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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Samosata - Samsun
Piaster), unter dem Schutze von Frankreich, Eng-
land und Ruhland (Londoner Protokoll, Dez. 1832).
Fürst war 1885-94 Alexander Karatheodory (s. d.).
4 Senatoren vertreten die 4 Distrikte, Hauptstadt
ist Vathy an der Nordküste. Die Ausfuhr (1893:
18 Mill. Piaster) erstreckt sich namentlich auf Wein,
Rosinen, Öl, Häute, Zwiebeln. Eingeführt (16 Mill.
Piaster) werden Getreide, Mehl und Textilwarcn.
Die eigene Marine zählt 342 Fahrzeuge von 7813 t.
Die Flagge ist rot und blau horizontal gestreift, mit
einem weißen Kreuz am Flaggenstock.
Durch Schiffahrt und Handel gelangten die Be-
wohner (ursprünglich Karcr und Lcleger, seit dem
10. Jahrh. v. Chr. Ionier) frühzeitig zu Macht und
Reichtum, den sie durch Thätigkeit auf dem Felde der
Industrie und Kunst (besonders Töpferei, Malerei
und Erzguh) vermehrten. S. wurde der Mittelpunkt
einer eigenen Erzbildnerschule (s. Griechische Kunst,
Bd. 8, S. 352 a). Schon im 8. Jahrh, gehörte es zu den
seemächtigstcn Staaten. Ihre höchste Blüte hatte die
Insel unter der Herrschaft des Polykrates (s. d.), nach
dessen Tode sie 516 in die Gewalt der Perser geriet.
Durch die Schlacht bei Mykale (479 v. Chr.) befreit,
schloß sie sich dem attischen Seebunde an, wurde 440
v. Chr. von den Athenern wegen Unbotmähigkeit
nach neunmonatigcm Widerstand unterworfen und
blieb bis zum Ende des Peloponnesifchen Krieges die
treueste Verbündete Athens. Nach der Schlacht bei
Knidos (394v. Chr.) schloß sie sich wieder den Athe-
nern an, bildete vorübergehend mit Rhodos, Ephe-
sos, Knidos u. a. einen tlcinasiat. Sonderbund,
geriet aber bald aufs neue unter pers. Herrschaft.
365 eroberten die Athener S. von neuem, vertrieben
die alte perserfreundliche Bevölkerung und legten
auf die Infel eine Vürgerkolonie, die sich bis 322
behauptete. Alexander d. Gr. gab damals den alten
Bewohnern ihr Land zurück. Später wurde S. von
dcn Pergamcnern beherrscht und 129 zur röm. Pro-
vinz Asia geschlagen, von Octavian abcr (20 v. Chr.)
mit der Freiheit beschenkt, die ihr Vespasian später
wieder entzog. Nachdem sie im Mittelaltcr und in
dcr neuern Zeit die wechselnde Herrschaft der Byzan-
tiner, Venetianer, Genuescn und Osmanen erfahren
batte, beteiligte sie sich eifrig am gricch. Befreiungs-
kampfe, wurde aber 1830 der Pforte zurückgegeben.
- Vgl. Panofka, 1^68 samim-um (Berl. 1822);
Guerin, D^ci-iption ä6 I'ile äs ?atmo3 6t äs
I'ilo äs 3. (Par. 1856); Stamatiades, '^e-r-^ ^
^5^.2')^ ^^.2^ (Samos 1877); ders., ^n^'.nx",
(ebd. 1881); Vcrnier, 1.a princiMutö äe 3. (in dcn
"^nn3.i63 äs I'^xtrömo Orient", 1889).
3. oder Same ist in der Heroenzeit auch Name
von Kephallenia (s. d.).
Samosata, Hauptstadt der syr. Provinz Kom-
magene, am westl. Ufer dcs Euphrat, jetzt Samsat,
berühmt als Geburtsort des Lucianus und dcs
Paulus (s. d.) von S., dessen Anhänger sich des-
halb Samosatener nannten.
Samöstje. 1) Kreis im südl. Teil des russ.-poln.
Gouvernements Lublin, im Gebiet des Wieprz, hat
1786,6 ykm und 92 885 E. - 2) S., poln. ^111086,
Kreisstadt im Kreis S., an der Topolniza, hat
(1892) 10 934 E., Post, Telegraph, alte Kirche, un-
bewohntes Schloß, 1 Knaben-, 1 Mädchcngymna-
sium; 8 Fabriken, darunter 1 Möbelfabrik (130 000
Rubel Umsatz) und Handel.
Samoswanez (spr. ßa-, rW., genauer Lamo-va-
nee), einer, der sich selbst beruft, insbesondere ein
Thronprätendent, der sich fälschlich für einen bereits
verstorbenen Herrscher oderPrinzen ausgiebt. Solche
S. traten im 17. und 18. Jahrh, in Rußland nach
dem Ausstcrben des moskauischen Zarenhauses bis
zum Erlaß einer festen Thronfolgeordnung durch
Kaiser Paul zahlreich auf; am bedeutendsten war
Dmitrij S., deutsch gewöhnlich "Der falfche Deme-
trius" (s. Demetrius) genannt. - Vgl. Vrückner,
Zur Naturgeschichte der Prätendenten (in "Nord
und Süd", XV, 44).
Samothrake, von den Griechen S amo thra ki,
von den Türken Samaderek genannt, gebirgige
Insel im nördlichsten Teile des Agäischen Meers,
36 km von der thraz. Küste entfernt, mit 177 ykin
Areal, besteht aus einer in westöstl. Richtung ver-
laufenden krystallinischen Bergmasse (^aoke bei den
Alten), deren höchster, jetzt Phengari genannter
Gipfel sich zu 1600 m erhebt; nur im N. und W. ist
Flachland vorgelagert. An der Nordküste lag die
einzige, ebenfalls S. genannte Stadt; die Aus-
grabungen 1873 haben namentlich Ruinen eines dor.
Marmortempels und eines Rundbaues bloßgelegt.
Die Infel war zuerst von Phönikern, dann von einer
wohl mit thraz. Elementen vermischten griech. Be-
völkerung bewohnt; ihre Berühmtheit verdankte sie
den an den Kultus der Kabiren geknüpften Myste-
rien. Zur Zeit der attischen Seeherrschaft war sie den
Athenern tributpflichtig. Jetzt gehört sie zum türk.
Wilajet Dschesairi-Bahri-Sesid; die fast ausschließ-
lich chriftl. 2500 E. nähren sich von Öl- und Getreide-
bau und Ausfuhr von Holz. - Vgl. Conze, Hauser
und Niemann, Archäol. Untersuchungen auf ^. (Wien
1875); Conze, Haufer und Benndors, Neue archäol.
Untersuchungen auf S. (ebd. 1880); Geymüller,
8llM0tdi'llc6 (Par. 1882); Nubensohn, Die My-
sterienhciligtümer von Eleusis und S. (Berl. 1892).
Samotfchin, Stadt im Kreis Kolmar in Posen
des preuh. Rcg.-Bez. Vrombcrg, am Südrand des
Nctzebruchcs, hat (1890) 2029 E., darunter 461 Ka-
tholiken und 280 Israeliten, Post, Telegraph; Ge-
treide-, Holz- und Vieh Handel.
Samowar, Samovar oder Ssamowar
(russ., d. h. Selbstkocher), eine russische, aus Messing
oder Tombak verfertigte Theemaschine. Das Wasser
in dem S. wird durch glühende Holzkohlen, die sich
in einer in der Mitte angebrachten eisernen Röhre
befinden, zum Sieden gebracht und dann auf den in
eine Theekanne geschütteten Thee gegossen. Haupt-
fabrikationsort der S. ist Tula.
Sampan, ein japan. Fischer- und Fährboot,
offen, mit hohem Bug und mittels eigenartiger Rie-
men durch Wricken (s. d.) fortbewegt. Kleine S. haben
1 bis 2, große bis zu 20 Riemen. Bei günstigem
Wind führen die S. 1-2 Masten mit Rahsegeln.
Samsching, Opiumrückstand, s. Opium.
Samsö, dän. Insel zwischen Seeland und Iüt-
land im südwestl. Teile des Kattegat, im Besitz
der Familie Daneskjold-Samsö, gehört zum Amt
Holbaek und zählt auf 114 c^m (1890) 6500 E.
Äußer Ackerbau und Viehzucht treibt die Bevölke-
rung auch Handel und Schiffahrt, da mehrere gute
Häfen vorhanden sind. Hauptort ist das stadtähn-
liche Dorf Nordby.
Samson, soviel wie Simson.
Samstag, althochdeutsch 5^iQd3.xt3.c, entstanden
aus Sabbatstag, in Süddcutschland und Osterreich
allgemein gebräuchlich für Sonnabend.
Samsun, Hauptort des Sandschaks Dschanik im
türk. Wilajet Trapezunt, an der Nordküste Klein-
asiens, zwischen der Mündung des Kisil-Irmak (Ha-