit schnell eingetreten.

Vgl. O. L. B. Wolff, Allgemeine Geschichte des R. von dessen Ursprung bis zur neuesten Zeit (Jena 1841); Dunlop, History of fiction (Lond. 1843 u. ö.; deutsch von Liebrecht, Berl. 1851); Kreyßig, Vorlesungen über den deutschen R. der Gegenwart (Berl. 1869); Bobertag, Geschichte des R. und der ihm verwandten Dichtungsgattungen in Deutschland (Bd. 1-2, Bresl. und Berl. 1877-84); Scherer, Die Anfänge des deutschen Prosaromans (Straßb. 1877); Spielhagen, Beiträge zur Theorie und Technik des R. (Lpz. 1883); K. Reborn, Der deutsche R. (Köln 1890); H. Mielke, Der deutsche R. des 19. Jahrh. (Braunschw. 1890); H. Gerschmann, Studien über den modernen R. (Königsb. 1894).

Roman, Hauptstadt des rumän. Kreises R. (1870 qkm, 101549 E.), an der Moldau wenig oberhalb ihrer Mündung in den Sereth, Station der Bahnen Bukarest-R. und Czernowitz-Suczawa-R., ist Bischofssitz, hat (1890) 14157 E., 11 Kirchen, 1 Spital und 1 Seminar. R. treibt bedeutenden Handel mit Galatz.

Romancement, s. Cement.

Romancero, Bezeichnung für eine Sammlung von Romanzen (s. d.), ein Romanzenbuch, wie solche in Spanien seit der Mitte des 16. Jahrh. an das Licht traten. Das erste eigentliche Buch der Art war der "Cancionero de romances" (Antwerpen, ohne Jahr; 2. Aufl. 1550 u. ö.), dem die "Silva de romances" (3 Tle., Saragossa 1550-51; vgl. Vollmöller, Span. Funde, Erlangen 1890) folgte. Andere Romanzensammlungen veranstaltete Fuentes (1550), Sepulveda (1551), Timoneda (1573), Linares (1573), Padilla (1583 und in neuer Aufl. Madr. 1880), Lucas Rodriguez (Alcala 1585 und Madr. 1875) u. a., welche jedoch hauptsächlich aus Romanzen bestehen, die von ihren Herausgebern verfaßt wurden. Den Versuch, ein Romanzenbuch aus allen Quellen zusammenzustellen, bildet der "Flor de varios romances", dessen neun Teile 1589-97 einzeln an verschiedenen Orten erschienen. Aus demselben wurde, mit wenigen Abänderungen, die erste Ausgabe des "R. general" (Madr. 1600), die umfassendste Sammlung dieser Art, zusammengestellt, welcher die von 1602, 1604 und 1614 folgten. Schon vorher hatte Miguel de Madrigal eine "Segunda parte" (Valladolid 1605) herausgegeben. Kleinere Sammlungen sind der "Jardin de amadores" von Juan de la Puente (Saragossa 1611), die "Primavera y flor" des Pedro Arias Perez (1626 u. ö.) und viele andere. Specialsammlungen wurden auch, um dem Kriegsgeschmack der Zeit zu genügen, aus den allgemeinen Romanzenbüchern zusammengestellt, wie z. B. die "Floresta de romances de los doce pares de Francia" von Tortajada (Alcala 1608 u. ö.) und der "R. del Cid" von Juan de Escobar (zuerst Lissab. 1605 u. 1612, dann Alcala 1612 u. ö.). Das Interesse für die altspan. volkstümlichen Romanzendichtungen erwachte wieder gegen Ende des 18. Jahrh. Vieles in dieser Richtung geschah besonders in Deutschland. Hier folgte auf Jak. Grimms "Silva de romances viejos" (Wien 1815), deren großer Herausgeber zum erstenmal Volkstümliches und Künstliches voneinander schied, Depping mit seinem "R. castellano" (Lpz. 1817; 2. Aufl., 2 Bde., 1844; mit einem dritten Teile: "Rosa de romances", von Ferd. Wolff, 1846), Joh. von Müller mit einem "R. del Cid" (Frankf. 1828), Keller mit ebensolchem (Stuttg. 1840). Übersetzungen ins Deutsche erschienen von Herder, Diez, Mutzl, Geibel, Heyse, Duttenhoser, Eitner u. s. w. Die vollständigste Sammlung jedoch wurde in Spanien selbst von Duran im "R. general" (5 Bde., Madr. 1828-32) veranstaltet, dessen zweite Ausgabe (2 Bde., ebd. 1849-51; Bd. 10 u. 16 der "Biblioteca de autores españolas") als ein ganz neues Werk zu betrachten ist. Eine kritische Ausgabe der ältesten und echtesten Romanzen ist die "Primavera y flor de romances", welche Wolf und Hofmann (2 Bde., Berl. 1856) veröffentlichten. - Vgl. F. Wolf, Über die Romanzenpoesie der Spanier (Wien 1847), ein Aufsatz, welcher, erweitert und berichtigt, aufgenommen ward in die "Studien zur Geschichte der span. und portug. Nationallitteratur" (Berl. 1859).

Romanche (spr. -mángsch), rechter Zufluß des Drac im franz. Depart. Isère, kommt aus den Gletschern der Nordseite der Ecrins-(Pelvoux-)Gruppe im Depart. Oberalpen, fließt an der Nordseite der Meije (3987 m), dann durch das Thal Oisans (s. d.), nimmt links den Vénéon auf und mündet, 88 km lang, im Süden von Grenoble unterhalb Vizille.

Roman de la Rose (spr. -máng, ros'), allegorischer altfranz. Roman, s. Französische Litteratur (Bd. 7, S. 161 a) und Guillaume (de Lorris).

Romanée, Burgunderweinsorten (s. Burgunderweine).

Romänen, s. Rumänien.

Romania, während der venet. Herrschaft in Morea Name des östl. Teils dieser Halbinsel, welcher in die Distrikte Napoli, Argos, Korinth, Tripolizza und Tzakonia zerfiel und Napoli di R. (Nauplia) zur Haupstadt^[richtig: Hauptstadt] hatte.

Romanino, Girolamo, neben Moretto der größte Maler von Brescia, geb. um 1485, studierte, zwischen 1509 und 1513 in Padua und Venedig sich aushaltend, die Werke Giorgiones und kehrte hierauf nach Brescia zurück, wo er sich mit einigen Unterbrechungen durch Aufträge, die ihn 1519 und 1520 im Dom zu Cremona, 1540 im Schloß zu Trient beschäftigten, bis zu seinem Tode 1566 aufhielt. Eine großartige, kühne Komposition und ein leuchtendes goldiges Kolorit, das freilich in den spätern Werken einem kühlern Ton Platz macht, zeichnen seine meist in großen Verhältnissen gehaltenen Gemälde aus. Von seinen Wandmalereien sind die bedeutendsten die vier Darstellungen aus Christi Passion im Dom zu Cremona und aus Christi Leben in San Giovanni Evangelista zu Brescia, unter den Altargemälden die aus Sta. Giustina stammende Madonna mit Heiligen von 1513 in der Galerie zu Padua, die noch berühmtere Madonna mit Heiligen (um 1525) in San Francesco zu Brescia, die Geburt Christi in der Nationalgalerie zu London, die Himmelfahrt der Maria in San Alessandro zu Bergamo, die Pietà in Berlin.

Romanisch, s. Rhätoromanisch.

Romanischer Stil, die seit den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts eingeführte Bezeichnung