Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

145
Sachsen, Königreich (Geschichte)
derentwillen er 1697 zum Katholicismus übertrat, in den Nordischen Krieg (s. d.), den er gegen Karl XII. zwar nur als König August II. von Polen, aber überwiegend mit sächs. Hilfsmitteln und Truppen höchst unglücklich führte. Der Friede zu Altranstädt 24. Sept. 1706 ließ August II. nur den Königstitel. Nach Karls Niederlage bei Poltawa 1709 bemächtigte sich August wieder der poln. Krone, jedoch ohne daß der erneuerte Krieg und der schließliche Friede ihm oder seinem Lande irgendwelchen Vorteil eingetragen
hätten. Augusts verschwenderische Prachtliebe erhob Dresden zu der schönsten deutschen Residenz, aber er beschaffte die Mittel dafür, die er von den Ständen nicht in ausreichender Höhe erlangen konnte, durch Verpfändung oder Veräußerung von Gebietsteilen und Rechten. Sein kunstsinniger, aber politisch indolenter Sohn Friedrich August II. (1733-63), als König von Polen August III., mußte sich diesen Thron erst gegen die erneuerten und von Frankreich unterstützten Ansprüche Stanislaus Leszczynskis im poln. Thronfolgekriege (1733-36) erkämpfen. Im ersten Schlesischen Kriege trat er, da er auf Grund seiner Vermählung mit der Erzherzogin Maria Josepha, der Tochter Kaiser Josephs I., ebenfalls Ansprüche auf die österr. Erbschaft erhob, auf die Seite von Maria Theresias Gegnern, aber die Schlaffheit, mit der seine Truppen sich am Kampfe beteiligten, verschuldete, daß S. bei dem Frieden zu Berlin 1742 leer ausging. Die Verstimmung über diesen Ausgang und der allmächtige, aber höchst verderbliche Einfluß, welchen Augusts Günstling und Premierminister Graf Brühl (s. d.) auf die öffentlichen Angelegenheiten gewann, bewirkten, daß S. auf Österreichs Seite übertrat; allein der für letzteres ungünstige Verlauf des Krieges und zuletzt die Niederlage des sächs.-österr. Heers bei Kesselsdorf 15. Dez. 1745 nötigten den Kurfürsten 25. Dez. mit Friedrich den Frieden zu Dresden zu schließen. Da S. durch das Wachstum Preußens in eine untergeordnete Stellung herabgedrückt und zugleich jetzt auf zwei Seiten von preuß. Gebiet umklammert war, so suchte Brühl, auch durch persönlichen Haß gegen König Friedrich bestimmt, seitdem Anschluß an die Gegner Preußens, Osterreich, Rußland und Frankreich; allein der Siebenjährige Krieg (s. d.) brachte über S. nur furchtbare Kriegsleiden und eine Schuldenlast von etwa 40 Mill. Thlrn.
Die Genesung S.s von den Wunden des Siebenjährigen Krieges durch Sparsamkeit und Neubegründung des Staatskredits wurde durch den Kurfürsten Friedrich Christian (6. Okt. bis 17. Dez. 1763) eingeleitet und unter der Administration des Prinzen Xaver (1763-68) für seinen minderjährigen Neffen Friedrich August III. (als Kurfürst 1763-1806) mit Beharrlichkeit fortgesetzt. Xaver erweiterte 1764 den Geschäftskreis der 1735 errichteten Landesökonomie-, Manufaktur- und Kommerziendeputation, stiftete 1765 die Bergakademie zu Freiberg und verstärkte das Heer, das er zugleich nach preuß. Muster umgestaltete. Da er über die neu eingeführten Auflagen mit den Ständen in Zwiespalt geriet, so legte er noch vor Ablauf der gesetzlichen Frist die Administration 13. Sept. 1768 nieder.
Unter Friedrich August III. wurde die gesamte landesfürstl. Finanzverwaltung 1782 dem Geheimen Finanzkollegium übertragen. Bei der musterhaften Leitung desselben hoben sich die Einnahmen und der Kredit des Staates derart, daß von den Landesschulden bis 1806 gegen 19 Mill. Thlr. getilgt wurden und die Steuerscheine, die schon vor dem Siebenjährigen Kriege kaum einen Kurs gehabt hatten, bis 1789 auf und über den Nennwert stiegen und 1772 Papiergeld eingeführt werden konnte. Gewerbfleiß und Handel wurden unterstützt und gehoben, neue Industriezweige, wie die Baumwollmanufaktur, die Kattundruckerei und die Strumpfwirkerei, wurden eingeführt, die Schafzucht durch Einbürgerung der span. Merinos gefördert (Elektoralwolle). So stieg der Wohlstand, und die Einwohnerzahl hob sich zwischen 1772 und 1785 von 1632000 auf 1945806, von denen schon ein Viertel in den Städten lebte, der dritte Teil in Handwerk und Industrie beschäftigt war. In der Rechtspflege wurde 1770 die Tortur abgeschafft, Zucht- und Arbeitshäuser wurden 1772 zu Torgau und 1776 zu Zwickau angelegt u. s. w. Für die Bearbeitung eines neuen Gesetzbuches wurde 1791 eine besondere Gesetzkommission niedergesetzt, das Schulwesen durch zwei Schullehrerseminarien zu Dresden und Weißenfels und besonders in Hinsicht der drei Landesschulen zu Pforta, Meißen und Grimma besser eingerichtet. In der auswärtigen Politik schloß sich Friedrich August eng an Preußen an, zumal Österreich 1776 die Bestrebungen des Grafen von Schönburg-Hinterglauchau, unter böhm. Hoheit zu treten, unterstützte und 1778 den Ansprüchen der Kurfürstin-Mutter Maria Antonia auf die bayr. Allodien (nach dem Aussterben der männlichen Linie) entgegentrat. Daher stellte sich S. im Bayrischen Erbfolgekriege 1778-79 auf die Seite Preußens und erhielt gegen Verzicht auf die bayr. Ansprüche im Frieden von Teschen (13. Mai 1779) vom Kurfürsten von Pfalz-Bayern 6 Mill. Fl. und von der böhm. Krone die
oberlehnsherrlichen Rechte über die Schönburgischen Herrschaften. 1785 trat Friedrich August dem Deutschen Fürstenbunde bei. 1790 und ebenso 1792 führte der Kurfürst das Reichsvikariat. Die Krone Polens, die ihm nach der Verfassung vom 3. Mai 1791 angeboten wurde, schlug er aus. Im Aug. 1791 waren Kaiser Leopold II. und König Friedrich Wilhelm II. bei der Zusammenkunft zu Pillnitz (s. d.) die Gäste des Kurfürsten. Seit 1793 beteiligte sich das sächs. Kontingent am Reichskriege gegen Frankreich, und
erst als der Obersächsische Kreis 13. Aug. 1796 zu Erlangen einen Waffenstillstands- und Neutralitätsvertrag schloß, rief auch der Kurfürst sein Kontingent zurück. Die Verhandlungen mit Preußen und Hessen-Cassel über Errichtung eines norddeutschen Bundes unterbrach der Ausbruch des Krieges von 1806 (s. Französisch-Preußisch-Russischer Krieg von 1806 bis 1807), in welchem 22 000 Sachsen unter General von Zezschwitz zu dem Korps Hohenlohe stießen und bei Saalfeld sowie bei Jena mitfochten. Am 11. Dez. 1806 schloß hierauf der Kurfürst zu Posen mit Napoleon I. Frieden und trat als König von S. in den Rheinbund (s. d.) ein.
II. Königreich. zu dem noch andauernden Kriege stellte Friedrich August 6000 Mann, und als Rheinbundsfürst mußte er ein Kontingent von 20000 Mann zum Bundesheere liefern. Die Verfassung des Landes blieb ungeändert; nur erhielten die Katholiken gleiche Rechte mit den Lutheranern, und das Heer wurde nach franz. Muster umgebildet. Durch den Frieden von Tilsit, Juli 1807, erhielt der König von S. das Herzogtum Warschau (101866 qkm), neugebildet aus den von Preußen abgetretenen poln. Gebietsteilen, und den Cottbuser Kreis, wogegen er das