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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Savoyen
vereinigte das ganze Land vom Genfer See bis zum
St. Bernhard in seiner Hand und erlangte von
Friedrich II. 1226 das Reichsvikariat für Ligurien,
die Lombardei und Provence. Seine zablreiche
Nachkommenschaft schwächte die Macbt des Hauses,
so daß Amadeus IV. (1232 - 53), welchem
Friedrich II. das Reichsvikariat in Italien bestä-
tigte, svch auf die Stammlande beschränkt sab.
Ehablais und Unterwallis sielen jedoch schon 12-13
an ihn zurück; dagegen verblieben Mauricnne und
Picmont der Nebenlinie, welche von Tommasos I.
Sohn Tommaso II. und von dessen älterm Sohne
Tommaso III. abstammte, bis 1418. Im I. 1285 i
übernahm der jüngere Bruder des in Piemont nach-
gcfolgten Tommaso II., Amadeus V. (s. d.), die
Stammlande. Sein Urenkel Amadeus VI. (s.d.,
1343-83) leitete eine neue Glanzzeit für S. ein; er
machte als Kriegsheld den Namen des Hauses S.
weitbcrühmt und mehrte seine Herrschaft namentlich
durch Erwerb des Waadtlandes und Valromevs
sowie Euneos. Dazu kamen unter seinem Sobn
Amadcus VII. (s.d., gest. 1391) namentlick Nizza,
Vcntimiglia und Ehivasso, und unter dessen Sohn
Amadcus VIII. (s. d.) 1422 durch Kauf die Graf-
schaft Genf; außerdem nötigte dieser 1427 den Her-
zog von Mailand zur Abtretung von Vercelli und
zwang den Markgrafen von Montferrat zur Lcbns-
untcrtbänigkeit. Das Gewonnene sicherte Ama-
dcus VI. durch Festsetzung des Erstgcburtsrechts
(1367) und der Unteilbarkeit für S., wäbrend Ama-
dcus VIII. von Kaiser Sigismund den Herzogstitel
und wichtige Rechte (1416) erlangte. Das Wich-
tigste aber war, daß unter ihm auch Piemont wieder
mit S. vereinigt wurde, als 1418 die andere Linie
des Hauses S. ausstarb. Der drückenden Herrschaft
seines Sohnes Ludwig folgte das schwache Regi-
ment von dessen Sohn AmadeusIX. (s. d., 1465-
72), dann die Vormundschaftsregicrung seiner Ge-
mahlin Iolanthe fürPhilibert I. (1472-82), der
als siebenjähriger Knabe seinein Vater nachfolgte.
Das Erbrecht auf das Königreich Cypcrn, das Car-
lotta von Lusignan (s. d.), die Gemahlin Ludwigs
von S., eines Bruders von Amadeus IX., auf dessen
Sohn Karl 1. übertragen hatte (1485), blieb ein bloßer
Anspruch. Dagegen vertrat eben dieser Karl 1.,
welcher vierzehnjährig seinem Bruder Plülibcrt in der
Regierung 1482 gefolgt war, seine kircblichcn Rechte
in Geuf und Turin mit Kraft und Erfolg gegen
Sirtus IV. und warf Saluzzo nieder, starb ader
schon 13. März 1490, im Begriff sich auch gegenüber
Karl VIII. von Frankreich Luft zu machen. Für
seinen minderjährigen Sohn Karl II., der schon
16. April 1496 starb, übernahm Philipp vonVresse,
der Bruder Amadeus' IX., die Regierung. Er starb
17. Nov. 1497. Als Sohn seiner Tochter Ludovica
erhob später Franz I. von Frankreich Ansprüche auf
S., die er mit den Waffen durchsetzte. Pbilipp^
Sohn Philibert (gest. 1504) zog durch seine Hei-
rat mit Margarete von Österreich sein Haus in
den habsburg.-franz. Gegensatz herein, dessen Opfer
S. unter dem noch schwächern Karl III., dem
Sohne Philipps aus zweiter Ehe und Nachfolger
seines Halbbruders Philibert, wurde. Nachdem
1534-36 das zur Reformation übergetretene Genf
(s. Farel) abgefallen war, zogen diesem die Bcrner
zu Hilfe, welche nicht nur das Waadtlano, sondern
auch das südl. Ufer des Genfer Sees wegnahmen,
und in den Kriegen zwischen Franz I. und Karl V.
verlor dann Karl III. S. und Piemont völlig bis
auf Cuneo, Aosta, Nizza und Vercelli an Frankreich,
das sich 1553 auch Verccllis bemächtigte. Im Frie-
den von Cateau-CambreW (April 1559) gelangte
Emanuel Philibert (s.d.), der Sohn Karls III.,
wieder in den Besitz des größten Teils seiner Erb-
lande. Er verständigte sich mit Bern und dessen Eid-
genossen in dem Vertrag von Lausanne (Okt. 1564),
indem er sich mit Chablais begnügte und auf Unter-
wallis, Waadtland, Chillon und Genf vorläufig ver-
zichtete. An Stelle der frühern Feudalmonarchie rich-
tete er ein absolutes Fürstentum nach span. Muster
mit Staatsrat, straff geordneter Beamtenschaft und
stehendem Heere ein, hielt 21 Jahre lang fremde
Heere von S. fern, sorgte für Hebung der wirt-
schaftlichen Kraft des Landes durch Förderung des
Gewerbes, namentlich Einführung der Seidenindu-
strie, für bessere Heranbildung der Priester und
Nichter, für Erziehung des Volks zu guten Soldaten,
für Sicherung des Landes durch Festungsbauten.
Wichtig war auch die Herstellung der Verbindung
mit den Seealpen durch den Gewinn von Tenda
l1575) und die Vermehrung der Plätze am Liguri-
schcn Meer durch den Kauf von Oneglia. Sein Werk
namentlich nach außen zu vervollständigen war sein
großer Sobn Karl Emanuel I. (s.d., 1580-1630)
bemüht. Im Gegensatz zu seinem Vater machte er
sich zum entschiedenen Vorkämpfer der Gegenrefor-
mation und Bundesgenossen Philipps II. von Spa-
nien, dessen Tockter Katharina er 1585 heiratete,
gegen Heinrick (IV.) von Navarra. Als aber Hein-
rich IV. durcb Annahme des Katholicismus die Ligue
geschwächt und Philipp II. mit ihm zu Vervins Frie-
den geschlossen hatte, konnte Karl Emanuel I. das
1588 besetzte Saluzzo, das Piemont gegen Frankreich
abscbloß, nur gegen Abtretung der Rhöneufer von
Genf bis Lyon, Vresse, Vugcy, Valromey und Ger au
Frankrcicb sich erhalten. Dagegen brachte der Man-
Manische Erbfolgekrieg (s. Gonzaga, Bd. 8, S. 155a)
wenigstens VictorAmadeusI., dem ältern Sohne
und Nachfolger Karl Emanuels I., im Frieden von
Chierasco das östlich von Turin gelegene Verglano
von Montferrat ein; durch die Abtretung Pinerolos
und des Thals von Perosa, zu welcher sich Victor
Amadeus I. bei dieser Gelegenheit verstehen mußte,
wurde aber dem unter Richelieu zur Vormacht em-
porwacbscndcn Frankreich wieder ein Einfallsthor in
S. eröffnet. Hatte schon Victor Amadeus I. sich ge-
nötigt gesehen, engern Anschluß an Frankreich zu
suchen, so konnte Karl Emanucl II. (gest. 1675)
bei Ludwigs XIV. Übergewicht in Europa sein Heil
allein in treuer Gefolgschaft für ihn suchen. Der Be-
handlung als bloßer Lehnsmann Frankreichs, das
durck Besetzung Casalcs und Pinerolos S. völlig in
der Hand hatte, suchte dann Victor Amadeus II.
zuerst sich zu entziehen durch den verzweifelten Kampf
von 1686 bis 1695; von den Hugenotten der Provence
und Daupbin^e, welche dem Sprößling des streng
kath. Hauses mißtrauten, nur wenig, von den Habs-
burgern mangelhaft unterstützt, von Catinat schließ-
lich gescklagen, trat er durch den Vertrag zuTurinvon
der großen Allianz gegen Ludwig XIV. zurück. Der
erneute Zusammenschluß von Frankreich und S. fand
in der Vermählung einer Prinzefsin von S. mit
Ludwigs XIV. Enkel seinen Ausdruck; immerdin
erzielte Victor Amadeus II. die Rückgabe von (5a-
sale und Pinerolo. Völlig Luft aber verschaffte dem
auch durch seine Regierung im Innern höchst bedeu-
tenden Victor Amadeus II. erst der Spanische Erb-
l folgekrieg (s. d.). Der zu Beginn des Krieges von