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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sardelle - Sardinien (Insel)

digen Züchtigung Elams und Einsetzung eines assyr. Vasallenkönigs auf dem Throne von Susa einen Abschluß erreichten. 652 v. Chr. begann der Bruderkrieg mit Saosduchin, der einen allgemeinen Aufstand aller Stämme Babyloniens in Verbindung mit den Elamitern und Chaldäern zur Folge hatte. Schwert, Hungersnot und Pest lieferten 648 Babel in die Hände S.s. Ein neuer Aufstand der Chaldäer und Aramäer und später auch der arab. Fürsten rief den König wieder zu den Waffen. Der langwierige Krieg endigte mit der völligen Unterwerfung Elams, das bald nach S.s Tode an die Perser fiel. Die Sage von der Selbstverbrennung S.s beruht wahrscheinlich auf einer Verwechselung mit seinem Bruder Saosduchin, der, einem Aufruhr seiner Unterthanen unterliegend, in den Flammen umkam. Unter S.s Friedenswerken ist zu erwähnen: der Bau eines Heiligtums für die Gattin Aschurs, die Göttin von Ninive, verschiedener anderer Tempel zu Ninive, Babel und Borsippa, die Ausbesserung der Mauern zu Ninive und der Neubau eines glänzenden Palastes dortselbst. An der aus pers. Quellen von Ktesias überlieferten Sage, daß S., der letzte König von Assyrien aus dem Geschlecht des Ninus, ein weichlicher, allen Lüsten ergebener König gewesen sei, ist so viel wahr, daß er mit den Töchtern aller von ihm unterworfenen Fürsten und auch derjenigen ihrer nächsten Verwandten seinen Harem füllte, und daß er bei vielen der von seiner Armee geschlagenen Schlachten nicht persönlich zugegen war. Seine persönliche Tapferkeit aber erhellt aus den zahlreichen Löwenjagden, deren er sich rühmt. Mehr denn alle seine Vorgänger war S. ein Pfleger der Wissenschaften. Nach dem Vorbilde Sanheribs sammelte er in seinem Palast zu Ninive (dem heutigen Kujundschik) eine ungeheure Bibliothek, der wohl auch ein Archiv beigesellt war. Die Anzahl der Keilschriftthontafeln dieser Bibliothek, die sog. "Kouyunjik Collection", die von Layard, H. Rawlinson, H. Rassam, George Smith und Budge für das Britische Museum erworben wurde, beträgt über 22000 Nummern; der Inhalt derselben erschöpft alle Teile der babylon.-assyr. Litteratur, soweit diese bis jetzt bekannt ist. Über die Nachfolger S.s ist aus der Keilschriftlitteratur noch nichts Sicheres zu ermitteln. Eine Gesamtausgabe der histor. Inschriften gab George Smith, History of Assurbanipal (Lond. 1871). Für die Inschriften der Bibliothek vgl. Bezold, Catalogue of the cuneiform tablets of the Kouyunjik Collection (Bd. 1-3, Lond. 1889-93).

Sardelle, s. Anchovis und Sardine.

Sardes, eine der ältesten und bedeutendsten Städte Kleinasiens, die Hauptstadt des Lydischen Reichs, lag am nördl. Fuße des das fruchtbare Thal des Flusses Hermos im Süden begrenzenden Tmolosgebirges am Flusse Paktolos, 10 km südlich von der Mündung desselben in den Hermos. Die Unterstadt, in welcher ein berühmter Tempel der Kybele stand, wurde von einer äußerst festen, mit einer dreifachen Mauer umgebenen Burg überragt. Die Burg hielt sich, auch als die Stadt gegen 635 v. Chr. durch die Kimmerier genommen wurde. Nach dem Sturz des Lydischen Reichs war S. der Sitz des Satrapen von Lydien und wurde 498 von den aufständischen Ioniern niedergebrannt. Antiochus III. zerstörte die Stadt 218, doch wurde sie bald wieder aufgebaut und blieb nacheinander zum Syrischen, dann zum Pergamenischen, endlich zum Römischen Reiche gehörig, reich und blühend. Auch nachdem sie zur Zeit des Kaisers Tiberius durch ein Erdbeben zerstört worden war, kam sie wieder empor und ward eine der ersten Stätten des Christentums in Kleinasien. Im Mittelalter geriet S. allmählich in Verfall, bis es durch Timur um 1400 seinen völligen Untergang fand. Jetzt sind noch einige Trümmer (des sog. Kybeletempels, eines Theaters u. a.) bei dem Dorfe Sart (Station der Bahn Smyrna-Kassaba-Alaschehr) erhalten.

Sardīne (Clupea sardina Cuv.), unechte Sardelle, ein zur Familie der Heringe (s. d.) gehöriger Fisch, der etwa 12-18 cm lang, oben azurblau und unten silberweiß ist und von manchen für identisch mit dem Pilchard (Clupea pilchardus Walbaum) erklärt wird, der jedoch bedeutend größer, aber ebenso schmackhaft ist. Für das Mittelmeer hat die S. dieselbe Wichtigkeit, wie die Sprotte für Nord- und Ostsee oder der Pilchard für den Ocean, und es leben zahlreiche Menschen von ihrem Fange, da sie wegen ihres zarten Fleisches und feinen Geschmacks sehr beliebt ist. Vorzüglich wird sie nach dem Abschneiden des Kopfes eingesalzen nach dem Norden versendet, außerdem aber auch ungesalzen in Olivenöl eingelegt und in luftdicht verschlossenen Blechbüchsen versendet, in welchem Zustande sie dann Ölsardine (Sardine à l'huile) heißt. Hauptort für diese letztere Fabrikation ist gegenwärtig Nantes. Den stärksten Handel mit S. treiben Nantes, Bordeaux, La Rochelle und Saintonge. Nicht zu verwechseln ist mit ihr der Anchovis oder die (echte) Sardelle (s. Anchovis).

Sardinĭen (ital. Sardegna, frz. Sardaigne, span. Cerdėña), ital. Insel im Mittelmeer, die zweitgrößte desselben, 12 km südlich von Corsica, von diesem durch die Bonifaciusstraße getrennt, im O. vom Tyrrhenischen und im W. vom Sardinischen Meer bespült, nach SO. im Kap Carbonara 279 km von Sicilien (Trapani) und nach S. im Kap Spartivento 183 km von Tunesien entfernt, zwischen 38° 52' und 41° 16' nördl. Br. und 8° 8' (Kap dell' Argentiera) bis 9° 50' (Kap Comino) östl. L. von Greenwich, bildet ein verschobenes Viereck, von N. (Punta Falcone) nach S. (Kap Teulada) 269 km lang. im N. breiter (132 km) als im S. (108 km), ist wenig gegliedert, am meisten im N. (Golf dell'Asinara, nordöstlich: di Arsachena, Congianus und Terranova) und S. (Golf von Cagliari und von Palmas), wogegen die langen Küsten im W. und O. je nur einen größern Golf (von Oristano und Orosei) besitzen und hat einige Inseln an der Küste: im NW. dell'Asinara, im NO. eine Gruppe um den Kriegshafen Maddalena sowie einige Eilande an den Eingängen in die Golfe von Congianus und Terranova (das größte Tavolara) und an der Südwestküste Sant' Antioco und San Pietro. (S. Nebenkarte auf Karte: Unteritalien, Bd. 9, S.741.) Mit diesen Inseln umfaßt S. 24078 qkm, hatte 1881: 682002, nach einer Berechnung vom 31. Dez. 1893: 741362 E., mithin 31 E. auf 1 qkm, weniger als jedes andere Compartimento Italiens. Der Nordteil bildet die Provinz Sassari mit 5 Kreisen (Alghero, Nuoro, Ozieri, Sassari, Tempio Pausania) und 107 Gemeinden, der Südteil die Provinz Cagliari mit 4 Kreisen (Cagliari, Iglesias, Lanusei, Oristano) und 257 Gemeinden. Hauptstadt ist Cagliari.

Die Oberfläche ist zu neun Zehnteln gebirgig. Am Nordende ist zertrümmerte Kalkformation wie auf Corsica. In der nördl. Hälfte streichen die Ge-^[folgende Seite]