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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schiller; Schiller-Archiv; Schillerfalter; Schillerfasan; Schillerfels; Schillerquarz; Schillerspat; Schillerstiftung; Schilling

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Schiller (Joh. Heinr. Karl Friedr. Hermann) - Schilling

von S. (geb. 11. Juli 1796 zu Jena), starb als preuß. Appellationsgerichtsrat 19. Mai 1841 in Vilich bei Bonn. Die Tochter Emilie, seit 1828 vermählte Freifrau von Gleichen-Rußwurm (s. d.), hinterließ einen Sohn, Heinrich Ludwig (geb. 25. Okt. 1836), und einen Enkel, Heinrich Alexander S. (geb. 6. Nov. 1865). Durch ihre Stiftung ging 9. Mai 1889 der handschriftliche Nachlaß S.s in das Goethe-Archiv (s. d.) zu Weimar über, das seitdem Goethe- und Schiller-Archiv heißt. (Vgl. Minor, Aus dem Schiller-Archiv, Weim. 1890.)

Schiller, Joh. Heinr. Karl Friedr. Hermann, Historiker und Pädagog, geb. 7. Nov. 1839 zu Wertheim a. M., studierte in Heidelberg und Erlangen Philologie und Geschichte, wurde dann Gymnasiallehrer in Wertheim, 1868 Professor am Gymnasium in Karlsruhe, 1872 Direktor des Gymnasiums in Konstanz, 1876 in Gießen, wo er zugleich Professor der Pädagogik an der Universität und Direktor des pädagogischen Seminars ist und 1888 auch außerord. Mitglied des Ministeriums für Schulangelegenheiten war. S. veröffentlichte: "Die lyrischen Versmaße des Horaz" (Lpz. 1868; auch ins Italienische, Französische und Englische übersetzt), "Geschichte des röm. Kaiserreichs unter der Regierung des Nero" (Berl. 1872), "Geschichte der röm. Kaiserzeit bis auf Theodosius d. Gr." (2 Bde., Gotha 1883-86; auch ins Englische übersetzt), "Die röm. Staats- und Kriegsaltertümer" (in Müllers "Handbuch der klassischen Altertumswissenschaften", 2. Aufl., Nördl. 1893), "Handbuch der praktischen Pädagogik für höhere Lehranstalten" (3. Aufl., Lpz. 1894), "Lehrbuch der Geschichte der Pädagogik" (3. Aufl., ebd. 1894), "Die einheitliche Gestaltung und Vereinfachung des Gymnasialunterrichts unter Voraussetzung der bestehenden Lehrverfassung" (Halle 1890), "Pädagogische Seminarien für das höhere Lehramt. Geschichte und Erfahrung" (Lpz. 1890), "Hausarbeit und Schularbeit" (Berl. 1891), "Die schulhygieinischen Bestrebungen der Neuzeit" (Frankf. a. M. 1894), "Jahresbericht für röm. Geschichte und Staatsaltertümer" (in Bursian-Müllers "Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft", 1874-88); in dem von ihm mit H. Prutz herausgegebenen "Leitfaden für den geschichtlichen Unterricht" (Berl. 1891) bearbeitete S. "Das Altertum".

Schiller-Archiv, s. Goethe-Archiv.

Schillerfalter (Apatura), schöne und ziemlich große Tagschmetterlinge mit schwarz und weißer Zeichnung und namentlich im männlichen Geschlecht mit prachtvollem blauem, violettem oder gelbem Schiller, die hintern Flügel sind bei einigen ausländischen Arten verlängert mit ausgezogener Spitze; die Raupen sind von sonderbarer, schneckenähnlicher Gestalt. In Europa giebt es zwei Arten, von denen der in unsern Laubwäldern im Juni fliegende Blauschiller (Apatura Iris L.) die gemeinere ist.

Schillerfasan, s. Buntfasan.

Schillerfels, s. Olivingesteine.

Schillerquarz, Katzenauge, s. Quarz.

Schillerspat oder Bastit, ein in mehrern serpentinisierten Olivingesteinen, z. B. an der Baste und am Radauberge bei Harzburg im Harz sowie in Melaphyren, z. B. der Gegend von Ilfeld, vorkommendes, lauch- und olivengrünes Mineral mit metallartig schillerndem Perlmutterglanz auf seiner einen vollkommenen Spaltungsfläche; er bildet wenig harte Krystalle, die bald breit lamellar und dann oft von Serpentinkörnchen durchwachsen, bald nadelförmig prismatisch sind; es hat sich ergeben, daß das Mineral ein wasserhaltiges Umwandlungsprodukt eines rhombischen Pyroxens (des Enstatits oder Bronzits) ist.

Schillerstiftung, s. Deutsche Schiller-Stiftung.

Schilling, ursprünglich eine Rechnungsgröße, nach der Karolingischen Münzordnung = 12 Pfennig. Später wurde der S. zur wirklichen Münze und zuerst wohl in den wend. Städten ausgeprägt. In der lübischen Währung war der S. der 16. Teil der Mark, nach dem Reichsmünzfuße 1/32 des Thalers. Er sank allmählich zu einer geringwertigen Scheidemünze herab und erhielt sich in Hamburg, Lübeck, Mecklenburg und den Elbherzogtümern bis zur Einführung der heutigen Reichswährung. In England hat sich die Karolingische Münzordnung bis jetzt erhalten, 1 Pfund = 20 S. = 240 Pfennig. Engl. Abkürzung für S. ist S. oder sh. Der Name S., lateinisch Solidus, ist ein gemeingerman. Wort, das zu dem altdeutschen scëllan "schallen" gehört. Er bedeutet also tönendes Metall.

Schilling, Johs., Bildhauer, geb. 23. Juni 1828 zu Mittweida in Sachsen, besuchte seit 1842 die Kunstakademie in Dresden und wurde 1845 in das Atelier Rietschels aufgenommen, unter dessen Leitung er fünf Jahre blieb und die Gruppe Amor und Psyche (1849) modellierte. Die nächsten zwei Jahre brachte S. in Berlin zu, wo er ein halbes Jahr bei Drake, dann selbständig arbeitete. Anfang 1853 nach Dresden zurückgekehrt, fand er zunächst in Hähnels Atelier Beschäftigung, vollendete daselbst aber auch einige eigene Arbeiten. S. hielt sich nun bis Ostern 1856 in Rom auf, wo er eines der vier Kentaurenreliefs (zwei davon im Museum zu Leipzig) und einen sterbenden Achilles ausführte, und ließ sich dann dauernd in Dresden nieder, wo sich zahlreiche Schüler um ihn scharten. Die ersten Arbeiten dieser Periode waren die Friese im Vestibül des Museums, die niederländ. und deutsche Kunstentwicklung darstellend, und die Bronzestatue des Oberbürgermeisters Demiani in Görlitz. Sein idealer Schönheitssinn, der zu malerischer Behandlung der plastischen Motive neigt, offenbarte sich zuerst an den in Sandstein ausgeführten (1861 bestellten, 1872 vollendeten und seit 1881 vergoldeten) Gruppen der vier Tageszeiten für die Treppe der Brühlschen Terrasse in Dresden. Gleichzeitig vollendete er die Figur Speyer für das Luther-Denkmal in Worms nach Rietschels Skizze, und die Phidiasstatue (Museum in Leipzig). Neben zahlreichen anmutvollen Reliefs und Büsten entstanden in schneller Folge eine Anzahl Monumentalwerke: das Denkmal des Erzherzogs Ferdinand Max (Kaisers von Mexiko) für Triest (1875), das Bronzestandbild Schillers in Wien (1876), das Rietschel-Denkmal für Dresden (1876), das Kriegerdenkmal für Hamburg (1877) und die Bronzegruppe Bacchus und Ariadne auf dem Panthergespann, auf dem Vorbau des Dresdner Hoftheaters. Inzwischen arbeitete er an dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald (s. d.), der kolossalen Germania auf reich mit Figuren und Reliefs geschmücktem Unterbau. Unter seinen neuesten Werken sind das 1883 enthüllte Reformationsdenkmal in Leipzig (Luther sitzend neben dem stehenden Melanchthon), das Reiterdenkmal König Johanns (1889; vor dem Hoftheater in Dresden), das Bronzestandbild Sempers auf der Brühlschen Terrasse in Dresden (1892), das Denkmal Kaiser Wilhelms I. in Dortmund (1. Juni 1894 ent-^[folgende Seite]