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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Romanós; Románow; Románow-Borissoglébsk; Romans; Romanshorn; Romantik

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Romanos (Dichter) - Romantik

in Kleinasien eröffneten Kriege wurde R. geschlagen, zur Abdankung genötigt und geblendet. Er starb wenige Tage nachher (Okt. 1071).

Romanós, der größte griech. Kirchendichter, geb. am Ende des 5. Jahrh. zu Emesa, ward in Berytus Diakon und kam unter Kaiser Anastasius I. (491-518) nach Konstantinopel. Von seinen durch Tiefe der Empfindung und feurige Sprache ausgezeichneten Hymnen ist eine große Zahl erhalten. Einen kleinen Teil veröffentlichte Pitra, "Analecta sacra", Bd. 1 (Par. 1876). Eine vollständige Ausgabe nach den zwei besten Handschriften (in Patmos) ist in Vorbereitung von Krumbacher.

Románow (spr. -noff), das Herrscherhaus, das in Rußland 1613-1730 in männlicher und seitdem in der weiblichen Nachkommenschaft herrscht, ein altes berühmtes Bojarengeschlecht, dessen Ahnherr Andrej, genannt Kobyla (Stute), 1341 angeblich aus Preußen nach Moskau kam, wo er in die Dienste des Großfürsten Simeon des Stolzen trat. Der Sohn Andrejs, Fedor, genannt Koschka (Katze), stand unter Demetrius Donskoj und Wassilij II. in hohem Ansehen und hatte fünf Söhne, von denen, außer den R., die Familien Suchowo-Kobylin, Kalytschew und Scheremetjew abstammen. Sein Enkel Sacharij Iwanowitsch Koschkin, Bojar des Großfürsten Wassilij III. (1425-62), hinterließ zwei Söhne, Jakob Sacharjewitsch, einen berühmten Feldherrn, dessen Nachkommen sich Sacharjin-Jakowlew, und Jurij, dessen Nachkommen sich Sacharjin-Jurjew nannten, und dessen Sohn, der Bojar Roman Jurjewitsch, 1543 starb. Durch die Heirat der jüngern Tochter des letztern, Anastasia Romanowna, mit dem Zaren Iwan Wassiljewitsch II. 1547 und ihres Bruders Nikita Romanowitsch mit Eudokia Alexandrowna, einer geborenen Fürstin von Susdal, die ihren Ursprung von dem Großfürsten Andrej Jaroslawitsch, des Alexander Newskij Bruder, ableitete, gelangte die Familie in unmittelbare Verbindung mit dem Herrscherhause Rurik (s. d.). Da nach Iwans IV. Tode unter seinen Nachfolgern, seinem Sohne Feodor I., dem Ursurpator^[richtig: Usurpator] Boris Godunow und den vier falschen Demetrius, Rußland in die größte Verwirrung geriet, die durch Polen und Schweden, welche um den Besitz des Landes stritten, vermehrt wurde, so wurde der 17jährige Michail Feodorowitsch R., der Sohn des Metropoliten Philaret von Rostow, 21. Febr. 1613 auf den Thron erhoben. Philaret erhielt die Würde eines Patriarchen von Moskau und unterstützte seinen Sohn in der Regierung bis zu seinem Tode 1. Okt. 1634. Michail starb 12. Juli 1645.

Ihm folgte sein Sohn aus zweiter Ehe, Alexej Michailowitsch. Er starb 29. Jan. (8. Febr.) 1676. Von seiner ersten Gemahlin Maria Iljinischna Miloslawskij hinterließ er zwei Söhne: Feodor III. Alexejewitsch, der 27. April 1682 ohne Erben starb, und Iwan Alexejewitsch. Nach Feodors Tode wurde mit Übergehung Iwans dessen Halbbruder Peter zum Zaren ausgerufen. Allein die herrschsüchtige Schwester Iwans, die Zarewna Sophia, erhob Iwan zugleich mit dem noch unmündigen Peter auf den Thron. Sie selbst war Regentin und wollte sich auf den Thron schwingen; aber ihre Pläne wurden vereitelt. Iwan hielt sich freiwillig zurück, und Peter I. wurde 1689 Alleinherrscher. Auf Peter d. Gr. folgte 1725 seine Gemahlin Katharina I. (s. d.); auf diese 1727 Peters Enkel, Peter II. (s. d.), der letzte vom Mannsstamme R., welcher 29. Jan. (9. Febr.) 1730 starb. Nun folgte zuerst Iwans weibliche Nachkommenschaft von seiner Gemahlin Praskowja Feodorowna Soltikow, und zwar Iwans zweite Tochter Anna (s. d.) Iwanowna (1730-40), hierauf deren unmündiger Schwesterenkel Iwan VI. (s. d.). Als letzterer 1741 gestürzt worden war, bestieg Peters d. Gr. und Katharinas I. Tochter Elisabeth (s. d.) Petrowna den Thron, welchen sie bei ihrem Tode (1762) Peter III. (s. d.), dem Sohne ihrer 1728 gestorbenen Schwester Anna Petrowna, hinterließ, seitdem regiert in Rußland das Haus Holstein-Gottorp oder Oldenburg-Romanow, zu welchem außer Peter III., der schon im Jahre seiner Thronbesteigung ermordet wurde, die Kaiser Paul I., 1796-1801, Alexander I., 1801-25, Nikolaus I., 1825-55, Alexander II., 1855-81, Alexander III., 1881-94, und Nikolaus II. gehören. - Vgl. Campenhausen, Genealog.-chronol. Geschichte des Hauses R. (Lpz. 1805); Friedeburg, Das russ. Herrscherhaus der R. (russisch, Heft 1-30, Petersb. 1834-57); Dolgorukow, Notice sur les principales familles de la Russie (Brüss. 1843; 2. Aufl., Berl. 1858).

Románow-Borissoglébsk (spr. -noff). 1) Kreis im mittlern Teil des russ. Gouvernements Jaroslawl, auf beiden Seiten der Wolga, hat 3001,4 qkm, 76660 E.; Getreide-, Flachsbau, Metallindustrie. - 2) Kreisstadt im Kreis R., besteht eigentlich aus zwei Städten: Romanow am linken und Borissoglebsk am rechten Ufer der Wolga, hat (1894) 9269 E., Post, Telegraph, 11 russ. Kirchen, darunter 2 Kathedralen, Stadtbank, Flußhafen; Kesselschmiederei, große Flachsspinnerei und Handel mit Getreide und Flachs.

Romans (spr. -máng), Stadt im Arrondissement Valence des franz. Depart. Drôme in der Dauphiné rechts an der Isère schön gelegen, an der Seitenlinie Valence-Grenoble-Chambéry der Mittelmeerbahn, hat (1891) 12585, als Gemeinde 16545 E., in Garnison das 75. Infanterieregiment, ein Handelsgericht, ein Collège, Kleines Seminar, Pensionate, ein Krankenhaus, auf einem Hügel westlich der Stadt ein Großes Seminar; ferner Hüttenwerke, Mühlen, Seidenbau und Spinnerei, Fabrikation von Satin und Schuhwaren und lebhaften Handel, besonders in seinen Weinen (12 km im WNW., bei Tain-sur-Rhône, wächst auf einem Hügel der echte L'Hermitage). R. entstand um 900 um die Abtei Romanis, von der noch die roman. Kirche St. Barnard übrig ist, und war im 16. Jahrh. hugenottisch.

Romanshorn, Flecken im Bezirk Arbon des schweiz. Kantons Thurgau, 13 km nordwestlich von Rorschach, in 410 m Höhe, auf einer Halbinsel am südl. Ufer des Bodensees, an den Linien Konstanz-R. (20 km) und Rorschach-Winterthur der Nordbahn, Dampferstation, hat (1880) 3890 E., darunter 1248 Katholiken, Post, Telegraph, einen Hafen mit Getreide- und Lagerhäusern, Seebad; Leinen- und Baumwollindustrie, Färbereien, Fabrikation von Parkettfußböden und kondensierter Milch, Acker- und Obstbau, Fischerei, Getreide- und Speditionshandel.

Romantik, eigentlich eine Weltauffassung, wie sie dem Roman (d. i. der epischen Erzählung der roman. Völker) eigen ist, ohne Wirklichkeitssinn und nüchterne Verständigkeit. Mit Vorliebe wird der Ausdruck R. auf die Weltanschauung des christl.-roman. Mittelalters mit seinem tiefen religiösen Gemütsgehalt, seinen ritterlich schwärmerischen Gesell-^[folgende Seite]