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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Salonroman - Salpeteräther
betrug der Verkehr 657 Dampfer und 3651 Segler
mit 635148 und 80318 Registertons. Die engl.
und franz. Flagge stehen obenan, dann folgen Öster-
reich-Ungarn, Italien, Türkei und Griechenland.
Regelmäßig laufen an: Österreich-Ungarischer Lloyd,
N6885l^6ri68 Naritimös, I^i aig^inot & Öo., Navi-
8^210116 General 6 itlUilrna. Die Frachtschiffe find
meist englifche. Für Deutschland ist die Deutsche
Levante-Linie (s. d.) wichtig. S. ist Sitz zahlreicher
Konsulate (darunter eines deutschen und österreichisch-
ungarischen), einer LanyuL äo saloni^iie, türk. und
österr. Handelskamnlcr. Die Erwartungen, daß es
sich zu einem Ausgangspunkt des mitteleurop.
Schiffsverkehrs nach Asien entwickeln würde, fchei-
nen sich nicht zu erfüllen. - S. war unter den byzant.
Kaisern (s. Thessalonich) eine der durch Handel und
Reichtum hervorragendsten Städte des Reichs. Von
Slawen wurde sie im 7. Jahrh, öfters belagert, von
den Arabern (904) und Normannen (1185) erobert
und geplündert. Nach der Eroberung Konstantino-
pels durch die Lateiner geriet S. unter die Herrschaft
des Markgrafen Vonifaeius von Montferrat, der
hier ein Königreich begründete; 1222 kam es an die
Despoten von Epirus, 1246 an die Byzantiner,
1423 an Venedig. Am 29. März 1430 wurde S.
von den Türken erobert.
Salonroman, s. Roman (Bd. 13, S. 960 a).
Salop (spr. ßehlöp), engl. Graffchast, s. Shrop.
Salopp (frz. Lalope), unsauber, schlumpig, nach-
lässig ; Salopperie (^lopei-is), Unsauberkeit.
Salpen oder Seetönnchen sli^Iiacka), Man-
teltiere (s. d.), die durchweg ein freies pelagisches
Leben führen, die Kloakenöffnung am hintern, der
Einfuhröffnuna, entgegengesetzten Pole des Leibes
haben. Die Wandung des Kiemensackes ist so weit
durchbrochen, daß mnst nur ein schmaler, denfaß-
förmiaen Leib schräg durchziehender Kiemenbalken
übrigbleibt. Im Mantel der S. lagern sich reifen-
artige Muskeln ein, deren Zufammenziehungen die
Ausstoßung des Atemwassers aus der Kloake und
damit die Schwinnubewegungen vermitteln. Die
übrigen Eingeweide bilden einen verhältnismäßig
kleinen, gegen das Hinterende in die Körperwand
eingeschalteten Kern (^ucwli"), der dunkel aus dein
sonst glashellen Tiere hervorsticht. DieS. sind ent-
weder Einzeltiere oder kettenartige Kolonien, und
beide Formen folgen, wie der Dichter Chamisso schon
1819 entdeckte, im Generationswechsel (s. d.) auf-
einander. Die Kette wird abbildet von den zwitte-
rigenGeschleckMindwiduen; in diesen entwickelt sich
unter komplizierten Metamorphosenvorgängen ein
Embryo, der, nachdem er frei wurde, noch bedeutend
weiter wächst und größer als das elterliche Indi-
viduum wird. In der Körperwand dieser solitären,
ungeschlechtlichen Form tritt dann ein Keimstock
(3to1o pi-oli^r; von 8i^)a ä^inocraticI, I^>?.8^.,
s. Tafel: Mantelticrc, Fig. 3 l> Herz," Eierstock,
3 Gehirn, n Eingeweidetuäuel^ u. 8 ju Stoloj) als
eine hohle Fortsetzung der Leibeswand auf, die sich
häusig spiraliq ausrollt; an ihm entwickeln sich die
Ketten der Geschlechtstiere, die, nachdem sie eine ge-
wisse Größe erreicht haben, sich loslösen. Da freie
Formen und Kettenformen der S. einander wenig
gleichen, sind beide vielsach als verschiedene Arten
beschrieben worden: so folgt auf die solitäre ge-
schlechtslose NaiM inaximll. ^t)i'6/c. (s. Fig. 5) die
Kette der geschlechtlichen l^I^H alrickiia, .l^o?^.
Bei der Gattung ^)oliowin mit besonders zartem
Mantel ist die vorgeschlechtliche Ammengeneration
sogar eine doppelte. So läßt die erste Amme von
Dolioluiu äonticulawin H?t07/ et t?a?'m. (s. Fig. 9)
an einem schwanzartig anhängenden Keimstock neue
Individuen in der Mitte (bei m) oder an den Seiten
(bei 8) hervorsprossen, von denen eine Anzahl, die
zweite Ammengeneration, sich loslöst, um an einem
bauchstündigen Keimstock abermals neue Tiere zu
treiben. Erst diese werden wieder zu Geschlechtstieren,
aus deren Eiern die ersten Ammen hervorgehen.
Salpeter, Kalisalpeter, ostindischer oder
indischer S., Kaliumnitrat, salpetersaures
Kalium, ^^0.8, findet sich fertig gebildet in den ver-
schiedensten Gegenden, hauptsächlich in Indien (Ben-
galen, Patna), Arabien, Ägypten, Ungarn, Spa-
nien und Südamerika zum Teil auf großen Strecken
in den obern Erdschichten vor. Seine Entstehung
ist stets auf die lebhafte Verwefung pflanzlicher oder
tierifcher Stoffe bei Gegenwart von Luft zurückzu-
führen, wobei zunächst Ammoniak und durch dessen
weitere Oxydation Salpetersäure entsteht, die in dem
Kaliumgehalt des Feldspats, auch in den vorhan-
denen Kalk- und Magnesiumsalzen des Bodens die
nötige Basis findet. Bei Regenfall löfen sich diefe
Salze und steigen bei darauf folgendem trocknem
Wetter als Auswitterung an die Oberfläche, wo sie
mit Erde gemischt eingesammelt werden (Kehr-
salpeter). Durch Auslaugen, oft unter Zufatz von
Pottafche, um auch die Nitrate des Kalks und der
Magnesia in S. zu verwandeln, und Eindampfen der
Löfung zur Krystallisation gewinnt man den Roh-
salpeter. In ähnlicher Weise wird die Gayerde,
das Material der Estriche aus den Wohnungen der
armen Klassen (Ungarns und anderer Länder), in
der Schweiz die Erde der Ställe auf S. verarbeitet.
Den Bildungsprozeß in der Natur ahmt rnan in
den Salpeterplantagen (im 18. Jahrh, zuerst
in Frankreich auftretend) künstlich nach, indem Mer-
gel, Bauschutt, Holz- und Braunkohlenasche, Abfall
aus Ställen, Urin u. s. w. in Haufen aufgefchichtet, be-
ständig feuckt erhalten und nach dreijährigem Liegen
in gleicher Weise auf S. verarbeitet werden. Seit
dein Auffinden der großen Lager von Chilesal-
peter (s. d.) stellt man S. hauptsächlich aus diesem
dar (Kouversionssalpeter, s. d.). S. bildet
rhombische Prismen (daher auch prismatischer
S. genannt) von salzig - kühlendem Geschmack. Er
löst sich leicht in Wasser unter starker Temperatur-
erniedrigung. 100 Teile Wasser lösen bei 18" 0.
29 Tcilc S., bei 100" 0. 2^6 Teile, und eine siedend-
heiß gesättigte Lösung (!16° (.'.) enthält 335 Teile
S. auf 100 Teile Wasser. S. ist leicht schmelzbar;
in Tropfen erstarrt bildet er das Aitrum tadulawm
(8^11^-iiii6ila6) früherer Pharmakopöen. S. dient
zur Darstellung von Schieß- und Sprengpulver,
von Feuerwertskörpern, als Orydations- und Fluh-
mittel bei Metallarbeiten, in der Glasfabrikation,
zum Pökeln des Fleisches' medizinisch wird er bei
fieberhaften Krankheiten und als Diuretikum gege-
ben. Der S. kommt in Fässer zu 250 K3 verpackt
in den Handel. Deutschlands Aussuhr betrug 1894:
132126 Doppelcentner im Werte von 5021000 M.
- Flammender S. ist Ammoniumnitrat (s. d.),
kubischer S. Natriumnitrat (s. Chilesalpeter). -
Vgl. Polakowsky, Der Chilisalpeter und die Zukunft
der ^alpeterindustrie (Berl. 1893).
Salpeterä'ther, Salpeterätherweingeist,
versüßter Salpetergeist, ßpiritus ^ttieris
i>tti-08j, im wesentlichen eine alkoholische Lösung von
Salpetrigsäureäthyläther, (^5ONO. Er wird nach