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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rückwirkung - Rudbeck
zuhändigen, oder auf dem Wechsel zu vermerken,
wo dieselben für den Bezogenen zur Auslieferung
nach Einlösung des R. niedergelegt sind, oder dem
Bezogenen den Wechsel zu avisieren (s. Avis), weil
der Bezogene den R. ohne Auslieferung des pro-
testierten Wechsels und des Protestes einzulösen nicht
verpflichtet ist. Ist der 3t. in Ordnung, so muß der
Bezogene ihn einlösen, weil er sonst dem Regreß-
berechtigten auch noch für die Kosten des Rückgangs
des N. haftbar wird.
Im uneigentlichen Sinne nennt man N. wohl
auch den Interimswechsel (s. d.), den der Schuldner
der Wechselvaluta über dieselbe giebt, und auch den
Wechsel, den der Bezogene auf den Aussteller zieht,
der ihm Deckung anzuschaffen hat, um diese Deckung
zu erlangen (Deckungswechsel).
Rückwirkung, s. Gegenwirkung. Bei der Dy-
namomaschine nennt man R. die Wirkung des
Ankers auf das Feld der Maschine. Sie ist eine
Folge des im Anker fließenden Stroms, durch den
der Anker selbst zu einem Magneten wird. Die R. !
äußert sich in einer Verschiebung der Pole und da- l
mit auch der Punkte, in denen die Bürsten an-
zuliegen haben, gleichzeitig aber auch in einer
Schwächung des Feldes, zu dessen Erzeugung mit-
hin andere Ankerwindungen nötig sind, als ohne
diese unvermeidliche R. erforderlich sein würden.
Rückwirkung der Gesetze. Daß ein Gesetz
erst von dem Zeitpunkt ab, mit welchem es nach all-
gemeinen oder besonders getroffenen Bestimmungen
in Kraft tritt, überhaupt angewendet werden kann,
versteht sich von felbst. Daß es nicht zurückwirken
soll, bedeutet, daß diejenigen Wirkungen, welche von
Rechts wegen (ipso ^urs) nach jenem Zeitpunkt aus
rechtlichen Vorgängen erwachsen, welche vor jenem
Zeitpunkte liegen, nicht nach den Vorschriften des
neuen Gesetzes, sondern nach denjenigen durch das
neue Gesetz abgeänderten oder aufgehobenen recht-
lichen Vorschriften beurteilt werden sollen, unter
deren Herrschaft die Vorgänge eingetreten sind.
Doch gilt dieser Grundsatz im allgemeinen nur, so-
weit die Beteiligten sonst in eine schlimmere Lage
kommen würden. Bei Verschiedenheit der Gesetze
von der Zeit der begangenen Handlung bis zu deren
Aburteilung ist das mildeste Gesetz anzuwenden.
(Deutsches Strafgesetzb. §. 2.) Im gerichtlichen !
Verfahren ist das neue Gefetz sofort anzuwenden,
also auch für die anhängigen Prozesse; doch pflegen
die Einführungsgesetze, um Verwirrungen zu ver-
meiden, Übergangsbestimmungen zu treffen, durch !
welche diefer Grundsatz nur innerhalb gewisser z
Schranken zur Anwendung gebracht wird. Für das
bürgerliche Recht gilt der Grundsatz, daß durch
das neue Gesetz, wenn dasselbe nicht anders be-
stimmt oder nach seiner Tendenz nicht anders zu
verstehen ist, Erworbene Rechte (s. d.) nicht gekränkt
werden sollen. Wenn das neue Gesetz die Volljäh-
rigkeit mit dem 25. statt mit dem 21. Lebensjahre
eintreten läßt, so werden die bereits Volljährigen,
welche 22 I. alt sind, nicht wieder unter Vormund-
schaft gestellt. Im einzelnen wird die Anwendung
dieses Grundsatzes schwierig; derartige Gesetze pste-
gen deshalb Übergangsbestimmungen zu treffen (z.B.
für die laufenden Verjährungen, wenn die Verjäh-
rungsfristen geändert werden) oder für die beeinträch-
tigten erworbenen Rechte (z. B. die Aufhebung von
Steuerfreiheiten) Entschädigungen auszuwerfen.
Litteratur. Savigny, Zeitliche Grenzen der
Herrschaft der Recktsregeln über die Rechtsverhält-
nisse (im "System des heutigen röm. Rechts", Vd. 8,
Verl. 1849) und die daselbst S. 308 angeführte äl-
tere Litteratur; Schmid, Die Herrfchaft der Gesetze
nach ihren räumlichen und zeitlichen Grenzen (Jena
1863); Gabba, leoi-ia äeiia i-oti-oattiva äsiie le^i
(Pisa 1808 - 74); die Lehrbücher des Pandekten-
rechts (s. d.), des Deutschen Privatrechts, des Staats-
rechts, des Strafrechts, des Civilprozesses, des Straf-
prozesses.
Nückziehung, die rückwirkende Kraft, die der
Eintritt einer Thatsache auf ein bestehendes Rechts-
verhältnis dahin ausübt, daß es rechtlich so an-
gesehen wird, als ob jene Thatsache schon in
einem frühern Zeitpunkte eingetreten wäre. So
wird der Eintritt einer Bedingung (s. d.) zurückbe-
zogen auf den Abschluß des Geschäfts, als wäre das
dadurch begründete Recht schon damals unbedingt,
oder bei der auflösenden Bedingung niemals einge-
räumt. Der Erbe erwirbt mit seinem Antritt die
Erbschaft so, als sei er schon mit dem Tode des Erb-
lassers Erbe geworden. Die Genehmigung oder Be-
stätigung eines Rechtsgeschäfts macht dasselbe von
Anfang an gültig u. s. w. - Vgl. Fitting, Über den
Begriff der R. (Erlangen 1856).
Rückzölle, s. Exportbonifikation und Rücksteuer.
Nückzug (frz. reti-lute), die Bewegung einer
Truppe oder eines Heeresteils in einer dem Feinde
abgekehrten Richtung. Der taktische R., der un-
mittelbar aus dem Gefecht heraus angetreten wer-
den muh, stellt dem Geschlagenen die schwere Auf-
gabe, sich aus der engen Berührung nüt dem über-
mächtigen Feinde loszulösen und einen gewissen
Vorsprung vor demselben zu gewinnen. Bricht der
Verteidiger unter dem Entscheidungsstoß des An-
greifers zusammen, so kommt ein geregelter R. nicht
mehr zu stände, sondern artet zur regellosen Flucht
aus und muß bei energischer Verfolgung eigentlich
zur völligen Auflösung und Vernichtung der ge-
schlagenen Truppe führen. Einen völlig ordnungs-
mäßigen N., der aus allgemeiner taktischer oder
strategischer Erwägung angetreten wird, bevor noch
eine zwingende taktische Nötigung dazu vorliegt,
nennt man wohl auch Abbrechen des Gefechts.
Der strategische R., d. h. die rückwärtige Bewe-
gung eines Heers, bezweckt die Verlegung der Ope-
rationen auf einen andern Kriegsschauplatz. Ein
R. heißt konzentrisch, wenn verschiedene in der
anfänglichen Aufstellung voneinander getrennte
Heercsteile in der Richtung auf denselben Punkt
zurückgehen; der R. heißt dagegen excentrisch,
wenn verschiedene bis dahin vereinigte Heeresteile
in verschiedenen Richtungen zurückgehen. Ein in
Unordnung ausgeführter R. heißt Retirade.
RuotrlL (lat.), das Aufstoßen (s. d.).
Nud (pers.), Fluß.
^?ncl., hinter wissenschaftlichen Ticrnamen Ab'
kürzung für Karl Asmund Rudolphi (s. d.).
Nuda, Dorf im Kreis Zabrze des preuß. Reg.-
Vez. Oppeln, an der Linie Kattowitz-Cosel-Kandrzin
der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 6173 meist
kath. poln. E., Post, Telegraph, Bürgerschule,
Rittergut (3308 E.); Ziegelei für Klinker- und Cha-
motteziegel, grast. Vallestremsches Eisenhüttenwerk
Berthahütte, Zinkwerk Karlshütte und sechs Stein-
kohlenzechen. Zu R. gehören die Kolonien Glückauf,
Karlskolonie, Rudahammer und Carl Emanuel. -
R., Goldbergwerk in Siebenbürgen, s. Vräd.
Rudbeck, Olov,fchwed. Polyhistor, geb. im Jan.
1630 zu Westeräs, kam schon frühzeitig in Ruf durcb