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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Römische Münzen; Römische Mythologie; Römische Religion

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Römische Münzen - Römische Religion

Von Bearbeitungen der röm. Litteraturgeschichte sind zu nennen: Bähr, Geschichte der R. L. (Bd. 1-3 und Bd. 4 in 3 Abteil., zum Teil in 4. Aufl., Karlsr. 1837-73); Bernhardy, Grundriß der R. L. (5. Aufl., Braunschw. 1872); Munk, Geschichte der R. L. (2. Aufl., 2 Bde., von Seyffert, Berl. 1875-77): Teuffel, Geschichte der R. L. (5. Aufl., 2 Bde., bearb. von Schwabe, Lpz. 1890); Schanz, Geschichte der R. L. bis Justinian (Bd. 1 u. 2, Münch. 1890-92); Ribbeck, Geschichte der röm. Dichtung (3 Bde., Stuttg. 1887-92); Sellar, The Roman poets of the Augustan age (Oxford 1892); Aly, Geschichte der R. L. (Berl. 1894).

Römische Münzen, s. Numismatik und Tafel: Münzen II.

Römische Mythologie, s. Römische Religion.

Römische Religion. Die Religion der Römer, wie sie in der Litteratur der klassischen und nachklassischen Zeit überliefert ist, erscheint als Kopie der griechischen. Allein hinter und unter dieser Form liegt eine anders geartete nationale Religion, die teils aus den Bräuchen des Kultus, teils aus den schriftlichen und inschriftlichen Zeugnissen der ältern Zeit, teils aus den Mitteilungen der röm. Archäologen, wie Varro, und den ihr archäol. Wissen größtenteils direkt oder indirekt aus ihm schöpfenden Schriften röm. Grammatiker und christl. Kirchenlehrer, wie des Augustinus, zu erkennen ist. Tiefes Religionssystem zeigt sich als analog den Religionsvorstellungen der verwandten italischen Völker, weiterhin aber zwar als der gemeinsamen indoeurop. Wurzel entsprossen, jedoch infolge der größern Nüchternheit und geringern geistigen Produktivität der Italiker ziemlich weit abstehend sowohl von der ind. als der griech. Religion. Wie die alte Priesterordnung und der alte röm. Festkalender zeigen, standen an der Spitze der röm. Götterwelt einst Janus, Jupiter, Mars, Quirinus und Vesta; Janus, der Gott jedes Beginnens und ursprünglich wohl der erste der Götter, der erst allmählich diesen Platz an den Himmelsgott Jupiter abtrat, neben dem wieder die weibliche Himmelsgöttin Juno steht; Mars, der Schützer des kriegerischen Treibens; der frühe verschollene Kriegsgott Quirinus; endlich Vesta, die Göttin des heiligen Herd- und Opferfeuers, das, wie es in jedem Hause für die Hausgenossenschaft entzündet wird, so inmitten der Stadt für den Staat ewig erhalten wird; in zweiter Linie folgen dann die Götter der Saaten und ihres Ertrags, Saturnus und Consus, die der Blumen und Früchte, Flora und Pomona, die Götter von Feld und Wald, Faunus und Silvanus, wie die Göttinen^[richtig: Göttinnen] der Mutter Erde und ihres Segens, Ops, Tellus, Fauna, Bona Dea, Maja, die Göttin der Viehweiden und Herden, Pales, der Gott des Wassers und der See, Neptunus, und die Gottheiten der Quellen und Flüsse, der Gott des Feuers, Vulcanus. Sehr bald scheint auch die Schützerin des Handwerks und Gewerbfleißes Minerva ihren Kult in Rom erhalten zu haben, während der Handelsgott Mercurius erst später unter griech. Einflüsse eine Stelle neben ihr erhielt. Als allgemeine Gewalten werden dann im Hause, wie in der Stadt, die Penaten, die Götter der Vorräte, die Laren, die Schutzgötter der Familien und des Staates, und die Genien der einzelnen Menschen, namentlich des Hausherrn, verehrt, während die Gestorbenen als Manen eine Stelle im Kultus haben.

Neben diesen Göttern, in denen die allgemeinsten Beziehungen des Menschen zur Natur und zu sich selbst ihren Ausdruck finden, giebt es nun aber ein weit ausgedehntes und seinem Princip nach ins Unendliche ausdehnbares System von Göttern, bestehend nicht aus persönlichen menschenähnlich gedachten Wesen, sondern aus Begriffen, Abstraktionen von allen möglichen physischen und moralischen Mächten, Einflüssen, Thätigkeiten, Gefühlen, Eigenschaften, kurz von allem, was das Leben eines nüchternen Ackerbauvolks bewegt. So giebt es Götter der Naturerscheinungen, der Saaten, der Früchte in allen Stadien der Entwicklung, des Glücks und Unglücks, der Gesundheit und Krankheit, der Angst und der Freude, Geburts- und Todesgötter für jeden einzelnen Moment von der Empfängnis an, Götter und Göttinnen der Ehre, des Verstandes, der Keuschheit u. s. w. Zu plastischer Gestaltung ihrer Götter sind die Italiker, denen eine nationale Sagenpoesie mangelte, nur durch griech. Einfluß über Sicilien und Unteritalien oder durch die Etrusker gelangt, während sie selbst ursprünglich dieselben nur unter Symbolen, in Steinen, Lanzen, gewissen Tieren u. s. w. verehrten.

Das Gefühl des Menschen diesen Göttern gegenüber ist das des Gebundenseins (religio) durch sie in jedem Moment des Lebens. Mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit wird dafür gesorgt, daß ihnen das Gebührende genau geleistet wird. Eine sachverständige Priesterschaft, deren Mittelpunkt die Pontifices (s. Pontifex) bilden, sorgt dafür, daß die Götter nach Begriffen und Namen in der richtigen Ordnung angerufen werden, daß man weiß, welchen Begriff man in jeder Lage des Lebens zu Hilfe rufen muß. Diese Priesterschaft bestimmt die Sühnmittel in Unglücksfällen, sie ordnet die Tage des Jahres nach ihrer religiösen Beziehung, indem sie den Kalender schafft, der nicht bloß den Wechsel der Mondphasen anzeigt, sondern auch die Festtage und Werktage scheidet und angiebt, an welchem Tage welchem Gotte dieses und jenes Opfer gebracht werden soll, an welchem auch Volksversammlungen stattfinden dürfen, welcher Tag günstig und welcher ungünstig sei. Aus dem Fluge der Vögel, den Himmelserscheinungen und anderm bestimmt die Auguraldisciplin (s. Augurn) den Willen der Götter hinsichtlich dessen, was der Mensch unternehmen will, und diese Disciplin wäre geeignet gewesen, das ganze öffentliche und Privatleben in hemmender Weise zu beherrschen, wenn nicht die Subtilität der Kennzeichen und die rationalistische, ja jurist. Auslegung des Verhältnisses des Menschen zu den Göttern erlaubt hätte, daß man die Kennzeichen sah oder übersah. In der Familie und im Staate ist ein seinen Grundformen nach einfacher, aber mit ängstlicher Sorgfalt zu beobachtender und in Äußerlichkeiten aufgehender Kult (sacra privata und publica) eingerichtet, dessen genaue und richtige Besorgung unter der Aufsicht der Pontifices steht und der sich auch neben allen Veränderungen, die mit den religiösen Vorstellungen der Römer vorgingen, in Übung erhielt, wenn auch die, die ihn übten, seinen Sinn nicht mehr verstanden. Diese Veränderungen begannen freilich sehr früh. Nicht erst im 2. Jahrh. v. Chr., sondern schon unter den Tarquiniern begannen griech. Götter mit Bilderdienst Eingang zu finden. In vollstem Maße aber wurde die einheimische Religion nach der griechischen umgeformt im 2. und 1. Jahrh. v. Chr., im Zusammenhang mit dem allgemeinen Hellenisierungsprozeß, dem die Römer in jener Periode sich unterwarfen. Jupiter und Zeus, Juno und Hera, Minerva und Athena,