Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

249
Samen (Landschaft) - Samenbau
der Luftröhrenschleimhaut, beobachtet werden. (S.
Flimmcrbewegung.) Die Beweglichkeit behalten die
Samenfäden auf lange Zeit bei, sobald nur das
Verdunsten des S. verhindert wird.
Die Bildung der Samenfäden gefchieht inner-
halb des Hodens (s. d.) und zwar in eigenartigen
Zellen mit Kernen, fo daß in jedem Kerne ein Sa-
menfäden als ein an der Innenwand desfelben spi-
ralig mit zwei bis drei Windungen angelagerter
Körper vorhanden ist. Es bersten sodann die Kerne,
und die Fäden derselben kommen nun zu 10 bis 20
Stück in die Zelle zu liegen, und zwar ganz regel-
mäßig mit den Köpfen und Schwänzen zusammen.
Endlich platzen auch diese Zellen, und die Samen-
fäden werden so ganz frei; dies geschiebt im Neben-
hoden. Von hier aus gelangt der S. in die beiden
Samenleiter (vasa. äklerentia), zwei cylindriscbe,
innerhalb des Samenstrangs verlaufende Kanäle,
die durch den Leistenkanal nach aufwärts in die
Bauchhöhle treten und sich am hintern untern Teile
der Harnblase zu den beiden Samenbläschen
(v68icula6 86iuinÄi68) erweitern; aus ihnen wird
bei der Begattung die Samcnflüssigkeit in die Harn-
röhre übergeführt und durch die kräftige Zufammen-
ziehung der Dammmuskulatur ejakuliert. In der
Jugend und im Alter, wo der S. unfruchtbar ist,
finden sich anstatt der Samenfäden oder neben diesen
kleine helle Zellen. Die Befruchtung des weiblichen
Eichens durch den S. ist die notwendige Bedingung
für die Entwicklungsfähigkeit des Eichens. (^). Be-
fruchtung.) Über unwillkürliche Samenentleerungcn
s. Pollutionen.
In der Botanik heißen E. die geschlechtlicb er-
zeugten Fortpflanzungsorgane der Phanerogamen,
entwickeln sich aus den Samenknospen (s. d.) und ihre
Zahl stimmt in vielen Fällen mit der der Samen-
knospen im Fruchtknoten überein, oft ist sie jedock
geringer, da nicht alle Samenknospen befruchtet
werden oder ihre Entwicklung infolge ungünstiger
Raumverhältnisse unterdrückt wird. Die Anord-
nung der S. ist sehr verschieden, bei einsamigcn
Schließfrüchten, wie bei der Nuß, der Achäne u. a.,
wird der S. gewöhnlich von der dicht anliegenden
Fruchtfchale umschlossen, bei der Beere liegen die
S. direkt in dem Fruchtfleisch, bei der Steinfrucht
dagegen sind sie durch eine lederartige oder stein-
harte Hülle von der fleischigen oder trocknen äußern
Fruchthülle getrennt. Beiden aufspringenden Früch-
ten stehen die S. in der Negel an den Rändern oder
auf der Mittelpartie der einzelnen Fruchtblätter oder
sie sind auch an einem Mittelsäulchen (s. Samen-
träger) gruppiert, so daß sie mit den Fruchtblättern
nicht in direktem Zusammenhang stehen. Beim Auf-
springen der Früchte sind die S. gewöhnlich bereits
von den Fruchtblättern abgelöst.
Die S. selbst bestehen aus einer häutigen, leder-
artigen oder auch steinharten Samenschale (t63w),
die sich aus dem Integument (s. d.) entwickelt und
evne ^chi verschiedenartig ausgebildete Oberfläche
besitzt. In mehrern Füllen, wie bei den Nadel-
hölzern, Vignoniaceen u. a., ist sie flügelartig ver-
breitert und dient als Flugorgan zur Ausstreuung
der S.; bei einer Neibe von Pflanzen ist die äußere
Partie als fleischiger Arillus oder Samenmantel
entwickelt, wie bei der Muskatnuß (s. ^I)'i'i3tica)
und den S. der Eibe (s. d.). In der Regel ist sie
glatt oder mit Warzen, Stacheln, netzartigen Ver-
dickungen oder auch andern Unebenheiten versehen.
Häusig ist die ganze Oberfläche oder nur ein Teil
derselben mit Haaren, Borsten u. dgl. besetzt, wie
bei der Baumwolle, vielen Asklepiadeen, bei der
Pappel, der Weide, verschiedenen Anemonen u. a.
An der Außenseite der S. ist fast immer die Stelle
zn erkennen, wo der Nabelstrang (lunicu1u8) ansetzte
und bei genauer Betrachtung in der Regel auch die
Mikropyle (s. Befruchtung). Wo der Nabelstrang
eine Strecke mit dem S. verwachsen ist (also bei den
sog. anatropen Samenknospen, s. d.), zeigt sich
in der Regel die sog. Naht oder Naphe (s. d.).
Innerhalb der Samenschale liegt die Anlage der
jungen Pflanze, der Keim oder Embryo ss. d.),
umgeben von einem mehr oder weniger mächtig
entwickelten Endosperm (s. d.), auch Samen-
eiweih genannt, oder Perisperm (s. d.). Beide
Gewebcarten dienen als Rescrvestoffbehälter, aus
denen der Embryo bei seiner Entwicklung znr Keim-
pflanze die nötigen Nährstoffe entnimmt. Dies gilt
jedoch nur für jene Fälle, wo der Embryo selbst klein
ist und in dem übrigen Gewebe des S. eingebettet
liegt; es nimmt dann in der Regel, wie bei den
Palmen, den Gramineen, den Chenopodiaceenu. a.,
das Endosperm den größten Teil des S. ein, in
einigen Füllen, wie bei lüanna, ist dagegen das
Perisperm stärker entwickelt. Bei zahlreichen Diko-
tyledonen verschwinden jene beiden Gewebe fast
vollständig, und es sind dann sämtliche Reservestosfe
in dem Embryo felbst und zwar in den Samen-
lappen oder Kotyledonen (s. d.) aufgespeichert; so
ist es z. B. bei den Leguminosen, Kruciferen u.V. a.
Man nennt die letztern S. eiweißlose S. und
diejenigen, bei denen sich das Endosperm reick-
licher findet, eiweißhaltige S. Die Form und
Lage des Embryos ist in den einzelnen Gruppen
sehr verschieden.
In der Größe des S. herrschen in den einzelnen
Familien die größten Verschiedenheiten; während
die S. mancher Palmen, wie die Kokosnuß, einen
sehr bedeutenden Umfang erreichen, sind andere von
außerordentlicher Kleinheit, wie z. B. die S. der
Orchideen, deren Durchmesser nur Bruchteile eines
Millimeters betragen. Bei der Keimung findet zu-
nächst stets eine starke Quelluna fast sämtlicher Teile
statt, da die reifen S. reichlich Wasser aufnehmen
müssen, um die Weiterentwicklung des Embryos zu
ermöglichen. Dabei wird das Volumen des S. oft
auf das Doppelte und darüber vergrößert. Bald
darauf beginnt der Embryo in allen seinen Teilen
lebhaft zu wachsen und infolgedessen wird die Sa-
menschale zersprengt oder an einer Stelle durch-
brochen und der junge Keim (s. d.) tritt hervor.
Viele S. sind gleich nach der Reife keimfähig,
andere dagegen müssen eine kürzere oder längere
Ruheperiode durchmachen, ehe die Keimung erfolgen
kann; bei manchen dauert dies mehrere Jahre. Wäh-
rend der Keimung werden die im S. in Form von
Stärke, Inulin, t)l, Aleuron u. dgl. aufgespeicherten
Rcscrvcstoffe zur Ernährung der Keimpflanze ver-
wendet und erst, wenn das Wurzelsystem reichlicher
entwickelt ist, beginnt die selbständige Ernährung
der jungen Pflanzen. - Vgl. Lobe, S. und Saat
iVerl. 1890); Settcgast, Die landwirtschaftlichen
Sämereien und der Samcnbau (Lpz.1892).
Samen oder Simen, Landschaft in Abessinien
(s. d., Bd. 1,S. 35a).
Samenbaptisten, s. Baptisten (Bd. 2, S. 387 a).
Samenbau, ein Zweig des Gartenbaues, der
sich mit der Gewinnung von Gemüse-, Blumen- und
landwirtschaftlichen Samen befaßt. Zur Samen-