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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rude; Rüde; Rudelsburg; Rudelstadt; Ruden; Ruder

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Rude - Ruder

die Entdeckung der lymphatischen Gefäße (1653), die ihm jedoch von Thom. Bartholin streitig gemacht wurde. Später trat er zu Upsala als Lehrer der Botanik auf, legte einen botan. Garten an und wurde hernach Professor der Anatomie und Kurator der Universität. Er unternahm die Herausgabe eines großen Herbariums mit Holzschnitten; der zweite Teil erschien 1701 u. d. T. "Campi Elysii", der erste 1702 (der erste in neuer Aufl. 1863). Bei der großen Feuersbrunst zu Upsala 1702 wurden indessen die meisten Exemplare des ersten Teils nebst über 7000 gravierten Stöcken zerstört. Dasselbe Schicksal traf den vierten Teil seines berühmten Werkes "Atland eller Manheim. Atlantica sive Manheim, vera Japheti posterorum sedes et patria", Bd. 1-3 (Upsala 1679-1702). In diesem schwedisch und lateinisch abgefaßten Werke behauptet R., daß mit Platos Atlantis Schweden gemeint sei. R. war auch einer der bedeutendsten Mechaniker Schwedens. Er starb 17. Sept. 1702.

Sein Sohn, Olov R., geb. 15. März 1660, folgte ihm als Professor an der Universität und besorgte anfangs die "Campi Elysii", gab aber seine naturhistor. Studien, wovon seine "Vögel des Nordens" einen trefflichen Beweis geben, auf, um sich ganz seiner "Lapponia illustrata" zu widmen. R. wurde 1719 in den Adelstand erhoben, 1739 Archiater und starb 23. März 1740.

Rude (spr. rühd), François, franz. Bildhauer, geb. 4. Jan. 1784 in Dijon, erhielt seine künstlerische Ausbildung in Paris an der École des beaux-arts unter Cartellier. 1812 errang er sich den Rompreis. Als begeisterter Anhänger Napoleons mußte er nach den Hundert Tagen nach Brüssel flüchten, wo er viele Arbeiten ausführte und zahlreiche Schüler heranbildete. 1827 kehrte er nach Paris zurück. Er erwarb sich einen bedeutenden Ruf als Bildhauer und Lehrer und starb 3. Nov. 1855 in Paris. Die bekanntesten Skulpturen R.s sind das große Relief Le départ ou la Marseillaise am Arc de Triomphe de l'Etoile in Paris, ferner die Taufe Christi in der Madeleinekirche, Merkur, nachdem er Argus getötet, seine Flügelsandalen anziehend, Neapolitanischer Fischerknabe mit der Schildkröte (im Louvre), die Bronzestatue des Marschalls Ney (in Paris, 1853 errichtet), die liegende Bronzestatue Godefroy Cavaignacs auf dem Père-Lachaise, eine Statue von Napoleon I., eine silberne Statue Ludwigs XIII., viele Büsten u. s. w.

Rüde (frz. rude), roh, ungeschliffen.

Rüde, das Männchen der Hunde, Füchse und Wölfe, im Gegensatz zur Fähe. In weiterm Sinne ein Hatzhund, überhaupt ein großer starker Hund. - In der Heraldik ist der R. ein schwerer Hund mit Stutzohren, der in der Regel mit Stachelhalsband dargestellt wird.

Rudelsburg, Burgruine im Kreis Naumburg des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, oberhalb Kosen auf steiler Felswand am rechten Ufer der Saale, in 182 m Höhe, ist ein vielbesuchter Vergnügungsort, namentlich der deutschen Korpsstudenten, die ihren 1870-71 gefallenen Kommilitonen und 1890 dem Kaiser Wilhelm I. vor der Burg Denkmäler errichtet haben und die Errichtung eines Denkmals des Fürsten Bismarck zu dessen 80. Geburtstag planen. Westlich von der R., gleichfalls an der Saale, die beiden runden Türme der Ruine Saaleck. Die R. war Lehn der Markgrafschaft Meißen; sie wird urkundlich zuerst 829 als "Rotheburg unweit Kosen" erwähnt und erscheint im 11. Jahrh. als R. und Ruteleibispurgk. Die Burg wurde 1348 von Naumburger Bürgern und 1450 im Bruderkrieg vom Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen erobert und zerstört. Seit dem Dreißigjährigen Krieg ist sie Ruine und gehört gegenwärtig zu dem nahen Rittergut Kreipitzsch. Hier dichtete um 1822 Franz Kugler sein Lied "An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn". - Vgl. Lepsius, Die Ruinen der R. (Naumb. 1824); Corssen, Die R. (2. Aufl., ebd. 1869); Salvisberg, Die R. (Stuttg. 1879).

Rudelstadt, Marktflecken im Kreis Bolkenhain des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, am Bober, hat (1890) etwa 1500 E., Postagentur, Fernsprechverbindung, evang. Kirche, Schloß; bedeutende Mühlen mit Ölfabrikation, Bleicherei, Holzschleiferei, Fabrikation von Schwefelsäure und Düngemitteln und eine Steinkohlengrube. Nahebei die Neue Adlerhütte für Silber-, Kupfer- und Bleibergbau.

Ruden, Düneninsel vor der Mündung der Peene in die Ostsee, ist Lotsenstation und zählt 30 E. Die Insel wurde 1309 durch einen Sturm von Rügen getrennt und durch die Sturmflut Nov. 1872 dem Untergang nahe gebracht.

Ruder, die seemännische Bezeichnung für die Steuervorrichtung des Schiffs. Der Ausdruck Steuer hierfür ist ganz ungebräuchlich, ebenso wie für das Bootsruder nur der Ausdruck Riemen (s. d.) angewendet wird. Das R. besteht aus einem senkrechten Schaft, auch Ruderherz genannt, an welchen nach hinten zu sich eine Fläche anschließt; die Größe dieser Fläche beträgt ungefähr ein Fünfzigstel der Fläche des Längsschnitts des Schiffs. R. aus Eisen oder Stahl bestehen aus einem solchen Rahmen von der Form des R., auf dem von beiden Seiten Platten aufgenietet sind. Das R. bewegt sich in Angeln, deren Zapfen, die Fingerlinge, in Ösen am Schiffskörper eingreifen. Bei Segelschiffen, Rad- und Doppelschraubendampfern sitzt das R. unmittelbar am Hintersteven (s. Steven), bei Einschraubenschiffen dagegen ist hinter der aus dem Hintersteven herausragenden, die Schraube tragenden Welle ein besonderer Rudersteven zur Anbringung des R. angebaut. Der obere Teil des Schaftes, der Ruderhals, wird durch den Ruderkoker (Hennegatt) in das Heck des Schiffs geführt, hier die Ruderspindel oder Pinne (s. d.) aufgesetzt, ein Hebel, der Drehung des R. hervorbringt. Auf größern Schiffen sind hierzu besondere Dampfsteuerapparate angebracht. Die Drehung erfolgt nur in Booten und Fahrzeugen unmittelbar durch die Pinne, sonst werden Ruderreepe (Flaschenzüge) angebracht, die ihrerseits in Verbindung mit dem ebenfalls kurzweg "Ruder" genannten Steuerspeichenrad stehen. Das Steuerrad wird dann durch die Rudergäste gedreht. Unter Balanceruder versteht man ein R., bei dem ein Teil der Fläche, etwa ein Drittel, noch vor der Drehachse (dem Schaft) liegt; es wird auf großen Dampfern und Torpedobooten verwendet. Dann fällt der Rudersteven fort, das R. ruht mit einem Zapfen auf einer Verlängerung (Hacke) des Kiels. Bugruder nennt man vorn am Schiff angebrachte R.; sie sind meist Balanceruder und auf Torpedobooten im Gebrauch, um die Wirkung des hintern R. zu verstärken. Notruder sind Hilfskonstruktionen aus Reservehölzern zum Ersatz des eigentlichen R. in Notfällen. R. legen bedeutet dasselbe drehen, R. hart legen, es in die äußerste Seitenrichtung (etwa 40° von der Kielrichtung) bringen. Auf-^[folgende Seite]