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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schiller

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Schiller (Joh. Christoph Friedrich von)

S.s dichterische Größe liegt in dem sittlichen Ernste, mit dem er, aller Hemmnisse und Leiden nicht achtend, seinen Idealen zustrebt. Er ist kein Lyriker; rhetorisch-dramat. und philos.-didaktische Poesie aber handhabt er wie kein zweiter. Seine Dichtungen sind nicht Konfessionen im Sinne Goethes. Eine unendliche Sehnsucht nach dem Ideal leitet ihn aufwärts. So ist er der Typus des "sentimentalen" Dichters. Das Unbewußte, Naive ist ihm verschlossen. Die reine Natürlichkeit, die stille Genialität, die allumfassende Ausbildung Goethes, dem jede Forcierung fern lag, erkannte er ehrlich bewundernd als überlegen an. Aber gerade das stürmische Feuer, das den über seine Kräfte Strebenden durchlohte, gab seinem Pathos die begeisternde Macht über die Herzen seines Volks. Der hundertjährige Geburtstag S.s, an dem er allenthalben als der größte Dichter der Freiheit gefeiert wurde, der eine ganze Litteratur zeitigte, darunter Jakob Grimms schöne "Rede auf S.", legte beredtes Zeugnis ab für die Liebe, die er genießt. (Vgl. Schiller-Denkmal, 2 Bde., Berl. 1800.)

S. war schlank und groß, hielt sich gebeugt und ungeschickt; starkes rötliches Haar umgab ein blasses sommersprossiges Gesicht, dem besonders die kräftig gebogene schmale Nase Ausdruck gab und das bei lebhaftem Gespräch schnell gerötet eine unbeschreibliche Anmut gewinnen konnte. Unter seinen (nicht zahlreichen) Originalbildnissen sind am bekanntesten die Gemälde von Kirschner (1783), Graff (1786), Ludovika Simanovicz (1794), W. Schmidt, sowie Jagemanns Zeichnung der Totenmaske; eine schöne Büste gelang 1794 seinem Jugendfreunde Dannecker (Bibliothek zu Weimar). Am 8. Mai 1839 wurde Thorwaldsens Schillerstatue (Erzguß) zu Stuttgart, 4. Sept. 1857 die Doppelstatue Goethes und S.s (Bronzeguß nach Rietschels Modell) zu Weimar enthüllt; es folgten die Denkmäler (meist Standbilder in Erzguß) in Mainz (1862, von Scholl d. J.), Mannheim (1862, von Cauer), München (1863, von Widnmann), Hannover (1863, von Engelhard), Frankfurt a. M. (1864, von Dielmann), Hamburg (1866, von Lippelt), Berlin (Marmorstatue mit vier allegorischen weiblichen Figuren; 1871, von Reinh. Begas), Marbach (1876, von Rau), Wien (1876, von Schilling), Ludwigsburg (1883, von van Hofer), Jena, Eger (1892, Marmorbüste von Wilfert) u. s. w., selbst am Mythenstein (Vierwaldstättersee). 1855 erfolgte die erste Anregung, 1859 die Konstituierung der Deutschen Schiller-Stiftung (s. d.). Sein (1802 von S. gekauftes) Haus in Weimar bildet ein kleines Schiller-Museum.

Ein Verzeichnis der reichen Schiller-Litteratur steht in Goedekes "Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung", 2. Aufl., Bd. 5 (Dresd. 1893), S. 97-237. Hier seien hervorgehoben:

A. Ausgaben. Die erste Ausgabe von S.s "Sämtlichen Werken" besorgte sein Freund Christ. Gottfr. Körner (12 Bde., Stuttg. und Tüb. 1812-15). Wissenschaftlich am höchsten steht die große "histor.-kritische" Ausgabe von Goedeke u. a. (17 Bde., Stuttg. 1867-76), die alle ältern Supplemente entbehrlich gemacht hat. Auch Kurz hat (9 Bde., Hildburgh. 1862-69) eine kritische, Boxberger und von Maltzahn haben im Hempelschen Verlage (16 Bde., Berl. 1868-74), Boxberger und Birlinger in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur" (12 Bde., ebd. und Stuttg. 1882-91) kritisch-exegetische Ausgaben versucht. Den dramat. Nachlaß gab Kettner heraus (Weim. 1895). - Vgl. Trömel, Schiller-Bibliothek (Lpz. 1865).

B. Briefwechsel. Im Erscheinen sind S.s Briefe, hg. von Fritz Jonas (Stuttg. 1892 fg., 5 Bde. bis 1895); Geschäftsbriefe S.s gab Goedeke heraus (Lpz. 1875); dazu der Briefwechsel mit seiner Schwester Christophine und seinem Schwager Reinwald (hg. von Wend. von Maltzahn, ebd. 1875), mit Körner (hg. von Goedeke, 2. Aufl., ebd. 1874), mit Lotte (seiner Gattin, hg. von Fielitz, 3. Aufl., Stuttg. 1879), mit Herzog Friedr. Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg (hg. von Max Müller, Berl. 1875), mit Cotta (hg. von Vollmer, Stuttg. 1876), mit Goethe (2 Bde., 4. Aufl., ebd. 1881), mit Fichte (Berl. 1847), mit W. von Humboldt (2. Ausg., Stuttg. 1876); vgl. ferner Köpke, Charlotte von Kalb (Berl. 1852). Briefe an S. veröffentlichte Urlichs (Stuttg. 1877).

C. Biographisches. Carlyle, Life of Fr. S. (Lond. 1825; Supplement 1872); S.s Leben von seiner Schwägerin Karoline von Wolzogen (2 Tle., Stuttg. und Tüb. 1830). Populäre Biographien von Schwab (Stuttg. 1840), Palleske (13. Aufl., bearb. von Herm. Fischer, ebd. 1891), Viehoff (ebd. 1875), Düntzer (Lpz. 1881), Hepp (ebd. 1885), Wychgram (Bielef. 1895; reich illustriert); wissenschaftlich wertvoller sind die noch unvollendeten Darstellungen von Weltrich (2 Lfgn., Stuttg. 1885-89), von Brahm (2 Bde., Berl. 1888 fg.), namentlich das groß angelegte Werk von J. Minor (Bd. 1 u. 2, ebd. 1890). Vgl. außerdem S.s Kalender, hg. von Ernst Müller (Stuttg. 1893); Braun, S. im Urteile seiner Zeitgenossen (3 Bde., Lpz. 1882).

D. Zur Charakteristik. Hauff, Schiller-Studien (Stuttg. 1880); Tomaschek, S. in seinem Verhältnis zur Wissenschaft (Wien 1862); Portig, S. in seinem Verhältnis zu Freundschaft und Liebe (Hamb. 1894). - Geschichte: Janssen, S. als Historiker (2. Aufl., Freiburg 1879); Lorenz, Zum Gedächtnis von S.s histor. Lehramt (Berl. 1889); Überweg, S. als Historiker und Philosoph (Lpz. 1884). - Philosophie und Ästhetik: Zimmermann, Versuch einer S.schen Ästhetik (Lpz. 1889); Harnack, Die klassische Ästhetik der Deutschen (ebd. 1892); Berger, Die Entwicklung von S.s Ästhetik (Weim. 1894); Montargis, L'esthétique de S. (Par. 1891); Gneiße, S.s Lehre von der ästhetischen Wahrnehmung (Berl. 1893); Kühnemann, Die Kantschen Studien S.s und die Komposition des Wallenstein (Marb. 1889). - Metrik: Belling, Die Metrik S.s (Bresl. 1883).

E. Kritisches und Exegetisches. Vgl. im allgemeinen Düntzers Erläuterungen zu deutschen Klassikern, die gelehrtes Material sammeln, und Rudolphs Erläuterndes Wörterbuch zu S.s Dichterwerken (2 Bde., Berl. 1869). Die Dramen behandeln ferner Fielitz, Studien zu S.s Dramen (Lpz. 1876), und Bellermann, S.s Dramen (2 Bde., Berl. 1888-92), die Gedichte Viehoff (2 Bde., 6. Aufl., Stuttg. 1887).

Von S.s Kindern starb der ältere Sohn Karl von S. (geb. 14. Sept. 1793 zu Ludwigsburg) als württemb. Oberförster a. D. und weimar. Kammerherr 21. Juni 1857 zu Stuttgart; dessen Sohn, Friedrich Ludwig Ernst von S. (geb. 28. Dez. 1826), der letzte männliche Nachkomme S.s, starb als österr. Major a. D. 8. Mai 1877 zu Stuttgart; der Name S. wird jedoch in der Familie dadurch erhalten bleiben, daß stets ein männlicher Sproß der Familie Gleichen-Rußwurm auf den Namen S. getauft werden wird. Der jüngere Sohn S.s, Ernst