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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Romanismus; Romano; Romano (Ezzelino da); Romano (Giulio); Romano (Giulio, Sänger); Romano di Lombardia; Romanos

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Romanismus – Romanos (byzantinische Kaiser)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Romanische Sprachen'

und auch von diesen beiden muß schließlich der eine weichen. Von den drei Geschlechtern schwindet das Neutrum. Im Verbum wird das alte Futurum durch die Umschreibung mit dem Präsens des Verbums habere ersetzt; das Perfekt wird mit habere, das Passivum mit esse umschrieben; das Particip wird auf -u gebildet. Auch die Komparation schwindet bis auf die im Lateinischen unregelmäßigen major, minor, melior, pejor und wenig andere. Ille (jener), in Sardinien ipse (selbst) sinken zur Rolle des Artikels herab. Unendlich viel reicher als die Muttersprache sind die Töchteridiome in der Wortbildung. Neben den Verkleinerungsbildungen, deren Zahl sehr groß ist, erscheinen auch Vergrößerungen, z. B. ital. casone, das große Haus (casa). Aus jedem Verbum der ersten Konjugation kann vermittelst Abwerfung der Endung ein Substantivum gewonnen werden, z. B. accord von accorder. Ganz neu, aber äußerst fruchtbar sind Bildungen von Substantiven aus dem Imperativ eines Verbums mit abhängigem Namen, z.B. garderobe u.a. Die Wortstellung ist weniger frei, die im Lateinischen so beliebten Infinitivkonstruktionen werden durch vollständige Sätze mit der Konjunktion ital. che, frz.-span. que = lat. quid statt quod ersetzt u.s.w.

Die romanische Philologie wurde begründet durch F. Diez (s. d.), der in seiner «Grammatik der R. S.» zum erstenmal den Zusammenhang der R. S. und ihren Ursprung aus dem Lateinischen wissenschaftlich zeigte. Sein «Etymolog. Wörterbuch der R. S.» ist noch immer die größte Leistung auf dem Gebiete roman. Etymologie. Den heutigen Stand der Wissenschaft in den verschiedenen Zweigen der roman. Philologie und ihren Hilfswissenschaften stellt der von G. Gröber herausgegebene «Grundriß der roman. Philologie» (Bd. 1, Straßb. 1888; Bd. 2, ebd. 1894 fg.) dar; von einer neuen Grammatik der R. S. von W. Meyer-Lübke enthält der erste Band die Lautlehre (Lpz. 1890), der zweite die Formenlehre (ebd. 1894). Die Etymologien seit Diez verzeichnet am vollständigsten G. Körting, «Lat.-roman. Wörterbuch» (Paderb. 1891).

Einen Überblick über die auf die Erforschung der R. S. bezügliche Litteratur geben die Bibliographien des Jahrbuchs für roman. und engl. Sprache und Litteratur (1859–75), der Zeitschrift für roman. Philologie, hg. von Gröber (1877 fg.); ferner F. Neumann, Die roman. Philologie (Lpz. 1882); G. Körting, Encyklopädie und Methodologie der roman. Philologie (2 Bde., Heilbr. 1884); die franz. Zeitschrift «Romania» (1872 fg.) und die ital. «Giornale di filologia romanza» (1878 fg.).

Romanismus (neulat.), Römer-, Romanentum; auch soviel wie Papismus. Romanisten heißen (im Gegensatz zu Germanisten) die Kenner und Pfleger des röm. Rechts; auch die gelehrten Kenner der roman. Sprachen und Litteraturen.

Romāno, Enotrio, Pseudonym des Dichters Giosuè Carducci (s. d.).

Romāno, Ezzelino da, die Häupter einer edlen oberital. Familie, deren erster mit Konrad II. nach Italien zog, von diesem mit den Burgen und Gebieten Onara und R. belehnt wurde und dann von dem Bischof von Vicenza die Vogtei über Bassano erhielt. Seine Nachkommen erweiterten ihre Vogteirechte und Lehnsgüter. Ezzelino der Mönch, gest. 1235, besaß Burgrecht und Podestàwürde in Treviso und Vicenza. Von der Gegenpartei 1194 aus Vicenza verjagt, kehrte Ezzelino nach dem Siege von ↔ Carmignano (1198) zurück. Seine Söhne waren Ezzelino III. da R. (s. d.) und Alberico.

Romāno, Giulio, ital. Maler, s. Giulio Romano.

Romāno, Giulio, ital. Sänger, s. Caccini.

Romāno di Lombardīa, Stadt in der ital. Provinz Bergamo, Kreis Treviglio, zwischen Serio und Oglio, an der Linie Mailand-Verona des Adriatischen Netzes und der Dampftrambahn von Bergamo nach Sonzino, hat (1881) 3393, als Gemeinde 4907 E., ein altes Schloß; Seidenspinnerei und Getreidehandel.

Romanós, Name mehrerer byzant. Kaiser:

R. I. Lakapenos (Lekapenos, 920–944), seit dem 27. April 919 Schwiegervater des jungen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos, wurde 17. Dez. 920 Mitregent des letztern und verdrängte ihn, nachdem er 921 seinen Sohn Christophoros ebenfalls zum Mitregenten ernannt hatte, seit 922 für lange Zeit von der Regierung. R. gab dann die Krone auch seinen Söhnen Stephanos und Konstantin, sowie seinem Enkel R., dem Sohne des 931 gestorbenen Christophoros, und übertrug das Patriarchat seinem Sohne Theophylaktos (933). Nach wiederholten, erfolglosen Aufständen wurde R. zuletzt durch seine eigenen Söhne 19. Dez. 944 vom Throne gestoßen und starb 948 in einem Kloster auf der Propontisinsel Prote. Briefe von ihm hat Sakellion im (Anmerkung des Editors: «Deltion tês historikês kai ethnologikês hetairias» ) «Δελτιον της ιστορικης και εθνολογικης εταιρiας», Bd. 1 (Athen 1883), herausgegeben.

R. II. (959–963), geb. um 940 als Sohn des Kaisers Konstantin VII., folgte seinem Vater 10. Nov. 959 auf dem Throne; unter ihm eroberte Nikephoros (s. d.) Phokas 961 die von Arabern besetzte Insel Kreta für das Byzantinische Reich zurück. R. starb schon 15. März 963 angeblich durch das Gift seiner Gattin Theophano (s. d.). Eine Monodie von ihm auf den Tod seiner ersten Gemahlin Bertha veröffentlichte Lambros im Bulletin der «Correspondance hellénique», Bd. 2 (Athen 1878).

R. III. Argyros (1028–34), zuerst Patricius und Präfekt, aus einer vornehmen Familie von Hierapolis in Phrygien stammend, wurde mit 60 Jahren 9. Nov. 1028 von dem todkranken Kaiser Konstantin VIII. genötigt, dessen ältere Tochter Zoë (s. d.) zur Gemahlin zu nehmen. So kam er drei Tage darauf, nach dem Tode Konstantins auf den Thron. Er war gelehrt und mild, aber in seinen Kriegen gegen die Araber meist unglücklich; die einzigen Erfolge waren seinen Feldherren Maniakes (s. d.), Theoctistus und Nikephoros Karandenos zu verdanken. Seine Gemahlin Zoë, die seiner überdrüssig war, ließ R. 11. April 1034 durch ihren Geliebten Michael (IV.) im Bade ertränken.

R. IV. Diogenes (1068–71), Sohn des Generals Konstantin Diogenes, wurde von der Kaiserin-Mutter Eudokia (s. d.) Makrembolitissa (Jan. 1068) zu ihrem Gemahl erhoben. In Konstantinopel durch die Eifersucht des Schwagers der Kaiserin, Johannes Dukas, und die Opposition des Michael Psellos schwer bedroht, führte R. anfangs den Krieg gegen die Seldschuken auf der Ostgrenze, verlor aber 1071 die Schlacht beim armenischen Mantzikert und fiel in Gefangenschaft. Von dem Sultan Alp-Arslan unter billigen Bedingungen wieder freigelassen, erfuhr R., daß Dukas in Konstantinopel die Kaiserin, die sich geweigert hatte, R. der Herrschaft für verlustig zu erklären, entthront und ihren Sohn erster Ehe, Michael VII. Dukas, auf den Thron erhoben habe. In dem wider die neuen Machthaber

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 965.