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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Säcken - Sackwassersucht
Wahl Leopolds II. und Franz' II. bei. 1786 in den
preuß. Fürstenstand erhoben, starb er 31. Dez. 1794.
Karl Magnus (russisch Karl Iwanowitsch),
Graf von der Osten-Sacken, geb. 6. April
1733 auf der Insel Osel, war Erzieher des Thron-
folgers Paul, später des Großfürsten Konstantin
Hagen. 1797 in den russ. Reichsgrafenstand erhoben,
starb er 24. Jan. 1808 zu Kirna in Esthland.
Fabian Gottlieb (russisch Fabian Wilhelmo-
witsch), Fürst vonderOsten-Sacken,russ.Feld-
marschall, geb. 1752 in Kurland, nahm an den Krie-
gen gegen Polen und die Türkei teil und kam, schon
Generallieutenant, 1799 im Treffen von Zürich in
franz. Gefangenschaft. 1800 nach Nusiland zurück-
gekehrt, zeichnete er sich bei Pultusk (1806) und
Eylau (1807) aus, kämpfte an der Katzbach unter
Blücher und wurde nach der Schlacht bei Leipzig
zum General der Infanterie ernannt. Darauf nahm
er am Sieg über Napoleon bei Brienne teil (1814),
wurde aber bei Montmirail geschlagen. Nach der
Einnahme von Paris ward er Generalgouverneur
dieser Stadt. 1826 zum Feldmarschall ernannt,
unterdrückte er 1831 den poln. Aufstand in Vol-
bynien und Podolien. 1821 wurde S. in den russ.
Grafen-, 1832 in den Fürstenstand erhoben. Er
starb 19. April 1837 in Kiew.
Dmitrij Iaroslawowitsch, Grafvonder
Osten-Sacken, russ. General der Kavallerie, geb.
1790 (oder 1793), nahm an den Kriegen gegen Frank-
reich 1807-12 teil, dann am Feldzug gegen Per-
sien 1826-27, am Türkenkrieg 1828, an der Unter-
drückung des poln. Aufstandes 1831, während des
Krimkrieges an der Belagerung von Silistria, war
dann Kommandant von Odessa während des Bom-
bardements (1855) und nahm an der Verteidigung
Sewastopols teil, zeitweilig als Oberbefehlshaber.
1855 wurde er in den Grafenstand erhoben und
1856 zum Mitglied des Reichsrats ernannt. Er starb
27. (15.) März 1881 im Gouvernement Cherson.
Nikolai Dmitrijewitsch, Graf von der
O st e n - S a ck e n, geb. 1832, trat 1852 in den Staats-
dienst , erhielt den Grafentitel für seine Tapferkeit
bei der Belagerung von Sewastopol und ward 1870
zum Ministerresident am Darmstädter Hof ernannt;
1881 erhielt er den Posten eines bevollmächtigten
Ministers am bayr. und Hess. Hofe und wurde März
1895 an Stelle Schuwalows zum russ. Botschafter
am Berliner Hofe ernannt. - Vgl. über die Fa-
milie E. Winkelmanns "Vidliotlieca I^ivoniaö diäto-
rioa", Nr. 10954-75 (2. Aufl., Verl. 1878).
Säcken, mittelalterliche Todesstrafe, wobei der
Verbrecher in einen Sack gesteckt und ins Wasser
geworfen wurde.
Sackgeige, soviel wie Taschengeige, s. Poche.
Säckingen. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Walds-
hut, hat (1890) 17 755 E. in 30 Gemeinden. -
2) Hauptstadt des Amtsbezirks S., am rechten Ufer
des Rheins, über den eine gedeckte Brücke führt,
am südl. Abhänge des Schwarzwaldes und an den
Linien Basel-Konstanz und Basel-Schopfheim-S.
(41,9 kni) der Bad. Staatsbahnen, Sitz des Bezirks-
amtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Waldshut),
einer Oberförsterei und eines Hauptsteueramtes, hat
(1890) 3657 E., darunter 552 Evangelische, Post-
amt zweiter Klasse, Telegraph, ein Münster St.
Frioolin, 1726 im roman. Stil erbaut, mit Re-
liquien des Heiligen, evang. Kirche (1863), höhere
Bürgerschule, Krankenhaus, Sparkasse, Vorschuß-
bank, Mineral- und Solbad. Das durch Scheffels
"Trompeter von S." bekannte Schloß der Herren
von Schönau ist Privatbesitz. Es bestehen bedeutende
Seidenband- und Seidenstofsfabrikation, Vaum-
wollwebereien, Kattundruckereien, Seiden- und
Baumwollfärbereien, Eisen- und Messinggieherei,
Maschinenfabriken, Gerbereien, Holzhandel. In der
Nähe der Waldsee. - S. (saeconica), eine der vier
Waldstädte, ist hervorgegangen aus der Stiftung
des heil. Fridolin von 522. Ursprünglich ein Doppel-
kloster für beide Geschlechter, gestaltete sich das Stift
im 11. Jahrh, zu einem adligen Damenstift, das
seit 1180 unter Habsburg. Schirmvogtei stand, im
13. Jahrh, gefürstet und 1806 aufgehoben wurde. -
Vgl. von der Meer, Geschichte des Stifts S.
Sackings (engl., spr.häck-), Baumwollverpackung,
soviel wie Vaggings (s. d.).
Sackleinwand, s. Leinwand.
Sackmann, Jacob, Prediger in plattdeutscher
Mundart, geb. 1643 in Hannover, starb 4. Juni
1718 in Limmer bei Hannover, wo er zuletzt ange-
stellt war. S.s plattdeutsche Predigten zeichneten
sich durch drollige, oft in Derbheit übergehende
Naivetät aus. Sie wurden nachgeschrieben und nach
seinem Tode herausgegeben (7. Aufl., Celle 1860).
Besonders berühmt ist die Leichenrede auf seinen
Schulmeister Michel Wichmann. - Vgl. Mohr-
mann, I. S. (Hannov. 1880).
Sackmäuse (^ccom^iäas), Taschenratten,
Familie der Nagetiere (s. d.), mit schlankem, schmäch-
tigem Körper, verlängerten Hinterfüßen, spitzer
Schnauze und langem Schwänze. Die S. sind
kleine Nager und bilden 6 Gattungen mit 33 Arten.
Sackpfeife, s. Dudelsack.
Sackspinnen (I)1^88U8 I^a?c^.), zu den Röhren-
spinnen (s. d.) gehörige Gattung, deren braune, am
Hinterleib schwärzliche Arten sich am Tage unter
Steinen, loser Baumrinde u. s.w. in dichten, röhren-
förmigen Gespinsten verbergen, nachts aber auf Raub
ausgehen. Hierher gehören die steinbewohnende
Sackspinne (Or3.88U8 lapidicola, Il^/c^., s. Tafel:
Spinnentiere und Tausendfüßer I, Fig. 4).
Sackspinner, s. Sackträger.
Sackträger, Schmetterlingsraupen, welche die
Gewohnheit haben, sich aus zusammcngewobenen
Holz- und Vlattstückchen oder andern Teilen der
Nahrung Futterale oder Schutzhülsen zu machen, in
denen sie stecken, so daß nur der Kopf und die drei
echten Beinpaare hervorgestreckt werden können. S.
sind bei uns zahlreiche Klcinschmetterlinge (z. B.
unsere gewöhnliche Kleidermotte) und namentlich in
der Familie der Spinner die Sackspinner (I^x-
cinäae). (S. Tafel: Raupen, Fig. 2, und Tafel:
Schmetterlinge II, Fig. 14.)
Sackville (spr. ßäckwill), engl. Familie, s. Dorset.
Sackwasferfucht, falsche Wassersucht
(tl^äro^ 8HcoHtu8), die krankhafte Anhäufung von
seröser, wässeriger Flüssigkeit in normalen oder
pathol. Hohlräumen des Körpers, wodurch diese
übermäßig erweitert und ausgedehnt werden. Die
häufigste Ursache der S. ist der Verschluß des Aus-
führungsgangs einer Drüse oder Schleimhautaus-
klcidung und dadurch bedingte Stauung und An-
sammlung des abgesonderten Sekrets. Auf diese
Weise entsteht z. B. durch Verschluß des Harnleiters
die Wassersucht der Niere (Hydronephrose), durch
Verschließung der betreffenden Ausführungsgänge
die Wassersucht der Gallenblase, des Wurmfortsatzes,
des Thränensacks u. a. (S. Balggeschwulst, Wasser-