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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schenkl - Schenkung
Denkmal (von M. Engelke) errichtet. S.s patrio-
tische Lieder atmen die größte Hingebung ans Vater-
land, den Geist edler Ritterlichkeit, romantischer
Frömmigkeit und die Sehnsucht nach der Wieder-
aufrichtung des deutschen Kaiserreichs; seine geist-
lichen Lieder sind teilweise in die evang. Gesang-
bücher aufgenommen worden. Besonders bekannt
sind "Freiheit die ich meine", "Wenn alle untreu
werden" u. a. Gesammelt erschienen von ihm "Ge-
dichte" (Stuttg. 1810), "Poet. Nachlaß" (Berl. 1832)
und "Sämtliche Gedichte" (ebd. 1837; 4. Aufl. von
Hagen, mit einem Lebensabriß, Stuttg. 1871). -
Vgl. Hagen, Max von S.s Leben (Berl. 1863);
Knaake, Max von S., der deutsche Kaiserherold.
Sein Leben und seine Bedeutung (Tilsit 1890).
Schenkt, Karl, Philolog, geb. 11. Dez. 1827 zu
Brunn, studierte in Wien erst die Rechte, dann
Philologie und wurde 1851 Gymnasiallehrer in
Prag. 1857 als ord. Professor der klassischen Philo-
logie nach Innsbruck, 1864 nach Graz berufen, wirkt
er seit 1875 an der Universität Wien. Er veröffent-
lichte Ausgaben von "0r68ti8 tr^okäiH" (Prag
1867), Xenophons Werken (Bd. 1 u. 2, Verl. 1869
-76), dazu "Henophontische Studien" (3 Hefte,
Wien 1869-76), des "Valcrius Flaccus" (Berl.
1871), dazu "Studien zu den ^rF0n^itic9. des Val.
Flaccus" (Wien 1871), des Ausonius (Berl. 1884),
des Calpurnius und Nemcsianus (Lpz. 1885), des
Claudius Marius Victor, des Cento der Proba (im
16. Bande des "Oorpug gcri^toruni eccikäikätico-
rum latwoi'uin,", Wien 1888) und des Ambrosius
(im Erscheinen begriffen). Außerdem verfaßte er Lehr-
bücher für den griech. Unterricht, ein "Griech.-deut-
sches Schulwörterbuch" (8. Aufl., Wien 1886) und
ein "Deutsch-griech. Schulwörterbuch" (4.Aufl. Lpz.
1884). S. ist seit 1875 Mitredacteur der "Zeitschrift
für die österr. Gymnasien" und giebt seit 1879 mit
von Hartcl die "Wiener Studien" heraus.
Schenkmaß, s. Aichmaß.
Schenkung, eine Freigebige Verfügung (s. d.),
durch welche der Beschenkte bereichert wird; nach dem
Deutschen Entwurf §. 463 eine Zuwendung, durch
die iemand aus feinem Vermögen einen andern
bereichert, wenn beide Teile darin einig sind, daß
die Zuwendung unentgeltlich erfolgt. Soweit die
in einem entgeltlichen Vertrage bestimmte Gegen-
leistung den Wert der Zuwendung nicht erreicht,
kann S. bezüglich des Wertunterschicds beabsichtigt
sein (gemischte S.). Eine S. liegt nicht vor,
wenn jemand zum Vorteil eines andern einen Vcr-
möaenserwerb unterläßt oder auf ein angefallenes,
noch nicht erworbenes Recht verzichtet oder eine
Erbfchaft oder ein Vermächtnis ausschlägt. Erfolgt
die Zuwendung nicht von Todes wegen (s. Schenkung
von Todes wegen), so liegt S. unter Lebenden
vor. Eigenes Vermögen kann nur der Geschäfts-
fähige verfchenken. Verwalter fremden Vermögens
können aus demselben nicht schenken. Geschenkt kann
werden durch Versprechen einer Leistung, und zwar
so, daß die Bereicherung mit dem Versprechen und
dessen Annahme, nicht erst mit der spätern Erfüllung
des Verfprechens eintritt, oder so, daß ohne vor-
aängiges Versprechen Leistung und S. zusammen-
fallen. Geschenkt kann werden eine Sache zu Eigen-
tum oder Besitz, ein Patentrecht, Urheberrecht, ge-
schütztes Muster, eine noch nicht patentierte Erfin-
dung, wenn dieselbe einen Vermögenswert darstellt,
ein dingliches Recht (z. B. eine schenkungsweise be-
stellte Dienstbarkeit) oder dessen Erlaß; doch liegt in
der Bestellung eines Pfandrechts, selbst für eine un-
einziehbare Forderung, so wenig eine S. an den
Gläubiger, wie in der Aufgabe des Pfandrechts eine
S. an den Eigentümer; wohl aber liegt in der Pfand-
gabe oder Bürgschaft für einen Dritten, wie in der
Zahlung von dessen Schuld eine S., wenn sie unter
Verzicht auf Erfatz erfolgt; durch Session einer For-
derung, selbst durch Leistung von Diensten kann
man schenken, wenn dadurch dem Schenknehmer
Ausgaben erspart werden. Auch ein ganzes Ver-
mögen kann verschenkt werden, so daß sich die S. auf
alle einzelnen zum Vermögen gehörigen Sachen und
Rechte bezicht. Doch ist nach Sächf. Bürgert. Gesetzb.
ß. 1053 ein folcher Vertrag, durch welchen jemand
sein ganzes oder auch nur sein ganzes zukünftiges
Vermögen oder einen Bruchteil des Vermögens
verfchenkt, nichtig. Nach Ostcrr. Bürgert. Gefetzb.
§. 944 kann ein unbeschränkter Eigentümer mit Be-
obachtung der gesetzlichen Vorschriften auch sein gan-
zes gegenwärtiges Vermögen verschenken; ein Ver-
trag, wodurch das künftige Vermögen verschenkt
wird, besteht nur insoweit, als die S. die Hälfte dieses
Vermögens nicht übersteigt. Nach dem Deutschen
Entwurf §. 262 ist der Vertrag nichtig, durch wel-
chen sich jemand verpflichtet, sein künftiges Ver-
mögen oder einen Bruchteil desselben zu übertragen
oder den Nießbrauch an demselben oder an einem
Bruchteil zu bestellen. Da die S. ein Vertrag ist,
so wird dieselbe erst mit deren Annahme gültia
(Preuß. Allg. Landr. 1,11, §. 1058), nach Sächs.
Bürgert. Gesetzb. ß. 1054 soll das nur für S. gel-
ten, durch welche der Gegenstand der S. übertragen,
eine Schuld erlassen wird, und für das Schenkungs-
versprechen. Nach Gemeinem Rechl sind S., welche
einen Wert von mehr als 500 Dukaten (4666^ M.),
nach Sächs. Bürgert. Gesetzb. ß. 1056, welche einen
Wert von mehr als 1000 Thlrn. betreffen, in Höhe des
Übermaßes nichtig, wenn sie nicht zu gerichtlichem
Protokoll errichtet sind. Ohne Rücksicht auf den Wert
erfordern Schenkungsverträge nach Preuß. Allg.
Landr. 1,11, §. 1063 die gerichtliche, nach (^oäs civil
Art. 932 notarielle Verlautbarung. Doch kann man
bewegliche Sachen nach franz. Recht und nach Preuß.
Allg. Landrecht, nach diesem auch unbewegliche
Sachen auf Grund eines schriftlichen, wenngleich
außergerichtlichen Vertrags dnrch körperliche Über-
gabe verschenken. Nach dem Deutschen Entwurf
§. 465 ist für das Schenkungsvcrfprcchcn die gericht-
liche oder notarielle Form erforderlich; der Mangel
der Aorm wird aber durch Bewirtung der Leistung
gehellt. Nach einem österr. Gesetz vom 25. Juli
1871 müssen SchenkungZvertrüge ohne wirkliche
Übergabe notariell beurkundet werden.
Nach dem Deutschen Entwurf §. 466 ist der
Schcnker berechtigt, die Erfüllung eines Schcnkungs-
versprechens zu verweigern, soweit er bei Berücksich-
tigung seiner sonstigen Verpflichtungen mit Ein-
schluß der gesetzlichen Unterhaltspflichten außer
stände ist, das Versprechen ohne Beeinträchtigung
feines standesmähigen Unterhalts zu erfüllen. Mese
Rechtswoblthat des Notbedarfs steht dem Schenk-
geber auch nach Gemeinem Recht zu; nach Preuß.
Allg. Landr. I, 11, §. 1123 kann der Schenkgeber,
wenn er in Dürftigkeit geraten ist, von dem Be-
schenkten sechs vom Hundert, nach Österr. Bürgert.
Gesetzb. §. 947 die gesetzlichen Zinsen von der ge-
schenkten Summe oder dem Wert der geschenkten
Sache als Kompetenz jährlich fordern. Statt dessen
kann der Beschenkte nach Preuß. Allg. Landrecht