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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rulman Merswin - Rumänen
dem Dichter der "Jahreszeiten", als ein Teil des
Singspiels "Alfred" geschrieben, von Thomas Arne
(s. d.) in Musik gesetzt und 1738 mit dem genann-
ten Singspiel in London aufgeführt, entstand also
fast gleichzeitig mit "60a 83.V6 tlie XwF" (s. d.).
Rulman Merfwin, Mystiker, einer der fog.
Gottesfteunde ff. d.) des 14. Jahrh., geb. 1307 zu
Strahburg, gab 1347 seinen Beruf als Kaufmann
auf, um abgeschieden von der Welt in mystischer Be-
schaulichkeit dem Dienste Gottes zu leben. 1366 kaufte
er das grüne Wort, eine Insel in der Itt bei Strah-
burg, und richtete das alte Kloster daselbst zu einem
Asyl für Gottesfreunde ein, die hier nach einer be-
stimmten Regel lebten. Er starb 18. Juli 1382.
Seine bedeutendste Schrift ist das "Buch von den
neun Felsen", hg. von C. Schmidt (Lpz. 1859) und
in alter Holland. Übersetzung von Vorssum Waalkcs
(Leeuwarden 1882). - Vgl. Schmidt, N. ^1., 1s
fonäHtsur äe 1a maison äs 8t. ^ean ü, Ztiasdourj;
(Colmar 1856); Iundt, 1.68 aiuig äs Dien (Par.
1879); dcrs., R. N. 6t 1'ami äo Dien (ebd. 1890).
Rülpsen, s. Ausstößen.
Rum, in Frankreich und England auch Taffia
genannt, ein Branntwein, welcher namentlich in
Westindien (Jamaika, Cuba, Guadeloupe, Marti-
nique) und in Britisch- und Hollänoisch-Guayana
aus den Melassen der Rohrzuckcrfabrikation durch
Gärung derselben und darauf folgende Destillation
gewonnen wird. Die Technik der Numbercitung ist
im ganzen noch eine primitive, erst in letzterer Zeit
wird derselben durch Einführung neuerer Apparate
und Ausnutzung der wissenschaftlichen Fortschritte
der Gärungswissenschaft größere Aufmerksamkeit
zugewandt. Rohmaterial der Rumfabrikation sind
entweder nur die Rohrzuckermelassen, wie in Cuba,
oder dieselben vermischt mit den sorgfältig aufbe-
wahrten, gesäuerten Rückständen einer vorhergehen-
den Rumdarstellung (Dunder, gewissermaßen Rum-
schlempe) und dem bei der Rohrzuckerfabrikation als
Abfall gewonnenen Zuckerfchaum (^k immin gs).
Der Dunder soll sowohl als Ferment dienen, wie
auch infolge seiner antiseptischen Wirkung ein
reineres, besseres Produkt liefern. Der unmittelbar
von den Destillierapparaten gewonnene R. ist farb-
los, er wird aber in der Regel sofort an den Er-
zeugungsstellen durch Vermischen mit einer Auf-
lösung von gebräuntem Zucker in R. gefärbt; es kom-
men aber auch ungefärbte R. in den Handel, z. B.
der in Holland beliebte Surinamrum. Seinen
eigentümlichen Geschmack verdankt der R. seinem
Gehalt an freier Essig-, Ameisen-, Butter- und Ka-
prinsäure und an Athern dieser Säure. Versuche,
auch aus den Melassen der Rübenzuckcrfabrikation
R. herzustellen, haben bisher zu befriedigenden Re-
sultaten nicht geführt, sind aber nicht als aussichts-
los zu betrachten. Der im Handel vorkommende R.
ist nur selten echt, entweder ist er durch Verschneiden
von echtem R. mit ^prit "gestreckt", oder er ist K u n st -
oder Fac 0 nrum, d. h. Sprit, welcher mit verschie-
denen Äth'ern (der Buttersäure, Ameisensäure u. s. w.)
und andern Zusätzen gemischt ist. Als beste Rum-
sorte gilt in England und Deutschland Iamaika-
rum; in Dänemark wird hauptsächlich R. aus St.
Thomas, in Frankreich aus Guadeloupe und Mar-
tinique gebraucht. Der Alkoholgehalt des R. ist
etwa74Proz. Tralles. Aus dem Schaum und den
Zuckerabfällen allein wird in den Kolonien ein alko-
holisches Produkt von brcnzlichcm, scharf saurem
Geschmack gewonnen, welches als Negerrum be-
zeichnet wird, aber kaum über die Grenzen seiner
Erzeugungsstätte, wo es von den Negern genossen
wird, hinaus in den Verkehr gelangt. Haupthandels-
platz für R. ist London. Die jährliche Einfuhr Eng-
lands beträgt gegen 300000 Iü im Werte von
9 Mill. M.,' wovon 17 000 Iii zur Ausfuhr nach
Teutschland gelangen. Außerdem führen Hamburg
und Bremen jährlich noch je 8000 kl von Britisch-
Westindien zu. Der Durchschnittswert des einge-
führten R. beträgt unversteuert 100 M. für das
Hektoliter. Weit erheblicher ist aber der Handel in
Kunstrum, von dem Hamburg allein jährlich über
10000 Iü nach Westafrika ausführt. - Vgl. Sell,
über Cognac, N. und Arrak (Berl. 1891).
Rum (spr. römm), eine der innern Hebriden, zur
schott. Grafschaft Argyll gerechnet, südlich von der
Insel Skye, sehr gebirgig, erhebt sich im Aisgemheall
oder Haskeval zu 810 m, ist 121 ykm groß, meist
Jagdrevier, und zählt nur 90 E.
Rüm, alter Name von Koma (s. d.) in Kleinasien.
Ruma, Marktflecken mit geordnetem Magistrat
im Komitat Syrmien (Szere'm) in Kroatien-Slawo-
nien, an den Linien Indija-Mitrovic-Vinkovce und
R.-Vrdnik (19 Km) der Ungar. Staatsbahnen, Sitz
eines Bezirksgerichts, hat (1890) 9582 deutsche und
serb. E., ergiebigen Getreide-, Obst- und Weinbau,
bedeutende Pferdezucht und belebte Jahrmärkte.
Rumänen, in der Donaulandschaft sehhafte
Völkerschaft, zu deren Bildung die durch den Kaiser
Trajan im 2. Jahrh. n. Chr. eingeleitete Romani-
sierung der Dacier (s. d.) den Anstoß gab. Die Frage,
wo und unter welchen Umständen sich das Volk weiter
entwickelt hat, wann die verschiedenen Zweige der R.
sich getrennt haben, ist noch nicht sicher beantwortet.
Jung (Römer und Romanen in den Donaulän-
dern, Innsbr. 1877) u. a. halten dafür, daß die
romanisierten Dacier im Lande geblieben sind, alle
Völkerstürme des Mittelalters überstanden und sich
zur rumän. Nation entwickelt haben, als welche sie
im 12. Jahrh, auftauchen; Sulzer dagegen, Engel,
Röster (Romanische Studien, Lpz. 1871) nehmen,
dem Bericht des Flavius Vopiscus folgend, an, daß
unter Aurelian Ausgang des 3. Jahrh, das ganze
röm. Element nach Mösien gezogen, dort also die
Wiege der R. zu suchen sei. Da alle histor. Quellen
für den Zeitraum von mehrern Jahrhunderten feh-
len, bleibt nichts übrig, als in der Volkskunde und
in der Sprache Ersatz zu suchen. Die Volkskunde
weist darauf hin, daß das rumän. Volk durch und
durch von flaw. Elementen durchsetzt ist, die Sprache
ist aber noch nicht genügend erforscht, als daß
schon sichere Schlüsse für die Vergangenheit gezogen
werden könnten. Die jetzt noch gesprochenen vier
Dialekte hängen auf das innigste miteinander zu-
sammen, ihre Trennung muß aus sprachlichen Grün-
den in späte Zeit fallen. Die gesamten R. zerfallen
in folgende Abteilungen: 1) Die wesentlich auf
dem Gebiet des alten Dacien wohnenden Dako-
Rumänen (Rum^ni, fälschlich Iwinkni). Deren
Hauptmasse wohnt im Königreich Rumänien mit
(1892) 6 218 000 E., darunter 5 500000 R. In
Ungarn giebt es nach der offiziellen Statistik (1890)
2 592 000 R., beinahe 15 Proz. der gesamten Be-
völkerung. Sie nehmen den Südosten des Landes
ein, begrenzt durch eine Linie von Sigeth an der Theiß
über Grohwardein, Arad, Temesvär, Weihkirchen.
Innerhalb dieses Raums sind auszunehmen eine
größere ungar. und die deutschen Sprachinseln in
Siebenbürgen. In der Bukowina nehmen die R. das