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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Russisches Heerwesen

Die Gesamtfriedensstärke beträgt rund 887000 Mann, darunter im europ. Rußland und Kaukasus an Feldtruppen: 426000 Mann Infanterie, 105400 Mann Kavallerie, 87200 Pferde, 71000 Mann Feldartillerie; an Reservetruppen: 92800 Mann Infanterie und 8000 Mann Artillerie.

Die Gesamtkriegsstärke beträgt 2451000 Mann, darunter im europ. Rußland und Kaukasus an Feldtruppen: 874800 Mann Infanterie, 183900 Mann Kavallerie, 105500 Mann Feldartillerie: an Reservetruppen: 640000 Mann Infanterie und 51000 Mann Artillerie.

Die Ausgaben für das Landheer betrugen (1895) 271161313 Rubel, d. i. 4675098 Rubel weniger als im J. 1894; hierunter waren für Centralverwaltung 2449708, Lokalverwaltung 7957319, technisches und Unterrichtswesen 8181157, Medizinal- und Lazarettwesen 4043477, Bekleidung und Ausrüstung 21069625, Verpflegung 39607623, Fourage 16009911, Besoldung 53546164, Miete und Unterhalt von Unterkunftsräumen 14989431, Bauausgaben 18538179, Anfertigung und Vervollkommnung der Artillerie und Artillerieausrüstungsstücke 748209, Unterhaltung von Artilleriegegenständen bei den Truppen und Festungen, Übungen mit diesen 3015491, Transport, Fahrgelder und Depeschen 7528238, Aushebung 2706684, Übungen der Reservisten und Ratniks der Opoltschenije 3553253, Belohnungen und Unterstützungen 2980705, Abzüge und Zinsen für die Emeritenkasse 3001785, Ausgaben für Turkestan und Transbaikalien 1035790, außerordentliche Ausgaben 564881, Ausgaben für die transkaspische Militäreisenbahn 3894138, Neubewaffnung der Armee 24886187, verschiedene Ausgaben 1344152, Verpflegungsreserve 500000, Reservekredit 8714206, Ausgaben auf Rechnung des nächsten Jahres 8595000 Rubel.

Festungs- und Verteidigungsanlagen sind an der Niemenlinie: Kowno, Olita, Groono; Bobr-Narewlinie: Ossowez, Lomscha, Ostrolenka, Pultusk; Weichsellinie: Segrshe, Nowogeorgijewsk, Warschau, Iwangorod; Volhynische Gruppe: Luzk, Rowno, Dubno; Bug-Linie: Brest-Litowsk. Ferner im europ. Rußland: Kronstadt, Wyborg, Sweaborg, Dünamünde, Dünaburg, Kiew, Otschakow, Bender, Bobrujsk, Kertsch, Sewastopol; im Kaukasus: Alexandropol, Kars, Poti-Batum, Terek-Dagestan; in Turkestan: Taschkent.

II. Kriegsflotte. Die Marine besteht aus den aktiven Kommandos, der Flottenreserve und der Seewehr. Die aktiven Kommandos werden durch die Dienstpflichtigen aus den für die Flotte bestimmten Ortschaften sowie durch die durch ihr Gewerbe geeigneten Personen aus dem ganzen Reich ergänzt. Die Gesamtdienstzeit beträgt 10 Jahre, davon 7 aktiv, 3 in der Reserve. Zur Seewehr gehören die weder im aktiven Dienst noch in der Flottenreserve stehenden waffenfähigen Männer der der Flotte überwiesenen Distrikte vom 20. bis 40. Lebensjahr. Ist die Flottenreserve unzureichend, kann sie durch die vier jüngsten Jahrgänge der Seewehr verstärkt werden. Das Frontpersonal besteht aus den Lehranstalten in Petersburg (Marineschule, Schule für Matrosenkinder), Kronstadt (technische Marineakademie, Lehrequipage, Schreiberschule, Feldscherschule, Torpedoschule), Nikolajew (Marinejunkerschule, Handwerkerschule, Torpedoschule) und Baku (Feldscherschule) und den Equipagen (Matrosenabteilungen) zur Bemannung der Kriegsfahrzeuge. Die I. und II. Marinedivision (Ostsee) haben ihren Sitz in Kronstadt und umfassen die 1. bis 9. und 10. bis 18. Flottenequipage, die Schwarze-Meer-Division (28. bis 34. Flottenequipage) in Nikolajew. Außerdem die Gardeequipage in Petersburg, die Revaler Flottenbauequipage in Reval, finn. Flottencompagnie in Sweaborg, die kaspische Flottille in Baku, die sibir. Equipage in Wladiworsk. Zusammen 2200 Offiziere und 31000 Mann. Nach Maßgabe der Vergrößerung der Marine werden die noch fehlenden Nummern der Equipagen neu gebildet. Die Flotte setzt sich folgendermaßen zusammen:

Ostsee-Flotte: Geschwaderpanzerschiffe: 5 (4 im Bau); gepanzerte Kreuzer 1. Klasse: 10 (1 im Bau); Kreuzer 2. Klasse: 1 gedeckter Kreuzer, 2 ungepanzerte, 2 Schulschiffe; ungepanzerte Kreuzer 3. Klasse: 9, 1 Schulschiff; gepanzerte Fahrzeuge zur Küstenverteidigung: 18 (2 im Bau); Kanonenboote 1. Klasse: 3, 2. Klasse: 10; Torpedokreuzer: 5; Hochseetorpedoboote: 19 (14 im Bau); Küstentorpedoboote: 4; Hafentorpedoboote: 88; Transportschiffe: 6; außerdem kaiserl. Jachten (3), Hafenfahrzeuge, Zollflottille und Dampfbarkassen.

Schwarze-Meer-Flotte: Geschwaderpanzerschiffe: 4 (3 im Bau); ungepanzerte Kreuzer 2. Klasse: 1; ungepanzerte Kreuzer 3. Klasse: 6; Küstenpanzer (Popowken): 2; Torpedokreuzer: 3; Hochseetorpedoboote: 11 (2 im Bau); Küstentorpedoboote: 5; Hafentorpedoboote: 9; Transportschiffe: 9. - Außerdem die Freiwillige Flotte, die hauptsächlich im Frieden die Transporte von Soldaten und Arrestanten nach dem Amurgebiet übernimmt, im Kriege aber als Kreuzerflottille verwandt werden soll: 9 Dampfschiffe (4 im Bau).

Flotte des Kaspischen Meers: 2 Kanonenboote, mehrere Dampfer und Hafenfahrzeuge.

Sibirische Flotte: Kreuzer 2. Klasse: 2; Kanonenboote 1. Klasse: 2; Küsten- und Hafentorpedoboote je 5; Hafenfahrzeuge: 1; Transportschiffe: 2; außerdem sind noch mehrere kleine Dampfer, Schoner und Barkassen vorhanden.

Amu-darja-Flottille: 1 Dampfschiff, 2 Barkschiffe und mehrere kleinere Fahrzeuge.

Kriegshäfen sind: Petersburg, Kronstadt, Reval, Sweaborg, Libau (Hafen Alexander III.), Nikolajew, Sewastopol, Baku, Batum, Wladiwostok und Nikolajewsk am Amur.

Die Kriegsflagge ist weiß, von Eck zu Eck durch das blaue Andreaskreuz geteilt (s. Tafel: Flaggen der Seestaaten, Bd. 6, S. 864).

Die Ausgaben für die Marine betrugen (1895): Central- und Hafenverwaltung 1828417 Rubel, Belohnungen und Unterstützungen 431515, Unterrichtsangelegenheiten 611378, Medizinal- und Hospitalwesen 868153, Besoldung der streitbaren Mannschaften 3579773, Verpflegung 1020138, Bekleidung 1373000, Indienststellung der Schiffe 7194791, hydrogr. Angelegenheiten 526321, Marineartillerie, Torpedowesen und elektrische Beleuchtung 5968107, Schiffbau 19085439, Fabriken und Admiralität 3152153, Miete und Unterhaltung der Gebäude und Bauausgaben 3647127, Kommandierungen 479000, Kursunterschied bei den Ausgaben für den Hafen Sweaborg 121858, verschiedene Ausgaben 933302, Bau des Libauer Hafens und der Docks in Wladiwostok 3395300, Ausgaben für Neubewaffnung der Flotte 324000, Ausgaben auf Rechnung des nächsten Jahres 383707 Rubel.