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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rydquist - Ryswijk
Rydquist, Job. Erik, schwed. Sprachforscher,
geb. 20. Okt. 1800 zu Göteborg, war anfangs
Kaufmann, studierte dann in Ilpsala Jurisprudenz
und trat hierauf in den Staatsdienst. 1827 wurde
er Ordinarius an der königl. Bibliothek und 1858
-65 war er Oberbibliotbetar, seit 1849 Mitglied
der Schwedischen Akademie. N. starb 17. Dez. 1877
in Stockholm. 1828-32 gab er "IleinidiUI", ein
littcrar. Wochenblatt, heraus. Für seine Schrift
"Xoi'ä<3li8 lUäätH 8kM68^6i" ("Die ältesten Schau-
spiele des Nordeus", Upsala 1836) erhielt er von
der königl. Akademie der schönen Wissenschaften den
bochsten Preis. Die Frucht einer Reise war die
Schrift "I^63a, i ^Zicianä, ^ranki'ikt; ocii Italisn"
(1838). Das bedeutendste Ergebnis seiner sprach-
wissenschaftlichen Studien sind die "3v6N8i(H Lprä.-
K^t8 la^i-" ("Die Gesetze der schwed. Sprache",
5 Bde., Stockh. 1850-74; Vd. 6, hg. von Söder-
wall, ebd. 1883), von dem das 2. Heft des 4. Bandes
auch u. d. T. "^näla^r oeli L^riltla^i-" ("Die
Gesetze für Laut und Schrift", ebd. 1870) erschien,
und "Den 1ii8wri3iiH ^i'äkfoi'LlvuinFLn" ("Die
histor. Sprachforschung", ebd. 1849; 2. Aufl. 1863).
Rye (spr. rei), Municipalborough in der engl.
Grafschaft Susscx, im NO. von Hastings, einer der
früher wichtigeu Häfen der Südküste (s. lDincin^
?0rtä), jetzt landeinwärts gelegen, Hat (1891) 3871 E.
und eine schöne Kirche im früh-engl. Stil.
Rye-House-Komplott (spr. rei haus') wurde
die Verschwörung einiger whiggistischer Fanatiker
1683 genannt, die darauf abzielte, Karl II. und
seinen Bruder, den verhaßten katb. Thronfolger, den
spätern Jakob II., zu ermorden. Der Name stammte
von einem einsamen Haus an der Straße von Lon-
don nach Ncwmarket, wo die That geschehen sollte.
Der Plan wurde entdeckt und dazu benutzt, außer
den eigentlichen Verschworenen die an diesem
Attentat ganz unbeteiligten Führer der parlamen-
tarischen Whigpartei, Russell, Sydney und Esser,
hineinzuverwickeln und ihre Verurteilung herbeizu-
führen. - Vgl. Grey, sooret Iii8t0i')' ot' tlis Ii^6-
nouLs^iot and olNolimontk i-^dLilion (Lond. 1754).
Ryfthal, frz. 1^ Vaux, Bezirk im schweiz. Kanton
Waadt, liegt zwischen Lausanne und Vevey an der
südl. Abdachung des Iorat auf dem nördl. Ufer des
Genfer Sees und hat 77," <ikni und (1888) 9922 E.,
darunter 295 Katholiken, in 12 Gemeinden, Wein-
bau, Ackerban und Viehzucht. Der nördliche, an den
Iorat gelehnte Teil ist eine von waldigen Hügel-
rücken durchzogene Hochebene mit rauhem Klima,
der südliche dagegen, der steil mit terrassenförmigen
Rebenhalden vom Rande der Hochebene gegen den
See abfällt, ist die reichste und fruchtbarste Gegend
der Waadt und liefert vorzügliche Weißweine, unter
denen diejenigen von Epesses, Rivaz und ^t. Sapho-
rm am meisten geschätzt werden. Die wichtigsten
Orte sind die Hauptstadt Cully (s. d.) und die Stadt
Lutry (2171 E.), beide am See.
Nyl, Gebirge in Bulgarien, s. Nilodagh.
Ryljöjew (spr. -jesf), Kondratij Fedorowitsch,
rnss. Dichter, geb. 29. (18.) Sept. 1795 in Peters-
burg, diente anfangs bei der Artillerie und wurde
dann Assessor beim Kriminalgericht in Petersburg.
Eine von ibm 1820 verfaßte Satire auf den mäch-
tigen Günstling Graf Araktschejew machte ihn in
ganz Rußland bekannt; er wurde Mitglied der ge
beimen Gesellschaften und war dann einer der
Hauptführer des Aufstandes am 26. (14.) Dez. 1825
^s. Dekabristen). N. wurde mit seincnGenosscnPestel
Vestushew, Murawjew, Kachowskij 25. (13.) Juli
1826 zu Petersburg durch den Strang hingerichtet.
Von seinen Dichtungen sind am bekanntesten die
"Dumcn" (eine Reihe Lieder und Elegien aus der
russ.Geschichte) und das Epos "Wojnarowskij". Mit
Bcstushew gab er den litterar. Almanach u^o^ar-
n^H 2V0/>äu" ("Polarstern", 3 Jahrg., 1823-25)
heraus, zu dem auch Puschkin Beiträge lieferte. Eine
Sammlung der Werke N.s erschien in Leipzig 1861,
eine andere, heransgegeben von der Tochter R.s, in
Petersburg (3. Aufl. 1874), letztere mit der Korre-
spondenz R.s.
Rylsk. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernc
ments Kursk, im Gebiet der Sejm, hat 2838,6 hkm,
743433 E.; Getreide-, Hanfbau, 20 Fabriken. -
2) Kreisstadt im Kreis R., rechts am Sejm und an
der Abzweigung Korencwo-R. der Eisenbahn Kicw-
Woronesch, hat (1894) 15 294 E., 13 russ. Kirchen,
1 Mönchskloster, Progymnasium, Stadtbank und ist
Stapelplatz für Weizen, Hanf, Leinsamen, die von
hier nach Petersburg und über die österr. Grenze
gehen, sowie für Einfuhr vou steir. Sensen.
Rymanöw, Marktflecken in der österr. Bezirks-
bauptmannfchaft Sanot in Galizicn, an der Linie
Krakau-Stryj der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines
Bezirksgerichts (312,44 l^m, 24567 poln. und ru-
then. E.), hat (1890) 3429, als Gemeinde 3704 poln.
E., alte Kirche, Holzschnitzereischulc; Naphthadestilla-
tion, lebhaften Handel mit Petroleum, Holz und Ge-
treide und bedeutende Vichmärlte.
Nynarschewo, Stadt im Kreis Schubin des
preuß. Reg.-Bcz. Vromberg, an der Netze, hat (1890)
677 E., darullter 294 Katholiken, Postagentur, Fern-
sprechverbindung, evang. und tath. 5tirche.
Nyn-Peski oder Naryn-Peski, großer Land-
streifen im russ. Gouvernement Astrachan, im Ge'
biet der Innern oder Vukejewschen Horde, beginnt
bei Chanskaja Stawka und dehnt sich nach O. und
SO. auf 160 Kni Länge und 25-45 km Breite
aus. Er ist bedeckt mit 2 bis 12 m hohen Sand-
hügeln in Form abgestumpfter Kegel, zwischen denen
sich tiefe und breite Thäler hinziehen, mit vorzüg-
lichen Weideplätzen und Wasser in 1 in Tiefe. Da
aber die Sandhügel aus Flugfand bestehen, so ver-
ändert sich ihre Oberfläche fortwährend.
Rynsburger, religiöse Sekte, s. Kollegianten.
Ryssel (spr. reißel), der vläm. Name der Stadt
Lille (s. d.).
Ryswijk, richtig Rijswijk (spr. reisweik),
Dorf in der niederlünd. Provinz Südholland, zwi-
schen dem Haag und Dclft, an der Eisenbahn Amster-
dam-Rotterdam belegeu, mit (1893) 2968 E., ist
denkwürdig durch den auf dem vonn^MN Lust-
schloß abgeschlossenen Frieden, der den neunjährigen
Krieg Ludwigs XIV. gegen die Koalition Englands
und der Niederlande, des Reichs, Lothringens und
Savoyens endigte. Schon während des Kampfes
war die franz. Diplomatie bemüht, den Bund zu
sprengen. Zuerst schloß Savoyen einen Privat-
srieden mit Frankreich zu Turin 29. Aug. 1696 und
vermittelte darauf den Traktat vom 7. Okt., wo-
durch die Neutralität Italiens allseitig anerkannt
wurde. Darauf ward unter Schwedens Vermitte-
lung 9. Mai 1697 der Kongreß zu R. eröffnet,
und 20. Sept. unterzeichneten daselbst die nieder-
land. Republik, Großbritannien und Spanien den
Frieden mit Frankreich. Ludwig XIV. gab alle
Eroberungen in Catalonien und den span. Nieder
landen, mit Ausnahme einer Anzahl reuuicrtcr Orv