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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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5chäffle - Schafhäutl
ragt auf einem Hügel der Munot auf, ein gewaltiger ^
mehrstöckiger runder Turm mit schneckenförmig ge- ,
wundener Auffahrt, 5 m dicken, bombensestenMauern,
1564 - 82 ausgeführt und neuerdings restauriert. !
Am Westende liegt die Promenade Fäsenstaub mit !
dem Denkmal des berühmten Historikers Joh. von
Müller. Den besten überblick über die Stadt gewäh-
ren das gegenüber am linken Nheinufer gelegene
Dorf Feuertbalen, zu dem zwei Brücken führen, und
am rechten Ufer die Villa Charlottenfels, deren E'l- ^
bauer, der Uhrenfabrikant H. Moser (1805-74),
auch der Schöpfer der großartigen Wasserwerke im
Nhein ist, denen die fchaffbausenfche Industrie ihren
Aufschwung verdankt. Südwestlich von S. bei
Lauffen der Rheinfall. (S. Rhein, Bd. 13, S. 817 a.)
Geschichte des Kantons und der Stadt.
Die Geschichte des jetzigen Kantons S. ist im wesent-
lichen diejenige seiner Hauptstadt. Der Ort erlangte
1050 durch die Gründung der Abtei Allerheiligen
größere Bedeutung und wird im 12. Jahrh, als
Stadt erwähnt. Als geistliche Stadt genoß S. Im-
munität und aus dieser erwuchs nach und nach die
Reichsunmittelbarkeit; S. wurde aber 1330 vom
Miche an Habsburg verpfändet, von dessen Herr-
schaft es sich 1415 loskaufte: 1454 schloß es, von
Österreich wieder bedrängt, mit den Eidgenossen ein
Bündnis ab, das 1479 erneuert wurde und 1501
zu seiner Aufnahme in den Bund führte. Nachdem
S. 1529 die Reformation eingeführt hatte, kam das
Stift Allerheiligen an die Stadt. Im 16. Jahrh,
arrondierte S. fein größtenteils früher schon erwor-
benes Landgebiet, das von dem zünftisch-aristokra-
tischen Stadtregiment durch Landvögte verwaltet
wurde. Durch den Umsturz der alten Eidgenossen-
schaft 1798 wurde dieses Unterthanenverhältnis be-
seitigt und Stadt und Land der Helvetischen Republik
zugeteilt, bis die Mediationsakte von 1803 dem
Kanton die frühere Selbständigkeit wiedergab und
sein Gebiet durch die Stadt Stein vergrößerte. Durch
die Verfassung von 1814 wurden die Vorrechte der
Stadt gegenüber dem Lande teilweise wiederherge-
stellt, was zu öftern Unruhen und im Jan. 1831
zum Aufstand des Landvolks und Einführung
einer neuen repräsentativ-demokratischen Verfassung
fübrte.^ Seither hat sich der Kanton im demokrati-
schen Sinne weiter entwickelt und durch die Ver-
sassungsrevision von 1876, die das fakultative Re-
ferendum und die Initiative einfübrte, den Über-
gang zur reinen Demokratie eingeleitet. Bei den
Abstimmungen über die Revision der Bundesver-
fassung 1872 und 1874 stimmte S. beidemal mit
starker Majorität für Revision. 1893 beschloß der
Kanton die grundsätzliche Wiedereinführung der
Todesstrafe. Eine Revision der Verfassung vom
Frühjahr 1895 führte zu Einführung des obliga-
torischen Referendums.
Litteratur. Imthurn, Der Kanton S., histo-
risch, geographisch und statistisch (St. Gallen 1840);
Beiträge zur vaterländischen Geschickte, hg. von der
Historisch - Antiquarischen Gesellschaft ( Scbaffh.
1863 fg.); Rüeger, Chronik der Stadt und Land-
schaft S. (2 Bde., ebd. 1880-92).
Schaffte, Albert Eberhard Friedr., National-
ökonom und Staatsmann, wurde 24. Febr. 1831
zu Nürtingen in Württemberg geboren und be-
suchte 1844 - 48 das evang. Seminar in Schön-
thal, sodann die Universität Tübingen. Von 1850
bis 1860 war er bei der Redaktion des "Schwab.
Merkur" in Stuttgart thätig und erhielt Herbst 1860
eine ordentliche Professur der polit. Ökonomie und
Staatswirtschaft an der Universität Tübingen. Von
1862 bis 1865 gehörte S. dem württemb. Landtage
und 1868 dem Deutschen Zollparlament an. Im
gleichen Jahre folgte er einem Rufe an die Univer-
sität Wien. Bei der Bildung des österr. Kabinetts
Hobenwart übernahm S. 7. Febr. 1871 das Mini-
sterium des Handels, zugleich auch zeitweilig die
Leitung des Ackerbauministeriums. Nach dem be-
reits im Oktober desselben Jahres erfolgten Sturz
des Ministeriums zog er sich zu bleibendem Auf-
enthalt nach Stuttgart zurück und widmet sich seit-
dem einer sehr ausgedehnten litterar. Thätigkeit.
S. nimmt eine selbständige Stellung unter den
Vertretern der ethisch-socialpolit. Richtung ein und
hat auch auf dem rein theoretischen Gebiete bedeu-
tende Leistungen aufzuweisen. Von seinen zahl-
reichen Schriften sind hervorzuheben: "Das ge-
sellschaftliche System der menschlichen Wirtschaft"
(3. Aufl., 2 Bde., Tüb. 1873), "Die Quintessenz des
Socialismus" (Gotha 1874; 13. Aufl. 1891), "Die
nationalökonomische Theorie der ausschließenden
Absatzverhältnisse" (Tüb. 1867), "Kapitalismus und
Socialismus" (ebd. 1870; 2. Aufl. 1878), "Der
korporative Hilsskassenzwang" (ebd. 1882; 2. Aufl.
1884), "Bau und Leben des socialen Körpers"
(2. Aufl., 4 Bde., ebd. 1882), "Grundsätze der Steuer-
politik" (ebd. 1880), "Die Aussichtslosigkeit der So-
cialdemokratie" (ebd. 1885; 4. Aufl. 1891), "Gesam-
melte Aufsätze" (2 Bde., ebd. 1885-87); "Deutsche
Kern- und Zeitfragen" (Berl. 1894; Neue Folge, ebd.
1895). Zu dem feit 1893 erscheinenden "Hand- und
Lcbrbuch der Staatswissenschaftcn" schrieb er den
2. Band ("Die Steuern. Allgemeiner Teil") der
II. Abteilung (Lpz. 1895). S. ist seit 1892 alleiniger
Herausgeber der "Zeitschrift für die gesamte Staats-
wissensckast", für die er viele Beiträge liefert.
Schäfflertanz oder Böttchertanz, ein in
Münckcn aller sieben Jahre (1879,1886,1893 u. s. f.)
am Dreikönigstage (6. Jan.) stattfindender feierlicher
Aufzug mit Tanz der Böttcher (Schäffler) in alt-
deutscker Tracht, angeblich zum Andenken an die
Seuche von 1517, während welcher die Böttcher einen
öffentlichen Aufzug mit Musik zur allgemeinen Er-
mutigung veranstalteten. Die Tänzer tragen bunte
Reife, mit deren Hilfe sie allerlei Figuren bilden
(Reiftanz). - Vgl.Mayr, Der S. und derMetz-
gerfprung (Münch. 1865).
Schaffliege (Nkioptia^nZ ovinu8^.), Schaf-
laus, Schafteke, Schafzecke, Fliege aus der
Unterordnung der Lausfliegen (s. d.), Kopf breiter
als das Halsfchild, Flügel fehlend, Beine kurz und
dick, Hinterleib ungegliedert, Saugrüssel kopflang,
vorstehend, Farbe hornbraun, Körper ziemlich dicht
mit schwarzen Borsten bedeckt, Länge 5-5,5 mm.
Sie schmarotzt auf Weideschafen, deren Blut saugend.
Schaffner, s. Eisenbahnbeamte.
Schaffot, s. Schafott.
Schafgarbe, Pflanzengattung, s. ^ckilieg..
Schafhaut, s. Amnion.
Schafhäutl, Karl Franz Emil von, deutscher
Physiker, Geolog und Musiktheoretiker, geb. 16. Febr.
1803 zu Ingolstadt, studierte Mathematik und Na-
turwissenschaften an der damaligen Universität
Landshut und wurde 1827 Skriptor an der königl.
Bibliothek der nach München verlegten Universität.
Seine ersten Abhandlungen erschienen unter dem
Pseudonym Emil Pellisov (peiiis ovig). 1834
wandte sich S. nach England, wo er später zu Swan-