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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Saccharifikation; Saccharimēter; Saccharimĕtrie; Saccharīn

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Saccharifikation - Saccharin

Saccharifikation (neulat.), Verzuckerung, der Umwandlungsprozeß, den das Stärkemehl unter dem Einfluß von Diastase oder verdünnten Säuren erleidet, wobei es in Maltose und Dextrin oder in Dextrose zerspalten wird.

Saccharimēter (Saccharometer, grch.), eine Vorrichtung zur Bestimmung der Konzentration oder des Zuckergehalts einer Zuckerlösung, entweder mit Hilfe der Polarisation des Lichts (Polarisationssaccharimeter, s. Saccharimetrie) oder mittels des specifischen Gewichts der betreffenden Lösung (Aräometer). Letzteres S. giebt statt des specifischen Gewichts unmittelbar den Prozentsatz der Lösung an Zucker unter der Voraussetzung an, daß diese eine reine Zuckerlösung sei, daß also alle gelösten Stoffe aus Zucker bestehen, ist demnach ein Prozentaräometer (s. Aräometer).

Saccharimĕtrie (Saccharometrie, grch., d. i. Zuckermessung), die Bestimmung des Gehalts einer festen Substanz oder einer Flüssigkeit an irgend einer Zuckerart. Besonders wichtig für die Praxis ist die Bestimmung des Rohrzuckergehalts im Safte der Runkelrüben, des Zuckerrohrs, des Sirups, des Rohzuckers, der Füllmassen, der Dünnsäfte und der Melasse. Die Methoden der S. sind: 1) die Gärungsmethode, bei der man die Zuckermenge berechnet aus der entwickelten Kohlensäure, die man erhält, wenn man eine gegebene Zuckerlösung durch Hefe vollständig vergären läßt; 2) die Fehlingsche Zuckerprobe, wonach man den in der gegebenen Lösung enthaltenen Zucker durch Sieden mit verdünnter Säure in invertierten Rohrzucker verwandelt, Fehlingsche Lösung (s. d.) zusetzt und die dabei sich abscheidende Menge von Kupferoxydul bestimmt; 3) die Bestimmung mittels des Aräometers (Saccharimeters, s. d.); 4) die Polarisationsmethode, die auf dem Vermögen der Zuckerarten beruht, das Licht cirkular zu polarisieren. Man benutzt dazu die Polarisationssaccharimeter von Mitscherlich, Soleil-Ventzke und von Wild. Das Saccharimeter des letztern heißt Polaristrobometer. Diese Apparate bestehen, wie die nachstehende Figur zeigt, im wesentlichen aus einer auf dem Gestell K liegenden gläsernen Röhre m, die zur Abhaltung fremden Lichts mit einer Messinghülle umgeben und bei der Füllung mit der zu untersuchenden Lösung aus dem Apparat herausgenommen und von zwei Spiegelglasplatten verschlossen wird, die auf die eben geschliffenen Ränder der Röhre durch Schraubenmuttern fest aufgedrückt werden. Das Licht kann also die Flüssigkeitssäule in der Röhre nur in deren Längsrichtung passieren. In den vor den beiden Enden der Röhre befindlichen, gewissermaßen dessen Fortsetzung bildenden Teilen S und T des Apparats ist je ein Nicolsches Kalkspatprisma angebracht. Das dem Auge zunächst liegende Prisma T dreht man so lange, bis das Licht einer hellen Flamme, nach der man visiert, verschwindet, d. h. bis die Polarisationsebenen beider Prismen senkrecht aufeinander stehen. Dann legt man die gefüllte und verschlossene Röhre in den Apparat ein. Es wird nun beim Hindurchblicken das Gesichtsfeld nicht mehr dunkel, sondern in irgend einer Farbennuance des prismatischen Spektrums gefärbt erscheinen.

Dreht man jetzt beim Hindurchblicken das mit einem Zeiger und einer Kreisteilung versehene Okularprisma T bei Rohrzuckerlösung rechts herum, so erscheinen nach und nach alle Spektralfarben in der Ordnung, wenn man vom Rot anfängt, durch Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett, und so bei jeder vollen Umdrehung wieder von neuem. Der Farbenwechsel zeigt sich besonders auffallend bei dem Purpur, das beim Übergange des Violetts in Rot entsteht. Man hat diese Farbe die Übergangsfarbe (teinte de passage) genannt und bezieht auf diese in der Regel die Angabe des Ablenkungswinkels. Die Richtung der Drehung oder Ablenkung hängt ab von der Natur des Zuckers. Rohrzucker (Saccharose), Traubenzucker (Dextrose), Maltose und Milchzucker drehen die Polarisationsebene rechts herum, Fruchtzucker dagegen links. Die Stärke der Ablenkung hängt von der Stärke der Zuckerlösung und der Länge der Flüssigkeitssäule ab. Bei gleicher Länge der letztern wird man, damit man die Übergangsfarbe erhält, das Okularprisma um so weiter drehen müssen, je mehr Zucker in der Lösung befindlich ist. Aus der Größe der Drehung läßt sich dann die Stärke des Zuckergehalts berechnen. Bei dem am meisten gebrauchten Saccharimeter von Soleil dient zur Hervorbringung der Übergangsfarbe bei parallel fixiertem Nicolschem Prisma eine im Polarisator S befindliche doppelte Quarzplatte, von der die eine rechts, die andere links drehend ist. Die Farbenänderung wird jedoch hier nicht durch Drehung des Analisators oder Polariskops T aufgehoben, sondern durch einen Ausgleicher oder Kompensator e, der aus zwei senkrecht zur Achse geschliffenen Keilplatten von Bergkrystallen besteht. Der eine dieser Keile dreht die Polarisationsebene rechts, der andere links, so daß sich durch ihre gegenseitige Verschiebung mittels des Triebes b die nach rechts drehende Wirkung der Zuckerlösung ausgleichen läßt. Um den Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Farben zu entgehen, haben Laurent u. a. m. in neuerer Zeit Halbschattensaccharimeter konstruiert, bei denen die leichter zu beurteilende gleiche Beschattung der beiden Hälften des Gesichtsfeldes statt jener gleichen Farbentöne herzustellen ist. Saccharimeter zur Bestimmung des Zuckers im Urin heißen Diabetometer. – Vgl. Frühling und Schulz, Anleitung zur Untersuchung der für die Zuckerindustrie in Betracht kommenden Rohmaterialien (4.Aufl.,Braunschw. 1891); Stammer, Wegweiser in der Zuckerfabrikation (ebd. 1876).

^[Abb. Saccharimeter]

Saccharīn, ein 1879 von Fahlberg entdeckter und seit 1886 fabrikmäßig von der Firma Fahlberg, List & Cie. in Salbke-Westerhüsen a. d. Elbe sowie jetzt auch in Radebeul bei Dresden dargestellter Körper. S. ist als Benzoesäuresulfinid oder Orthosulfamidobenzoesäureanhydrid, ^[Img. Strukturbild] aufzufassen. Ausgangsmaterial für die Darstellung des S. ist das Toluol (s. d.), das aus Steinkohlenteer gewonnen wird. Das S., in seiner gewöhnlichen Form ein amorphes weißes Pulver, krystallisiert aus heißem Wasser oder Alkohol in weißen Nädelchen, schmilzt bei 224° und besitzt einen intensiv süßen Geschmack. Das von Anfang an in den Handel ge- ^[folgende Seite]