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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schilka; Schill; Schiller

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Schilka - Schiller (Joh. Christoph Friedrich von)

klafternder europ. Raubvogel, dessen Gefieder dunkelbraun mit gelblichem Fleck im Genick und grauem Flügelfelde, dessen Beine und Wachshaut gelbgrün sind. Der S. verläßt Europa im Oktober, wandert weit nach Afrika und erscheint im März wieder. Er brütet nur in Sumpfgegenden.

Schilka, Teil des Amur, 490 km lang, s. Amur und Argun.

Schill, Fisch, s. Sander.

Schill, Ferdinand von, preuß. Offizier, geb. 6. Jan. 1776 zu Wilmsdorf bei Dresden, trat 1788 in die preuß. Armee; als Dragonerlieutenant bei Auerstedt 1806 verwundet, schleppte er sich bis Kolberg. Nach seiner Genesung unternahm er mit einigen Leuten Streifzüge in die Umgebung Kolbergs, um die franz. Brandschatzungen zu verhindern und alles königl. Eigentum, Kassen u. s. w. nach Kolberg zu führen. Seine Entschlossenheit, sein Mut und seine Schlauheit machten ihn beim Feinde gefürchtet. 1807 erhielt er die Erlaubnis zur Errichtung eines Freikorps aus Ranzionierten, und in wenigen Wochen waren gegen 1000 Mann zu Fuß und zu Pferde beisammen und mit drei 3pfündigen Kanonen ausgerüstet. Nachteilige Gefechte bei Stargard und Naugard nötigten ihn jedoch, sich in ein befestigtes Hölzchen, die Maikuhle, unter dem Schutze Kolbergs zurückzuziehen, bei dessen Verteidigung sich S. vielfach auszeichnete. Nach dem Frieden von Tilsit wurde S. Major und Commandeur des aus seiner Reiterei errichteten Leibhusarenregiments, mit dem er 1808 in Berlin einrückte. Die übertrieben hohe Meinung, die man allgemein von S. hegte und die er selbst teilte, erfüllte ihn mit starkem Selbstbewußtsein und ließ ihn, der im kleinen Kriege sich ausgezeichnet hatte, die Grenzen seiner Kraft verkennen. Als Österreich 1809 an Frankreich den Krieg erklärte, die preuß. Regierung aber sich zurückhielt, faßte S. den Plan, auf eigene Hand loszuschlagen in der Erwartung, den König und die preuß. Armee dadurch fortzureißen. Er verließ 28. April mit seinem Husarenregiment Berlin, eröffnete erst auf dem Marsch den Offizieren sein Vorhaben, aber so, daß diese glaubten, er handle im Einverständnis mit dem König, und rückte in Sachsen, dann in westfäl. Gebiet ein. Mehrere kleine Erfolge wurden zwar anfangs errungen, allein da die Unterstützung ausblieb, zumal der König das eigenmächtige Vorgehen des Majors scharf verurteilte, so sah sich S. genötigt, nach Mecklenburg zurückzuweichen. Durch das siegreiche Gefecht von Damgarten (24. Mai) bahnte er sich den Weg nach Stralsund. Hier widersetzte sich S. hartnäckig dem Rate, nach der Insel Rügen überzugehen und sich auf engl. Kriegsschiffe zu retten. Trotz der ganz verfallenen Festungswerke Stralsunds, die er nur eilig verbessert hatte, beschloß S. doch, den Kampf mit dem überlegenen Gegner aufzunehmen. Am 31. Mai griffen 5000 Mann Holländer und Dänen das kleine Korps an und drangen in die Stadt ein, wo S. selbst mit den meisten seiner Genossen fiel. Elf seiner Offiziere wurden von den Franzosen in Wesel erschossen. Die gefangenen Soldaten wurden unter die franz. Galeerensklaven gesteckt. S.s Kopf wurde vom Rumpfe getrennt und in das Leidener Naturalienkabinett gebracht, von wo er erst 1837 an die Stadt Braunschweig übergeben und hier ehrenvoll bestattet wurde. In Wesel, Braunschweig und Stralsund wurden S. und seinen Helden Denkmäler errichtet; das 1. schles. Husarenregiment Nr. 4 wurde 1889 nach ihm benannt. - Vgl. Haken, Ferdinand von S. (2 Bde., Lpz. 1824); Bärsch, S.s Zug und Tod (ebd. 1860); Ferdinand von S. (Potsd. 1860); Petrich, Pommersche Lebensbilder, Bd. 2 (Stett. 1884).

Schiller, Joh. Christoph Friedrich von, Dichter, wurde 10. (nicht 11.) Nov. 1759 zu Marbach, einem württemb. Städtchen am Neckar, geboren. Seinem Vater, Johann Kaspar S. (geb. 27. Okt. 1723 zu Bittenfeld, Feldscher, dann Offizier, seit 1775 Inspektor der herzogl. Baumschule auf der Solitüde, 1794 Major, gest. 7. Sept. 1796), war der Gesichtskreis durch ein bewegtes Leben erweitert; mit nüchterner Thatkraft verband er lebendige Frömmigkeit und großen Respekt vor geistiger Arbeit; er übte selbst eine bescheidene gemeinnützig ökonomische Schriftstellerei (vgl. Brosin, S.s Vater, Lpz. 1879). Mehr durch die treue Hingabe als durch geistige Anregungen wirkte auf den Sohn die Mutter, Elisabeth Dorothea, geborene Kodweiß (1731-1801; vgl. E. Müller, S.s Mutter, Lpz. 1894). Sonnigen Kinderjahren in dem lieblichen Lorch (1763-66), wo der in den "Räubern" gefeierte Pastor Moser S. den ersten Unterricht erteilte, folgte die Schulzeit in der Lateinshule der herzogl. Residenz Ludwigsburg. Die guten Fortschritte des Knaben zogen die Aufmerksamkeit des eigenmächtigen Herzogs Karl auf sich, der den Vater nötigte, den zur Theologie bestimmten Sohn in der herzogl. Militärakademie auf der Solitüde Jurisprudenz studieren zu lassen. Die Anstalt wurde von einer "militär. Pflanzschule" schnell bis zu einer Art Universität gesteigert und 1775 nach Stuttgart verlegt; 1776 ging S. zum mediz. Studium über, das ein heilsames empirisches Gegengewicht gegen die spekulativen Neigungen des Jünglings bildete. Die wegen ihrer strengen, von dem Herzog wohlwollend, aber unnachsichtig geübten Zucht mit Unrecht verschrieene Anstalt hatte große Vorzüge; namentlich Abels Unterricht in der Philosophie, der Fergusons Glückseligkeitslehre bevorzugte, aber auch naturwissenschaftliche Gesichtspunkte heranzog, trug schon damals in S.s "Theosophie an Julius" und in seiner Dissertation "Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen" selbständige Frucht. S.s dichterische Neigungen, die sich schon im 13. oder 14. Jahre in religiösen Trauerspielen ("Die Christen", "Absalon") offenbart hatten, wurden zuerst durch Klopstock und Haller genährt (so in dem epischen Plan "Moses", in der erhaltenen Ode "Der Abend"); bald traten dazu die volkstümlich cynischen Anregungen Schubarts (in S.s Oden "Der Eroberer", "Die Gruft der Könige") und Bürgers, vor allem das Sturm- und Drangdrama, dem S. in den unvollendeten Dramen "Der Student von Nassau" und "Kosmus von Medici" (nach Leisewitzens "Julius von Tarent") nacheiferte. Der kräftigste Niederschlag dieser seiner Richtung aber, zugleich das bedeutendste poet. Ergebnis der Studienjahre, waren die im Kreise der akademischen Freunde jubelnd aufgenommenen, durch eine Erzählung Schubarts veranlaßten "Räuber" (seit 1777, erschienen erst Frankf. 1781), zunächst ein Protest der Jugend gegen ihre Zuchtmeister, weiter ein revolutionärer Aufschrei der freiheitsdurstigen Menschenseele "in tyrannos". Schon hier in der biblisch gefärbten Sprache die S. eigene, aufwühlende pathetische Beredsamkeit, schon hier ein unwiderstehlich hinreißender, instinktiv sicherer dramat. Zug; bei ungeheuerlichen Übertreibungen des ungebändigten Drangstils und der weinerlichen Empfindsamkeit, bei starken psychol. Unwahrscheinlichsten eine ge-^[folgende Seite]