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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rumänische Eisenbahnen

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Rumänische Eisenbahnen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Rumänien'

unabhängig erklärt. Das Königtum wurde befestigt durch Stiftung von Krondomänen (1884) und durch die Regelung der Thronfolge, indem der zweite Sohn des Fürsten Leopold von Hohenzollern, Prinz Ferdinand, 1886 zum präsumtiven Thronfolger ernannt wurde, weil die 15. Nov. 1869 mit der Prinzessin Elisabeth zu Wied geschlossene Ehe des Königs kinderlos war. Seinen entschiedenen Willen, sich gegen jeden Angriff zu sichern, zeigte R., indem es 1886 mit den nach Brialmonts Plänen entworfenen Befestigungsbauten von Bukarest anfing, denen 1887 die Befestigungslinie Focşani-Galatz folgte. So erwarb es sich eine geachtete Stellung, und da R. ein ebenso großes Friedensbedürfnis fühlte wie das übrige Europa, so war es natürlich, daß seine Beziehungen zum Dreibunde und hauptsächlich zu Deutschland sich zu den freundschaftlichsten gestalteten. Die mehrmaligen Besuche König Karls in Berlin und Wien und das jährliche Erscheinen Bratianus oder seines Mitarbeiters Demeter Sturdza beim Fürsten Bismarck und Grafen Kalnoky waren thatsächliche Beweise der Stabilität eines Verhältnisses, das für den Orient Europas von allgemeiner Wichtigkeit war. Im Wirrsal der orient. Verwicklungen wurde das junge Königreich ein fester Ruhepunkt, und Febr. 1886 tagten die zum Frieden vom 3. März führenden Konferenzen zwischen Serbien, Bulgarien und der Türkei in Bukarest.

Die Bojarenpartei aber, unterstützt von Paris und Petersburg, fing schon 1886 sich zu regen an, nahm 1887 eine schärfere Tonart an, bis sie März 1888 so weit ging, Straßenkrawalle in Bukarest und Bauernaufstände um die Hauptstadt zu veranlassen. Joan Bratianu gab nun 13. April 1888 seine Entlassung, obgleich ihn eine Kammer- und Senatsmajorität von über zwei Dritteln unterstützte, und die Junimisten (s. Junimea) unter Führung Rosettis ergriffen nun das Staatsruder. Ihre erste That war, Joan Bratianu und seine Mitarbeiter in den Anklagezustand zu versetzen; doch nahmen sie später Abstand davon. Vom 13. April 1888 bis zum 29. Dez. 1891 wechselten sieben Ministerien, der Junimisten- oder der Bojarenpartei angehörend, und unter verschiedenartigen Benennungen sich bekämpfend und vereinigend. Seit 29. Dez. 1891 führt Lascar Catargiu die Präsidentschaft, der durch die Aufnahme einiger junimistischer Mitglieder in sein Kabinett, darunter der Ackerbauminister Carp (s. d.), sich deren Reformideen geneigt zeigte. Nach auswärts gab die Regierung die Erklärung, daß R. eine Politik der Neutralität und der freien Hand verfolge. Nach innen ging ihre Thätigkeit vielfach auf Eindämmung der freiheitlichen Strömung im Lande, centralisierte Verwaltung und Wahlbeeinflussung. Diesen Charakter tragen die während dieser Zeit erlassenen Gesetze für Kirchen- und Schulwesen, Justiz und Verwaltung, Regelung der Arbeiterverhältnisse auf dem Lande, Organisation der Armee. 1889 wurde die Goldwährung eingeführt und eine Erweiterung der frühern Befugnis der Regierung für den Verkauf von Staatsdomänen an Bauern erlassen; 1891 erfuhr die frühere Schutzzollpolitik eine Linderung durch einen neuen Zolltarif, dem 1890 ein stark zum Freihandel hinneigender Handelsvertrag mit Serbien vorangegangen war; es folgten Verträge mit Frankreich, Schweiz, Italien, England 1893, mit Deutschland, Österreich-Ungarn, Belgien 1894. Am 18. Mai 1894 erfolgte ↔ die Eröffnung des Donaukanals, der eine sichere Einfahrt in den St. Georgsarm ermöglicht.

Wie tief die Liebe zur Hohenzollerndynastie schon im Lande Wurzel geschlagen hatte, zeigte sich 22. Mai 1891, als König Karl sein 25jähriges Regierungsjubiläum beging. Zur Befestigung der Dynastie trug noch die Vermählung des Kronprinzen Ferdinand mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Coburg-Gotha 10. Jan. 1893 und die Geburt des ersten rumän. Prinzen 15. Okt. 1893 bei. Dazwischen (1891) fällt eine Hofintrigue, die den Kronprinzen regierungsunfähig zu machen bezweckte durch eine unebenbürtige Heirat mit dem Hoffräulein Helene Bacarescu. Trotz großer Schwierigkeiten hat sich R. eine feste Stellung im Osten Europas erobert.

Vgl. Mitileneu, Colectiune de tractate (Bukarest 1874); Hurmuzaki, Dokumente (22 Bde., ebd. 1878–94); ders., Fragmente (5 Bde., ebd. 1878–86); Analele Parlamentare (7 Bde., ebd. 1888–94); Sturdza-Petrescu, Dokumente (7 Bde., ebd. 1888–93); Henke, R. Land und Volk (Lpz.1877); Beaure und Mathorel, La Roumanie (Par. 1878); Bergner, Rumänien (Bresl. 1887); Samuelson, Roumania (Lond. 1882); Zingeler, Die Hohenzollern in R. (Bonn 1890); La succession au trône de Roumanie (Bukarest 1889); Bacarescu, R.s Anteil am Kriege 1877/78 (Lpz. 1888); Aus dem Leben König Karls von R. (Bd. 1, Stuttg. 1894).

Rumänische Eisenbahnen. Das Eisenbahnnetz Rumäniens umfaßte (1. Jan. 1893) 2611 km, darunter 2558 km Staatsbahnen und vom Staate verwaltete Bahnen. Auf je 100 qkm Flächenraum entfielen 2 km und auf je 10000 E. 5,2 km Bahnen. Sitz der Direktion der Staatsbahnen befindet sich in Bukarest. Die erste Bahn des damaligen Staatsgebietes war die 1. Nov. 1869 eröffnete Strecke Bukarest-Giurgiu (-Smarda, 69,82 km), während die erste Eisenbahn des jetzigen Staatsgebietes (1895) die 4. Okt. 1860 eröffnete Bahn Černavoda-Küstendže (64 km) war, deren Fortsetzung nach Fetesci zum Anschluß an die Bahn nach Bukarest sich 1895 im Bau befindet. Die wichtigsten Staatsbahnlinien sind: Roman-Marasesci-Buzau-Chitila-Pitesci-Crajova-Turn-Severin-Verciorova (707,5 km), Chitila-Bukarest-Giurgiu (83,4 km), Marasesci-Tecuci-Barboşi-Galatz (119,4 km), Barboşi-Braila-Buzau (120,7 km), Ploësci-Predeal (84,4 km), Jassy-Ungheni (21,4 km), Černavoda-Küstendže, Tecuci-Vaslui (102,4 km), Golesci-Campulung (56 km), Bukarest (Nordbahnhof)-Kalaraşi-Fetesci (146 km). Die Bahn Jassy-Ungheni hat breite Spur (1,524 m), die Bahn Crasna-Huşi (32,55 km) ist schmalspurig (1 m), sämtliche übrigen Bahnen haben die Normalspur (1,435 m). Im Bau waren 1894: 552,6 km, darunter die Strecken Crajova-Calafatu (110 km), Dorohoi-Jassy (151 km) und Berlad-Galati (115 km). 19 Linien mit einer Länge von zusammen 1103 km waren außerdem geplant. Von den Privatbahnen befinden sich die Linien (223,4 km) der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahngesellschaft:

  • a. Suczawa (Burdujeni)-Paşcani-Roman (102,47 km),
  • b. Paşcani-Jassy (75,71),
  • c. Veresci-Botoşani (44,24 km)

in Betrieb des Staates, während die österr. Linien der Gesellschaft (s. Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen) von der österr. Staatseisenbahnverwaltung betrieben werden.

Über die Betriebsverhältnisse der rumän. Staatsbahnen und der für Rechnung des Staates betriebenen Bahnen giebt folgende Tabelle Aufschluß.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite .