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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schilling-Drewenz-Kanal – Schimpanse

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Schilling (Johs.)'

hüllt), das Marmorstandbild Kaiser Wilhelms I. zu Wiesbaden (16. Okt. 1894 enthüllt) hervorzuheben. Auf der Akademischen Kunstausstellung zu Berlin (1892) erhielt er die große goldene Medaille. S. wurde 1868 Mitglied des Akademischen Rats und Professor, 1894 zum Geh. Hofrat ernannt.

Schilling-Drewenz-Kanal, zum System des Elbing-Oberländischen Kanals (s. d.) gehörig und 1872–76 hergestellt, besteht aus zwei mit je einer Schleuse versehenen Strecken, von denen der 2,59 km lange Kleinreußener Kanal den Schilling- mit dem Pausensee, der 0,53 km lange Osteroder Kanal diesen mit dem Drewenzsee verbindet. Der einschließlich der Seestrecken 16,49 km lange S. ist nur für Schiffe bis zu 50 t Tragfähigkeit bestimmt, deren jährlich etwa 500–600 auf ihm verkehren.

Schillingsfürst, Marktflecken im Bezirksamt Rothenburg o. d. T. des bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, auf der Frankenhöhe, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Ansbach), hat (1890) 1630 E., darunter 545 Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Schloß des Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Rettungshaus, Pfründenhaus, höheres Mädcheninstitut; Korbweidenbau, Korbflechterei, Seidenbandweberei, Brauerei, Jahr- und bedeutende Viehmärkte. An S. stößt der Marktflecken Frankenheim mit Krankenhaus.

Schilluh, Stamm der Berbern (s. d.) in Marokko.

Schilluk, Negerstamm am obern Nil, im W. begrenzt von den arab. Bagara, im O. von dem Weißen Nil. Dicht gedrängt, mehr als 1 Mill. stark, bewohnen sie das linke Ufer von der Mündung des Bahr el-Ghasal bis Abu Seir (eine Strecke etwa 600 km lang und 15–20 km breit) in 3000 Dörfern; außerdem haben sie sich am Sobat und, als Djur, zwischen dem Wau- und Tondifluß im Südwesten niedergelassen. Stammverwandt sind ihnen die Schuli. Die S. betreiben Ackerbau und Viehzucht, daneben auch Jägerei und Fischerei. Ihre Sprache, weder Hamitisch noch Bantu, bildet mit jener der Bari, Dinka und Bongo eine einheitliche Gruppe innerhalb der nilotischen Sprachen. Sie besitzen, obwohl kraushaarig, nicht den ausgesprochenen Negertypus in Schädel und Gesichtsbildung; wegen ihrer sehr langgestreckten und dürren Gliedmaßen nannte man sie «Sumpfmenschen». Sie beschneiden und tättowieren sich nicht; dagegen brechen sie die untern Schneidezähne aus und durchbohren Ober- und Unterlippe, um Quarzstückchen als Schmuck hineinzustecken. Die Männer gehen vollständig nackt; die Weiber tragen einen Lendenschurz von Fell. – Vgl. Schweinfurth, Im Herzen von Afrika (Lpz. 1874; 2. Aufl. 1878).

Schiltach, Stadt im Amtsbezirk Wolfach des bad. Kreises Offenburg, im Kinzigthal des Schwarzwaldes, an der Mündung der S. in die Kinzig, an der Linie Eutingen-S. (54,5 km), der Nebenlinie S.-Schramberg (8,8 km) der Württemb. und der Linie S.-Hausach (14,1 km) der Bad. Staatsbahnen, hat (1890) 1612 E., darunter 182 Katholiken, Post, Telegraph; Uhrenindustrie, Tuch-und Lodenstofffabrikation, Gerberei, Sägewerke und Holzflößerei. Auf dem Schloßberg die Ruinen der Burg S., auf dem Schlößleberg die der Wüllenburg.

Schiltigheim, Dorf und Hauptort des Kantons S. (28745 E.) im Landkreis Straßburg des Bezirks Unterelsaß, 3 km nördlich von Straßburg, an einem Illarm und am Rhein-Marne-Kanal, mit Straßburg durch Straßenbahn verbunden, Sitz eines ↔ Amtsgerichts (Landgericht Straßburg), hat (1890) 7758 E., darunter 3331 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, eine Kneippsche Kuranstalt (Paulusbad); Eisengießerei, Bau- und Möbelschreinereien, Fabrikation von Maschinenkesseln, Fässern, Malz, Dachpappe, Eis, Schaumwein, Konserven, Posamentierwaren und Parkettboden, bedeutende Brauereien, Holz- und Weinhandel.

Schimbergbad Kurort in der Schweiz (s. Entlebuch).

Schimla, Schumla oder Dschimla (engl. Simla), berühmte Gesundheitsstation in Britisch-Ostindien, in dem gleichnamigen Distrikt der Division Ambala der Lieutenantgouverneurschaft Pandschab, unter 31° 6' nördl. Br. und 77° 11' östl. L., zwischen dem Satladsch und der Dschamna, in den Voralpen des Himalaja 2159 m ü.d.M. gelegen, besteht aus europäisch gebauten, auf einem schmalen Berggrat liegenden Häusern. S. hat (1891) 13836 E. (8484 Hindu, 3489 Mohammedaner, 1500 Christen), in der heißen Jahreszeit aber an 30000 E. Es befinden sich hier ein Sommerpalast des Vicekönigs, eine engl. Kirche und ein magnetisch-meteorolog. Observatorium. Die mittlere Jahrestemperatur übersteigt nicht 12°C.; die Wärme im Sommer selten 30°C. Der Winter ist jedoch zuweilen streng. Die durch das Klima erkrankten indobrit. Militärs und Beamten genesen hier bald. Die Aussicht nach Norden auf die Schneeketten des Himalaja, nach Süden auf das Tiefland ist großartig.

Schimmel, weiße, graue oder grüne, seltener anders gefärbte flockige, faserige oder polsterähnliche Überzüge auf verschiedenen Speisen, Getränken oder auf andern organischen Körpern, eine stets durch gewisse Pilzformen hervorgerufene Erscheinung, die auf den betreffenden Substraten entweder saprophytisch oder parasitisch vegetieren und dabei in der Regel eine Zersetzung derselben herbeiführen. Die Schimmelpilze gehören verschiedenen Familien der Phycomyceten und Ascomyceten an. Die schimmelartigen Überzüge sind die Conidienfruktifikationen und Mycelien dieser Pilzformen. Am häufigsten sind die Arten von Mucor (s. d.), Aspergillus (s. d.), Penicillium (s. d.) und Oidium (s. d.).

Schimmelantilope, s. Blaubock.

Schimmelpilze, s. Schimmel.

Schimmelreiter, in Pommern Name für den Knecht Ruprecht (s. d.).

Schimp., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Wilhelm Philipp Schimper (s. d.).

Schimpanse oder Tschimpanse (Troglodytes niger Geoffr., s. Tafel: Affen der Alten Welt III, Fig. 1), eine ungeschwänzte, dem Gorilla und Tschego nahe verwandte und oft mit ihnen verwechselte, zu den Anthropoiden gehörende Affenart, unterscheidet sich durch große, abstehende, kahle Ohren, den ziemlich runden und glatten Schädel fast ohne Knochenleisten und die schwächere Ausbildung des Zahnsystems von den verwandten Formen, vom Orang-Utan auch durch das Vaterland, den Mangel an überzähligen Handgelenkknochen und Backenschwielen, die kürzern Arme und die schwarze Färbung. Seine Lippen sind überaus dehnbar und beweglich. Der S. lebt gesellig in Afrika innerhalb des 10. bis 12. Grades zu beiden Seiten des Äquators und ist durch sein dem menschlichen sich näherndes Ansehen merkwürdig. Der S. ist ein am Boden lebendes, oft auch aufrecht gehendes Tier, das nur nach Früchten, von denen er die des Melonenbaums (Carica Papaya) besonders liebt, auf Bäume steigt. Er

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 463.