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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schenschin - Scheren (Werkzeuge)
hat und dem Beschenkten die darüber errichtete Ur-
kunde ausgehändigt ist. Die anzuwendende Form
der S. v. T. w. ergiebt sich teils aus diesen Be-
stimmungen, teils sind besondere Vorschriften er-
gangen. Der Deutsche Entwurf (erste Lesung) hat im
ß. 1963 sich dahin entschieden, diese Schenkung sei im
Falle der Vollziehung als Schenkung unter Leben-
den, wenn aber nur ein Versprechen erteilt ist, als
Erbvertrag oder Vermächtuisvertrag zu beurteilen.
Schenfchin, russ. Dichter, s. Fes.
Schen-si ("westlich vom Schau", dem Engpaß am
Knie des Hoang-Ho), Provinz im uordwestl. China,
wird im N. von der Großen Mauer, im O. vom
Hoang-Ho, im S. von Sze-tschwan, im W. von
Kan-su begrenzt, hat 195 000 c^in und 8,3 Mill. E.
S. wird durch den von W. nach O. streichenden und
bis 3300 m hohen Tsin-ling-schan in einen südl.
und einen nördl. Teil geteilt. Der norol. Teil wird
vom Wei-Ho von W. nach O. durchflossen, welcher
etwa an der Stelle in den Hoaug-Ho mündet, wo
dieser nach O. umbiegt. Durch den südl. Teil flieht
der Han-kiang, einer der größten uördl. Neben-
flüsse des Iang-tse-kiang. Der die Abhänge be-
deckende Löß ist in nicht regenarmen Jahren sehr
fruchtbar, und das Land erzeugt vicl Weizen, Baum-
wolle, Gerste, Raps, Mohn, Hirse, Mohrbirse, Mais,
Hanf, Tabak und Obst. Hauptstadt ist Si-ngan.
Scheol (hebr.), Unterwelt, s. Hölle.
Scheppenftedt, Stadt, s. Schöppenstedt.
Scher Ali, Emir von Afghanistan, ein jüngerer
Sohn des 29. Mai 1863 verstorbenen Dost Mo-
hammed-Chan, wurde 1825 geboren, trat nach dem
Tode des Vaters die Herrschaft an, verlor aber
durch die Schlacht bei Eckekabad 5. Mai 1866 den
Thron. Mit Hilfe feines Sohnes Iakub durch den
Sieg bei Vamian (Dez. 1868) und bei Ghasna
(Jan. 1869) wieder eingesetzt, hatte er mehrere Auf-
stände ebendiefes Sohnes zu bekämpfen. Im Aug.
1878 mußte er vor den Engländern nach dem Nor-
den Afghanistans zurückweichen, wo er zu Mesar-i-
scherif starb. (S. Afghanistan, Geschichte, Bd. 1,
Scherbaum, s. Weberei. ^S. 172 d.)
Scherbengericht, s. Ostracismus.
Scherbenkobalt, s. Arsen.
Scherbet (arab.), Getränk, s. Granatbaum.
Scherbitz (Alt-Scherbitz), Dorf, f. Schkeuditz.
Scherböro, Insel, s. Sierra Leone.
Scherbvogel, der mehr natürlich als heral-
disch dargestellte halbseitwärts auffliegende Adler,
wie z. B. der Adler der Napoleonischen Heraldik.
Schercylinder, s. Appretur (Bd. 1, S. 763 a).
Schere, ein in ältern Festungen vorkommendes
Außenwerk (s. d.). Man unterscheidet einfache S.,
wenn die Front nur einen eingehenden Winkel
Fig. 2.
(s. vorstehende Fig. 1), und doppelte S., wenn sie
einen ausspringenden und zwei eingehende Winkel
bildet (s. Fig. 2). über Grabenschere s. d.
Scheremetjew, russ. Adelsfamilie. Fedor
Iwanowitsch S. schloß mit Polen 1. Dez. 1618
in Dculino einen Waffenstillstand ab und brachte den
Poljanowsker Friedm^traktat zu stände, traft dessen
Polen den Zaren Michael Feooorowitsch als russ.
Herrscher anerkannte. Er starb 1650. - Wassilij
Borisso witsch E., Woiwodc und Bojar, kämpfte
1660 ohne Glück in Kleinrußland gegen die Polen,
wurde von dem poln. Feldherrn Georg Lubomirfki bei
Cudnowo besiegt, gefangen genommen, dem Chan
der Krim ausgeliefert und von diefem 20 Jahre
in Gefangenschaft gehalten; er starb 9. Jan. 1690.
- Boris Petrowitsch, Graf von C., General-
fcldmarschall und Kricgsgefährte Peters d. Gr., geb.
25. April 1652, schloß 1686 vereint mit dem Fürsten
Golyzin den Frieden mit Polen und Bundestrattate
mit dem König von Polen und dem deutschen Kai-
ser ab, besiegte den schwed. General Schlippenbach
bei Dorpat und an der Embach. Nachdem er 1705
den Aufstand der Strelitzen in Astrachan nieder-
gcfchlagen hatte, wurde er 1706 in den Grafcnstand
erhoben. In der Schlacht bei Poltawa (1709) führte
er das Centrum und trug Hauptfach lich zum Siege
der Russen bei. 1710 eroberte er Riga und ganz
^ivland, war 1711 -15 Generalgouverneur der
Ukraine. Er starb 17. Febr. 1719. Seine Korre-
spondenz mit Peter d. Gr. gab sein Sohn Peter
Borissowitsch, Graf S. (1713 - 88), beraus
l,5 Bde., Petersb. 1774-79). Vgl. G. F. Müller,
Lebensbeschreibung des Grafen Boris Petrowitfch
^. (deutsch Riga 1789). - Nikolai Petro-
witsch, Graf S., Sohn Peters, Oberkammer-
hcrr, geb. 1751, gründete in Moskau das nach ibm
genannte berühmte Hospital (1803), zu dessen Unter-
haltung er eine jährliche Nevenuc von 75000 Ru-
beln bestimmte. Er starb 2. Jan. 1809 in Moskau.
- Vgl. A. Varßukow, Das Geschlecht der S. (rus-
sisch, 5 Bde., Petersb. 1881-88).
Scheren, Werkzeuge oder Werkzeugmaschinen,
deren wirksame Teile aus zwei scharf gefchliffenen
Stahlblättcrn bestehen, die sich dicht aneinander hin
bewegen und hierdurch den zwischen ihre Druck-
flächen gebrachten Stoff zerteilen. Der Bestimmung
entsprechend sind die S. in Größe, Form und Be-
nennung verschieden. So giebt es Schafscheren,
Tuchscheren, Scbneider-, Leinwand-, Papier-, Blech-
scheren, Drahtscheren, Gärtnerscheren, chirurgische
S. u. s. w. Die Verfertigung der gewöhnlichen S.
ist ein Zweig der Mcsserfabrikation. Kleine wohl-
seile S. werden nicht geschmiedet, sondern aus
Stahlblech geschnitten oder aus Eisen gegossen.
Je nachdem die beiden Blätter durch eine Drehung
oder durch eine geradlinige Verschiebung zur Wir-
kung gelangen, unterscheidet man Hebelschcren
und Parallelscheren, bei welch letztern das eine
Blatt festliegt, wäbrend das andere (gewöhnlich
das obere) sich auf und nieder bewegt. Zu der
erstcrn Art gehören alle von der Hand bewegten
S. Die Metallscheren unterscheiden sich von den
sür weiche Stoffe gebräuchlichen S. hauptsächlich
dadurch, daß ihre Blätter, den zu überwindenden
größcrn Widerständen entsprechend, viel stärker sind.
Die kleinsten derselben werden aus freier Hand ge-
führt (Handfcheren) und haben im allgemeinen
die Forin von Leinwandscheren, nur daß ihre Blät-
ter im Verhältnis zu den Griffen sehr kurz sind, um
die Anwendung großer Kraft zu gestatten, und daß
die Griffe ohne Ohre, einfach einwärts gebogen sind,
um bequemer mit der ganzen Hand umfaßt und zu-
sammengedrückt zu werden. Größere S. dieser Art
werden beim Gebrauch im Schraubstock befestigt oder
sind in einem Holzklotz bleibend festgemacht (Stock-
s chcre n oder Vocksckeren). Die größten Blech-
scheren werden durch Motorkraft bewegt und in die-
sem Falle oft mit einer Lochmaschine auf einem
Gestell montiert. Umstehende Fig. 1 zeigt eine solche