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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Saturnalĭen; Saturnĭa; Saturnīnus; Saturnischer Vers; Saturnismus; Saturnus

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Saturnalien - Saturnus (Gott)

hat die zuerst von Clerk Maxwell eingehend begründete, später von Seeliger durch photometrische Untersuchungen direkt nachgewiesene Theorie die meiste Wahrscheinlichkeit für sich, daß er aus einer außerordentlich großen Anzahl voneinander getrennter, sehr kleiner, aber dicht gedrängt stehender Körper besteht, so daß S. gewissermaßen von einer ringförmigen Wolke sehr kleiner Monde umkreist wird. Die Annahme eines gasförmigen oder flüssigen Rings ist jetzt von den Astronomen, als mit den Gesetzen der Mechanik nicht vereinbar, fast allgemein verworfen. Kleine Veränderungen im Ringsystem sind mehrfach behauptet worden; ein strenger Nachweis derselben ist aber noch nicht möglich gewesen. Nach neuern Messungen scheint es aber, daß die Kugel nicht genau im Mittelpunkt des Rings steht. - Auf der Karte: Sonnensystem ist eine Abbildung des Saturnsystems gegeben.

Saturnalĭen, eins der ältesten und volkstümlichsten ital. Feste, wurden in Rom 17. Dez. zu Ehren des Saturnus (s. d.) gefeiert. Augustus dehnte die offizielle Feier von einem auf drei Tage aus, durch Anordnung dreitägiger, Caligula auf fünf, durch Anordnung fünftägiger Gerichtsferien, nachdem schon seit längerer Zeit, vielleicht seit der Umbildung der S. im Sinne und der Weise einer griech. Festfeier, welche 217 v. Chr. eintrat, im Volksgebrauche einige Tage und zuletzt eine volle Woche der Festlust gewidmet worden war. Der Charakter des Festes war der einer sinnbildlichen Rückkehr zu jenen glücklichen Zeiten, wo unter der Regierung des Saturnus nur Friede und Freude, allgemeine Freiheit und Gleichheit unter den Menschen geherrscht haben sollten; daher herrschte während der S. ausgelassener Jubel und allgemeines Schmausen in der ganzen Stadt, und man beschenkte sich gegenseitig mit allerhand Geschenken, besonders mit Wachskerzen und kleinen Thonfiguren, wie sie die Kinder als Spielzeug gebrauchten: eine Sitte, deren Nachhall in der christl. Weihnachtsfeier nicht zu verkennen ist. Auch die Sklaven hatten an der allgemeinen Festfreude Anteil.

Saturnĭa, Familie der Spinner, s. Nachtpfauenauge.

Saturnīnus, Lucius Apulejus, röm. Volkstribun, Zeitgenosse des Gajus Marius, trat schon in seinem ersten Volkstribunat, 103, als eifriger Demokrat gegen den ihm persönlich verfeindeten Senat auf; im zweiten, 100 v. Chr., griff er, mit dem Prätor Servilius Glaucia und dem berühmten aus dem Volk stammenden Feldherrn Marius, der das Konsulat zum sechstenmal bekleidete, verbündet, die senatorische Partei offen an. Den Veteranen des Marius sollte unter Marius' Leitung Land in Afrika angewiesen werden. Durch ein Gesetz, das die Getreidepreise für das Volk maßlos herabsetzte, und durch ein anderes, in dem S. Ackerverteilungen in Oberitalien beantragte, suchte er sich außerdem die Gunst der Massen zu sichern. Jeder Senator wurde bei Strafe der Ausstoßung und einer hohen Geldbuße verpflichtet, das Gesetz zu beschwören, und obwohl die Gesetze nur mit Gewalt durchgesetzt waren, fügten sich alle bis auf einen einzigen, den frühern Censor Quintus Cäcilius Metellus Numidicus, den S. nun in das Exil trieb. Hierauf besetzte er nach Willkür das Tribunat und ließ den Mitbewerber seines Genossen Glaucia um das Konsulat, Gajus Memmius, durch seine Bande totschlagen. Da verbanden sich Senat, Ritter und alle guten Bürger; ^[Spaltenwechsel] Marius gab seinen alten Verbündeten preis und übernahm, wenn auch ungern, selbst gegen ihn die Führung. S. mit den Seinen wurde auf dem Forum in offenem Kampfe geschlagen, dann auf dem Kapitol, wohin er geflohen, zur Übergabe genötigt. S., Glaucia und seine Anhänger wurden vom Volke gelyncht. Als Mörder des S. klagte später (63) Labienus den Senator Rabirius an, und Cicero verteidigte ihn in einer erhaltenen Rede.

Saturnīnus oder Saturnilus, der erste bekannte syr. Gnostiker (s. Gnosis) von scharf judenfeindlicher Tendenz. Er lebte unter Kaiser Hadrianus in Antiochia. Sein System stellt dem obern Lichtreiche ein unteres Reich der Finsternis dualistisch gegenüber. Tief unter dem höchsten Gott stehen die sieben Planetengeister, an ihrer Spitze der Judengott, die die Welt und nach einem himmlischen Urbilde den Menschen erschaffen, der aber hilflos auf dem Boden kriecht, bis die obere Macht ihn durch einen herabgesandten Lichtfunken belebt. So entsteht ein pneumat. Menschengeschlecht, dem gegenüber Satan, der Beherrscher des finstern Chaos, ein teuflisches Geschlecht erschafft. Der Judengott und die übrigen Sterngeister geben der Menschheit ein unvollkommenes Gesetz, das die pneumat. Menschen nicht zu erlösen vermag und von dem dämonischen Geschlecht auf Satans Antrieb gebrochen wird. Da sendet der himmlische Vater den Erlöser in einem Scheinkörper auf die Erde herab, um den pneumat. Samen aus der untern Welt zu befreien, zugleich aber auch der Herrschaft der unvollkommenen Sterngeister ein Ende zu machen. Der dualistischen Grundanschauung des Systems entsprach die Enthaltsamkeit seiner Anhänger von allem, was sie mit dem bösen Princip beflecken konnte, insbesondere vom Fleischgenuß und der Ehe.

Saturnischer Vers, bei den Römern der Vers, in dem die alten Wahrsageformeln, Sentenzen und Aufschriften abgefaßt waren. Er besteht aus zwei Gliedern und hat nach der gewöhnlichen Auffassung folgendes Schema: ^[img] z. B. malúm dabúunt Metélli Naévio poéta; in der Thesis des 1., 2., 3., 5., 6. Fußes konnten auch zwei kurze Silben gebraucht werden. Es besteht über das Princip des Versbaues, über Zahl und Beschaffenheit der Hebungen große Meinungsverschiedenheit. Doch stellt sich so viel immer klarer heraus, daß der S. V. nach dem accentuierenden Princip gebaut war, nicht nach dem quantitierenden der röm. Kunstdichtung. Zum Schema der metrischen Form gesellte sich oft das Spiel der Allitteration, z. B. donu danunt Hercolei | maxsume mereto (Inschrift). - Vgl. Bartsch, Der S. V. und die altdeutsche Langzeile (Lpz. 1867); Korsch, De versu saturnio (Mosk. 1869); Havet, De saturnio Latinorum versu (Par. 1880); O. Keller, Der S. V. als rhythmisch erwiesen (Lpz. und Prag 1883); L. Müller, Quaestiones Naevianae (in seiner Ausgabe des Ennius, Petersb. 1885); Thurneysen, Der Saturnier und sein Verhältnis zum spätern röm. Volksverse (Halle 1885); A. Reichardt, Der S. V. in der röm. Kunstdichtung (Lpz. 1892).

Saturnismus, s. Bleivergiftung.

Saturnus, ein altital. Gott der Saaten und überhaupt der Fruchtbarkeit, dessen Kult in Rom sehr alt ist, aber schon früh griech. Elemente in sich aufnahm. Man setzte ihn mit Kronos (s. d.) gleich und übertrug die griech. Sagen vom goldenen Zeit-^[folgende Seite]