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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rzeszów - S (Buchstabe)
schaften, zurück und erkannte den Erbstattbalter
Wilhelm III. als König von Großbritannien und
Irland an. Kaiser und Neich unterzeichneten den
Frieden erst 30. Okt. 1697. Ludwig XIV. gab auch
an Deutschland alle Eroberungen und Ncunionen
zurück, wie Freiburg, Breisach, Philippsburg, Kehl
u. s. w., ausgenommen die rcunicrten Orte im Elsaß
und die Stadt Straftburg, welche ihm nunmebr
definitiv abgetreten wurden. Der Herzog von Loth-
ringen erhielt sein Land znrück, nur Eaarlouis und
Longwy behielten die Franzosen.
Rzeszölv (spr. rscheschoff). 1) Vezirkshaupt
mannschaft in Galizicn, hat 1243, n ^in und (1890)
115939 (71894 männl., 74045) weibl.) meist poln.
E. in 116 Gemeinden mit 455 Ortschaften und 105
Gutsgebietcn und umfaßt die Gerichtsbezirke Glo-
göw, 3t., Strzyzow und Tyezyn. - 2) Stadt und Sitz
der Vezirkshanptmannschaft, eines Kreis- und eines
' Bezirksgerichts (343, n ^km, 51104 E.) sowie der
3. Infanterie- und 14. Kavallcriebrigade, an den
Linien Krakau-Lembcrg und Iaslo-R. (70 kra) der
Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 11953 meist poln.
E., in Garnison 1 Bataillon des 40. galiz. Infan-
terieregiments, 2 Bataillone des 90. galiz. Infan-
terieregiments "Prinz zu Windischgrätz" und 3 Es-
ladrons des 6. Husarenregiments "Wilhelm II.,
König von Württemberg", fürstl. Lubomirskischcs
Schloß, Vernhardinerkloster, poln. ^taatsobergym-
nasium, Lehrerbildungsanstalt; Leinweberei, Fabri-
lation von Goldwaren und Tabakpfeifen sowie die
berühmtesten Pfcrdemärkte Galiziens.
Rzewuski (spr. rsche-), Henryk, poln. Schrift-
steller, geb. 3. Mai 1791 in Slawuta in Volhynien,
genoß eine sorgfältige franz. Erziehung und reiste
viel. Mit Micticwicz in der Krim (1825) und in
Rom (1829) zusammentreffend, ließ er sich von ihm
zu seinem ersten litterar. Versuch anregen, indem er
die altadligen Geschichten und Schwanke, die er un-
nachahmlich zu erzählen wußte, zu "Denkwürdigkeiten
des Herrn Severin Sopliea" (4 Bde., Par. 1839;
deutsch von W. Bachmann u. d. T. "Der Fürst Mein-
liebchcn und seine Parteigänger", 2 Bde., Verl.
1856, und von PH. Lobenstein, Lpz. 1876) aus-
arbeitete. R. war Adelsmarschall von Zytomierz
l 1832-36), legte dies Amt nieder, lebte auf seinem
Gute Cudnow und trat erst 1850 im Dienste des
Statthalters von Polen wieder auf, indem er den
von der russ. Negierung subventionierten "O/iennik
>Var82H^8ki" redigierte. Trotz der anfänglichen
Gunst des Publikums ging die Zeitung ein; R. zog
' sich nach Cudnow zurück und starb bier 26. Febr.
^ 1866. Er verfaßte den ersten trefflichen histor.
^ Roman aus dem Polen des 18. Jahrh., wo die
Gegensätze von alt und neu aufeinanderplatzen:
"I^iäwpHä" ("November", 3 Tle., Petersb. 1845);
seine übrigen histor. Romane bleiben weit hinter
diesem zurück. Außerdem lehnte das Publikum N.s
streng reaktionäre Tendenzen, denen er auch in sei-
nen Romanen das Wort redete, entschieden ab. Er
hatte sie namentlich in seinen "Ni6823.nin^ od^c^a-
^0^6" ("Moralmiscellen", unter dem Pseudonym
Iarosz Vejla, 2 Bde., Wilna 1841-42) zusam-
mengefaßt; noch größcrn Anstoß erregten seine
"Memoiren des B. Michalowfti" (8 Tle., Petersb.
1858), eines Apologeten der Targowitzer Konföde-
ration und ihres Treibens.
Rziha (spr. rschi-), Franz, Ritter von, Ingenieur
und Specialist auf dem Gebiete des Tunnelbaues,
geb. 28. März 1831 zu Hainspach in Böhmen, stu-
' dierte am Polytechnikum zu Prag, wirkte 1851 beim
Bau der ^emmeringbahn mit, nahm seit 1852 am
Bau der Karstbahn teil und wurde 1856 zum Bau
des Tunnels bei Czernitz in Schlesien berufen. Seit
1858 als Unternehmer bei dem Bau der Ruhr-
Siegbabn in Westfalen thätig, wirkte er feit 1861
als Abteilungsingenieur beim Bau der braunschw.
Linien Kreiensen-Holzmindcn und Vraunschweig-
Helmstedt, wurde 1866 in den braunschw. Staats-
dienst als Oberbergmeistcr berufen, verwaltete als
! solcher die fiskalischen Kohlengruben und kehrte nach
! deren Verkauf 1870 nach Österreich znrück. Er tra-
! eierte umfangreiche Eisenbahnlinien in Böhmen,
Sachsen und Preußen, wurde 1874 als Oberinge-
^ nieur in die Dienste des österr. Handelsministe-
! riums und 1878 als Professor des Eisenbahn- und
! Tunnelbaues an die Technische Hochschule zu Wien
! berufen, welches Amt er seitdem bekleidet. Während
des Baues des Arlbcrgwnnels wirkte er als tech-
nischer Konsulent; 1883 erfolgte seine Erhebung in
den Adelstand. 1860 wandte R. zum erstenmal den
in der Folge weit verbreiteten Ausbau der bergmän-
! nischen Stollen mit Eisenschienen an, und 1861
führte er bei den Tunnelbauten von Naensen und
^ Ippensen das nach ihm benannte Tunnelbausystem
in Eisen in die Praxis ein. Seine Hauptwerke sind:
! "Die neue Tunnelbaumethode in Eisen" (Berl. 1864),
"Lehrbnch der gesamten Tunnelbaukunst" (2. Aufl.,
2 Bde., ebd. 1874), "Eisenbabn-Unter- und Ober-
> bau" (3 Bde., Wien 1876), "Der engl. Einschnitts-
j betrieb" (Berl. 1872).
S.
S, der l9. Buchstabe unsers Alphabets. Von
den vier Zeichen der Phönizier für "-Laute haben
die Griechen zunächst zwei umgebildet und zwei,
/".äs (/VV und ldcdin (^ oder ^), für 8 verwendet;
beide sind auch in italifche Alphabete aufgenommen.
Da der Unterschied des harten und weichen 3 nicht
groß genug war, um ein doppeltes Zeichen zu recht-
fertigen, wurde meistens das ^".äo /^ aufgegeben;
nur einige Griechen und Italiker haben es beibe-
halten; um Verwechselungen mit /^ (in" vorzubeu-
gen, bevorzugten sie ein fünfstrichigeö /^/. In
Kleinasien und Thrazien behielten einige Städte
neben dem gewohnlichen ^ auch das /V^ in der
Form von ^ im ^inne von o? oder ^5. Diese
Form bat sich als Zahlzeichen erhalten unter dein
Namen ^nnpi ^, ^st, ^, A (900). Die Römer
baben /V^ wohl kaum für 8 angewendet, sondern nur
.^7, 3' dagegen findet sich im Altlateinischen das
sünfstrichige Zeichen. Als Zahlzeichen bedeutet ^
im Griechischen 200. - Als Laut gehört 8 zu den
Ziscklantcn oder Sibilanten.
Als Abkürzungszeich en stebt 8 und 8 in röm.
Inschriften, Handschristen, auf Münzen u. s. w. für
8oxw8) LKCßl-, L3.1ut6M, 8anc,w8) 860N1'itH8, 86UH-
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